Killerapplikation

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Unter dem Begriff Killerapplikation (englisch: killer application) versteht man eine konkrete Anwendungssoftware (Applikation), die einer schon existierenden Technik zum Durchbruch verhilft, die zuvor auf wenig Interesse gestoßen ist, weil man keine Verwendung für sie gesehen hat.[1] In diesem Sinne wird der Begriff (Modewort) seit etwa 1993 verwendet.[2] Im weiteren Sinne wird der Begriff auch als Schlagwort oder Metapher verwendet. Er kann dann Produkte, aber auch abstrakte Konzepte beschreiben, die zu einem Durchbruch führten.

Die Namensgebung leitet sich daher ab, dass ähnliche und oft ältere Konkurrenz-Technologien schnell verdrängt, also getötet (englisch: to kill) werden.

In der Informationsverarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der EDV ist es dasjenige Anwendungsprogramm, das beim breiten Publikum genügend Interesse weckt, um eine zugrundeliegende Technik zu kaufen. Ohne diese Technik kann man das Anwendungsprogramm nicht nutzen. Deshalb spricht man auch von „software sells hardware“.

Das Wesen einer Killerapplikation wie etwa der E-Mail lässt sich durch Eigenschaften wie ihr Synergiepotenzial beschreiben. Erst eine kritische Anzahl von Benutzern macht diese Technologie nützlich.[3]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus kann man auch bei Technologien wie dem elektrischen Strom von einer Killerapplikation für das elektrische Licht sprechen, oder vom Verbrennungsmotor für das Automobil. Wikipedia könnte als Beispiel einer Killerapplikation für Wikis gelten.[6]

Außerhalb der Informationsverarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Killerapplikation wird außerhalb der EDV uneinheitlich verwendet. Er steht hier als Metapher für wichtige Ideen oder Konzepte.

Der britische Historiker Niall Ferguson sieht die Vorherrschaft der westlichen Welt in der Anwendung von sechs Killerapplikationen (killer apps) begründet. Bei diesen handelt es sich weniger um technologische Entwicklungen als um rechtliche und kulturelle Rahmenbedingungen, die im Westen zu entscheidenden Zeitpunkten wirksam wurden. Die sechs Killerapplikationen sind laut Ferguson Wettbewerb, Wissenschaft, Demokratie, Medizin, Konsum und Protestantische Arbeitsethik.[7]An anderer Stelle spricht der Historiker davon, dass Demokratie eben nicht als Killerapplikation gelte, sondern vielmehr die Konzepte von Rechtsstaat und Eigentumsrechten.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sjurts, Insa, ed. Gabler Lexikon Medien Wirtschaft. Springer-Verlag, 2013. S. 312.
  2. Hansen, Wolf-Rüdiger, and Frank D. Peschanel. Gabler Lexikon Innovative Informations-Verarbeitung: Integration und Anwendung in Wirtschaft und Verwaltung. Springer-Verlag, 2013. S. 140.
  3. Koschnick, Wolfgang J. Medien-und Journalistenjahrbuch. Walter de Gruyter, 1996.
  4. Lutz, Andreas. Marketing für Geldmarktfonds durch Fondsgesellschaften: eine industrieökonomische Untersuchung. Springer-Verlag, 2013. S. 207.
  5. Vor 30 Jahren: Mit Visicalc bricht eine neue Ära an (Meldung auf Heise online)
  6. Mayer, Florian Leander. Erfolgsfaktoren von Social Media: Wie" funktionieren" Wikis?: Eine vergleichende Analyse kollaborativer Kommunikationssysteme im Internet, in Organisationen und in Gruppen. Vol. 4. LIT Verlag Münster, 2013. S. 3.
  7. Niall Ferguson: Der Westen und der Rest der Welt. Die Geschichte vom Wettstreit der Kulturen. Propyläen Verlag, Berlin 2011, ISBN 3549074115
  8. „Der Euro überlebt, die EU nicht“ – Niall Ferguson im Handelsblatt, Artikel von Torsten Riecke, 8. November 2011.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Downes, Larry, and Chunka Mui. Auf der Suche nach der Killer-Applikation: mit digitalen Strategien neue Märkte erobern. Campus-Verlag, 1999.