Kontrahent

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Der Kontrahent (von lat. con-trahere „zusammenziehen, vereinigen, bewirken“) ist eine Person, die einen Vertrag (Kontrakt) abschließt. Diese ursprüngliche Bedeutung ist heute auf den juristischen und den Börsen-Sprachgebrauch beschränkt. Die Bezeichnung wird jedoch auch für einen Gegner in einer (geistigen) Auseinandersetzung gebraucht.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort kontrahent ist hergeleitet vom Partizip Präsens des lateinischen Verbs contrahere, das u. a. eine geschäftliche Verbindung eingehen, abschließen bedeutet. Als solche contrahentes wurden im römischen Recht die einen Vertrag schließenden Parteien bezeichnet.[1] Das Ergebnis eines solchen Vorgangs zwischen den Kontrahenten war ein rechtswirksamer Kontrakt, der eine geschäftliche Vereinbarung sein konnte ebenso wie eine private, z. B. eine Eheschließung.[2]

Die Verwendung der Bezeichnung Kontrahent für einen Vertragspartner ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Eine spezielle Bedeutung des Wortes ist die eines Gegners oder Rivalen im Zweikampf des Mittelalters. In der Studentensprache wurde das Verabreden des Zweikampfes als kontrahieren bezeichnet, wobei wohl das lateinische Wort contra (gegen) eine Rolle gespielt hat: „Gegner im Zweikampf“.

Bank- und Börsenwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sprache des Bank- und Börsenwesens ist der Kontrahent der Vertragsgegner (oder Vertragspartner) in einem Börsen- oder Finanzkontrakt. Entsprechend spricht man von dem Kontrahentenrisiko als dem Risiko, das in der möglichen Zahlungsunfähigkeit des Kontrahenten liegt, und hat das Rechtssubjekt des Zentralen Kontrahenten entwickelt, um dieses Risiko zu vermindern.[3] Seit Januar 2014 spricht die Capital Requirements Regulation von der Gegenpartei.

Juristischer Sprachgebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im juristischen Sprachgebrauch ist Kontrahent der Vertragspartner. Der Gegenpart des Kontrahenten ist der Gegenkontrahent. Der Begriff Kontrahierungszwang steht für den gesetzlichen Abschlusszwang des Oblaten (Anerbotenen), sich mit dem Offerenten (Anbietenden) auf dessen Offerte (Angebot) hin in dem gesetzlich vorgeschriebenen Umfange zu kontrahieren (z.B. in der Pflichtversicherung).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kontrahent – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergleiche Digestae 19,2,22: „Circumvenire se invicem naturaliter licet contrahentibus“ („Die einen Vertrag Schließenden dürfen einander natürlicherweise übervorteilen.“)
  2. Karl Ernst Georges, Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Band I, Spalte 1631
  3. Jürgen Krumnow/Ludwig Gramlich (Hrsg.), Gabler Banklexikon, 12. Auflage, 2000, ISBN 3-409-46112-4, S. 815