Ertrinken

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Das britische Kavallerieregiment 13th Hussars in Pretoria bei der Rettung ertrinkender Kameraden im Zweiten Burenkrieg (1902)

Ertrinken, der Tod durch Einatmen von Flüssigkeiten, ist eine spezielle Form der Asphyxie, eine Unterform des äußeren Erstickens.

Statistiken und Studien zeigen, dass ein großer Teil von Ertrinkungsunfällen dicht am Ufer und an Booten passiert. Häufig wurden die Betroffenen im Nachhinein als gute Schwimmer beurteilt. Forschungsergebnisse seit Beginn der 1980er Jahre erklären die ursächlichen Zusammenhänge und unterteilen den Ablauf des Ertrinkens durch plötzliches Eintauchen in Wasser in vier Phasen. Der Kälteschock als bestimmender Einflussfaktor bei Wassersportunfällen wird durch die Benetzung der Haut mit Wasser ausgelöst.

Die physiologische Antwort auf den Kontakt mit kaltem Wasser tritt bereits ab 20 °C Wassertemperatur auf, bedrohlicher ist der Bereich unter 15 °C Wassertemperatur. Je niedriger die Wassertemperatur, desto stärker ist die Reaktion der beteiligten Organsysteme.

Das Einatmen von Flüssigkeiten führt zu einem augenblicklichen Verschluss des Kehldeckels.[1] Dieser Schutzmechanismus wird durch Rezeptoren ausgelöst, die sich im Bereich des Kehlkopfeingangs befinden. Gleichzeitig wird versucht, die Fremdkörper, die Flüssigkeit etc. aus diesem Bereich durch Abhusten zu entfernen.

Pathophysiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kälteschock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maximale Überlebenschancen in kaltem Wasser[2]
Wassertemperatur Zeit bis zur Erschöpfung
bzw. Bewusstlosigkeit
Theoretisch mögliche Überlebenszeit
0,3 °C < 15 min bis 45 min
4,5 °C 30 min bis 90 min
10 °C 1 h 3 h
15 °C 2 h 6 h
21 °C 7 h 40 h
26 °C 12 h > 40 h

Nach dem unfreiwilligen Eintauchen in kaltes Wasser kommt es innerhalb der ersten Minuten zu parallelen Reaktionen mehrerer Körpersysteme. Die Atmung, der Kreislauf, die Muskulatur und das Nervensystem sind dabei beteiligt. Je größer die benetzte Hautfläche und je größer die Temperaturdifferenz, desto deutlicher erfolgt die physiologische Antwort auf diesen Umgebungsreiz. Über die Information durch die Thermorezeptoren der Haut wird reflektorisch eine intensive Einatmung (Inspiration) ausgelöst. Weitere Folgen sind ein starker Anstieg der Herzfrequenz (Tachykardie) und des Atemantriebs (Tachypnoe). Zuerst gibt es unfreiwillige Atemzüge, denen eine Hyperventilation (schnelles und ungeordnetes Atmen) folgt. Das Atemzugvolumen ist dabei wesentlich gesteigert und bei einer Wassertemperatur unter 15 °C verringert sich das Vermögen, die Luft anzuhalten, auf zehn Sekunden. Die Synchronisation von Einatmung und Schwimmbewegungen ist stark eingeschränkt.

Neben dieser Atemreaktion tritt Panik auf, die Lage im Wasser kann nicht mehr kontrolliert werden. Mund- und Nasenraum können nicht gezielt über dem Wasser gehalten werden. Wasser gelangt in die Atemwege und wird aspiriert. In der gleichen Phase tritt ein dramatischer Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdruckes auf: Insbesondere bei vorbelasteten Menschen mit der Gefahr eines Herzinfarktes (Myokardinfarkt) oder Schlaganfalles (Apoplex). Die veränderte Umgebungstemperatur bewirkt des Weiteren ein sofortiges Zusammenziehen der Hautgefäße (Vasokonstriktion), Herzrhythmusveränderungen (Extrasystolen) und eine Steigerung des Blutdrucks (Hypertonie). Die Herzarbeit steigt, die Herzdurchblutung sinkt, die Sauerstoffversorgung des Herzmuskelgewebes nimmt ab.

