Koeth-Wanscheidsches Schloss

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Koeth-Wanscheidsches Schloss, Nordansicht vom Schlosspark her

Das Koeth-Wanscheidsche Schloss in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Dirmstein ist ein großes schlossartiges Herrenhaus, dessen heutige Bestandteile vorwiegend aus dem späten Barock und dem Klassizismus stammen. Es steht unter Denkmalschutz.[1][2]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Schloss liegt am Nordwestrand des historischen Ortskerns von Dirmstein, der heute noch wegen seiner Lage oben am Eckbach Oberdorf genannt wird. Südfront und Innenhof weisen zur Herrengasse hin, der Ostflügel grenzt als Torhaus mit seiner nördlichen Seite an die Straße Obertor. Die weitere Nordfassade zeigt zum Schlosspark, dessen Südostabschluss durch das Schloss gebildet wird.

Gebäude[Bearbeiten]

Das heutige Bauensemble gruppiert sich hufeisenförmig um einen großen gepflasterten Innenhof, der sich nach Süden, zur Herrengasse hin, optisch offen präsentiert; er ist durch einen niedrigen Sandsteinsockel mit aufgesetztem Staketenzaun abgeschlossen und über ein mittig gesetztes Tor mit Sandsteinpfeilern zugänglich. Beiderseits des Tores standen anfangs vier, jetzt noch drei alte Spitzahorne, die vor Jahrzehnten unter der Bezeichnung „Vier alte Ahornbäume“ als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurden.

An der West- und Ostflanke des Hofes stehen die beiden sogenannten Remisen, kubisch geformte Wirtschaftsgebäude vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die durch gestufte Blendbögen und durchlaufende Kämpfergesimse gegliedert sind.

Die Mitte des Hufeisens bildet das eigentliche Schloss, das aus dem Mittelbau und zwei niedrigeren Seitenflügeln besteht.

Baugeschichte[Bearbeiten]

„Ansicht von Dirmstein in der Pfalz und dem von Camuzi´schen Schloß“, Gemälde von Louis Coblitz, 1862

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war der baden-durlachische Hofrat Wolfgang Wilhelm von Rießmann der erste bekannte Eigentümer des Schlosses. Damals verlief noch der Graben der Dorfbefestigung entlang der Nordseite des Anwesens, der Schlosspark existierte noch nicht. Auf dem Ortsplan von 1746 wurde eingetragen:

H. v. Rismans Haus gegen die gassen von holtz u. das newe gegen dem graben von stein; samt zwey scheuren, auch beyde von holtz

Der in dieser Quelle als das „neue“ Haus bezeichnete steinerne Mittelbau wurde unter Verwendung von Holzbalken errichtet, die nach dendrochronologischen Untersuchungen aus den Jahren 1715–1718 stammen und somit der gleichen Wiederaufbauphase zuzuordnen sind wie das Alte Rathaus, die St.-Michael-Apotheke oder das Haus Marktstraße 1. Dies belegt, dass auch das Vorgängeranwesen des Schlosses zerstört worden war, als Dirmstein 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen fast gänzlich niedergebrannt wurde.

In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ging das Schlosseigentum von Rießmann an die Familie von Haumüller über, die im 17. Jahrhundert in den erblichen Adelsstand erhoben worden war. Spätestens ab 1765 befand sich das Schloss dann im Besitz des kurpfälzischen Offiziers Georg August Heinrich von Kinckel (1841–1827). Dieser sollte, als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Französische Revolution auf die Pfalz übergriff, enteignet und die Anlage versteigert werden. Doch Kinckel veräußerte das Schloss sowie seinen ebenfalls von Beschlagnahmung bedrohten Besitz in Heimsheim bei Alzey am 6. November 1796 für 24.000 Gulden an seinen Bruder Heinrich August von Kinckel (1747–1821), der als niederländischer Vizeadmiral und Diplomat Immunität genoss.[3]

Von ihm erwarb die Anlage am 2. Dezember 1802 Joseph von Camuzi. Sein Sohn Gideon – später, von 1868 bis 1874, Bürgermeister – und dessen Familie erweiterten das Areal nach Norden über die bisherige Ortsgrenze hinaus, indem sie dort zwischen 1824 und 1837 Ländereien hinter dem alten Dorfgraben hinzukauften. Gideon von Camuzi war befreundet mit dem Mannheimer Maler Louis Coblitz, der sich im Sommer 1861 hier bei ihm im Schloss aufhielt und mehrere Bilder von Dirmstein fertigte.

