Kopfgeldjäger

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Historische Verwendung des Begriffs? Heutige Verwendung des Begriffs in D, A, CH
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Ein Kopfgeldjäger verfolgt Menschen, auf deren Ergreifung ein Kopfgeld ausgesetzt wurde und liefert sie gegen Zahlung der Belohnung aus.

In den USA ist die Tätigkeit zwar kein Ausbildungsberuf, erfüllt aber aufgrund des besonderen Kautionssystems eine wichtige Funktion im dortigen Rechtssystem. Offizielle Bezeichnungen lauten beispielsweise Bail Enforcement Agent oder Fugitive Recovery Agent. Der umgangssprachliche Begriff lautet bounty hunter und ist aufgrund der Assoziation mit dem Wilden Westens entweder tendenziell negativ konnotiert oder bezieht sich auf Personen, die dieser Tätigkeit außerhalb des Justizsystems nachgehen.

Außer in den Vereinigten Staaten ist die Kopfgeldjagd auch auf den Philippinen legal.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der historischen Verwendung des Begriffs wird nicht nach legalem, halblegalem oder illegalem Handeln unterschieden; es werden mit ihm alle Personen bezeichnet, die gegen Belohnung sowohl für obrigkeitliche als auch für private Auftraggeber Gesuchte aufspüren und ausliefern bzw. einen als sicher geltenden Beweis dafür erbringen, dass der Gesuchte tot ist.

In den USA wurden vor allem in weitläufigeren Regionen, z.B. im Westen, auch von Polizeiorganen häufig Kopfgelder ausgesetzt, wenn beispielsweise dort aufgrund der geografischen Verhältnisse eine effektive staatliche Verfolgung erschwert war. Auch private Wirtschaftsunternehmen wie Eisenbahngesellschaften oder Postkutschenlinien setzten Belohnungen für die Ergreifung von Tätern bzw. Verdächtigen aus.

Kopfgeldjäger heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kautionssystem in den USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Existenz von Kopfgeldjägern in den Vereinigten Staaten ist eng mit dem dortigen Kautionssystem verbunden. In den Vereinigten Staaten kann ein Angeklagter eine Kaution bezahlen, wenn er die Zeit bis zur Verhandlung nicht im Gefängnis verbringen möchte. Die Kaution kann er sich hierzu von einem privaten Kautionsbüro leihen, das hierfür eine Gebühr verlangt. In einigen Bundesstaaten sind diese Büros allerdings nicht zugelassen.

Wenn der Angeklagte nicht zur Verhandlung erscheint, muss das Kautionsbüro die vorgestreckte Kaution entrichten. Daher bemüht sich der Kautionsagent (Bail Bondsman), den Flüchtigen selbst oder durch einen Kopfgeldjäger zu ergreifen. Die Rechte der Kopfgeldjäger gehen hierbei auf ein Urteil des US Supreme Court (Taylor vs. Taintor) aus dem Jahre 1873 zurück[1].

Von staatlicher Seite wird der Flüchtige lediglich zur Fahndung ausgeschrieben, ohne dass unmittelbar weitere Maßnahmen eingeleitet werden.

Rechte und Leistungen des Kopfgeldjägers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kopfgeldjäger unterscheidet sich von Privatpersonen dadurch, dass er über gewisse Sonderrechte verfügt. Beispielsweise darf er einen Flüchtigen auch in andere Bundesstaaten, jedoch nur innerhalb der Vereinigten Staaten, verfolgen. Anderenfalls könnte er etwa wegen Entführung oder Verschleppung belangt werden, wenn er in anderen Staaten aktiv würde. Einige Staaten erkennen jedoch von Kopfgeldjägern vorgelegte Haftbefehle an und liefern Flüchtige an die Vereinigten Staaten aus.

Dem Kopfgeldjäger ist es per Gesetz erlaubt, sich als eine andere Person auszugeben, um durch Täuschung an Informationen über den Aufenthaltsort des Flüchtigen zu gelangen. Der Kopfgeldjäger darf in vielen Bundesstaaten sogar ein Gebäude, notfalls mit Gewalt, betreten, um den Flüchtigen festzunehmen. Er muss sich hierbei jedoch sicher sein, dass sich der Gesuchte im Gebäude aufhält. Für Eigentumsschäden während der Verhaftung haftet der Kopfgeldjäger persönlich.

Die Gesetze der verschiedenen US-Bundesstaaten unterscheiden sich erheblich hinsichtlich der Rechte und Pflichten eines Kopfgeldjägers. In einigen Bundesstaaten gibt es bis auf die Anforderungen des beauftragenden Kautionsagenten keinerlei Ausbildungs- oder Lizenzeinschränkungen. In manchen Bundesstaaten muss sich der Kopfgeldjäger vor der Durchführung einer Festnahme gerichtlich registrieren lassen, um vor einer Anklage wegen Entführung geschützt zu sein. Auch gibt es Unterschiede bei der äußerlichen Kennzeichnung: Einige Bundesstaaten verlangen, dass Kopfgeldjäger Dienstmarken und Aufnäher tragen, die sie als solche ausweisen. Andere Bundesstaaten verbieten diese, um Verwechslungen mit Polizeibeamten zu vermeiden. Manche Bundesstaaten schränken die Kopfgeldjagd erheblich ein oder verbieten sie ganz.

Der Kopfgeldjäger liefert den Flüchtigen an die Polizei aus, vorzugsweise an die zuständige Polizei des Gerichtsortes. Zu diesem Zweck haben viele Kautionsagenten und Kopfgeldjäger einen Haftbefehl bei sich, sodass ein Erscheinen bei der Polizei am Verhaftungsort entfallen kann.

Der Kopfgeldjäger wird üblicherweise mit etwa 10 % der Kautionssumme bezahlt, die für den Kautions-Agenten durch die 10-15 % der Kautionssumme, die er vom Angeklagten als Provision erhalten hat, gedeckt sind.

Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinofilme wie der Italo-Western Für ein paar Dollar mehr, Midnight Run – Fünf Tage bis Mitternacht, Domino oder Django Unchained griffen das Bild des Kopfgeldjägers auf. In der Science-Fiction sind Jango Fett und sein Sohn Boba Fett bekannte Kopfgeldjäger innerhalb des Star-Wars-Universums. In Fernsehserien wurde die Thematik beispielsweise durch die Serien wie Ein Colt für alle Fälle, Renegade – Gnadenlose Jagd sowie die Reality-Dokumentation Dog – Der Kopfgeldjäger behandelt.

Die japanische Anime-Serie Cowboy Bebop handelt von den Abenteuern einer Gruppe von Kopfgeldjägern im Jahr 2071.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kopfgeldjäger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Adam Liptak: Illegal Globally, Bail for Profit Remains in U.S. In: New York Times. 29. Januar 2008; abgerufen am 28. Oktober 2017.