Köfelsit

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Eine Köfelsit Probe – rechts im Bild ist eine Euro-Münze als Maßstab.
Dieses Satelliten-Bild zeigt den Bereich des Bergsturzes von Köfels. Ca. drei Kubik-Kilometer Material sind dort vor gut 9800 Jahren herunter gestürzt.
Ein weiteres Beispiel eines Köfelsit – die Probe ist ca. 4,1 cm breit.

Köfelsit bezeichnet eine durch einen Bergsturz hervorgerufene, dem Bimsstein ähnliche Gesteinsverglasung. Köfelsit besteht überwiegend aus Siliciumdioxid und ist petrographisch als Friktionit anzusprechen. Namengebend ist die Ortschaft Köfels in der Gemeinde Umhausen im Ötztal (Tirol/Österreich).

Köfelsit wurde von Einheimischen seit Jahrhunderten als Reinigungs- und Schmirgelmaterial verwendet. Um 1860 begann die wissenschaftliche Bearbeitung, als die Sonderstellung des Gesteins erkannt wurde. Köfelsit ähnelt chemisch dem am Fundort verbreiteten Augengneis, was darauf hindeutet, dass er aus ihm hervorgegangen ist. Die Tatsache, dass Köfelsit in kleinen Ganglagern innerhalb einer sehr ausgedehnten und mächtigen Geröllhalde vorkommt, belegt einen kausalen Zusammenhang mit dem Köfelser Bergsturz vor rund 9000 Jahren.

Nachdem lange Zeit bezweifelt wurde, dass bei einem Bergsturz genügend Energie für eine Silikatschmelze freigesetzt würde und vulkanische Tätigkeit oder ein Meteoriteneinschlag als Primärereignis angenommen wurde, deuten neuere Berechnungen darauf hin, dass Bergstürze als Auslöser für derartige Verglasungen ausreichen. Die während des Köfelser Bergsturzereignisses freigesetzte äquivalente Energie wird auf 4,5 Megatonnen TNT, die Temperatur auf den Gesteinsreibungsflächen auf 1700 °C geschätzt.[1]

Aussenseiterhypothesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Zeitangabe und Entstehungsgeschichte des Köfelsits ist nicht unumstritten: Nach einer Hypothese der beiden Ingenieure Alan Bond und Mark Hempsell könnte der Erdrutsch durch einen noch in der Luft weitgehend zerborstenen Meteoriten, dem angenommenen Köfels Einschlag[2] in den Ötztaler Alpen – ähnlich dem mutmaßlichen Meteorit beim Tunguska-Ereignis – verursacht worden sein. Das nachfolgende Material des Auswurfs trat demnach in die höheren atmosphärischen Schichten ein und soll rund um die Mittelmeerregion, inklusive der Sahara-Region[3] niedergegangen, zu einer weitreichenden Zerstörung geführt haben. Die Theorie stützt sich auf die Entzifferung einer sumerischen Tonscheibe, die die Flugbahn eines hellen schnell fliegenden Objektes beschreibt, Die Keilschrift, so das Ergebnis ihrer Forschungen, ist die Kopie der Notizen eines sumerischen Astronomen, der seine Beobachtungen kurz vor Sonnenaufgang am 29. Juni 3123 v. Chr. aufzeichnete. Demnach wird von Bond und Hempsell zu diesem Datum ein Einschlag in den Alpen als Ursache vermutet.[4][5]

Eine abweichende Hypothese wird von Alexander Tollmann vertreten[6], sie setzten das Ereignis zeitlich früher um 10. 000 Jahre v. Chr. an. Mit seiner Frau, der Geologin und Paläontologin Edith Kristan-Tollmann, vertraten sie die Hypothese, dass die Genesis und die Johannes-Apokalypse den Streu-Impakt von sieben Fragmenten eines Meteors vor etwa zehntausend Jahren sowie den Zustand danach beschreiben. Die Cheops-Pyramide wird als „Biberburg“ erklärt, die der nächsten Sintflut standhalten sollte.

Analoge Fundstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großflächige, nicht durch einen Impakt erklärbare Verglasungen auf Gesteinsreibungsflächen sind nun auch in Zusammenhang mit dem Tsergo Ri-Bergsturz (Nepal) beschrieben worden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Th. Erismann, H. Heuberger, Ekkehard Preuss: Der Bimsstein von Köfels (Tirol), ein Bergsturz-“Friktionit”. In: Mineralogy and Petrology. Band 24, Nr. 1–2. Springer, März 1977, ISSN 0930-0708, S. 67–119, doi:10.1007/BF01081746.
  • G. Kurat, W. Richter: Impaktite von Köfels, Tirol. In: Mineralogy and Petrology. Band 17, Nr. 1. Springer, März 1972, ISSN 0930-0708, S. 23–45, doi:10.1007/BF01082919.
  • S. Simon: Bimsstein zwischen Gneistrümmern im Ötztal. In: Der Aufschluß. 24. Sonderschrift, 1974.
  • R. Sureniam: Köfelsit-Vorkommen im Ötztal, Tirol. In: Mineralogische Rundschau. Nr. 1, 1994.
  • E. Brückl, J. Brückl, H. Heuberger: Present structure and prefailure topography of the giant rockslide of Köfels. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. Band 37, Nr. 1. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2001, S. 49–79 (info.tuwien.ac.at [PDF; abgerufen am 10. Juli 2010]).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impakt-Schmelzgesteine Impakt-Schmelzgesteine, Impaktgläser und Verwandtes mit mehr als 50 Probenstücken aus unserer Sammlung von Impaktgesteinen (Impaktiten). ERNSTSON CLAUDIN IMPAKTSTRUKTUREN – METEORITENKRATER. Untersuchungen zur Geologie, Geophysik und Petrologie, online
  2. Stefan Deiters: Sodom, Gomorrha und die alte Keilschrift. astronews.com 10. April 2008
  3. Stefan Kröpelin et al.: Climate-Driven Ecosystem Succession in the Sahara: The Past 6000 Years. In: Science, Band 320, Nr. 5877, 2008, S. 765–768, DOI:10.1126/science.1154913
  4. Alan Bond, Mark Hempsell: A Sumerian Observation of the Köfel's Impact Event. 2008; ISBN 978-1-904623-64-9
  5. Raketenforscher lieferte Geologen den Hinweis Tiroler Tageszeitung vom 17. Oktober 2015
  6. Alexander Tollmann; Edith Tollmann: Und die Sintflut gab es doch. Vom Mythos zur historischen Wahrheit. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-26660-1.