In Großbritannien, wo das Meerwasser oft sehr kalt ist, ertranken 55 % aller Opfer in einer Entfernung von nicht mehr als drei Meter vom Ufer oder von einem Boot, obwohl ein Drittel von ihnen als gute Schwimmer galten.[3]

Zeitliche Abfolge der Phasen nach dem Eintauchen in Wasser (Ausprägung jeweils abhängig von der Wassertemperatur):

  • Phase 1: Kälteschock (ca. 1–3 Minuten)
  • Phase 2: Schwimmversagen (ca. 3–30 Minuten)
  • Phase 3: Unterkühlung (ca. 30–60 Minuten)
  • Phase 4: Kreislaufreaktion durch die Rettung (während der Rettung oder Stunden nach der Rettung)

Hypothermie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf hoher See, in kalten Binnengewässern und bei Einbruch im Eis sterben die Ertrinkenden auch direkt durch Unterkühlung. Bei tiefen Temperaturen schon nach wenigen Minuten, manchmal aber auch erst bei falscher Bergung (Bergungstod). Siehe Tabelle unter Kälteschock.

In Wasser unter 28 °C kann die Körpertemperatur nicht dauerhaft aufrechterhalten werden. Die Körperkerntemperatur fällt durch die Abgabe von Wärmeenergie an das umgebende Wasser ab. Die Geschwindigkeit dieses Abfalls ist abhängig von den Faktoren Wassertemperatur, Körpermasse, Körperfett, isolierender Bekleidung, der Wasserbewegung sowie dem Ernährungszustand vor dem Ereignis. Körperliche und mentale Fähigkeiten nehmen ab. Eine Unterkühlung tritt ein, wenn die Körperkerntemperatur unter 37 ˚C fällt. Je nach zeitlichem Verlauf werden die Übergänge über die Bewusstlosigkeit (Gefahr der Aspiration) bis zum Herzstillstand fließend sein.

Schwimmversagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Einfluss auf die Thermoregulation beeinträchtigt die Wassertemperatur die Leistungsfähigkeit der Muskelzellen. Gleichzeitig verringert sich die Geschwindigkeit der Reizleitung über die Nervenbahnen. Die Muskelkontraktion, die Greifkraft und die Handkoordination nehmen rapide ab und machen es schwierig bis unmöglich, z. B. eine Schwimmhilfe anzulegen oder sich aus dem Wasser zu ziehen. Die Schwimmfähigkeit des Betroffenen ist eingeschränkt, da die Synchronisierung von Atmung und Schwimmstößen schwieriger wird. Der Schwimmer kommt in eine aufrechtere Position, um den Mund über Wasser zu halten, was zu ineffizienten Schwimmstößen führt.

Die beiden vorgenannten Phasen erklären den zeitlichen Ablauf bei vielen Ertrinkungsunfällen, ohne dass dabei die Körperkerntemperatur beeinflusst wird.

Die nächste Phase der Unterkühlung schließt sich an, sollte der Betroffene z. B. durch eine Schwimmhilfe (Schwimmweste/Rettungsweste, andere Auftriebshilfe) an der Wasseroberfläche gehalten werden.

Aspiration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pathophysiologisch unterscheidet man das Ertrinken in Süßwasser von dem in Salzwasser, was verschiedene Folgen für den Körper hat. Während diesen Mechanismen früher viel Beachtung geschenkt wurde, ist man heute der Ansicht, dass die resorbierten Wassermengen und die daraus resultierenden Elektrolytstörungen meist nicht relevant sind, und sieht als wichtigstes pathophysiologisches Prinzip des Ertrinkens die Hypoxie infolge des fehlenden Sauerstoffs sowie der lokalen Störungen der Lunge (Atelektasenbildung, Auswaschen von Surfactant) an.

