Krantzit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krantzit ist eine Bernsteinart, die 1859 von Carl Wilhelm Bergemann[1] beschrieben wurde. Er hatte Stücke dieses fossilen Harzes aus der Braunkohle von Latdorf, Ortsteil von Nienburg bei Bernburg (Sachsen-Anhalt), vom Mineralienhändler Adam August Krantz zur Untersuchung bekommen und benannte es nach ihm. Weitere Funde stammen aus eozänen Braunkohlen von Helmstedt[2][3], des Geiseltales, von Königsaue bei Aschersleben[4][5] und neuerdings aus dem Tagebauen Profen und Amsdorf.[6]

Aus dem Samland stammt ein Fundnachweis von Gottlieb Berendt.[7] Dieser Fund wurde durch Hermann Spirgatis[8] bestätigt.

Nach der Beschreibung von Carl Bergemann bildet das reine Harz „eine durchscheinende in dünnen Schichten fast durchsichtige Masse von lichtgelber oder grünlicher Farbe, die an einzelnen wenigen Stellen ins Röthliche und Bräunliche übergeht und hier einen grösseren Glanz als an den gelblichen Theilen zeigt. Das Harz ist so weich, dass es leicht Eindrücke annimmt und sich schneiden lässt, dabei elastisch und von grossem Zusammenhange.“ Neuere Beschreibungen stammen von Wimmer et al.[9] An der Luft liegend wird das Harz hart und bröckelig-splittrig. Da der Krantzit meist in der Braunkohle eingeschlossen ist, enthalten seine Randpartien mehr oder weniger viel Fremdsubstanz. Er enthält keine Bernsteinsäure. Häufig wurde ein Schwefelgehalt von bis zu 6 % festgestellt. Eine Besonderheit ist das Vorhandensein von aromatischen Substanzen. Kräftigere rötliche Farben weisen auf Oxidationsprozesse hin, diese Variante wird als Oxikrantzit bezeichnet. Bei dieser Variante fehlen die aromatischen Verbindungen.

Als Erzeugerpflanze des Krantzit wird von Katinas[10] ein Vertreter aus der Familie der Storaxbaumgewächse (Styracaceae) vermutet. Vahldiek[11] dagegen hält Doliostrobus taxiformis (Familie Doliostrobaceae) für die Mutterpflanze des Krantzit.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Wilhelm Sigismund Bergemann: XV. Ueber ein neues fossiles Harz aus der Braunkohle (Krantzit). In: Journal für praktische Chemie, Band 76, Heft 2, Leipzig 1859, Seiten 65–69 (online).
  2. Axel Lietzow, Siegfried Ritzkowski: Fossile Harze in den braunkohlenführenden Schichten von Helmstedt (Paläozän – Eozän, SE-Niedersachsen). In: Michael Ganzelewski, Rainer Slotta (Hrsg.): Bernstein – Tränen der Götter, Bochum 1996, Seiten 83–88.
  3. Bernd-Wolfgang Vahldiek: Auf der Suche nach dem Bernsteinproduzenten von Helmstedt. In: Arbeitskreis Paläontologie Hannover – Zeitschrift für Amateur-Paläontologen, Jahrgang 29, Heft 2, Hannover 2001, Seiten 32–57 (online).
  4. Günter Krumbiegel, Barbara Kosmowska-Ceranowicz: Fossile Harze der Umgebung von Halle (Saale) in der Sammlung des Geiseltalmuseums der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle, Band XXXXI’92, Heft 6, Halle 1992, Seiten 5–35.
  5. Günter Krumbiegel: Fossile Harze aus der Geiseltalbraunkohle und aus dem Tagebau Königsaue (Sachsen-Anhalt). In: Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften, Band B 17, Halle/Saale 1995, Seiten 139–148
  6. Gerda Standke, Jochen Rascher: Eozäne Harze in den Braunkohletagebauen Profen und Amsdorf. – Ein Beitrag zur Genese von Bernsteinlagerstätten. In: Exkursionsführer und Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Heft 249, Hannover 2013, ISBN 978-3-86944-094-1, Seiten 76–89.
  7. Gottlieb Michael Berendt: Unreifer Bernstein. In: Schriften der Königlichen Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, Jahrgang 13, 1.Abtheilung, Königsberg 1872, Seiten 133–135 (online).
  8. Johann Julius Hermann Spirgatis: Ueber die Identität des sogenannten unreifen Bernsteins mit dem Krantzit. In: Schriften der Königlichen Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, Jahrgang 13, 1.Abtheilung, Königsberg 1872, Seiten 136–137 (online).
  9. Roland Wimmer, Günter Krumbiegel, Barbara Kosmowska-Ceranowicz, Ivo Rappsilber: Historische und neue Funde von Krantzit in Mitteldeutschland. In: Exkursionsführer und Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Heft 249, Hannover 2013, ISBN 978-3-86944-094-1, Seiten 104–110.
  10. V. Katinas: Fossil resin studies by chemical and physical methods. In: VIth Meeting Amber and Amber-bearing Sediments. Vortrag Warszawa 1988.
  11. Bernd-Wolfgang Vahldiek: Bernstein aus dem Tagebau Schöningen, Baufeld Süd, (Niedersachsen, Norddeutschland): Der Mutterbaum von Krantzit ist identifiziert! In: Arbeitskreis Paläontologie Hannover – Zeitschrift für Amateur-Paläontologen, Jahrgang 43, Hannover 2015, Seiten 35–45.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]