Ehemaliges Stummfilmkino Delphi

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Außenansicht im Mai 2012
Außenansicht 1955

Das ehemalige Stummfilmkino Delphi war ein Großraumkino in Berlin-Weißensee. Es wurde 1959 wegen Baumängeln geschlossen. Das Gebäude befindet sich in der Gustav-Adolf-Straße 2.

Filmstadt Weißensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1913 entwickelte sich das damals noch nicht zu Berlin gehörende Weißensee zu einem beliebten Standort für Filmproduktionen, da die Möglichkeiten in Berlin immer begrenzter wurden. Daher nannte man Weißensee auch „Klein Hollywood“. Im Weißenseer Lixie-Film-Atelier wurden Filme wie Richard Oswalds Anders als die Andern (1918/19) und Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari (1919/20) gedreht. Im Weißenseer Stuart Webbs-Film-Atelier drehte Ernst Reicher Filme der Serie um den gleichnamigen Detektiv, und nebenan im Greenbaum-Atelier produzierte Regisseur Harry Piel für den Produzenten Joe May Filme der Joe-Deebs-Serie. Im Umfeld der Studios siedelten sich auch Produktionsgesellschaften an. Die Weltwirtschaftskrise 1929 bedeutete jedoch auch hier für die meisten Firmen ein jähes Ende. In Berlin gab es in den 1920er Jahren nahezu 400 Kinos; allein um den Weißenseer Antonplatz gab es sieben.

Planung, Architektur und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kino Delphi wurde von den Architekten Julius Krost und Heinrich Zindel als ebenerdiger Kinosaal mit Foyer und einem Rang geplant. Der Zuschauerraum hatte Wände in Rostfarben. Die Leinwand war über einer acht Meter breiten Bühne angebracht, im Orchestergraben fanden 13 Musiker Platz. Der Vorhang war aus Raupenseide. Zur technischen Einrichtung gehörten zwei AEG-Projektoren der Marke „Triumphator“. Durch eine enge Anordnung der Sitze und Nutzung des Ranges fanden 900 Besucher in dem Kinosaal Platz.

historische Innenansicht

Das Kino Delphi wurde am 26. November 1929 mit dem Film Hochverrat feierlich eröffnet.

Weitere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Kino Delphi nur leicht zerstört, so dass es im Juli 1945 bereits wiedereröffnen konnte. Im Gegensatz zu den anderen Kinos in Berlin-Weißensee wurde es jedoch nicht grundlegend saniert, sondern lediglich provisorisch repariert. Dies rächte sich spätestens 14 Jahre später, als Stuckteile in den Zuschauerraum fielen. Eine Überprüfung der Baukommission ergab, dass wahrscheinlich durch einen Bombenschaden das Dach undicht geworden war und sich über die Jahre immer mehr Wasser hinter der abgehängten Decke ansammeln konnte. Am 12. Februar 1959 wurde das Kino aufgrund des baulichen Zustandes geschlossen. Sanierungspläne in den 1960er Jahren kamen nicht zur Ausführung. Das Gebäude wurde im Foyerbereich in den Folgejahren als Gemüselager, Rewatex-Wäschereistützpunkt, Briefmarkengeschäft und Lagerhalle der Zivilverteidigung der DDR genutzt. Nach 1990 wurde ein Schauraum für Orgeln eingerichtet. Als dessen Inhaber in Konkurs ging, wurde das Gebäude 2005 zwangsversteigert. Seit 2013 sind Nikolaus Schneider und Brina Stinehelfer neue Betreiber des Gebäudes. Mitte 2016 erwarb die Edith Maryon Stiftung das Haus. Unter neuem Namen soll hier im Dezember 2017 ein Zentrum für darstellende Künste entstehen.[1]

Kinodaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1931 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Str. 2, F: E-6 Weißensee 1879, Gr: 1929, täglich, Kap: 13 M, 900 Plätze, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Erwin Palkowsky, Heinr. Bartel, Gf: Erwin Palkowsky
  • 1932 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Guslav-Adolf-Str. 2, F: E 6 Weißensee 1879, Gr: 1929, täglich, T-F: Klangfilm, 900 Plätze, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Erwin Palkowsky, Heinr. Bartel, Gf: Erwin Palkowsky
  • 1933 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Str. 2, F: E 6 Weißensee 1879, Gr: 1929, täglich, T-F: Klangfilm, 900 Plätze, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Erwin Palkowsky, Heinr. Bartel, Gf: Erwin Palkowsky
  • 1934 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Str. 2, F: E 6 Weißensee 1879, Gr: 1929, täglich, T-F: Klangfilm, 900 Plätze, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Gf: Erwin Palkowsky
  • 1935 Delphi, Weißensee, 760 Plätze
  • 1937 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Straße 2, F: 561879, Gr: 1929, täglich, 877 Plätze, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Gf: Erwin Palkowsky
  • 1938 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Straße 2, F: 561879, Gr: 1929, täglich, 877 Plätze, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Berlin-Lichtenberg
  • 1939 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Str. 2, F: 561879, Gr: 1929, 877 Plätze, täglich, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, Berlin-Lichtenberg
  • 1940 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Straße 2, F: 561879, Gr: 1929, 877 Plätze, täglich, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, ebenda
  • 1941 Delphi-Lichtspiele, Berlin-Weißensee, Gustav-Adolf-Straße 2, F: 561879, Gr: 1929, 877 Plätze, täglich, Inh: Delphi-Lichtspiele GmbH, ebenda
  • 1949 Delphi-Lichtspiele, Weißensee, Gustav-Adolf-Straße 2, Tel. 561879, 889 Plätze
  • 1950 Delphi-Lichtspiele, Weißensee, Gustav-Adolf-Str. 2, Tel. 423413, Pl. 889
  • 1957 "Delphi", Weißensee, Gustov-Adolf-Straße 2, Ruf 561879
  • 1960 Delphi, VEB Berliner Filmtheater, Weißensee, Gustav-Adolf-Str 2, 561879

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kino Delphi (Berlin-Weißensee) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carla Laudien: Im Dezember eröffnet das Delphi wieder seine Pforten In: B.Z. Berlin, 26. Oktober 2017, abgerufen am 1. November 2017.

Koordinaten: 52° 33′ 6″ N, 13° 25′ 52″ O