Kanō Eitoku

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Chinesische Löwen (Karajishi)[1]
Xu You[A 1] Chao Fu[A 2]
Xu You[A 1]
Chao Fu[A 2]

Kanō Eitoku (jap. 狩野 永徳, eigentlicher Name Kanō Kuninobu (狩野州信), Rufname Genshirō (源四郎); geb. 16. Februar 1543 in Kyōto; gest. 12. Oktober 1590) war ein bedeutender japanischer Maler und wichtigster Vertreter der Kanō-Schule der Japanischen Malerei in der Azuchi-Momoyama-Zeit der Japanischen Geschichte. Seine Werke sind für ihren eleganten und einzigartigen Stil bekannt, viele der erhaltenen Gemälde sind Wichtige Kulturgüter Japans und drei – Wandgemälde im Jukō-in des Daitoku-ji-Komplexes, eine auf Wandschirm gezeichnete Ansicht Kyōtos (heute im Uesugi-Museum Yonezawa), sowie ein Zypressenbild auf Wandschirm (heute im Nationalmuseum Tokio) – sind Nationalschätze Japans.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eitoku war der älteste Sohn des Malers Kanō Shōei. Schon früh begann er unter Anleitung seines Großvaters Kanō Motonobu, Hofmaler für das Ashikaga-Shogunat, zu malen und zeigte dabei seine künstlerische Begabung. Mit etwa zwanzig Jahren war er bereits ein aktiver Maler, wobei er zunächst Bilder auf Holzschiebetüren, sogenannte Fusuma-e (襖絵) malte. Im Jahr 1566 bemalte er, unterstützt durch seinen Vater, Fusuma-e für die Empfangshalle im Jukō-in (聚光院), einem Untertempel des Daitoku-ji, den der Daimyō Miyoshi Yoshitsugu (三好義継, 1549–1573) zur Erinnerung an seinen Vater, Miyoshi Nagayoshii (三好長慶, 1522–1564) hatte bauen lassen. Die Tuschmalerei mit dem Titel „Blumen und Vögel der vier Jahreszeiten“ (四季花鳥; Shiki kachō-zu), die den wichtigsten Raum im Gebäude, das „Shitchū (室中) schmückt, gibt einen Eindruck von der künstlerischen Stärke des jungen Eitoku.

Als 1568 der militärische Führer Japans Oda Nobunaga nach Kyōto kam, war er sehr von Eitokus neuen Stil beeindruckt und erhob ihm zum offiziellen Maler. Eitoku malte die beiden sechsteiligen Stellschirme „Ansichten von und um Kyōto“ (洛中洛外図屛風, Rakuchū rakugai-byōbu[A 3]), die Nobunaga 1574 an Uesugi Kenshin gab und die bis heute im Besitz der Familie sind. Das Stellschirmpaar, in brillanten Farben auf einem in sich strukturierten Goldgrund gemalt, zeigt sehr anschaulich die Paläste und Tempel, das das Leben in der Stadt und außerhalb derselben.

Als Nobunaga eine großen, moderne Burg am und auf dem Azuchi-Berg am Biwasee errichten ließ, gestalteten Eitoku und andere Mitglieder des Kanō-Klans die Wandbilder und die Bilder auf den Holzschiebetüren. Für die Räume für die Gäste und für den Burgturm-Komplex entwarf Eitoku eine Serie von Pflanzen- und Vogel-Bildern sowie Genre-Szenen. Sie wurden als sogenannte „Dami-e“ (濃絵) ausgeführt, das heißt, als Bilder auf Gold in voluminösen Pigmenten. Außerdem malte Eitoku einen Wandschirm, der die neu erbaute Burg und die dazu gehörende Burgstadt darstellte. Dieser Wandschirm wurde später an den Papst in Rom gesandt.

Die Burg Azuchi brannte 1582 ab, nachdem Akechi Mitsuhide Nobunaga zum Seppuku getrieben hatte. Aber Toyotomi Hideyoshi, der nach dem Tode Nobunagas die Macht ergriffen hatte, beschäftigte sich noch mehr mit dem Bau von Palästen, Tempeln und Schreinen – und Eitoku lieferte Ergebnisse. Die Bautätigkeit begann mit dem Bau der Burg Ōsaka ab 1583, es folgte 1587 der Bau des Jūrakudai-Palastes (聚楽第) in Kyōto, dem Bau der kaiserlichen Residenz unter dem Namen Ōgimachi-in Gosho (扇町院御所) und dem (nicht mehr existierenden) Tempel Tenzui-ji (天瑞寺). Eitoku war unermüdlich bei der Arbeit, aber vielleicht war das zu viel für ihn. Jedenfalls brach er 1588 zusammen, als er auf Hideyishis Wunsch das große Drachengemälde in der Haupthalle des Tōfuku-ji ausführte. Während das Gemälde von seinem Schüler Sanraku vollendet wurde, erholte sich Eitoku. Bald war er wieder an der Arbeit, war beschäftigt, Schiebetüren für den kaiserlichen Palast zu gestalten, aber dann starb er unerwartet 1590.

Eitoku erhielt die Ehrentitel „Hōgen“ und „Hōin“.[A 4] – Die meisten seiner Werke verschwanden mit der Zerstörung der Paläste, wie die in der Burg Azuchi oder dem Jurakudai, nur wenige können ihm einwandfrei zugeordnet werden. Eitoku schuf für die in der Momoyama-Zeit entstehende Nachfrage nach Stellschirmen, Wandgemälden und bemalten Schiebetüren Werke gleicher Großartigkeit, indem er die Farbigkeit der Tosa-Schule mit der geistigen Ebene der schwarzen Tuschmalerei verschmolz, und das oft auf üppigem Goldgrund.

Die Maler Hasegawa Tohaku und Kaihō Yūshō waren Zeitgenossen und Rivalen von Eitoku.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Xu You (許由) war ein legendärer chinesischer Eremit in alten Zeiten. Diese Hängerolle und die daneben werden Eitoku zugeschrieben.
  2. Chao Fu (巢父) war ein legendärer chinesischer Eremit in alten Zeiten.
  3. Wörtlich „Innerhalb und außerhalb der Niederlassung“. Das war, betont untertreibend, die Bezeichnung für die Kaiserstadt und Umgebung.
  4. Hōgen (法眼) und der höhere Titel Hōin (法院) waren – zusammen mit dem untersten Grad „Hokkyō“ (法橋) – Ehrentitel, die ursprünglich an hohe Priester vergeben wurden, später aber auch an Künstler und Gelehrte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Besitz der kaiserlichen Familie.
  2. a b Ausschnitte aus dem Stellschirm Kyōto.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tazawa, Yutaka: Kanō Eitoku. In: Biographical Dictionary of Japanese Art. Kodansha International, 1981. ISBN 0-87011-488-3.
  • Nationalmuseum Tōkyō (Hrsg.): Kanō-ha no kaiga. Ausstellung 1979.
  • Laurence P. Roberts: Eitoku. In: A Dictionary of Japanese Artists. Weatherhill, 1976. ISBN 0-8348-0113-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kanō Eitoku – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich, steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Kanō der Familienname, Eitoku der Vorname.