Beim Ertrinken im Meer gelangt Salzwasser in die Lunge. Die Konzentration der Ionen in der Lunge ist höher als im anliegenden Gewebe, sodass ein Konzentrationsausgleich stattfindet. Da Biomembranen semipermeabel (für Ionen undurchlässig, für Wassermoleküle durchlässig) sind, muss der Konzentrationsausgleich mit Hilfe der Diffusion von Wassermolekülen erfolgen. Die Konzentration der Wassermoleküle in der Lunge ist geringer als im anliegenden Gewebe, sodass dem Gewebe Wassermoleküle entzogen werden und die Lunge weiter mit Wasser befüllt wird. Dieser Vorgang ist ähnlich der Plasmolyse (Wasser strömt aus den Zellen aus) bei Pflanzenzellen.

Auch beim Ertrinken im Süßwasser gelangt Wasser in die Lunge. Die Konzentration der Wassermoleküle in der Lunge ist nun höher als die in den Zellen des anliegenden Gewebes. Um diesen Konzentrationsunterschied auszugleichen, diffundieren Wassermoleküle aus dem Lungengewebe in die Erythrozyten, welche letztlich platzen. Dieser Vorgang ist ähnlich der Deplasmolyse (Wasser strömt in die Zellen ein) bei Pflanzenzellen.

Falls es nach dem Eindringen von Flüssigkeit (Wasser) in die Atemwege zu einem dauernden Stimmritzenkrampf kommt, kann dieser fortbestehen und zum Tode der Person führen. Man spricht dann vom trockenen Ertrinken, weil sich beim Toten kein Wasser in der Lunge findet. Besonders bei Kleinkindern (Pfütze, flacher Gartenteich) ist dies gefürchtet.

Ertrinken erkennen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ertrinken ist ein stiller Tod. Die landläufige Annahme, Ertrinkende würden stets durch Rufen oder Winken auf sich aufmerksam machen, ist falsch. Das bedeutet nicht, dass ein Schwimmer, der um Hilfe ruft, sich nicht in einer Notsituation befände. Einem aufgrund eines Kälteschocks Ertrinkenden fehlt für einen Hilferuf der Atem. Sprechen ist eine dem Atmen untergelagerte Funktion; wer nicht genug Luft zum Atmen bekommt, kann auch nicht rufen. Wer zu ertrinken droht, fällt am ehesten dadurch auf, dass er oder sie vertikal im Wasser steht und sich nicht bewegt oder aber Wasser tritt, also versucht, das Wasser unter sich wegzudrücken, statt klassische Schwimmbewegungen zu machen. Dabei wird das Wasser nicht oder nur unwesentlich stärker aufgewühlt als beim normalen Schwimmen. Zudem fallen Ertrinkende tendenziell in eine Stoßatmung und legen den Kopf in den Nacken. Liegen Haare im Gesicht, wird die ertrinkende Person diese nicht mit der Hand beiseiteschieben. Wer zu ertrinken droht, antwortet nicht auf einen Zuruf.[4]

Verhalten als Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überleben in kaltem Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von den Erkenntnissen zum Kälteschock wurde durch Gordon G. Giesbrecht[5] die Merkregel „1-10-1“ formuliert – nach dem unfreiwilligen Eintauchen in kaltes Wasser, selbst in Eiswasser, bestehen höhere Überlebenschancen, wenn man folgende Phasen und deren Besonderheiten kennt:[6]

1. Minute

Kälteschock: Einem sofortigen tiefen Einatmen folgt eine Hyperventilation, die das Zehnfache der normalen Atmung betragen kann. Hält man die Atemwege nicht frei, riskiert man das Ertrinken. Dieser Kälteschock geht etwa in einer Minute vorüber. In dieser Zeit sollte man sich darauf konzentrieren, Panik zu vermeiden und die Atmung unter Kontrolle zu bekommen. Das Tragen einer Rettungsweste ist in dieser Phase sehr wichtig.

Nächste 10 Minuten

Kältestarre tritt ein: Innerhalb etwa der nächsten 10 Minuten verliert man seine Fähigkeit, Finger, Arme und Beine sinnvoll zu bewegen. Man sollte sich auf die Selbstrettung konzentrieren und wenn das nicht möglich ist, sich so sichern, dass die Atemwege freibleiben. Während dieser kritischen Zeit tritt Schwimmversagen ein und ohne Rettungsweste oder Auftrieb wird man in dieser Zeit wahrscheinlich ertrinken.

