Kneissl (Unternehmen)

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Kneissl Tirol GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1861
Sitz Kufstein
Leitung Andreas Gebauer, Stefan Geiler
Mitarbeiter 21[1]
Umsatz 0, zuletzt ca. € 3 Mio.[2]
Branche Sportartikel
Website www.kneissl.com

Kneissl ist ein österreichischer Hersteller von Ski- und Sport-Artikeln mit Hauptsitz in Kufstein. Die Firma befindet sich Besitz einer Beteiligungsgesellschaft von Mohamed Bin Issa Al Jaber. Das Unternehmen produziert und vertreibt Ski samt Bekleidung und Accessoires sowie Tennisschläger und Fahrräder.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kneissl-Schifabrik in Kufstein-Zell (1969)

Die Firma Kneissl wurde 1861 als Landwagnerei gegründet. In den Jahren 1919 bis 1921 wurden die ersten Ski in Serie gefertigt.[3] 1980 musste die Firma erstmals Konkurs anmelden. Der Betrieb wurde 1981 zu 75 % durch den Schweizer Hauenstein und zu 25 % durch den deutsch-amerikanischen Langlaufskihersteller "Trak" übernommen und es konnte innerhalb eines Jahres ein Gewinn von 5 % des einbgesetztes Kapitals erwirtschaftet werden. Es kam wieder zu einem Aufwärtstrend.[4]

1990 brachte Kneissl das innovative Ski-Modell "Big Foot" auf den Markt. 1992 wurde durch Fusion der Firmen Kneissl und Dachstein die Kneissl Dachstein Sportartikel AG mit Firmensitz in Molln gegründet. Mit 320 Mitarbeitern setzte die Firma 1993/94 627 Millionen Schilling um.[5] 2003 war Kneissl zum zweiten Mal insolvent.[6] Größte Aktionäre waren damals die BREG Gesellschaft für Bau und Revitalisierung von Hans-Peter Haselsteiner und Erhard F. Grossnigg.

2006 wurde die Produktion von Kufstein nach Tschechien verlagert.[7]

Ende 2010 konnte ein neuerlicher Konkursantrag gegen Kneissl abgewendet werden, der jedoch bereits Anfang 2011 folgte.

Neuausrichtung ab 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 übernahm Mohamed Bin Issa Al Jaber über seine JJW Hotels & Resorts Firmen-Gruppe die Mehrheit an Kneissl. Die Neuausrichtung von Kneissl sah vor, unter anderem durch die Eröffnung von weltweit bis zu 70 Kneissl Star Lounges - einem Konzept für Shop und Gastronomie unter einem Dach - sowie mehreren Kneissl Star Resort Hotels als Lifestyle Marke zu etablieren.[8]

2009 wurde in der Innenstadt von Innsbruck die erste Kneissl Star Lounge eröffnet.[9] Eine 2010 in Hochfügen gebaute Kneissl Star Lounge wurde nicht bezogen.[10] Die Errichtung der angekündigten Kneissl Hotel-Projekte wurde mehrfach verschoben.[11] Die Pläne zur Errichtung einer Ski-Manufaktur in Kiefersfelden wurden wieder verworfen.[12]

Am 3. Januar 2011 beantragte Ex-Kneissl-Eigentümer Fritz Unterberger, dem das Unternehmen rund € 900.000 schulde, Konkurs.[13] Investor Mohamed Bin Issa Al Jaber hatte zuvor mit seiner zugesagten Finanzspritze von € 1,2 Mio. weiter auf sich warten lassen.[14] Weitere Rechtsstreitigkeiten sind unter anderem mit dem Wiener Modelabel Susan Strasser sowie dem Fußballklub FC Wacker Innsbruck anhängig.[15]

Trotz anhaltender Berichte über Zahlungsprobleme und der Exekution lagernder Ware in der Kneissl Star Lounge in Innsbruck [16] hält Andreas Gebauer am 25 Millionen Euro teuren Hotelprojekt in Stockenboi fest.[17] Gleichzeitig kündigte Gebauer Klage gegen Gläubiger sowie eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen des Verdachts der Bereicherung durch ein Wiener Modeunternehmen an. Die Ermittlungen gegen die Gläubigerin wurden noch im März 2011 eingestellt.[18]

