Karel Adriaan Deurloo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Karel Adriaanus Deurloo (* 25. Januar 1936 in Valkenswaard; † 1. Juni 2019 in Amsterdam)[1] war ein niederländischer reformierter Theologe, Alttestamentler, Autor, Referent und gehört zur zweiten Generation der theologischen Amsterdamer Schule.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deurloo studierte reformierte Theologie an der Universität von Amsterdam. 1966 bis 1985 war er theologischer Berater bei der interkonfessionellen Rundfunkanstalt IKON, wo er mit Karel Eijkman und Nico Bouhuijs zusammenarbeitete. Dort wurde er national bekannt durch das Fernsehprogramm „Closer“, einer Serie mit biblischen Themen. 1967 bis 1971 war er Jugendpfarrer in Eindhoven. 1971 ging er als Studentenpfarrer an die „Amstelkerk“, die im Zentrum Amsterdams liegt. Diese reformierte Kirchgemeinde war überaltert und auch etwas verschlafen. Unter Deurloo wurde sie zum lebhaften Zentrum der liturgischen Amsterdamer Schule.

1975 promovierte er mit einer literarisch-exegetischen Studie über Kain und Abel und wurde Professor für Altes Testament und Biblische Theologie an der Universität Amsterdam. Er lehrte dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 und wurde zum führenden Kopf der theologischen Amsterdamer Schule. Er reiste auch oft nach Prag, wo er an einem Seminar inoffiziell Theologie lehrte.

Als Theologe respektierte er die vorhandene Form des Alten Testaments, weil sie so zusammengefügt wurde, um dem gemeinschaftlichen Lesen und somit dem Leben zu dienen. Rekonstruktionen und Quellenscheidung relativierte er, weil er dem Bibeltext selber mehr Gewicht als den angewandten Methoden gab.[2] Sein Nachfolger in Amsterdam hatte andere theologische Interessen, so dass die Amsterdamer Schule an der Universität zunehmend verblasste. 2001 nahm er eine Stiftungsprofessur in Biblischer Theologie an der Freien Universität Amsterdam an, um die Anliegen der Amsterdamer Schule fortzuführen und weiterzuentwickeln.[3]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deurloo war verheiratet mit der Bildhauerin Jettie Sluyter; sie hatten zwei Töchter, eine davon ist die Mundharmonika- und Saxophonspielerin Hermine Deurloo.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deurloo hat einen Ehrendoktor von der evangelischen Fakultät in Brüssel erhalten. 1994 bekam er die Comenius-Medaille von der Theologischen Fakultät der Karlsuniversität Prag für seine Unterstützung der Charta 77 und anderer Dissidenten in Tschechien.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deurloo hat viel publiziert, sowohl wissenschaftlich als auch populärwissenschaftlich. Er schrieb auch Lieder und Musicals mit biblischen Texten für Kinder, Jugendliche und auch geistig Behinderte, wie „Jeder Sonntag ist ein Fest“, Josef und Jona. Die Musik stammte von Maurice Pirenne und Willem Breuker. Von seinen Büchern wurden mehr als hunderttausend Stück verkauft. Seine Werke wurden in Deutsch, Englisch, Tschechisch und Ungarisch übersetzt. In Deutsch sind erschienen:

  • mit Nico Bouhuijs: Lesen, was geschrieben steht. Zur Bedeutung biblischen Redens und Erzählens. Burckhardthaus-Laetare-Verlag, Offenbach 1988, ISBN 3-7664-9260-8.
  • mit Nico Bouhuijs: Näher zum Anfang. Die Bedeutung der ersten Erzählungen der Bibel. Burckhardthaus-Laetare-Verlag, Offenbach 1989, ISBN 3-7664-9268-3.
  • mit Nico Bouhuijs: Weissage meinem Volk Israel. Annäherung an die Prophetenbücher. Burckhardthaus-Laetare-Verlag, Offenbach 1989, ISBN 978-3-7664-9274-6.
  • Josua. Auslegung eines biblischen Buches (= Biblische Erkundungen, Nr. 1). Erev-Rav, Verein für Biblische und Politische Bildung, Wittingen 1995, ISBN 3-9803752-4-2.
  • Und er stellte ein Kind in ihre Mitte. Biblische Erzählungen für kleine Ohren (= Biblische Erkundungen, Nr. 5). Erev-Rav, Verein für Biblische und Politische Bildung, Wittingen 1998, ISBN 3-932810-03-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In Memoriam: Karel Deurloo vernieuwde met zijn benadering blijvend de theologie, Lodewijk Born, Friesch Dagblad, 6. Juni 2019
  2. Uwe F. W. Bauer: All diese Worte. Impulse zur Schriftauslegung aus Amsterdam. Frankfurt am Main, 1992, ISBN 3-631-44373-0
  3. [1] Website protestant.nu; Autor: Peter Bak, 27. Juli 2009
  4. Archivierte Kopie (Memento vom 30. März 2014 im Internet Archive) Website Bibelwissenschaft, wibilex