1 Stunde

Unterkühlung: Selbst in Eiswasser kann man bis zu einer Stunde bei Bewusstsein bleiben, bevor Bewusstlosigkeit durch Unterkühlung (Hypothermie) eintritt. Versteht man die Mechanismen der Unterkühlung, Techniken, sie zu verzögern und sich eventuell zu retten und nach Hilfe zu rufen, steigen die Chancen zu überleben erheblich.

Überleben in warmem Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab einer Wassertemperatur von 20° C können Menschen unter günstigen Umständen mehrere Tage lang im Wasser überleben, wenn sie eine Schwimmweste tragen und es gelingt, den Kopf über Wasser zu halten.

Die Downproofing-Methode des amerikanischen Schwimmlehrers Fred Lanoue vermittelt das Atemholen mit dem geringstmöglichen Kraftaufwand, um über längere Zeit im Wasser treibend überleben zu können:[7]

  • Man nimmt eine senkrechte Position ein. Der Kopf ist leicht nach vorne geneigt. Der Hinterkopf berührt die Wasseroberfläche.
  • Man läßt die Arme mit angewinkelten Ellenbogen allmählich nach oben treiben, bis die Hände sich vor den Schultern befinden.
  • Zum Atemholen bewegt man die Hände nach unten und etwas nach hinten, wodurch der Körper nach oben treibt. Stattdessen oder zusätzlich kann auch der Grätsch-Beinschlag wie beim Brustschwimmen ausgeführt werden. Der Kopf soll sich jedoch nur gerade soweit aus dem Wasser heben, dass es möglich ist, Atem zu holen. Dies wird alle zehn bis zwölf Sekunden wiederholt.
  • Man nimmt einen tiefen Atemzug und beläßt die Luft in der Lunge. Erst wenn man erneut mit dem Kopf aufsteigt, atmet man schnell aus und sofort wieder ein. Pro Liter Luftvolumen in der Lunge gewinnt man ein Kilogramm Auftrieb. Es wird also weniger Kraft benötigt, den Kopf zum Atmen über die Wasseroberfläche zu heben.

Die meisten Menschen sind etwas leichter als Wasser und treiben von selber an der Wasseroberfläche. Ein gewisser Anteil sinkt jedoch im Wasser ab, wenn keine Schwimmbewegungen ausgeführt werden. Für diese "Sinker" ist es schwerer, die Downproofing-Methode zu erlernen.

Rettung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falls eine Person zu ertrinken droht, sollte man, bei Beachtung der eigenen Sicherheit, zunächst versuchen, sie zu retten. Dazu sollte man ihr, sofern möglich, einen schwimmenden Gegenstand reichen, um direkten Kontakt zu vermeiden; sollte die Person nämlich in Panik sein, kann sie den Retter unter Wasser drücken.

Erste Hilfe und Reanimation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sofortmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn der Patient in Sicherheit ist, sollte er bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dabei gilt es, auf Anzeichen einer Atemtätigkeit zu achten. Bei nicht ausreichender Atmung oder bei Kreislaufstillstand muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Maßnahmen zum Entfernen von Wasser aus der Lunge und den Atemwegen sind nicht angezeigt.

Zur Verhinderung einer Unterkühlung ist eine schnelle Bergung lebensrettend. Bei niedriger Wassertemperatur und Verdacht auf eine Unterkühlung hat die Bergung besonders sorgfältig zu erfolgen (Horizontalbergung). Bei Unterkühlung nasse Kleidung entfernen und den Körper durch Körperkontakt langsam erwärmen. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sind Kreislauf und Atmung (Vitalparameter) des Patienten permanent zu beobachten. Anschließend Transport in eine Notfallklinik.

Maßnahmen durch den Rettungsdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansprechbare Patienten werden mit Sauerstoffinsufflation behandelt. Bei bewusstseinsgestörten Patienten wird die Indikation zur endotrachealen Intubation großzügig gestellt, wobei diese wegen der hohen Aspirationsgefahr bei Ertrinkungsopfern als Rapid Sequence Induction durchgeführt wird, gefolgt von einer PEEP-Beatmung.

