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Käthe Menzel-Jordan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Käthe Menzel-Jordan (geb. Hertel; * 7. September 1916 in Erfurt; † 1. März 2026 ebenda) war eine deutsche Architektin und Denkmalpflegerin. Sie wirkte als freie Architektin hauptsächlich bei der Sanierung von Baudenkmälern in Erfurt und weiteren Thüringer Städten.

Käthe Menzel-Jordan wurde am 7. September 1916 in Erfurt geboren. Ihr Großvater Reinhold Schreiber besaß ein Baugeschäft an der Erfurter Michaelisstraße und war im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ein vielbeschäftigter Bauunternehmer. Menzel-Jordan entschloss sich daher, auch im Bauwesen beruflich tätig zu werden.

Goethehaus am Frauenplan in Weimar im Jahr 1959

Während der 1930er Jahre studierte sie in Dresden Architektur und Kunstgeschichte. Die junge Architektin wurde vom Kriegsausbruch überrascht; sie entschloss sich, eine weitere Ausbildungschance zu nutzen, und beschäftigte sich mit Betriebswirtschaftslehre und technischer Verwaltung. Die Luftangriffe auf Dresden überlebte sie durch einen Zufall, da sie sich in dieser Zeit im Heimaturlaub befand. Bei ihrer Rückkehr war ihre Dresdner Wohnung mit aller Habe und der bereits begonnenen Dissertation vernichtet.[1]

Nach ihrer Rückkehr übernahm sie in der durch die Luftangriffe auf Weimar zerstörten Stadt bereitwillig viele Notsicherungsarbeiten und Projekte zur Linderung der Wohnungsnot. Ihre Ausbildung konnte sie bei der Thüringer Landesregierung beenden. Die junge und politisch unbelastete Architektin blieb in Thüringen. Von der sowjetischen Kommandantur in Weimar erhielt sie den Befehl, das verwüstete Goethehaus am Frauenplan zu sichern und wieder in Ordnung zu bringen. Es folgten viele ähnliche Projekte bis zur Gründung der DDR.[1]

Augustinerkloster Erfurt im Jahr 1985

Käthe Menzel-Jordan beschloss, ihre beruflichen Kenntnisse durch ein Studium an der Technischen Hochschule Dresden zu erweitern. Ihre 1955 eingereichte Dissertation beschäftigte sich mit den etwa 50 seit dem Mittelalter in Erfurt vorhanden gewesenen Wassermühlen. Aufgrund dieser Arbeit wurde Menzel-Jordan im Folgejahr an der Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule Dresden zur Dr.-Ing. promoviert.

Haus zur hohen Lilie, Domplatz 31 in Erfurt, im Jahr 1981

Als freie Architektin erhielt Käthe Menzel-Jordan in der Ulbricht-Ära zunächst nur Angebote, die ihr kreatives Können und Wissen unterforderten, fand aber schließlich ein reichhaltiges Betätigungsfeld in Zusammenarbeit mit den Kirchenbauverwaltungen in Erfurt und später auch den jeweiligen Bauabteilungen in der Stadtverwaltung. Zu ihren wichtigsten Erfurter Projekten gehören:

Schloss Hue de Grais Wolkramshausen 1986

Sie war auch in Arnstadt, Schmalkalden und Wolkramshausen tätig, wo sie an der Sanierung des Guts „Hue de Grais“ arbeitete.

