Kindorientierung

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Unter Kindorientierung wird ein didaktisches Konzept verstanden, welches das Kind als lernendes Subjekt bei der Gestaltung von Unterricht an die erste Stelle setzt.[1]

Historisch gesehen, kam der Gedanke der Kindorientierung mit den Arbeiten der italienischen Kinderärztin Maria Montessori erstmals besonders deutlich ins Blickfeld der Pädagogik.[2]

Kindorientierung (beziehungsweise kindgerechter Unterricht) wurde oft dem wissenschaftsorientierten Fachunterricht gegenübergestellt und das Konzept der Kindorientierung mit mancherlei Vorstellungen verbunden. Das Spektrum reicht dabei von Anschaulichkeit, Fasslichkeit, lebendiger Inhaltsauswahl und -präsentation, spielerischen Methoden, Interessensorientierung bis zum Lernen mit allen Sinnen. Unter dem Terminusschülerzentrierter Unterricht“ fand dieser Ansatz in den 1970er Jahren durch die Psychologen Tausch/Tausch Eingang in die schulpraktische Umsetzung.[3] Unter den erweiternden Bezeichnungen „Altersgerechtigkeit“ bzw. „Individuation und Sozialisation“ hat sich die Kindorientierung inzwischen als für sämtliche Lernprozesse gültiges didaktisches Prinzip in der Unterrichtslehre etabliert, indem es die lernende Person grundsätzlich als besonders wichtigen Teil des Lerngeschehens hervorhebt.[4][5]

Mit dem Prinzip der Kindorientierung wird eine Schwerpunktsetzung innerhalb des "Lehrer-Schüler-Lernstoff-Verhältnisses" betont. Die Rolle des Lehrenden soll sich nach diesem Ansatz vom „Belehrenden“ zum „Beobachtenden“ und "Begleitenden" eigenaktiver Lernprozesse verändern.

Kindorientierter Unterricht sollte so gestaltet sein, dass er produktiv ist und subjektive Erfahrungen repräsentiert. Er wird bereits seit den 1970er Jahren als mehrdimensionales Lernen praktiziert, bei dem die Kinder kommunikativ und kooperativ miteinander und voneinander lernen, was auch in altersgemischten Gruppen erfolgen kann. Meist wird Kindorientierung jedoch nicht methodisch konkret, sondern nur als ideale Norm in die Diskussion gebracht und unter dem diffusen Begriff Offener Unterricht verstanden. Offenheit oder Kindorientierung sind jedoch nur programmatische Postulate. Sie sagen noch nicht, wie Unterricht inhaltlich, methodisch und organisatorisch gestaltet werden kann.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Montessori: Die Entdeckung des Kindes. 4. Auflage, Herder, Freiburg 1974.
  • Reinhard Tausch, Anne-Marie Tausch: Erziehungspsychologie. 11. Auflage, Verlag Hogrefe, Göttingen 1998.
  • Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. Verlag Schneider. Baltmannsweiler. 6. Auflage 2009, ISBN 978-3-8340-0563-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. 6. Auflage, Baltmannsweiler 2009. S. 35-53
  2. Maria Montessori: Die Entdeckung des Kindes. 4. Auflage, Herder, Freiburg 1974
  3. Reinhard Tausch, Anne-Marie Tausch: Erziehungspsychologie. Göttingen 1998. 11. Auflage
  4. Siegbert A. Warwitz: Didaktische Prinzipien, In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln, Verlag Schneider, 6. Auflage, Baltmannsweiler 2009, S. 69-72
  5. Edmund Kösel: Didaktische Prinzipien und Postulate, In: Die Modellierung von Lernwelten, Bd. I. Die Theorie der Subjektiven Didaktik, 4. Auflage, Balingen 2002