Kabinett Botha I

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Das Kabinett Botha I bildete sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1978, nachdem Balthazar Johannes Vorster als südafrikanischer Premierminister am 29. September zurückgetreten war und das Amt von Pieter Willem Botha übernommen wurde.

Ausgangssituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. November 1977 hatten landesweit Wahlen für das südafrikanische Parlament (House of Assembly) und für die Provinzräte (Provincial Council) stattgefunden. Mit Ausnahme der Provinz Natal, ging die Nasionale Party (NP) dabei in allen Vertretungen als starker Sieger hervor.[1] Die Nasionale Party gewann 134 Parlamentssitze, was die höchste Anzahl war, die bis dahin eine Partei in Südafrika erreicht hatte.[2]

Im Jahr 1977 kam es zu Umbildungen im südafrikanischen Parteiensystem, die durch den Zerfall der United Party (UP) ausgelöst wurden, wodurch die Progressive Federal Party (PFP), New Republic Party (NRP), South African Party (SAP) entstanden.[3]

Premierminister Vorster hatte im Jahre 1977 eine Debatte über eine Verfassungsreform vorangetrieben, die die Wahl von Abgeordneten aus der Coloured-Bevölkerung und der indischstämmigen Bevölkerung einführen sollte und auf einen diesbezüglichen Vorschlag von Pieter Willem Botha als Parteivorsitzender im Jahre 1976 zurückgriff.[4]

Nach dem Tod von Nicolaas Diederichs am 21. August 1978 wurde als Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten der bisherige Präsident des Senats, Marais Viljoen gewählt. Der Senat (Senate Act of 1978) sollte mit der beabsichtigten Verfassungsreform abgeschafft werden.[5]

Wahl des Premierministers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pieter Willem Botha, bis dahin Verteidigungsminister, standen im parteiinternen Nominierungsverfahren für das Amt des Premierministers drei Konkurrenten gegenüber. Noch vor den Abstimmungen zog S. P. Botha seine Kandidatur zurück. Zur Wahl traten nun noch Connie Mulder und Roelof Frederik Botha an. Im ersten Nominierungswahlgang innerhalb der NP-Fraktion entstand ein unklares Wahlergebnis (PW Botha 78 Stimmen, Mulder 72 Stimmen, RF Botha 22 Stimmen). Ein zweiter Wahlgang wurde erforderlich, wobei Außenminister Botha nicht mehr antrat und seine Unterstützung für den Verteidigungsminister erklärte. Pieter Willem Botha erreichte nun 98 Stimmen und Connie Mulder unterlag mit 74 Stimmen. Eine Meinungsumfrage unter der weißen Bevölkerung ergab allerdings, dass Außenminister Botha in der Öffentlichkeit als der weitaus beliebtere Kandidat galt.[6]

Kabinettszusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgende Tabelle stellt die Zusammensetzung des Kabinetts nach Quellenlage von 1979 dar.[7]

Geschäftsbereich Minister Vizeminister
Premierminister / Prime Minister Pieter Willem Botha (NP)
Agrarwirtschaft / Agriculture Hendrik Stephanus Johannes Schoeman (NP) Sabel Antoine Strydom Hayward (NP)
Arbeitskräfteeinsatz / Manpower Utilisation Stephanus Petrus Botha (NP)
Finanzen / Finance Owen P. F. Horwood (NP) Pieter Theunis Christiaan du Plessis (NP)
Gesundheit und Sozialwesen und Renten / Health and Social Welfare and Pensions Lourens Albertus Petrus Anderson Munnik (NP)
Industrie- Handel- und Kosumentenangelegenheiten / Industrial Affairs and Trade and Consumer Affairs S. W. van der Merwe (NP)
Justiz und Inneres / Justice and Interior Alwyn Schlebusch (NP) für Inneres: S. F. Kotze (NP)
Internationale Angelegenheiten / Foreign Affairs Roelof Frederik Botha (NP)
Öffentliche Arbeiten, Statistiken und Tourismus / Public Works, Statistics and Tourism Andries Petrus Treurnicht (NP)
Kooperation und Entwicklung / Co-operation and Development Pieter Gerhardus Jacobus Koornhof (NP) George de Villiers Morrison (NP) und Greyling Wentzel (NP)
Gemeinwesenentwicklung und Angelegenheiten der Coloured-Beziehungen und Inder / Community Development and Coloured Relations and Indians Affairs S. J. M. Steyn (NP) für Geweinwesenentwicklung: S. F. Kotze (NP)
Polizei und Strafvollzug / Police and Prison Louis Le Grange (NP)
Verteidigung und Nationale Sicherheit / Defence and National Security Pieter Willem Botha (NP) Hendrik Jacobus Coetsee (NP)
Bergbau, Umweltplanung und Energie / Mines and Environmental Planning and Energy Frederik Willem de Klerk (NP)
Verkehrswesen / Transport Jan Christiaan Heunis (NP)
Wasserangelegenheiten und Forsten / Water Affairs and Forestry Abraham J. Raubenheimer (NP)
Post- und Telekommunikationsdienste / Posts and Telecommunications H. H. Smit (NP)
Bildung und Ausbildung / Education and Training Ferdinand Hartzenberg (NP)
Nationale Bildung, Sport und Erholung / National Education and Sport and Recreation T. N. H. Janson (NP)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1977. Johannesburg 1978, S. 21
  2. SAIRR: Survey 1977. 1978, S. 1
  3. SAIRR: Survey 1977. 1978, S. 12-20
  4. SAIRR: Survey 1977. 1978, S. 7
  5. SAIRR: Survey 1977. 1978, S. 3
  6. SAIRR: Survey of Race Relations in South Africa 1978. Johannesburg 1979, S. 3
  7. Sheila Keeble (Hrsg.) S. P. P. Kutumela, A. Booley: The Black Who’s Who of Southern Africa Today. African Business Publ., Johannesburg 1979, 1. Aufl., S. 2