Kabelverschraubung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN 60423
Bereich Elektroinstallation
Titel Elektroinstallationsrohrsysteme für elektrische Energie und für Informationen – Außendurchmesser von Elektroinstallationsrohren und Gewinde für Elektroinstallationsrohre und deren Zubehör
Letzte Ausgabe 2008-07
ISO

Eine Kabelverschraubung ist eine Kabeleinführung, die besonders gute Dichtung eines Kabels, einer Leitung oder eines isolierten Leiters bei dessen Durchgang durch eine Gehäusewand oder ein Schott bietet. Sie darf auch andere Funktionen, wie z. B. Funktionserdung (Potentialausgleich), Isolation, Knickschutz, Zugentlastung oder eine Kombination von diesen bieten. [1]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Größen von Kabelverschraubungen

Eine Kabelverschraubung schützt ein elektrisches Betriebsmittel (zum Beispiel Schaltschrank, Abzweigdose) vor mechanischen Einflüssen, Staub und Feuchtigkeit, indem sie ein Kabel fest und dicht mit dem Gehäuse verbindet. Heute sind metrische Gewinde nach DIN EN 60423 vorgeschrieben. Weiterhin verwendet werden auch noch Kabelverschraubungen mit Stahlpanzerrohrgewinde (PG), sogenannte PG-Kabelverschraubungen und, besonders im amerikanischen Markt, die selbstdichtenden NPT-Gewinde.

Die Geburtsstunde der modernen Kabelverschraubung schlägt Mitte der 1960er Jahre, als Otto Pflitsch aus Hückeswagen eine "stopfbuchsenartige Einführung elektrischer Kabel" entwickelte und zum Patent anmeldete (Deutsches Patentamt, Patentnummer 1 263 134, erteilt am 3. Juli 1966). Bei den ersten Kabelverschraubungen wurde ein Gummiring beim Anziehen der Druckschraube ans Kabel gequetscht und sorgte für die Abdichtung. Nach Einführung der Industrie-Kunststoffe wurde der Gummiring um Klemmlamellen ergänzt, um die Zugentlastung zu erhöhen. Dabei kann es aber zu Einschnürungen des Kabelmantels kommen, was langfristig die Dichtigkeit reduziert.

Eine Alternative dazu entwickelten Otto und Harald Pflitsch Ende der 1960er Jahre mit einer Kabelverschraubung, bei der ein großer Dichteinsatz weich ans Kabel gequetscht wird.

Für die EMV-gerechte Installation können die Kabelverschraubungen aus Messing mit EMV-Einsätzen ergänzt werden, was die gesonderte Lagerhaltung von speziellen EMV-Kabelverschraubungen erspart. Zu den speziellen Lösungen gehören Hygiene-Kabelverschraubungen aus Edelstahl und Kunststoff - zertifiziert nach EHEDG für die Lebensmittel-Industrie - mit glatten, abgerundeten Oberflächen und spaltfreier Montage, die Verschmutzungsnester verhindern und sich gut reinigen lassen. Für den Brandschutz im Bahnverkehr nach EN 45545-2 sorgen Kabelverschraubungen mit speziellen Dichteinsätzen, die Feuer und Rauch mindestens 15 Minuten stand halten müssen.

Darüber wird für Kabelverschraubungen eine Mindest-Schutzart von IP54 gefordert. Marktüblich sind Schutzarten wie IP65/IP66 (staub- und wasserstrahlgeschützt) und IP68/IP 69K (staub- und wasserdicht) zum Schutz von Menschen gegen potentielle Gefährdung bei deren Benutzung verfügbar.

Im Gegensatz zum Würgenippel, der nur abdichtet, fixiert die Kabelverschraubung das Kabel.

Für mit Stecker vorkonfektionierte Kabel eignen sich teilbare Kabelverschraubungen. Eine Kabel- und Leitungsdurchführungseinrichtung ist eine Einführungseinrichtung, vorgesehen für ein oder mehrere Kabel und Leitungen, mit einer Abdichtung aus einem oder mehreren separaten Bauelementen aus einem Elastomer oder Teilen von Bauelementen (modulare innere Dichtung), die gegeneinander zusammengepresst sind, sobald die Einrichtung zusammengebaut und wie vorgesehen montiert ist. Verfügbar sind Einzelverschraubungen sowie Flanschsysteme mit mehreren integrierten Kabelverschraubungen. Je nach Modell können diese teilbaren Kabelverschraubungen Schutzarten bis IP66 / IP68 erreichen.

