Kobra-Effekt

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Der Kobra-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Maßnahmen, die getroffen werden, um ein bestimmtes Problem zu lösen, dieses auch verschärfen können. Er wurde durch das gleichnamige Buch Horst Sieberts bekannt, in dem die Folgen falscher Anreize für die Wirtschaft dargestellt wurden. Umgangssprachlich wird auch von Verschlimmbessern gesprochen, womit das unbeabsichtigte Verschlimmern einer Ausgangssituation durch einen Versuch der Verbesserung gemeint ist.

Begriffsursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung geht auf ein angebliches historisches Ereignis in Indien zurück: Ein britischer Gouverneur wollte einer Kobraplage Einhalt gebieten, indem er ein Kopfgeld auf jedes erlegte Exemplar aussetzte. Scheinbar funktionierte das Konzept zunächst gut: Immer mehr tote Schlangen wurden abgeliefert. Jedoch wurde deren Anzahl nicht gemindert, da die Bevölkerung dazu überging, Kobras zu züchten und zu töten, um weiterhin von der Prämie zu profitieren.[1]

Als das Kopfgeld nach einem gewissen Zeitraum wieder aufgehoben wurde, ließen die Züchter die Tiere frei, da sie keine Verwendung mehr für sie hatten - dadurch hatte sich dank (indirekter) staatlicher Förderung die Zahl der Kobras vervielfacht.

Der Kobra-Effekt ist ein Beispiel für eine unbeabsichtigte Fehlsteuerung aufgrund von Ausweichverhalten, einer der von Joseph Stiglitz angeführten Typen von Staatsversagen. [2]

Ein ähnlicher Zwischenfall passierte in Hanoi, Vietnam, unter französischer Kolonialherrschaft. Das Regime startete ein Kopfgeldprogramm für jede getötete Ratte. Für das Kopfgeld mussten die Menschen die abgetrennten Rattenschwänze abgeben. Natürlich wurden irgendwann Ratten ohne Schwänze entdeckt, denn die vietnamesischen Rattenfänger fingen die Ratten, schnitten ihnen die Schwänze ab und entließen sie danach wieder in Freiheit, sodass sie sich weiter fortpflanzen konnten, wodurch die Rattenfänger ein größeres Einkommen erhielten. Der Historiker Michael Vann behauptet, dass es keine Beweise für das Kobrabeispiel gebe, die Ereignisse aus Vietnam aber beweisbar seien, weswegen der Begriff eigentlich "Ratteneffekt" heißen sollte.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Siebert: Der Kobra-Effekt. Wie man Irrwege der Wirtschaftspolitik vermeidet. DVA, Stuttgart 2001; Piper, München 2003, ISBN 3-492-23690-1.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stephen J. Dubner: The Cobra Effect: A New Freakonomics Radio Podcast. 11. Oktober 2012, abgerufen am 7. Dezember 2015 (englisch, Audio-Podcast).
  2.  Holger Rogall: Volkswirtschaftslehre für Sozialwissenschaftler. Springer, 2006, ISBN 353114538X, S. 178f.