Kathedrale St. Peter (Genf)

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Kathedrale St. Peter in Genf
Blick in das Kirchenschiff
Glasfenster der Makkabäer-Kapelle: „Lasset die kleinen Kinder zu mir kommen“

Die Kathedrale St. Peter (französisch Cathédrale Saint-Pierre) ist die nach dem Apostel Petrus benannte ehemalige Kathedrale des Bischofs von Genf und heutige reformierte Hauptkirche der Stadt Genf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der dreischiffigen Pfeilerbasilika wurde etwa 1160 in romanischen Stil begonnen, hundert Jahre später in gotischem Stil vollendet und im 18. Jahrhundert um einen der Hauptfassade vorgelagerten klassizistischen Säulenportikus erweitert. Am 8. August 1535, nach einer Predigt von Guillaume Farel, der die Prinzipien der Reformation verkündete, wurden in einem Bildersturm die Statuen und das Mobiliar der Kathedrale zerstört und die farbigen Malereien übertüncht. Anschließend wirkte Jean Calvin 23 Jahre lang als Prediger an der nun reformierten Kathedrale.

1400–1405 wurde die Makkabäerkapelle auf Veranlassung von Kardinal de Brogny im Stil der Flamboyant-Gotik errichtet. Nachdem sie im Zuge der Reformation als Lagerraum und vom 17. bis zum 19. Jahrhundert als dreistöckiges Unterrichtsgebäude verwendet wurde, wurde sie bis 1888 grundlegend restauriert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum besitzt einen reichhaltigen Skulpturenschmuck, vor allem an den Kapitellen.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Auf einen Vorschlag des langjährigen Titularorganisten Pierre Segond hin erhielt die Kathedrale im Jahr 1965 eine neue Orgel. Das Instrument wurde von dem Orgelbauer Metzler & Söhne (Dietikon) erbaut. Das moderne Orgelgehäuse wurde von dem Architekten Poul-Gerhard Andersen (Kopenhagen) gestaltet. Die Disposition orientiert sich an norddeutschen Orgeln des 17. Jahrhunderts und französisch-barocken Instrumenten. Das Instrument hat 67 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[1]

I Positif de Dos C–a3
Montre 8′
Bourdon à cheminée 8′
Quintaton 4′
Prestant 4′
Flûte à cheminée 4′
Doublette 2′
Larigot 113
Sesquialtera II 223
Plein-Jeu IV-V
Cromorne 8′
Musette 4′
Tremblant
II Grand Orgue C–a3
Montre 16′
Montre 8′
Dulciane 8′
Bourdon 8′
Prestant 4′
Flûte conique 4′
Quinte 223
Doublette 2′
Cornet V 8′
Fourniture V
Cymbale III
Bombarde 16′
Trompette 8′
en chamade
Trompette 8′
Clairon 4′
III Récit expressif C–a3
Bourdon 16′
Flûte 8′
Salicional 8′
Voix céleste 8′
Principal 4′
Gemshorn 4′
Flûte à fuseau 4′
Nasard 223
Flageolet 2′
Tierce 113
Piccolo 1′
Fourniture IV-V
Cymbale III
Douçaine 16′
Trompette 8′
Hautbois 8′
Clairon 4′
IV Echo expressif C–a3
Bourdon 8′
Flûte 4′
Principal 2′
Bourdon conique 2′
Sifflet 1′
Pte Sesquialtera II
Cymbale II
Régale 16′
Voix humaine 8′
Tremblant
Pedale C–g1
Soubasse 32′
Principal 16′
Soubasse 16′
Principal 8′
Bourdon 8′
Octave 4′
Flûte 4′
Quintaton 2′
Gros Cornet III
Mixture IV
Contrebasson 32′
Bombarde 16′
Trompette 8′
Régale 8′
Clairon 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, IV/II, I/P, II/P, III/P

Zudem verfügt die Kathedrale über eine Walcker-Orgel in der Makkabäerkapelle aus dem Jahre 1889 und eine kleine Chororgel von 1970.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glocke "La Clémence"

In den beiden Türmen hängen acht läutbare Glocken des 15. bis 21. Jahrhunderts. 1897 wurden vier Glocken um bis zu einem Halbton tiefer gestimmt. 1946 wurde die Anlage durch die Firma Muff aus Triengen elektrifiziert. Die kleinste Glocke, Le Rappel, ist händisch per Seilzug bedienbar. Solistisch erklingt sie beispielsweise zur Bundesfeier oder kurz vor Mitternacht an Silvester. Mittags um 12 Uhr läutet Glocke 2. Jeden Samstag um 19 Uhr und Sonntags vor dem Gottesdienst um 10 Uhr erklingt das Sonntagsgeläut aus den Glocken 6, 5, 4, 3 und 2. La Clémence (1) wird an hohen Festtagen ergänzt. Das 19-stimmige Carillon und die Cloche des Heures (Stundenglocke) sind im durchbrochenen Turmhelm untergebracht.[2]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Giesser,
Gussort
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Nominal
 
Turm
 
1 La Clémence 1902 H. Rüetschi, Aarau 2190 6238 g0 Nord
2 L'Accord 1845 S. Treboux, Vevey 1560 2080 c1 Süd
3 La Bellerive 1473 Nicolas Guerci 1400 1500 e1 Nord
4 La Collavine 1609 1140 1012 g1 Süd
5 L'Espérance 2002 H. Rüetschi, Aarau 930 475 a1 Süd
6 L'Eveil 1845 S. Treboux, Vevey 750 261 c2 Süd
7 Le Rappel 15. Jh. 590 133 e2 Süd
I La Cloche des Heures 1460 1290 1610 e1 Turmspitze
II Le Toscin 1509 760 270 cis2 Süd

[2]

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Kathedrale steht der Temple de l'Auditoire aus dem 15. Jahrhundert, der Johannes Calvin und Théodore de Bèze als Hörsaal für theologische Vorlesungen diente.

Unter der Kathedrale sind Ausgrabungen zu besichtigen. Diese Ausgrabungen zeigen, dass die Kirche eine komplexe Baugeschichte hat; kirchliche Bauten gehen bis ins 4. Jahrhundert zurück.

Darunter hat man die Überreste eines allobrogischen Häuptlingsgrabes freilegen können, das über lange Zeit offenbar Gegenstand kultischer Verehrung gewesen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gérard Deuber: Die Kathedrale Saint-Pierre in Genf. (Schweizerische Kunstführer, Band 721/722, Serie 73). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2002, ISBN 3-85782-721-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kathedrale St. Peter (Genf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel
  2. a b Philippe Demolis: Les cloches de la cathédrale Saint-Pierre de Genève. In: Bundesamt für Kultur BAK Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege (Hrsg.): Glocken – Lebendige Klangzeugen. Des témoins vivants et sonnants. Heft 5, UD Print AG, Luzern 2008, S. 173–185, ISSN 1660-6523.

Koordinaten: 46° 12′ 4″ N, 6° 8′ 55″ O; CH1903: 500428 / 117449