Kirche des Letzten Testaments

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Die Kirche des letzten Testaments ist eine neue religiöse Bewegung, die von Sergei Torop (Wissarion) 1994 zunächst unter dem Namen „Gemeinschaft des Einheitlichen Glaubens“ als religiöse Vereinigung gegründet wurde. Die religiöse Organisation ist beim Justizministerium der Russischen Föderation unter dem Namen „Kirche des Letzten Testaments“ registriert.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste öffentliche Predigt über das sogenannte „Letzte Testament“ hielt Wissarion am 14. Mai 1991. Am 18. August 1991 verkündete er in Minussinsk die Gründung der „Einheitlichen Religion der Erde“. Von Ende 1992 bis Anfang 1993 begannen sich erste Anhänger in Minussinsk zu versammeln. Die erste religiöse Vereinigung der Anhänger Wissarions wurde am 24. Juni 1994 unter dem Namen „Gemeinschaft des Einheitlichen Glaubens“ mit Sitz in Minussinsk, Region Krasnojarsk, registriert (Urkunde Nr. 105).[2]

In der zweiten Hälfte des Jahres 1994 wandte sich eine Initiativgruppe von Anhängern Wissarions, die zu einem ständigen Wohnsitz in der Region Krasnojarsk zogen, bestehend aus Ingenieuren, Lehrern, Landwirten, Künstlern, Spezialisten für traditionelle und nicht-traditionelle Medizin und Handwerkern an die kommunalen Behörden, um im Gebiet des Kreises Kuragino in der Region Krasnojarsk, in der Nähe des Sees Tiberkul eine experimentelle ökologische Siedlung zu gründen. Die Kreisverwaltung teilte dem unter Aufsicht Wissarions stehenden Unternehmen TABRAT für den Bau einer Siedlung 250 Hektar Land in der Gegend des Suchaja-Gebirges und des Tiberkul-Sees zu.[3] Im Jahre 1995 gründeten Wissarion und seine Anhänger dort die „Ökosphäre Siedlung Tiberkul“.[2]

Wissarion fand auch im Ausland Anhänger, unter anderem in Kasachstan, in Lettland, in Weißrussland, in der Ukraine, in Bulgarien, in Australien, in Deutschland und in den USA. Zu Zwecken der Koordinierung gründeten die örtlichen Kirchen des Letzten Testaments im Mai 1998 eine zentrale religiöse Organisation, die unter dem Namen „Kirche des Letzten Testaments“ im Jahr 2000 vom Justizministerium der Russischen Föderation erneut registriert wurde.[2]

Siedlungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Siedlungsgebiet der Kirche des Letzten Testaments befindet sich in der Region Krasnojarsk, dort im Kreis Kuragino in der südsibirischen Taiga am Rande des Sajangebirges.[4] Dort siedelten die Anhänger der Kirche in bereits existierenden Dörfern, u. a. in Petropawlowka (Петропавловка), Tscheremschanka (Черемшанка), Tjuchtjata (Тюхтят), Tajata (Таяты), Guljaewka (Гуляевка), Scharowsk (Жаровск) und Schurawljowa (Журавлёва). Über die Anzahl der Anhänger Wissarions in diesem Siedlungsgebiet gibt es unterschiedliche Angaben zwischen 3000 und 6000. Außerdem entstand eine neue Siedlung inmitten der Taiga (offiziell Teil der Ortschaft Scharowsk), im Volksmund „Stadt der Sonne“ genannt. Die offizielle Bezeichnung vonseiten der Kirche des Letzten Testaments ist „Wohnstätte der Morgendämmerung“ (Обитель Рассвета).[5][6]

Glaubenslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundlage der Glaubenslehre ist die Lehre Wissarions, genannt Das Letzte Testament.

Kirchliches Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kirchliche Leben äußert sich in Liturgien, die in der Regel zweimal wöchentlich abgehalten werden.[7] Dabei werden geistliche Lieder gesungen, die von Mitgliedern der Kirche geschrieben wurden. Wo von Wissarion eingesetzte Priester vorhanden sind, werden Liturgien von diesen geführt; ansonsten werden nur geistliche Lieder (ohne verbindende Worte) gesungen. In der Kirche des Letzten Testaments fungieren Priester nicht als Mittler (zwischen Gott und den Gläubigen), sondern lediglich als Organisatoren. Über das Jahr hinweg werden die folgenden kirchlichen Feste gefeiert[8]:

  • Der Geburtstag Wissarions am 14. Januar.
  • Am 3. März wird der „Tag der Freude“ als Erinnerung an die Einweihung der ersten Kapelle der Gemeinschaft im Dorf Guljaewka gefeiert.
  • Am 14. April wird ein Frühlingsfest gefeiert.
  • Das „Fest der guten Früchte“ am 18. August erinnert an das erste öffentliche Auftreten Wissarions im Jahre 1990.
  • Zu Ende der Erntezeit wird ein Erntedankfest gefeiert.

