Kragentrappe

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Kragentrappe
Kragentrappe (Chlamydotis undulata)

Kragentrappe (Chlamydotis undulata)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Otidiformes
Familie: Trappen (Otididae)
Gattung: Kragentrappen (Chlamydotis)
Art: Kragentrappe
Wissenschaftlicher Name
Chlamydotis undulata
(Jacquin, 1784)
Kragentrappe der Unterart C. u. fuertaventurae auf Fuerteventura
Kragentrappe C. u. fuertaventurae in einem für sie typischen Habitat
C. u. fuertaventurae bei der Balz

Die Kragentrappe (Chlamydotis undulata), auch Saharakragentrappe genannt, ist eine große Vogelart aus der Familie der Trappen (Otididae). Es werden zwei Unterarten unterschieden. Die Asiatische Kragentrappe, die lange als Unterart der Kragentrappe eingestuft wurde, wird heute als eigenständige Art geführt.

Das Verbreitungsgebiet reicht von den östlichen Kanaren bis nach Nordafrika. Auf dem europäischen Festland ist die Saharakragentrappe ein sehr seltener Irrgast, der vor allem in Italien gelegentlich beobachtet wird.[1] Sie ist das Natursymbol von Fuerteventura.[2]

Die Bestandssituation der Kragentrappe wird wegen des starken Populationsrückgangs in den letzten Jahren als vulnerable (= gefährdet) eingestuft.[3] Um frei lebende Bestände zu stützen, werden in breitem Rahmen Zuchtversuche unternommen mit dem Ziel, die herangezogenen Trappen auszuwildern.[4]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Männchen der Kragentrappe erreichen eine Körperlänge von 65 bis 75 Zentimeter und wiegen zwischen 1,8 und 3,2 Kilogramm. Die Weibchen bleiben mit einer Körperlänge von 55 bis 65 Zentimeter kleiner und wiegen zwischen 1,2 und 1,7 Kilogramm. Der Geschlechtsdimorphismus ist nicht stark ausgeprägt. Die kleineren Hennen sind auf der Körperoberseite lediglich etwas grauer gefärbt.

Das Gefieder der Kragentrappe ist oberseits sandfarben und unterseits weiß. Ein kennzeichnendes Merkmal sind die langen, schwarzweißen, vom Hals herabhängenden Federn und die schwarzweiße Federhaube am Kopf. Mit ihrem hellbraunen, gescheckten Obergefieder ist die Kragentrappe sehr gut getarnt und vor dem Hintergrund des kargen Lebensraumes kaum auszumachen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kragentrappe ist ein Wüstenvogel und lebt auf den Inseln Fuerteventura und Lanzarote und in Nordafrika von Mauretanien bis zum Nil in Ägypten. In älterer Literatur findet man als Verbreitungsgebiet auch noch ein Gebiet von der Sinai bis nach Westpakistan und vom Kaspigebiet bis in die Mongolei angegeben. Dies bezieht sich jedoch auf die Asiatische Kragentrappe (Chlamydotis macqueenii), auch Steppenkragentrappe genannt, die Art wird als Allospezies zur Kragentrappe geführt wird.[5] In Europa ist die Asiatische Kragentrappe zwar ein seltener Irrgast. Sie ist aber aufgrund ihres ausgeprägten Zugverhaltens häufiger als die Kragentrappe außerhalb ihres Verbreitungsgebietes in Westeuropa zu beobachten. Die Kragentrappe dagegen ist ein Strich- oder Standvogel.

Der Lebensraum der Kragentrappe sind Stein- und Sandsteppen, Halbwüsten und Wüsten.

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kragentrappe ist ein omnivorer Vogel. Sie frisst pflanzliches Material wie beispielsweise Früchte, Samen, Sprösslinge, Blätter und Blüten. Die Nahrung wird ergänzt durch Heuschrecken, Grillen und Käfer, weitere Arthropoden sowie Reptilien. Sie ist nicht darauf angewiesen zu trinken, sondern ist in der Lage, ihren Wasserbedarf aus ihrer Nahrung zu decken. Auf der Suche nach Nahrung wandern sie zu Fuß kilometerlang umher.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kragentrappen sind gewöhnlich Einzelgänger und finden sich nur zur Balz und zur Paarung zusammen. Auslösend für das Brutverhalten sind lokale Niederschläge, die ein entsprechendes Pflanzenwachstum nach sich ziehen.

Während der Balz präsentieren die Hähne ansonsten verborgene weiße Schmuckfedern an Hals, Scheitel und Brust. Die Schmuckfedern werden wie ein Kragen aufgestellt, wobei Kopf und Hals unter den Schmuckfedern nicht mehr sichtbar sind.[6] Der Hahn trippelt während der Balz mit tänzelnden Schritten und zieht rennend gradlinige oder kreisförmige Bahnen. Nach der Paarung leben die Vögel wieder einzelgängerisch.