Haus zum Leoparden, Michaelisstraße 19/20 in Erfurt, nach der Generalsanierung (2010)

Im Alter von 80 Jahren nahm sie ihr letztes Projekt in Angriff, die Generalsanierung des in Familienbesitz zurückgekehrten Hauses Michaelisstraße 19/20 in der Erfurter Altstadt. Während der bauarchäologischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass dieses Haus das bislang älteste dokumentierte Wohnhaus in der Erfurter Altstadt ist und im späten 13. Jahrhundert errichtet wurde.[5]

Am 10. September 2016 feierte Menzel-Jordan gemeinsam mit vielen Weggefährten und Gästen auf Einladung des Erfurter Kirchenkreises der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in der Erfurter Michaeliskirche einen Gottesdienst zu ihrem 100. Geburtstag.[6]

Menzel-Jordan war das älteste Mitglied der Thüringer Architektenkammer und wurde 2024 Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Erfurt.[7] Zum Ende ihres Lebens war sie die älteste Einwohnerin Erfurts. Dort starb sie am 1. März 2026 im Augusta-Viktoria-Stift im Alter von 109 Jahren.[8]

  • Erfurt, eine Stadt der Wassermühlen. Untersuchung über die Art und Form der mittelalterlichen Mühlen in Erfurt sowie die Bedingung ihrer Existenz. Dissertation, Technische Hochschule Dresden, Dresden 1955.
  • Zur Erneuerung der Predigerkirche in Erfurt. In: Kunst und Kirche, 29. Jahrgang 1966, Nr. 1, S. 33–39.
  • Lutz Schilling: Hundert und kein bisschen leise. Der Personenfonds der Architektin Käthe Menzel-Jordan im Staatsarchiv Gotha. In: Archive in Thüringen, Mitteilungsblatt, Jahrgang 2016, S. 49–50.
  • Dietlind Steinhöfel: „An Kirchen fehlt’s mir nicht.“ Die heute 95-jährige Architektin Käthe Menzel-Jordan baute viele Kirchen in Thüringen wieder auf. In: Glaube + Heimat, Mitteldeutsche Kirchenzeitung, Ausgabe Thüringen, Jahrgang 2011, Heft 40, S. 6.
  • Christoph Hanske: Die Rettung und Wiederherstellung von Schloss Molsdorf zwischen 1945 und 1966. Zum 90. Geburtstag der Erfurter Architektin Dr.-Ing. Käthe Menzel-Jordan am 7. September 2006. In: Helmut-Eberhard Paulus (Hrsg.): Kloster Paulinzella und die Hirsauer Reform. Regensburg 2006, S. 145–163.

Einzelnachweise

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  1. a b Dietlind Steinhöfel: „An Kirchen fehlt’s mir nicht.“ Die heute 95-jährige Architektin Käthe Menzel-Jordan baute viele Kirchen in Thüringen wieder auf. In: Evangelischer Presseverband in Mitteldeutschland e. V. (Hrsg.): Glaube und Heimat. Weimar 29. September 2011.
  2. Kirche und Kloster – Zeittafel. In: Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt. Archiviert vom Original am 10. Oktober 2012; abgerufen im November 2012.
  3. Siegfried Hotzel: Der Wiederaufbau des Erfurter Augustinerklosters. In: Erfurter Heimatbrief, Nr. 23 vom 8. Dezember 1971.
  4. Viele gestalterische Spuren im Antlitz der Stadt hinterlassen. Die Erfurter Architektin Käthe Menzel-Jordan begeht heute ihren 100. Geburtstag. Leben und Schaffen im Sinne der Denkmalpflege. In: Thüringische Landeszeitung vom 7. September 2016
  5. Persönlicher Nachlass Käthe Menzel-Jordan im Thüringischen Staatsarchiv Gotha
  6. Käthe Menzel-Jordan wird 100 Jahre alt. Evangelischer Kirchenkreis Erfurt, 31. August 2016, abgerufen am 19. September 2016.
  7. Die Landeshauptstadt Erfurt hat eine neue Ehrenbürgerin. In: Erfurt.de – das offizielle Stadtportal der Landeshauptstadt Thüringens. Landeshauptstadt Erfurt, 7. Juni 2024, abgerufen am 2. März 2026.
  8. Älteste Erfurterin gestorben. Im Stadtbild finden sich ihre Spuren. In: Thüringer Allgemeine. 2. März 2026, abgerufen am 2. März 2026.