Kiss and ride

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Kiss-N-Ride sign at Draper Station.JPG
Kiss and ride Utrecht.jpg


Kiss-and-ride-Anlage mit Beschilderung
Hinweistafel vor dem Gymnasium in Bad Vöslau

Der Begriff Kiss and ride (auch Kiss und Ride oder K+R bzw. K&R) erschien erstmals 1956 in den Vereinigten Staaten und beschrieb das damalige Phänomen, dass Frauen ihre Männer zur Arbeit brachten und dann das Auto wieder mitnahmen, um es selber zu nutzen. Er verbreitete sich die nächsten Jahre weltweit, geriet aber schnell wieder in Vergessenheit. In den letzten Jahren kam der Begriff vermehrt wieder auf und wird als Ansatz gehandhabt, um Verkehrsprobleme zu minimieren. Beispielsweise vor Schulen, Bahnhöfen oder Krankenhäusern werden Kiss-and-ride-Zonen eingerichtet, die einen Ort bilden sollen, um kurz anzuhalten, jemanden aussteigen zu lassen und direkt wieder abzufahren. Verkehrschaos, wie es etwa morgens vor Schulen entstehen kann, soll so verringert werden.[1] Im Gegensatz zum Park and Ride ist weder die Kiss-and-ride-Zone noch das Kiss-and-ride-Schild nur in wenigen Ländern genormt oder gesetzlich geregelt.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde der Begriff Kiss and ride in der Los Angeles Times erwähnt:[2]

„I believe we are going to have co-ordination between automobiles and rapid transit. It will be park and ride or kiss and ride — where the wife takes the husband to the rapid transit line and kisses him good-bye.“

„Ich glaube es wird eine Verbindung zwischen Auto und Bahn geben. Es wird Park and ride oder Kiss and ride sein – wo die Frau den Mann zur Bahnstrecke bringt und ihn zum Abschied küsst.“

– Los Angeles Times, Artikel Transit Plan Agreement Smoked Out, 20. Januar 1956

Vorteile von Kiss and ride[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiss and ride bietet mehrere Vorteile:

  • Mitfahrende benötigt keine eigene Fahrerlaubnis.
  • Das Fahrzeug bleibt nicht am Start- bzw. Zielort (Schutz vor Vandalismus bzw. Diebstahl).
  • Das Fahrzeug kann während der Abwesenheit von anderen Personen genutzt werden.
  • Es fallen keine Kosten durch z. B. Parkgebühren an.
  • Man ist nicht auf alternative Transportmöglichkeiten z. B. Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.
  • Das Bringen bzw. Abholen kann individuell abgesprochen werden.

Nachteile von Kiss and ride[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der ADAC bemerkte zum Konzept des Kiss and ride, dass es Eltern dazu verleiten könnte, erst recht ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Den Schulweg zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen sollte hier bevorzugt sein.[3]
  • Da Kiss and ride nicht genormt ist, kann sich zu Stoßzeiten und wenn die Zonen nicht eindeutig gekennzeichnet werden, die Verkehrssituation sogar verschlechtern.[4]
  • Da es kein offizielles Schild gibt, kann jeder ein Kiss-and ride-Schild aufstellen.[5]

Kiss and ride in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist der Begriff Kiss and ride Mitte der 1960er-Jahre in Zeitungen aufgekommen. Dort wurde es als moderne Lebensform genannt, in der die Frau ihren Mann zur Arbeit bringt, um tagsüber das Auto selber nutzen zu können.[6][7] Das Zeichen „Kiss and ride“ ist in der StVO und im VzKat nicht aufgeführt. Daher macht man die gewünschte Regelung oft mit Zeichen 286 (eingeschränktes Haltverbot) oder Zeichen 314 (Parken) mit Zusatzzeichen 1040-32 (mit Parkscheibe) mit kurzer Zeitangabe kenntlich.

Kiss and ride in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ÖBB Kiss and ride Logo zeigt einen Kussmund, ein Plus-Zeichen sowie ausgeschrieben das englische Wort "ride".
Kiss and ride Schild der ÖBB

In Österreich wird der Kiss and ride-Bereich hauptsächlich von den ÖBB an frequentierten Bahnhöfen angeboten.

Nicht überall wird die englische Bezeichnung verwendet. So sind in der Steiermark sogenannte Elternhaltenstellen etwas abseits der Schule installiert um den Verkehr direkt vor der Schule zu entwirren.[8]

Kiss and ride in Tschechien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tschechien ist das Verkehrsschild IP-13e Kiss and ride Teil der Straßenverkehrsordnung.

Kiss and ride im Rest der Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie in Deutschland wird Kiss and ride in vielen Ländern (Niederlande, Frankreich oder USA) als Konzept gehandhabt. Eine gesetzliche Regelung oder Normung existiert nicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kiss and ride – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Küssen vor der Schule in den NÖN vom 8. September 2014 abgerufen am 26. Mai 2017
  2. Los Angeles Times, Auszug aus dem Artikel Transit Plan Agreement Smoked Out, 20. Januar 1956
  3. Warum funktioniert das nicht, Artikel in DIE ZEIT vom 1. Oktober 2014 Nr. 38
  4. Neugestalltung des Kiss-and-ride-Bereichs, Artikel in Rundschau-Online vom 13. August 2016
  5. „Kurioses Verkehrsschild am Bahnhof“, Artikel im MERKUR vom 25. Juli 2017
  6. Umsonst ist auch nicht billig, Artikel in DIE ZEIT vom 18. Juli 1969 Nr. 29
  7. Aufgehängt am „Bremer Ast“, Artikel in DIE ZEIT vom 29. Oktober 1965 Nr. 44
  8. So funktioniert die erste "Elternhaltestelle" in Graz in der Kleinen Zeitung vom 17. September 2017 abgerufen am 18. September 2017