Nachdem Al Jaber auch Ende Januar 2011 weiter mit zugesagten Geldern auf sich warten ließ, sollte über einen weiteren Konkursantrag verhandelt werden.[19] Geschäftsführer Andreas Gebauer musste demnach am 7. Februar 2011 die Zahlungsfähigkeit vor dem Landesgericht Innsbruck beweisen.[20]

Konkurs 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Februar 2011 meldete Geschäftsführer Andreas Gebauer nach einer mehrfach ausgebliebenen Kapitalspritze von Mohamed Bin Issa Al Jaber Insolvenz an.[21] Davon betroffen sind die Kneissl Holding GmbH, die Kneissl Tirol GmbH sowie die Kneissl Star Lounge GmbH.[22] In einer ersten Stellungnahme spricht Gebauer von einem rechtlichen Anspruch gegenüber Mohamed Bin Issa Al Jaber, welcher angeblich eine entsprechende Kapitalerhöhung unterzeichnet hatte und die Insolvenz eines Großteils der Unternehmensgruppe hauptsächlich zu verantworten habe.[23] Der Alpenländische Kreditorenverband warf Mehrheitseigentümer Al Jaber Habgier vor.[24] Dieser bekräftigte, das Unternehmen nicht fallen zu lassen. Al Jaber sei bereit, die Gesellschaft in einem Sanierungsverfahren zu unterstützen.[25] Die Gläubigerin Susan Strasser GmbH kündigte noch am selben Tag unter anderem gegen Geschäftsführer Andreas Gebauer eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen Verdacht auf "grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen", Konkursverschleppung und betrügerische Krida an.[26] Entsprechende Ermittlungen nahm die Staatsanwaltschaft Innsbruck Ende Februar 2011 auf[27] und weitete sie im Juni auf die Tochter Al Jabers aus[28].

