Kamnitzklamm

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In der Wilden Klamm
Gedenktafel in der Edmundsklamm (Stillen Klamm)
In der Edmundsklamm (Stillen Klamm)

Die Kamnitzklamm, auch als Edmundsklamm bekannt, ist eine Felsenschlucht zwischen Hřensko (Herrnskretschen), Mezná und Srbská Kamenice in der Böhmischen Schweiz in Tschechien. Durch sie fließt die Kamnitz, die bei Hřensko in die Elbe mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kamnitzschlucht wurde 1877 zum ersten Mal von jungen Männern befahren. Fürst Edmund Clary-Aldringen ließ den Weg durch die Klammen von italienischen Bauarbeitern unter Leitung durch den Baumeister Anton Dagostini für 17000 Gulden 1889 ausbauen.[1] 1890 wurde der Bootsverkehr in der „Edmundsklamm“, auch „Stille Klamm“ (tschech.: Edmundova Soutěska oder Tichá Soutěska) aufgenommen. Die „Wilde Klamm“ (tschech.: Divoká Soutěska) folgte 1898. 1881 gab es bereits eine Kahnfahrt zur Grundmühle in der sich anschließenden „Ferdinandsklamm“, welche aber eingestellt ist.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klamm stellt eine in den mittleren Breitengraden einzigartige Canyon-Landschaft dar. In den tiefen Schluchten sammelt sich kalte Luft, so dass submontane und montane Pflanzenarten in einer ungewöhnlichen Höhe von etwa 200 Metern über dem Meer gedeihen. Dazu gehören das Zweiblütige Veilchen (Viola biflora), der Siebenstern (Trientalis europaea) und die Gemeine Fichte (Picea abies). Zudem häufen sich hier am Flussrand diverse Moos- und Farnarten, wie z. B. der Rippenfarn (Blechnum spicant), die Tannen-Teufelsklaue (Huperzia) oder Schlangen-Bärlapp (Lycopodium annotinum).

Am Fuß der Schlucht gedeiht ein Wald aus Tannen, Fichten, Buchen und teilweise Berg-Ahorn. Wo die ansonsten enge Klamm die Bildung einer Flussaue zuließ, blieben Teilstücke eines subkontinentalen Erlen-Eschenauenwaldes (Arunco sylvestris-Alnetum glutinosae) mit der typischen Pflanze Wald-Geißbart (Aruncus sylvestris) erhalten.

Die exponierten Standorte der Felsenriffe werden von acidophilen Kiefernwäldern mit locker verteilter Birke bewachsen. Da der Mensch hier nicht mehr eingreift, stellen diese Felsenriffe ein wertvolles Ökosystem dar, jedoch werden diese in unseren Breiten eher selten anzutreffenden Pflanzen immer mehr von der hier nicht heimischen Weymouth-Kiefer (Pinus strobus) bedrängt. Ökologisch gesehen ist zwischen den am Südhang und den am Nordhang gelegenen Kiefernwäldern ein Unterschied zu machen. Die meist im Schatten stehenden Kiefern am Nordhang haben sich an das etwas feuchtere und kältere Klima angepasst und besitzen eine feuchtere Ausbildungsform. An etwas weniger steilen Felsriffen schließen sich die bodensauren Buchenwälder an und in den ebenen Lagen machen sich Kiefern-Eichenwälder mit Preisel- und Heidelbeerstrauchbewuchs breit.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Bächen der Böhmischen Schweiz sind verschiedene Vogelarten beheimatet. Neben der Bachstelze, der Gebirgsstelze, der Wasseramsel und dem Zaunkönig ist hier auch der Eisvogel ansässig. Zudem gibt es in der Klamm verschiedene Libellenarten und Fischotter. Beheimatete Fischarten sind das Bachneunauge und die Äsche. Bis 1923 wurden hier auch Lachse gefangen. Seit 1998 wurden von einem Projekt hunderttausende junge Lachse in der Kamnitz ausgesetzt. Diese Tiere schwimmen über die Elbe ins Meer bis in die Gewässer um Island und kommen nach rund 4 Jahren wieder zurück. Dazu war es nötig, Fischtreppen an den gestauten Stellen der Kamnitz zu errichten. 2002 wurden die ersten Rückkehrer wieder gesichtet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kamnitzklamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Luftschlösser in der Sächsischen Schweiz, Katrin Koritz, ISBN 978-3-938325-56-8

Koordinaten: 50° 52′ 10″ N, 14° 16′ 7″ O