Frederik Willem de Klerk

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Frederik Willem de Klerk (2012)

Frederik Willem de Klerk (afrikaans: /ˈfriə̯dərək ˈvələm dəˈklɛrk/; * 18. März 1936 in Johannesburg) ist ein ehemaliger südafrikanischer Politiker. Er war von 1989 bis 1994 Staatspräsident der Republik Südafrika. Zusammen mit Nelson Mandela erhielt er 1993 den Friedensnobelpreis.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

De Klerk wuchs in einer sehr politischen Familie auf. Sein Vater Johannes „Jan“ de Klerk war Senator und Minister, sein Onkel J. G. Strijdom war südafrikanischer Premierminister. Sein Bruder Willem, ein liberaler Journalist, war ein Mitbegründer der Democratic Party, der Vorgängerpartei der Democratic Alliance. Frederik de Klerk ging auf die Hoërskool Monument in Krugersdorp, wo er sein Matric erwarb und studierte danach an der Potchefstroom University for Christian Higher Education. Hier graduierte er 1958 mit cum laude zum Bachelor of Laws. Infolgedessen erlangte er noch im selben Jahr ein Abe-Bailey-Reisestipendium, das ihm ein Aufenthalt im Vereinigen Königreich ermöglichte. Danach arbeitete de Klerk von 1961 bis 1972 als Rechtsanwalt in Vereeniging. Bereits während seines Studiums war er politisch interessiert, wobei er sich im Afrikaanse Studentebond engagierte. Für die Nasionale Party (NP) wurde er während seiner Zeit in Vereeniging aktiv. Gleichzeitig war er Vorsitzender der Law Society in Transvaal und Mitglied des Vaal Triangle Technikon Council. 1969 heiratete er in Pretoria Marike Willemse, mit der er zwei Söhne, Jan und Willem, sowie eine Tochter, Susan, hat.[1]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1969 wurde er erstmals in das südafrikanische Parlament gewählt. 1978 wurde de Klerk von Premierminister Vorster ins Kabinett berufen. Auch unter Vorsters Nachfolger Pieter Willem Botha hielt er von 1978 bis 1989 verschiedene Ministerposten, zuletzt als Innen- (1982–1985) und Bildungsminister (1984–1989). 1982 wurde er Provinz-Vorsitzender der regierenden Nasionale Party (NP) in Transvaal.

Nachdem 1984 ein Versuch zur Reformierung des Apartheidsystems mit der Einführung des Dreikammerparlaments durch Staatspräsident Botha unternommen wurde, übertrug dieser Frederik Willem de Klerk ab 1. Juli 1985 den Vorsitz des „Rates der Minister“ (Ministers’ Council) im House of Assembly („weiße“ Parlamentskammer) und den Posten des Minister of the Budget im selben Gremium. Gleichzeitig stand er auf gesamtstaatlicher Ebene im Kabinett Botha II als Minister of Home Affairs and national education (deutsch etwa: „Minister für Innere Angelegenheiten und nationale Bildung“) in Verantwortung. Am 1. Dezember 1986 übernahm de Klerk den Vorsitz im House of Assembly. Im Ergebnis der Parlamentswahlen von 1987 konnte er sein nationales Abgeordnetenmandat für den Wahlkreis Vereeniging weiter fortsetzen.[2]

Im Februar 1989 löste er Botha als Parteivorsitzenden ab, im August auch als Staatspräsident. Bei der Parlamentswahl im September 1989 trat die NP mit de Klerk als Spitzenkandidat an; es war die letzte Wahl unter dem programmatischen Duktus der Apartheid.

Die Amtseinführung in die Funktion des südafrikanischen Staatspräsidenten erfolgte am 20. September 1989. Während dieser Zeremonie wurde ein Gottesdienst abgehalten, den der Geistliche Pieter Bingle von der streng calvinistisch geprägten Gereformeerde Kerk hielt, der de Klerk selbst angehört. Das Thema der Predigt handelte von einer möglichen Berufung (afrikaans: roeping) der Mitglieder dieser Kirche durch Gott, die sie zu einer Pflichterfüllung befähigen soll. Der Geistliche bediente sich dabei einer Textstelle aus dem Buch Jeremia und interpretierte die Amtseinführung des Staatspräsidenten so, dass dieser nun im Ratssaal Gottes stehe, um den Willen des Herrn zu erfahren, und er solle ihm folgen und als Gottes Werkzeug soll de Klerk die Tradition seines Volkes achten. Wörtlich sagte Pieter Bingle: „Neue Pfade müssen gefunden werden, wo Straßen in Sackgassen enden oder nicht mehr befahrbar sind. [...] Jene, die in den Wagenspuren der Vergangenheit steckenbleiben, werden feststellen, daß sie sich das eigene Grab gegraben haben.“[3]