Insgesamt wurden die Schulden auf 16,4 Millionen Euro geschätzt.[29] Im Juni 2011 scheiterte ein bereits ausgehandelter Sanierungsplan an der ausbleibenden Zahlung Al Jabers in Höhe von 2,1 Millionen Euro. Im Juli wurde die Produktion am Standort Kufstein eingestellt[30], im Oktober erhielt das Konzept der Beteiligungsgesellschaft Friends of Sports (hinter der der fränkische Sportartikelhändler Kramer Elastics GmbH mit einer Bilanzsumme von ca. 2,5 Millionen Euro steht) den Zuschlag.[31] Das endgültige Finanzierungskonzept stand jedoch noch nicht fest[32] und auch Al Jaber war unter den Bietern für das insolvente Unternehmen und leistete eine Anzahlung[33], blieb den restlichen Kaufpreis jedoch schuldig.[34] Die Übernahme durch Friends of Sports konnte jedoch wegen im November noch laufender Verhandlungen nicht rechtzeitig zur Wintersaison 2011/12 fixiert werden.[34] Nachdem der Kaufpreis in Höhe von 1,7 Millionen Euro im Dezember noch nicht eingegangen war, wurde der Gläubigerversammlung ein erneuter Sanierungsplan vorgelegt, über den bis Januar 2012 entschieden werden sollte.[35][36] Anfang Januar 2012 hinterlegte Al Jaber 1,98 Millionen Euro für die Insolvenzquote,[1] mit Annahme des Sanierungsplans durch die Gläubiger wurde Kneissl Ende Januar 2012 mit Auszahlung der Quote von 20 % entschuldet[37] und Al Jabers JJA Beteiligungsverwaltungs GmbH wurde zum alleinigen Eigentümer.[38]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsführer sind seit 2007 Andreas Gebauer, und seit Juni 2012 Andrea King.[39] Seit 2008 wurden keine offiziellen Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung veröffentlicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zweiter Durchgang mit Kneissl, kurier.at, 8. Januar 2012, abgerufen am 11. Januar 2012.
  2. http://www.pressezone.at/presse/2007/11/2007-11-22_kn_pknachlese.php
  3. http://s260978057.online.de/kneisslhp/index.php?option=com_content&view=article&id=6&Itemid=56
  4. «Kneissl-Stern strahlt wieder». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 24. Februar 1982, S. 8.
  5. Kneissl Dachstein Sportartikel AG
  6. Nach zwei Insolvenzen reisst Kneissl bald seinen dritten Stern. (Memento vom 1. Mai 2016 im Internet Archive). In: WirtschaftsBlatt, abgerufen am 11. Januar 2011.
  7. Aus für Massen-Skis in Kufstein www.oe24.at, 20. Oktober 2006.
  8. Al Jaber geht nicht in die Luft, sondern fährt auf Kneissl-Ski ab (Memento vom 29. November 2015 im Internet Archive). In: WirtschaftsBlatt, abgerufen am 10. Januar 2011.
  9. Kneissl baut aus, Star-Lounge eröffnet
  10. Aus mit der Kneissl-Lounge. In: meinbezirk.at, abgerufen am 11. Januar 2011.
  11. Kneissl Hotels: Architekten klagen Honorare ein. In: DerStandard.at, abgerufen am 11. Januar 2011.
  12. Kino-Attraktion statt Ski-Manufaktur. In: rosenheim24.de, abgerufen am 10. Januar 2011.
  13. Kneissl: Warten auf Zahlung von Al Jaber. In: tirol.orf.at, abgerufen am 10. Januar 2011
  14. Kneissl wartet weiter auf Al-Jaber-Geldspritze. In: derStandard.at, abgerufen am 11. Januar 2011.
  15. http://tirol.orf.at/stories/471850/
  16. Wieder Exekutor bei Kneissl
  17. Kneissl baut Luxushotel im Seetal
  18. http://tirol.orf.at/stories/504910/http://tirol.orf.at/stories/504910/
  19. Zahlungsverzug: Alle warten auf den Scheich
  20. Immer noch kein Geld für Kneissl
  21. Kneissl-Pleite: Konkurs über betroffene Firmenteile eröffnet Tiroler Tageszeitung, 8. Februar 2011.
  22. http://tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/2180399-2/aus-f%C3%BCr-kneissl---insolvenz-%C3%BCber-unternehmensteile.csp
  23. http://www.news.at/articles/1106/30/288387/scheich-al-jaber-frist-gebauer-insolvenzantrag-kneissl
  24. http://money.oe24.at/Ski-Firma-Kneissl-ist-pleite/17187882
  25. http://tirol.orf.at/stories/497736/
  26. http://diepresse.com/home/panorama/wien/632392/Wird-Kneissl-zum-Kriminalfall?_vl_backlink=/home/panorama/wien/index.do
  27. http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/%C3%9Cberblick/Wirtschaft/WirtschaftTirol/2280747-6/gebauer-im-visier-der-anklage.csp
  28. Kneissl-Ermittlungen gegen Familien Al Jaber und Gebauer, Tiroler Tageszeitung 11. Juni 2011
  29. http://www.wienweb.at/content_apa.aspx?menu=7&cid=1997001133905460
  30. Skiproduktion gestoppt: Kneissl vor endgültigem Aus, Tiroler Tageszeitung, 14. Juli 2011
  31. Übernahme bestätigt: Friends of Sports kauft Kneissl, Tiroler Tageszeitung, 6.Oktober 2011.
  32. Kneissl wartet noch auf Zahlung, Tiroler Tageszeitung, 15. Oktober 2011
  33. Barbara Schaefer: Zwei Bretter, die die Welt bedeuten, Der Tagesspiegel, 5. November 2011
  34. a b Kneissl-Verkauf: Al Jabers Anzahlung fällt an die Masse Wiener Zeitung, 5. November 2011.
  35. Al Jaber mischt wieder bei Kneissl mit, Der Standard, 22. Dezember 2011.
  36. Neuerliche Sanierungsanträge bei Kneissl, tirol.orf.at, 22. Dezember 2011.
  37. Kneissl gehört wieder Al Jaber (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive), orf.at, 25. Januar 2012, abgerufen am 4. Februar 2012.
  38. Kneissl gerettet, Sanierung des Scheichs angenommen, Tiroler Tageszeitung, 26. Januar 2012.
  39. Amtsblatt zur Wiener Zeitung vom 11. September 2012. Auf wienerzeitung.at, S. 24.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]