Kabel- und Leitungsdurchführungseinrichtungen können auch als Ex-Verschlussstopfen dienen, wenn die Bauelemente aus Elastomer für diese Funktion vorgesehen sind. (Quelle: DIN EN 60079-0 (VDE 0170-1):2014-06) Diese bestehen aus insgesamt drei Teilen, dem zweigeteilten Verschraubungskörper und einem geschlitzten Dichtelement. So können vorkonfektionierte Leitungen eingeführt werden, ohne dass die Stecker abgelötet werden müssen. Alternativ können auch teilbare Kabeleinführungssysteme eingesetzt werden. Diese ermöglichen es, eine große Anzahl an konfektionierten Kabeln einzuführen und abzudichten.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilbare Kabelverschraubung zur Einführung von vorkonfektionierten Kabeln

Im Folgenden sind die üblichen Größen und Gewindetypen von Kabelverschraubungen nach DIN EN 60423 angeführt:

Nenngröße Außendurchmesser
(mm)
Steigung Bohrungsdurchmesser
(mm)
Metrisches Gewinde
M6 × 0,75 6,0 0,75 6,0+0,2
M8 × 1 8,0 1,0 8,0+0,2
M10 × 1 10,0 1,0 10,0+0,2
M12 × 1,5 12,0 1,5 12,0+0,2
M16 × 1,5 16,0 1,5 16,0+0,2
M20 × 1,5 20,0 1,5 20,0+0,2
M25 × 1,5 25,0 1,5 25,0+0,2
M32 × 1,5 32,0 1,5 32,0+0,3
M40 × 1,5 40,0 1,5 40,0+0,3
M50 × 1,5 50,0 1,5 50,0+0,4
M63 × 1,5 63,0 1,5 63,0+0,4
M75 × 1,5 80,0 2,0 75,0+0,5
90 × 2,0 90,0 2,0 90,0+0,5
M110 × 2,0 110,0 2,0 110,0–0,5
PG-Gewinde
PG 7 12,5 1,27 13,0 ± 0,2
PG 9 15,2 1,41 15,7 ± 0,2
PG 11 18,6 1,41 19,0 ± 0,2
PG 13,5 20,4 1,41 21,0 ± 0,2
PG 16 22,5 1,41 23,0 ± 0,2
PG 21 28,3 1,558 28,8 ± 0,2
PG 29 37,0 1,558 37,5 ± 0,3
PG 36 47,0 1,558 47,5 ± 0,3
PG 42 54,0 1,558 54,5 ± 0,3
PG 48 59,3 1,558 59,8 ± 0,3
NPT-Gewinde
NPT 1/4" 13,7 1,41 14,1–0,2
NPT 3/8" 17,1 1,41 17,4–0,2
NPT 1/2" 21,3 1,81 21,6–0,2
NPT 3/4" 26,7 1,81 27,0–0,2
NPT 1" 33,4 2,21 33,7–0,2
NPT 1 1/4" 42,2 2,21 42,5–0,2
NPT 1 1/2" 48,3 2,21 48,7–0,2
NPT 2" 60,3 2,21 60,7–0,2

Ablösung der PG-Gewinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die insbesondere im deutschen Sprachraum bei Kabelverschraubungen üblichen PG-Kabelverschraubungen mit Panzergewinde nach der DIN-Norm DIN 46320 (abgelöst durch DIN EN 50262, mittlerweile ersetzt durch DIN EN 62444) sind nur noch in Ausnahmefällen bei neuen Kabelverschraubungen zulässig und werden zunehmend durch metrische Gewinde ersetzt.[2] Zehn alte PG-Größen sind nun durch acht neue metrische Größen ersetzt worden. Eine Eins-zu-Eins-Zuordnung ist nicht möglich.

Umstellung von PG auf metrisches Gewinde
alt (DIN 40430) neu (EN 60423)
PG 7 M12 × 1,5
PG 9 M16 × 1,5
PG 11 M20 × 1,5
PG 13.5
PG 16 M25 × 1,5
PG 21 M32 × 1,5
PG 29
PG 36 M40 × 1,5
PG 42 M50 × 1,5
PG 48 M63 × 1,5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIN EN 62444 (VDE 0619:2014-05) Kabelverschraubungen für elektrische Installationen
  2. DIN 40430 beim Beuth-Verlag

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Günter Boy, Uwe Dunkhase: Elektro-Installationstechnik Die Meisterprüfung. 12. Auflage. Vogel Buchverlag, Oldenburg und Würzburg 2007, ISBN 978-3-8343-3079-6.
  • LAPPKABEL, U.I. Lapp GmbH: Lapp Cable Guide. Stuttgart 2004.
  • PFLITSCH GmbH & Co. KG: Moderne Kabeleinführung für die Industrie. Haiger 2012[1]
  • Kabelverschraubungen und Kabelkanäle | PFLITSCH. Abgerufen am 13. März 2018.