Kreislaufstillstand

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Klassifikation nach ICD-10
I46.- Herzstillstand
I46.0 Herzstillstand mit erfolgreicher Wiederbelebung
I46.1 Plötzlicher Herztod, so beschrieben
I46.9 Herzstillstand, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Kreislaufstillstand, häufig mit Herzstillstand gleichgesetzt, bezeichnet man das akute Aufhören der Blutzirkulation[1] durch eine plötzlich eingetretene schwere Störung im Herz-Kreislauf-Systems. Etwa 10 bis 15 Sekunden nach Eintritt eines Kreislaufstillstands kommt es zur Bewusstlosigkeit und nach 30 bis 60 Sekunden zum Atemstillstand.[2] Man spricht dann auch vom klinischen Tod. Dieser Zustand ist potenziell reversibel und lässt sich durch die Einleitung einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (kardiopulmonale Reanimation) therapieren. Die Wiederbelebung gelingt jedoch nicht in jedem Fall, und die Maßnahmen sind, je nach Umgebungstemperatur und Körpergröße bzw. Alter, nur in einem begrenzten Zeitfenster erfolgversprechend. Ohne erfolgreiche Wiederbelebung oder maschinelle Aufrechterhaltung der Kreislauffunktionen tritt der Tod ein.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim erwachsenen Menschen hat ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor allem kardiovaskuläre Ursachen wie Herzrhythmusstörungen (in bis zu 80 % der Fälle Kammerflimmern oder ventrikuläre Tachykardie) oder Durchblutungsstörungen (Ischämien wie beim Herzinfarkt), wobei jeder Herzstillstand zum Kreislaufstillstand führt. Bei Kindern überwiegen primär atmungsbedingte (respiratorische) Ursachen (zum Beispiel Aspiration von Fremdkörpern).[3] Bei einer Studie in Schottland war die häufigste außerklinische Ursache eines Kreislaufstillstands im Sinne eines Notfalls mit über 80 % der plötzliche Herztod, bedingt durch einen Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen.[4] Weitere Ursachen sind Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Gehirns wie z. B. ein Schlaganfall oder eine Lungenembolie. In neun Prozent führen andere Gründe wie Unfälle, Ersticken, Vergiftungen, Ertrinken, Suizide oder Stromunfälle zum Kreislaufstillstand.

Unterscheidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreislaufstillstand, also ein Versagen der Durchblutung des Körpers, kann in mehrere Formen unterteilt werden:

EKG-Ableitung von Kammerflimmern
EKG-Ableitung einer Asystolie
  • Kammerflimmern, auch ventrikuläre Fibrillation (VF) genannt: Die Muskelkontraktion ist gestört, die einzelnen Herzmuskelzellen arbeiten unkoordiniert und unabhängig voneinander, so dass sich keine Kontraktion des gesamten Herzmuskels, die für den Auswurf wichtig ist, entwickeln kann.
  • Pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT): Das Herz schlägt so schnell, dass es sich zwischen zwei Schlägen nicht ausreichend mit Blut füllen kann und daher keine Pumpleistung erbringt.
  • Elektromechanische Entkoppelung, auch elektromechanische Dissoziation (EMD) oder pulslose elektrische Aktivität (PEA) genannt: Eine elektrische Aktivität ist zwar vorhanden, diese Reize werden jedoch nicht in mechanische Herzaktionen umgesetzt.
  • Asystolie: Es liegt ein kompletter Ausfall der elektrischen und mechanischen Herzaktionen vor.

Auch wenn alle Formen effektiv einen Ausfall der Pumpfunktion bedeuten, ist die Differenzierung für die erweiterte Therapie wichtig.

Zeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sichere Zeichen eines Kreislaufstillstands gelten:

Als unsichere Zeichen gelten:

Bewusstlosigkeit tritt nach wenigen Sekunden Kreislaufstillstand ein.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit ist der plötzliche Herztod weiterhin eine der Haupttodesursachen. Außerhalb des Krankenhauses (OHCA, Out of Hospital cardiac Arrest) wird die Häufigkeit des Kreislaufstillstandes durchschnittlich mit ca. 55 Fällen pro 100 000 Personenjahre angegeben. Für den innerklinischen Kreislaufstillstand (IHCA, In Hospital Cardiac Arrest) variiert die Zahl zwischen 1 und 5 pro 1000 Krankenhausaufnahmen.[5]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreislaufstillstand ist ein unmittelbar lebensbedrohlicher medizinischer Notfall und erfordert umgehend die Einleitung einer Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Neben den Basismaßnahmen Herzdruckmassage und Beatmung, die auch von Laien und ohne besondere Ausrüstung durchgeführt werden können, ist eine schnelle erweiterte Therapie (Medikamente, Defibrillation) beispielsweise durch den Rettungsdienst notwendig. Deshalb sollte nach dem Erkennen der Bewusstlosigkeit einer Person so schnell wie möglich ein Notruf abgesetzt werden.

Die Reanimation durch Laien spielt eine entscheidende Rolle für das Outcome des Patienten. Bis der Rettungsdienst eintrifft, können durch Sauerstoffmangel bereits irreversible Schäden am Gehirn entstanden sein, was nur mit einer ausreichenden Herzdruckmassage und Beatmung hinausgezögert werden kann.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. Begründet von Willibald Pschyrembel. Bearbeitet von der Wörterbuchredaktion des Verlags. 255. Auflage. De Gruyter, Berlin 1986, ISBN 3-11-007916-X, S. 907 f.
  2. Harald Genzwürker, Jochen Hinkebein: Fallbuch Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin. Georg Thieme, Stuttgart/New York 2005, ISBN 3-13-139311-4, S. 201.
  3. Harald Genzwürker, Jochen Hinkebein: Fallbuch Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin. Georg Thieme, Stuttgart/New York 2005, ISBN 3-13-139311-4, S. 201.
  4. J. P. Pell, J. M. Sirel, A. K. Marsden et al.: Presentation, management, and outcome of out of hospital cardiopulmonary arrest: comparison by underlying aetiology. Heart (2003) 89: S. 839–842. PMID 12860852
  5. D. Lunz, A. Philipp, Y. A. Zausig: Präklinisches eCPR (Extracorporeal Cardiopulmonary Resuscitation). Notfallmedizin up2date (2017); 12 (3): S. 255–266. DOI 10.1055/s-0043-116762. VNR 2760512017152374817.