Eine notwendige Reanimation wird ohne besondere Zusätze durchgeführt. Unterkühlte Patienten werden dabei ausdauernd reanimiert, da in solchen Fällen zuweilen schon erfolgreiche Wiederbelebungen auch nach längerer Zeit beobachtet wurden. Dies ist auf den bei unterkühlten Patienten extrem verlangsamten Stoffwechsel zurückzuführen. Nach den neusten Richtlinien soll der unterkühlte reanimationspflichtige Patient nur auf 34 °C erwärmt werden, diese Temperatur wird im Krankenhaus weitere 24 Stunden beibehalten, um Hirnschädigungen so gering wie möglich zu halten.

Prävention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prävention in Ghana

Obwohl keine wissenschaftlichen Untersuchungen mit hohem Evidenzgrad existieren, gibt es Nachweise, dass Schulungsprogramme, Schwimmunterricht und das Einzäunen von Pools – besonders bei Kindern zwischen zwei und vier Jahren – Ertrinken verhindern können.[8] Es wird geschätzt, dass mit adäquater Beaufsichtigung, Schwimmunterricht und öffentlichen Bildungsmaßnahmen 85 % aller Ertrinkungsfälle verhindert werden können.[8]

Es gibt eine Reihe vorbeugender Maßnahmen und Verhaltensregeln, deren Befolgung die Gefahr des Ertrinkens deutlich einschränkt. Dazu gehören:

  • Zaun um Pools und Schwimmteiche
  • Kinder nicht alleine schwimmen lassen
  • Bei Bootsfahrten etc. passende Rettungswesten tragen
  • Nicht über zugefrorene Gewässer laufen
  • Nicht alkoholisiert baden oder schwimmen
  • Unbekannte Gewässer meiden
  • Unbewachte Gewässer meiden[9]
  • Warnungen vor Strömungen ernstnehmen: Brandungsrückströme sind am Meer die häufigste Ursache von Badeunfällen
  • Keine Kopfsprünge in unbekannte oder niedrige Gewässer
  • Bei hoher Lufttemperatur nicht ohne vorherige Abkühlung ins Wasser springen
  • Seine Kräfte nicht überschätzen und in Ufernähe bleiben

Schwimmer können auch diese Möglichkeiten nutzen:

  • In der Stellung "Toter Mann" kann man sich bei Erschöpfung erholen
  • Durch Dehnübungen im Wasser können Krämpfe gelockert werden[10]
  • Droht Erschöpfung, kann man einen weniger anstrengenden Schwimmstil wählen. Zum Beispiel Seitenschwimmen, bei welchem die unteren Extremitäten Schwimmbewegungen durchführen, während sich die oberen erholen.

Situationen mit erhöhtem Risiko für Ertrinken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Tod durch Ertrinken gibt es vielfältige Situationen mit erhöhtem Risiko.

Schiffsunglück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn Schiffe kentern, ertrinken mitfahrende Personen, insbesondere wenn sie keine Rettungsmittel wie Rettungsboote, -inseln, -floße, -ringe erreichen und keine Schwimmwesten tragen. Schiffbrüchige sind in fließenden Gewässern, aber auch in einer Meeres- oder Gezeitenströmung der Gefahr des Anstoßens an Hindernisse wie Felsen, Brückenpfeiler oder festgemachte Schiffe ausgesetzt, besonders bei letzteren zusätzlich mit der Gefahr, von der Strömung unter einen Schwimmkörper gedrückt zu werden. Sitzt ein Schiff in nicht zu großer Tiefe auf Grund, besteht eine gewisse Chance des Überlebens in einer eingefangenen Luftblase, allerdings bei einem anschließend zu raschen Aufstieg auch die Gefahr der Dekompressionskrankheit.

Mann-über-Bord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Seefahrt fallen Menschen im Sturm oder auch einfach durch Unaufmerksamkeit über Bord. Die Rettung ist meist schwierig und wird deshalb in der Ausbildung intensiv geübt und ist Bestandteil der Prüfung von Schiffsführern und Seeleuten.

Flugzeugabsturz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stürzen Flugzeuge ins Meer oder andere Gewässer, folgt zur Verletzungsgefahr durch den Aufprall das Risiko des Ertrinkens.

Sportunfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Sportschwimmer können bei Wettbewerben ertrinken. So starb 2010 ein Schwimmer bei einem 10-km-Wettbewerb in 30 °C warmem Wasser, eine insbesondere für Langstrecke belastend hohe Temperatur. Für Wettkämpfe im Becken wird der Bereich 26 °C bis 28 °C empfohlen.[11] Danach wurde unter anderem die Zahl der Begleitboote erhöht. Beim 10-km-Bewerb der Schwimm-EM 2014 in Berlin wurde eine Schwimmerin entkräftet und bewusstlos aus dem Wasser gezogen und so gerettet.[12]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Schätzungen der Non-Profit-Organisation „Blausand.de“, die sich für mehr Badesicherheit einsetzt, kommen jedes Jahr allein in Europa mindestens 20.000 Menschen bei Badeunfällen ums Leben.[13]

In Asien ist der Tod durch Ertrinken die häufigste Ursache bei Ein- bis Vierjährigen und eine häufige Todesursache in der Altersgruppe der Fünf- bis 17-Jährigen. In Asien ertrinken etwa 20-mal so viele Menschen wie in hochentwickelten Nationen. So meldet Bangladesch etwa 18.000, Vietnam 13.000 und Thailand 2.600 Todesfälle durch Ertrinken jedes Jahr.[14]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2000 waren in Deutschland Statistiken zum Ertrinken nur vom Bundesamt für Statistik verfügbar. Seit dem Jahr 2000 lässt die DLRG eine Ertrinkungsstatistik erheben, auch mit Daten zum Alter der Ertrunkenen, Aufschlüsselung nach Bundesland und Unglücksort (z. B. Fluss, See, Meer) und inzwischen auch nach Geschlecht. In diese Statistiken fallen nicht nur Badeunfälle, sondern beispielsweise auch Eiseinbrüche, Stürze ins Wasser (z. B. in Hafenbecken) usw. Eine Aufschlüsselung nach reinen Badeunfällen erfolgt nicht. Die Statistik nimmt keine Abgleichung mit der Bevölkerungsgröße vor oder der Zahl derer, die sich an bestimmten Orten aufhalten (z. B. wie viele Badetage erfolgen an Flüssen und Seen im Gegensatz zum Meer usw.).

Jahr Ertrunkene Anzahl Meer Anteil Fluss/Bach/See/Teich Anteil Männer[15] Belege und Anmerkungen
1926 3552 [16]
1951 2105 Zahlen für 1951–2005[17]
1961 1431
1971 1119
1981 658
1982 685
1983 690
1984 511
1985 473
1986 537
1987 446
1988 345
1989 447
1990 495
1991 485
1992 773
1993 655 ab 1993 einschließlich der neuen Bundesländer
1994 775
1995 680
1996 509
1997 602
1998 477
1999 597
2000 429 31 81,59 % 78,00 % [18]
2001 520 37 81,59 % 78,00 % [19]
2002 598 30 67,39 % 77,76 % [20]
2003 644 26 75,00 % 78,16 % [21]
2004 470 26 72,34 % [22]
2005 477 22 73,58 % [23]
2006 606 28 77,56 % [24]
2007 484 19 73,97 % 72,67 % 2007–2018: DLRG-Website[25]
2008 475 14 73,68 % 72,88 %
2009 474 16 73,63 % 75,32 %
2010 438 32 70,32 % 80,50 %
2011 410 16 73,66 % 79,46 %
2012 383 29 74,67 % 76,18 %
2013 446 26 76,68 % 80,90 %
2014 392 34 73,21 % 80,15 %
2015 488 14 79,30 % 79,45 %
2016 537 26 75,61 % 78,88 %
2017 404 28 75,99 % 78,29 %
2018 504 25 81,75 % 81,56 %