Das Weibchen scharrt wie für Trappen typische eine flache Bodenmulde, in die sie zwei bis drei Eier legt. Die Küken werden nach dem Schlupf vom weiblichen Elternvogel geführt.

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kragentrappe ist auf Grund von Falkenjagd stark bedroht und wurde von der IUCN als gefährdet eingestuft. Sie wird zwar traditionell seit langem bejagt und die Jagd auf die Kragentrappe ist seit jeher emotionell eng verbunden mit arabischer Identität und Lebensweise.[6] Allerdings hat sich eine deutliche Änderung in der Form der Jagdmethode eingestellt. Früher reisten Jagdgesellschaften im Winter mit Kamelen in abgelegene Regionen und waren auf Grund der Gegebenheiten gezwungen, sich nicht zu weit von der nächsten Wasserquelle zu entfernen.[7] Heutzutage wird die Jagd häufig mit wüstentauglichen Autos vorgenommen, bei denen gelegentlich sogar eine Versorgungskolonne mit Tanklastwagen die Wagenkolonne begleitet. Solche Jagdgesellschaften können zu einer erheblichen Reduzierung der Kragentrappenbestände beitragen. Ein weiterer Faktor beim Rückgang der Kragentrappenpopulation ist die Zerstörung ihrer Lebensräume. In Teilen ihres Verbreitungsgebietes sterben viele Vögel durch Kollisionen mit Überlandleitungen.[8]

Zum Schutz der Kragentrappe gibt es in verschiedenen arabischen Ländern Privatprojekte, bei denen Kragentrappen in Gefangenschaft gezüchtet und dann wieder ausgewildert werden. So gibt es beispielsweise in Marokko eine große Zuchtstation, die jährlich Tausende von Kragentrappen auswildert.[8]

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind zwei Unterarten beschrieben worden, die sich in ihrer Färbung und ihrem Verbreitungsgebiet unterscheiden:

  • Chlamydotis undulata undulata Jacquin, 1784
  • Chlamydotis undulata fuertaventurae Rothschild & Hartert, 1894

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin beschrieb die Kragentrappe unter dem Namen Das Afrikanische Knarrhuhn Psophia undulata. Das Typusexemplar lebte im kaiserlich-königlichen Thiergarten zu Schönbrunn und stammte aus Tripolis.[9] Erst später wurde sie der Gattung Chlamydotis zugeschlagen. Dieses stammt von den griechischen Worten »khlamys, khlamydos χλαμυς, χλαμυδος« für »kurzer Reit- und Reisemantel«  und »ōtis, ōtidos ωτις, ωτιδος« für »Trappe« ab.[10] Das Artepitheton »undulata« stammt vom lateinischen »undulatus« für »mit gewellten Linien verziert« ab.[11] »Fuertaventurae« steht für Fuerteventura, den Ort von dem das Typusexemplar dieser Unterart stammte.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ei, Sammlung Museum Wiesbaden

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dominic Couzens: Seltene Vögel – Überlebenskünstler, Evolutionsverlierer und Verschollene. Haupt, Bern 2011, ISBN 978-3-258-07629-4.
  • W. Grummt, H. Strehlow (Hrsg.): Zootierhaltung Vögel. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-8171-1636-2.
  • Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin: Beyträge zur Geschichte der Vögel. Christian Friedrich Wappler, Wien 1784 (online [abgerufen am 4. November 2014]).
  • James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  • Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild, Ernst Johann Otto Hartert: On a new bustard from the palaearctic region. In: Novitates Zoologicae. Bd. 1, 1894, S. 689 (online [abgerufen am 4. November 2014]).
  • Martin Walters: Die Signale der Vögel - Was Vögel über die Umwelt verraten. Haupt, Bern 2011, ISBN 978-3-258-07682-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kragentrappe – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2, S. 388
  2. Ley 7/1991, de 30 de abril, de símbolos de la naturaleza para las Islas Canarias
  3. Chlamydotis undulata in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2014.7. Eingestellt von: BirdLife International, 2014. Abgerufen am 15. Oktober 2016
  4. Grummt, H. Strehlow (Hrsg.): Zootierhaltung Vögel. S. 284
  5. Bauer et al., S. 388
  6. a b Couzon, S. 73
  7. Couzon, S. 74
  8. a b Couzon, S. 75
  9. Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, S. 24.
  10. James A. Jobling S. 102
  11. James A. Jobling S. 396
  12. Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild u. a., S. 689