Klavarskribo

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Klavarskribo ist eine Notenschrift die in einiger Hinsicht von den üblichen Notationen abweicht. Diese Notation wurde 1931 vom Niederländer Cor Pot entwickelt. Er entlehnte den Namen aus dem Esperanto, der als „Tastaturschrift“ übersetzbar ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Pot stammte aus einer Familie von Schiffbauern und war Direktor der Firma Smit Slikkerveer, die Schiffdynamos baute. Er selbst hatte eine Leidenschaft für Musik und wollte, dass auch andere eine Chance hatten, Musik so zu genießen, wie er es tat, sie selber zu spielen und zu singen. Er studierte alternative Musiknotationen und entwickelte seine Idee für Klavarskribo. Er hoffte, dass die Musikwelt seine Idee begrüßen würde. Doch als er feststellte, dass dies nicht der Fall war, war er sehr enttäuscht. Auch Musikdozenten zeigten sich nicht interessiert, im Gegenteil: sie fühlten sich durch diese Neuheit bedroht und arbeiteten sogar der Verbreitung entgegen. Dadurch, dass Pot über eigene finanzielle Mittel verfügte, konnte er Fernkurse entwickeln und herausgeben sowie Musikstücke in seine Schrift übertragen lassen. In den dreißiger Jahren wuchs die Anzahl der Klavarspieler und viele bekannte Stücke wurden in die Klavarnotation übertragen und herausgegeben. Während des Zweiten Weltkriegs kam diese Arbeit zum Stillstand, nach dessen Ende wurde aber wieder mit neuem Elan weitergemacht. Das von Pot gestiftete Institut Klavarskribo wurde dermaßen ausgebaut, dass eine gewisse Zeit lang bis zu fünfzig Personen angestellt waren und Kurse in englischer, französischer und deutscher Sprache erschienen. Aber die Zeiten änderten sich: Das Fernsehen verbreitete sich immer mehr und das private Musizieren zur eigenen Unterhaltung ging zurück. Nach dem Tode Cor Pots im Jahre 1977 wurden auch die finanziellen Möglichkeiten der Stiftung Klavarskribo deutlich eingeschränkt. Heute beschäftigt sich die Stiftung Klavarskribo in Ridderkerk (bei Rotterdam) mit der Übertragung und Herausgabe von Musik insbesondere für Kirchenorganisten, eine äußerst wichtige Zielgruppe. Die Anzahl der Benutzer der Klavarnotation in den Niederlanden und im Ausland wird auf mindestens 10.000 geschätzt.

Notation[Bearbeiten]

Klaviatur mit entsprechendem Notenliniensystem
Melodie mit Notenstrichen
Dreizählige Takte mit Zähllinien und Noten

Die Klavarnotation hat eine Anzahl von Merkmalen die sie von der üblichen Notation unterscheiden: Klavar verfügt über ein Notenliniensystem mit einer eigenen Stelle für jede Note. Dieses System besteht aus Gruppen von abwechselnd zwei und drei vertikale Linien, auf und zwischen die schwarze und weiße Noten gesetzt werden. # und b werden dadurch überflüssig. Die deutliche Ähnlichkeit zwischen Notenliniensystem und schwarzen und weißen Tasten eines Klaviers hat Pot dazu veranlasst, dieser Schrift den Namen Klavarskribo zu geben. Die Klavarnotation ist zwar eine universelle Notation für alle Instrumente sowie Gesang, aber am besten dort geeignet, wo eine Anzahl von Noten gleichzeitig gespielt werden muss wie bei den Tasteninstrumenten.

Takt und Rhythmus werden graphisch notiert. Ein Musikstück ist aufgeteilt in Takte von gleicher Länge, die in Zählzeiten unterteilt werden. Durchgezogene Taktstriche sind von der normalen Notation übernommen, Zähllinien stellen zusätzlich die Zählzeiten dar. Alle Noten sind versehen mit Notenhälsen (nach rechts: mit der rechten Hand, nach links: mit der linken Hand zu spielen). Außerdem wird im Taktschema angegeben, wann eine Note gespielt oder gesungen werden soll. Eine Note dauert immer bis zur folgenden der gleichen Hand oder Stimme, es sei denn, dass ein Haltezeichen oder ein Dauerpunkt benutzt wird. Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen Form und Dauer einer Note, es gibt keine Fahnen, Haltebögen und Pausen. Die Klavarnotation kennt nur einen Schlüssel, nämlich den C-Schlüssel um anzugeben wo am Klavier das c' zu finden ist. Damit wird das Liniensystem über die Klaviatur festgelegt. Es gibt keine verschiedenen Schlüssel für linke oder rechte Hand.

Dieses Verfahren führt dazu, dass schon nach kurzem Überfliegen klar ist, wie die Notation ´wirkt´, sodass schnell mit dem Musizieren begonnen werden kann. Man sieht, was man tut, und das Notenliniensystem gibt ein durchgehendes Bild von den auszuführenden Griffen. Besonders beim Spielen von Akkorden ist dies ein großer Vorteil.

Übrigens ist die Klavarnotation nicht nur für Anfänger geeignet. Die Tatsache, dass sogar die schwierigste Musik von Komponisten wie Chopin und Liszt in Klavarskribo zur Verfügung steht, zeigt, dass auch fortgeschrittene Spieler diese Notation benutzen. Fast alle Werke für Instrumente wie Orgel, Klavier und Akkordeon stehen in Klavarskribo zur Verfügung. Die Stiftung Klavarskribo hat Bände für Klavier, Kirchenorgel, Akkordeon(orchester), elektrische Orgel, Keyboard und Gitarre erstellt. Außerdem gibt es viele, die das Programm KlavarScript verwenden, womit Musik in der traditionellen Notation durch Midifiles oder nach Abtastung nach der Klavarnotation umgesetzt werden kann.

Organisationen[Bearbeiten]

Neben der Stiftung Klavarskribo ist die 1978 gegründete Klavar Vereniging Nederland (Klavar-Verein Niederlande) aktiv. Sie zählt rund 800 Mitglieder und hat das Ziel, in Zusammenarbeit mit der Stiftung, Werbung für die Klavarnotation zu machen und diese zu erhalten. Die KVN hat eine Liste mit Lehrern in den Niederlanden veröffentlicht, die bereit sind mit Klavar zu unterrichten, und sie versucht Klavarnutzer anzuregen bei diesen Lehrern Stunden zu nehmen, um ihr Niveau zu steigern.

Die Stiftung Klavarskribo und der Klavar-Verein Niederlande betrachten es als ihre Aufgabe diejenigen die sich mit Musik beschäftigen oder damit anfangen möchten, auf Klavarskribo und dessen Nutzen und Möglichkeiten hinzuweisen.

Noten und Kurse in verschiedenen Sprachen stehen zur Verfügung bei der Stichting Klavarskribo, Postbus 39, 2980 AA RIDDERKERK, Niederlande

Weblinks[Bearbeiten]