Deutschland gehört laut der Weltgesundheitsorganisation gemeinsam mit den Niederlanden und Großbritannien bezüglich Ertrinkungsgefahr zu den drei sichersten Ländern Europas.[16] Seit etwa 2001 ist nicht mehr die Altersklasse der Vorschulkinder statistisch besonders gefährdet, sondern vor allem ältere Jahrgänge.[26] Etwa die Hälfte aller deutschen Badetoten ist über 50 Jahre alt, und in drei von vier Fällen sind sie männlich (Stand 2016).[16] Insgesamt sind die Zahlen der Badetoten tendenziell rückläufig: In den vergangenen 20 Jahren bewegt sich die Zahl der deutschen Badetoten ungefähr zwischen 400 und 600 pro Jahr, Tendenz im Mittel sinkend. Ausreißer nach oben korrelieren stets mit Hitzesommern, wie etwa 2015, aber auch 2006 (606 Todesfälle) oder 2003 (644 Todesfälle). Bis in die Siebzigerjahre waren jährliche Opferzahlen von mehr als 1000 Menschen üblich, Anfang der Fünfziger ließen über 2000 Deutsche in Badegewässern ihr Leben, und 1926 waren es 3552, fast 10 pro Tag[16] (vgl. auch Tabelle). Die ostdeutschen Bundesländer hatten nach der Wiedervereinigung zunächst doppelt so hohe Ertrinkungszahlen, bis zum Jahr 2000 gingen sie deutlich zurück.[27]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz ertranken 2017 insgesamt 34 Menschen.[28]

Foltermethoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waterboarding ist das simulierte Ertränken.

Medizinische Mythen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren einige medizinische Mythen zum Thema Ertrinken, für die es keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Klassifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus medizinischer Sicht wird die Attributierung eines Ertrinkungsfalls mit „beinahe“, „nass“, „trocken“, „sekundär“, „aktiv“ und „still“ nicht empfohlen.[8][29] Sie kann verwirrend sein und die Behandlung erschweren.[8] Solche Attributierungen entsprechen außerdem nicht der WHO-Definition von Ertrinken und wurden bei der Erarbeitung einer WHO-Definition explizit abgelehnt.[29]

Trockenes Ertrinken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ob das sogenannte trockene Ertrinken (englisch Dry Drowning) existiert, wird unterschiedlich beurteilt. Es geht dabei um die Frage, ob jemand ertrinken kann, ohne dass bei einer anschließenden Obduktion Wasser in der Lunge gefunden werden kann. Es gibt die Ansicht, dass dies darauf hindeutet, dass die Person bereits beim Eintreten ins Wasser nicht mehr lebte.[30] Ein „sekundäres Ertrinken“, herbeigeführt durch einen reflexartiken Glottisverschluss, zeigt jedoch ähnliche Symptome.[31] Die Person ist im Wasser erstickt.

Sekundäres Ertrinken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „sekundäre Ertrinken“ ist eine physiologische Reaktion auf Fremdinhalt in der Lunge nach Ertrinken in Form eines Lungenödems. Diese Bezeichnung ist unrichtig, unpräzise und gilt deshalb als veraltet.[32][33]

Hypo- und Hypervolämie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ertrinken in Salzwasser verursacht keinen Flüssigkeitsmangel (Hypovolämie). Ertrinken in Süßwasser verursacht keinen Flüssigkeitsüberschuss im Blutkreislauf (Hypervolämie), keine Hämolyse oder Hyperkaliämie.[30]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ertrinken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Erste Hilfe bei Ertrinken – Lern- und Lehrmaterialien
  • DLRG – Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft
  • SLRG – Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft
  • www.wasserwacht.de – Wasserwacht
  • DGzRS – Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
  • Blausand – Organisation für mehr Badesicherheit in Europa
  • Canadian Red Cross: Drownings in Canada, 10 Years of Research Module 2 – Ice & Cold Water Immersion, (PDF-Datei; 3,74 MB) 2006
  • www.coldwaterbootcamp.com – Visualisierung des Kälteschocks und der Selbstrettungsmöglichkeiten nach dem 1-10-1-Prinzip
  • www.umanitoba.ca – Filmbeitrag zur Darstellung der Selbstrettungsmöglichkeiten nach dem Sturz durch Eis