Offizielle Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das „Letzte Testament“ wurde in Buchform und im Internet veröffentlicht: im russischen Originaltext (auf der offiziellen Website der Kirche des Letzten Testaments)[9] und auszugsweise in deutscher Übersetzung (auf der Website des in Deutschland ansässigen Fördervereins Ökopolis e.V.).[10]

Filmberichte über Wissarion und die sibirische Kirchengemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Glocken aus der Tiefe (Originaltitel: Bells from the Deep – Faith an Superstition in Russia), Dokumentarfilm von Werner Herzog, 1993.[11]
  • In Search of the Vissarion – The Second Coming of Christ von Benjamin Wigley, 2009,[12]
  • The Second Coming, Dokumentation von National Geographic, 2010[13]
  • I Am Jesus ist eine 75-Minuten-Doku der Fabricia Production (Italien/USA) aus dem Jahre 2010[14]
  • Jesus of Siberia, Dokumentation von VICE TV (USA), 2012[15]
  • Jesus of Siberia, Dokumentation von 16:9 TV (Kanada), 2012[16]
  • Jesus of Siberia, Dokumentation von SBS Dataline (Australien), 2013[17]
  • Christmas with Christ, Dokumentation des norwegischen Fotografen Jonas Beniksen, gesendet bei NRK TV (Norwegen), 2017[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in russischer Sprache:

  • E.G. Balagushkin: Nicht-traditionelle Religionen im modernen Russland: morphologische Analyse. Institut für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften, Moskau 1999 (Kapitel V: Kirche des letzten Testaments (synkretisches Christentum von Vissarion), S. 160–223).
  • M.V. Worobjewa: Art. Kirche des letzten Testaments. In: Christliche Vielfalt. Eine Enzyklopädie. SPB, Sankt Petersburg 2004.
  • D.A. Golovushkin: Anhang: Moderne neue religiöse Bewegungen. In: A.Yu. Grigorenko (Hg.): Religionswissenschaft für Studenten der pädagogischen Universitäten. SPB, Sankt Petersburg 2008, ISBN 978-5-91180-866-2.
  • D.A. Golovushkin: Kirche des letzten Testaments. In: A.Yu. Grigorenko (Hg.): Religionen der Welt. Eine Enzyklopädie. SPB, Sankt Petersburg 2009, ISBN 978-5-388-00466-6, S. 383–384.
  • Alexander L. Dworkin: Beiträge zur Geschichte der Ökumenischen Orthodoxen Kirchen. Christliche Bibliothek, Nischni Nowgorod 2006, ISBN 5-88213-068-9 (Kapitel 19: Sekte von Vissarion – Gemeinschaft des Einheitlichen Glaubens – Kirche des letzten Testaments).

Links[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angabe der offiziellen Website der Gemeinschaft: http://vissarion.ru/church
  2. a b c d Bescheinigung über die Staatliche Registrierung der religiösen Organisation Nr. 575 vom 21. Dezember 2000, Paul Stoljarow, Kirche des letzten Testaments (Vissarion) / / Zentrum für apologetische Forschung, 2000
  3. Kirche des Letzten Testaments / / S.I. Ivanenko, Religiöse Vereinigungen der Russischen Föderation : Verzeichnis / Organ des Föderationsrates der föderalen Versammlung der Russischen Föderation, Analytische Verwaltung / unter der Allgemeinen Redaktion von M. M. Prusak, V. v. Borshchev.; Analytische Bote № 24. Sonderausgabe.- M.: Republik, 1996. - 271 S.-ISBN 5-250-02609-5.
  4. Ökopolis e.V.: Lage und Klima des Siedlungsgebiets. In: Die Gemeinschaft Wissarions. 2010, abgerufen am 7. Februar 2019.
  5. Ökopolis e.V.: Wohnstätte der Morgendämmerung. In: Die Gemeinschaft Wissarions. 2010, abgerufen am 7. Februar 2019.
  6. Kirche des Letzten Testaments: Wohnstätte der Morgendämmerung. In: Die Gemeinschaft Wissarions. 2010, abgerufen am 7. Februar 2019 (russisch).
  7. Ökopolis e.V.: Geistiges Leben, Liturgien. In: Wissarion und das Letzte Testament. 2010, abgerufen am 7. Februar 2019.
  8. Kirche des Letzten Testaments: Feste. In: Die Gemeinschaft Wissarions. Abgerufen am 23. Februar 2019 (russisch).
  9. Wissarion: Die Lehre Wissarions. In: Das Letzte Testament. Kirche des Letzten Testaments, 2010, abgerufen am 7. Februar 2019 (russisch).
  10. Ökopolis e.V.: Die Lehre Wissarions. In: Das Letzte Testament. 2010, abgerufen am 7. Februar 2019.
  11. Werner Herzog: Bells From The Deep,. Werner Herzog, 2003, abgerufen am 6. Februar 2019.
  12. Benjamin Wigley: The Second Coming of Christ,. artdocs, 2009, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).
  13. The Second Coming,. National Geographic, 2010, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).
  14. I Am Jesus. Fabricia Production, 2010, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).
  15. Jesus of Siberia. VICE TV, 2012, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).
  16. Jesus of Siberia. 16:9 TV, 2012, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).
  17. Jesus of Siberia. SBS Dataline, 2013, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).
  18. Jonas Beniksen: Christmas with Christ. NRK TV, 2017, abgerufen am 6. Februar 2019 (englisch).