Obwohl Frederik de Klerk bis zu seiner Wahl als Verfechter der Apartheid galt, hatte er wesentlichen Anteil an ihrer Aufhebung. In einer aufsehenerregenden Parlamentsrede[4] am 2. Februar 1990 kündigte er weitreichende Reformen an, die in den folgenden Monaten auch umgesetzt wurden: So ließ er die verbotenen Parteien African National Congress (ANC) und Pan Africanist Congress (PAC) sowie etwa 30 weitere Organisationen wieder als politische Kräfte zu. Frederik de Klerk konnte dabei auf weit fortgeschrittene Verhandlungsergebnisse mit Nelson Mandela aufbauen, die mit Billigung seines Amtsvorgängers Botha durch den ehemaligen Geheimdienstchef Niel Barnard und dem damaligen Justizminister Kobie Coetsee noch im Pollsmoor-Gefängnis entstanden waren.[5] Nelson Mandela und andere Führer des ANC sowie etwa 120 weitere politische Gefangene wurden aus dem Gefängnis entlassen. Einschränkungen der Pressefreiheit und der Ausnahmezustand wurden aufgehoben. Die Apartheid-Gesetze, wie der Separate Amenities Act, wurden aufgehoben oder die davon betroffenen Passagen novelliert.

De Klerk mit Nelson Mandela 1992 beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos

Im Mai 1990 fanden erste Gespräche von Frederik de Klerk mit Vertretern des African National Congress unter der Führung von Nelson Mandela statt. 1991 öffnete er die Nasionale Party auch für nichtweiße Mitglieder. Im selben Jahr berief er die Goldstone-Kommission ein, um die zunehmende Gewalt in Südafrika einzudämmen.

Im Dezember 1991 fand die erste von vielen Verhandlungsrunden zwischen der aus der Nasionale Party gebildeten Regierung, dem ANC und anderen politischen Organisationen statt, die die Zukunft Südafrikas ohne Apartheid vorbereiten sollten. Im gleichen Jahr kam es zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen der Staaten der Europäischen Union, die 1986 beschlossen worden waren. Auch die diplomatischen Beziehungen zu weiteren Ländern wurden wieder aufgenommen. Nachdem die NP 1992 eine Nachwahl zum Parlament verloren hatte, ließ de Klerk ein Referendum abhalten, in dem die europäischstämmigen Wähler über seinen Reformkurs abzustimmen hatten. Das Ergebnis war eine deutliche Zustimmung. Im Jahr 1993 nahm de Klerk erstmals als „Coloured“ bezeichnete sowie indischstämmige Politiker als gleichberechtigte Mitglieder in sein Kabinett auf. Im selben Jahr erhielt Frederik Willem de Klerk gemeinsam mit Nelson Mandela den Friedensnobelpreis.

1994 wurden die ersten wirklich freien Wahlen in Südafrika durchgeführt, bei denen alle Bevölkerungsgruppen das Wahlrecht wahrnehmen konnten, auch die bis dahin wahlrechtslose Mehrheit der schwarzen Staatsbürger. Der African National Congress trug dabei einen überwältigenden Wahlsieg davon und F. W. de Klerk wurde von Mandela im Amt abgelöst. De Klerk war in der Regierung Mandela neben Thabo Mbeki Vizepräsident. Er übte diese Funktion bis 1996 aus, als die neue Verfassung ausgearbeitet war und sich seine Partei aus der Regierung löste. 1997 gab er die Führung der Nasionale Party ab und zog sich aus der Politik zurück.

Leben nach dem Rücktritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Rückzug wurde es weitgehend ruhig um de Klerk. Im Oktober 1998 schockierte er die konservativen Kräfte des Landes durch die Scheidung von seiner Ehefrau Marike und die sofort danach stattfindende Hochzeit mit Elita Georgiades. Im Dezember 2001 wurde seine ehemalige Ehefrau bei einem Überfall getötet. Im Jahr 2004 trat er aus der New National Party (NNP) aus, nachdem bekannt geworden war, dass diese im African National Congress aufgehen wollte. De Klerk ist Mitglied im Club of Rome, Ehrenvorsitzender der Prague Society for International Cooperation und im Beirat der Global Panel Foundation.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frederik Willem de Klerk: The Last Trek – A New Beginning. Autobiographie. St. Martin’s Press New York, New York 1998, ISBN 0-312-22310-2.
  • Willem de Klerk: Frederik Willem de Klerk – Eine Hoffnung für Südafrika. Busse Seewald, Herford 1991, ISBN 3-512-03072-6.
  • Bernhard Kupfer: Lexikon der Nobelpreisträger. Patmos, Düsseldorf 2001.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frederik Willem de Klerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Shelagh Gastrow: Who’s Who in South African Politics, Number 5. Ravan Press, Johannesburg 1995, S. 36–37, 41
  2. Shelagh Gastrow: Who’s Who in South African Politics, Number 5. Ravan Press, Johannesburg 1995, S. 37
  3. Allister Sparks: Morgen ist ein anderes Land. Südafrikas geheime Revolution. Berlin Verlag, 1995 Berlin, S. 145–146 ISBN 3-8270-0151-X
  4. Frederik Willem de Klerk, Nelson Mandela Foundation: F. W. de Klerk's speech at the opening of Parliament 2 February 1990. auf www.nelsonmandela.org (englisch)
  5. Shelagh Gastrow: Who’s Who in South African Politics, Number 4. Ravan Press, Johannesburg 1992, S. 6–7