Bilder aus der Zeit vor dem Umbau[Bearbeiten]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde das Schloss durch die öffentliche Hand außen vollständig, innen in wesentlichen Teilen restauriert. Ein Investor, der eine vollständige Sanierung vornimmt, wurde lange Zeit vergebens gesucht. Vor allem die Auflagen der Denkmalschutzbehörde, die großen Dachflächen nicht mit Gauben zu öffnen und so auf die Nutzung des Speicherraumes zu verzichten, schreckten Interessenten lange ab.

2012 wurde das Anwesen an den Regionalverband Worms der Deutschen Seniorenförderung und Krankenhilfe (DSK) verkauft. Der Träger von Seniorenzentren saniert das Schloss in Abstimmung mit Denkmal- und Brandschutz. Im Frühjahr 2015 soll darin die Schlossparkklinik Dirmstein eröffnet werden. Dabei handelt es ich um eine private Akutklinik für Psychotherapie und Psychosomatik mit 52 Betten. Im Hauptgebäude werden sich die Therapieräume und Mitarbeiterbüros befinden. Der Gewölbekeller des Schlosses wurde zu einer Indoor-Bogenschießanlage umgestaltet.

Die Fassade der Westremise wurde erhalten und ausgebessert, während der restliche Gebäudeteil komplett abgerissen und neu gebaut werden musste. Im Erdgeschoss befinden sich Rezeption, Verwaltung, Restaurant, Bibliothek und Raucherlounge. Die Westremise wurde um einen Neubau erweitert, in dem sich neben Patientenzimmern auch ein Entspannungsbereich mit Pool, Sauna, Bluebox und Ruheraum befindet. Als Übergang zwischen Schloss und Westremise bzw. zwischen Patiententrakt und Therapieräumen wurde eine Glasbrücke eingesetzt.

Die Ostremise wurde hauptsächlich hinsichtlich der Fassade saniert. Ihre Nutzung ist noch nicht festgelegt; die Remise kann als Ausbaureserve je nach Bedarf zu Lagerzwecken oder zur Erweiterung der Bettenkapazität genutzt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Peter Karn, Ute-Konstanze Rasp: Burgen und Schlösser in Dirmstein - Ehemaliges Koeth-Wanscheidsches Schloss. In: Michael Martin (Hrsg.): Dirmstein – Adel, Bauern und Bürger. Chronik der Gemeinde Dirmstein. Band 6, Selbstverlag der Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung, Neustadt an der Weinstraße 2005, ISBN 3-9808304-6-2, S. 454 ff.
  •  Georg Peter Karn, Ulrike Weber: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Kreis Bad Dürkheim. Stadt Grünstadt, Verbandsgemeinden Freinsheim, Grünstadt-Land, Hettenleidelheim. Band 13, Nr. 2, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2006, ISBN 978-3-88462-215-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Georg Peter Karn, Ulrike Weber: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz.
  2. Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler: Kreis Bad Dürkheim. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, S. 20, abgerufen am 2. März 2015 (PDF; 1,6 MB).
  3. Karl Hugo Popp u. Hans Riexinger: Zur Geschichte der Heilbronner Familie Künckelin/von Kinckel. In: Historischer Verein Heilbronn, Jahrbuch 30, 1983, S. 145–166.

49.5644444444448.2444444444444Koordinaten: 49° 33′ 52″ N, 8° 14′ 40″ O