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.thieme.de/viamedici/medizin/notfall/ertrinken.html
  2. Zitiert nach: Unterkühlung (PDF-Datei; 85 kB)
  3. Zeit Wissen, Oktober/November 2008, S. 86
  4. Drowning doesn’t look like drowning, deutsche Übersetzung auf http://www.nordsee24.de/nordsee-urlaub/familienurlaub/ratgeber/anzeichen-des-ertrinkens
  5. http://www.coldwaterbootcamp.com/pages/1_10_60v2.html 1-10-60-Phasen auf der Web Site von Giesbrecht, abgerufen am 6. April 2018
  6. Ausführlichere Erläuterungen in deutscher Sprache finden sich in der Schrift "Kaltwasserwirkung bei Wassersportunfällen von Peer Christoph Sowa, 2014, ab S. 12; sowie in Udo Beiers Beitrag im Newsletter Küstenkanuwandern (Nr. 43/14) "Kaltwasserprobleme (Gesundheit)" ab S. 25 vom 16.06.2014"
  7. Über die Methode informiert die Webseite www.drownproofing.com; abgerufen im Februar 2019
  8. a b c d T. F. Mott, K. M. Latimer: Prevention and Treatment of Drowning. In: American family physician. Band 93, Nr. 7, April 2016, S. 576–582, PMID 27035042.
  9. Der Wasserrettungsdienst (WRD) der DLRG / Wasserrettungsdienst stationär
  10. Archivlink (Memento des Originals vom 2. Mai 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wasserwacht-trostberg.de
  11. 500 Meter vor dem Ziel kam der WM-Dritte ums Leben, Welt.de vom 25. Oktober 2010, abgerufen am 14. August 2014
  12. Dramatische Rettung bei 10-km-Bewerb - Hilfe mit Verzögerung, ORF.at vom 13. August 2014
  13. http://www.blausand.de/index.php?option=com_content&task=section&id=1&Itemid=26&lang=de_DE
  14. Konferenz 2011 der Australia's Royal Life Saving Society und The Alliance for Safe Children in Da Nang, Vietnam; zitiert in Viet Nam News, Ausgabe 11. Mai 2011, S. 1 und 2
  15. * Anteil von Männern an der Gesamtzahl der Ertrunkenen, deren Geschlecht bekannt ist; fast jedes Jahr weist die Statistik für mehrere Fälle aus, das Geschlecht sei unbekannt
  16. a b c d Badeunfälle. In: DER SPIEGEL. (spiegel.de [abgerufen am 1. Oktober 2017]).
  17. Zahlen 1951–2005 aus den Übersichtsstatistiken der DLRG-Geschäftsberichte 2000 (S. 18f) und 2005; im Falle offensichtlicher Tippfehler im Geschäftsbericht von 2005 (auch im Vergleich zur graphischen Darstellung) wurden die Zahlen aus dem Bericht von 2000 genommen. Die Zahl für das Jahr 2000 wurde aus dem Fließtext vom Bericht von 2000 bzw. Bericht von 2005 genommen; die in der graphischen Darstellung und einer Überschrift vom Bericht von 2000 genutzte Zahl enthält, wie im Bericht vermerkt, weitere Todesfälle, z. B. im Ausland, und wäre sonst nicht mit den Zahlen anderer Jahre vergleichbar.
  18. DLRG-Geschäftsbericht 2000
  19. DLRG-Geschäftsbericht 2001
  20. DLRG-Geschäftsbericht 2002
  21. DLRG-Geschäftsbericht 2003
  22. DLRG-Geschäftsbericht 2004
  23. DLRG-Geschäftsbericht 2005
  24. DLRG-Geschäftsbericht 2006
  25. DLRG-Ertrinkungsstatistiken der Jahre ab 2007 auf der DLRG-Website: https://www.dlrg.de/presse/pm-ertrinkungsstatistik.html
  26. DLRG-Geschäftsbericht 2003, S. 23, in späteren Jahren bzw. Statistiken weiter bestätigt
  27. DLRG-Geschäftsbericht 2000, S. 19
  28. Badeunfälle 2018: Mehr Kinder in Schweizer Gewässern ertrunken In: srf.ch, 8. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  29. a b E. F. van Beeck, C. M. Branche, D. Szpilman, J. H. Modell, J. J. Bierens: A new definition of drowning: towards documentation and prevention of a global public health problem. In: Bulletin of the World Health Organization. Band 83, Nr. 11, November 2005, S. 853–856, PMID 16302042, PMC 2626470 (freier Volltext).
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