Krampf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Krampf (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Krampf, Muskelkrampf oder Spasmus ist eine ungewollte und schmerzhafte Muskelanspannung. Eine häufige Ursache für sporttypische Muskelkrämpfe ist Magnesiummangel. Die Ursache von Muskelkrämpfen im Ruhezustand ist meist ein Calciummangel im Blut.[1]

Ursachen[Bearbeiten]

Krämpfe haben unterschiedliche Ursachen wie Mineralstoffmangel (Elektrolytstörung, z. B. Magnesiummangel oder Hypocalcämie), beispielsweise in Folge eines übermäßigen Alkoholkonsums, Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes mellitus), mangelnde Durchblutung, medikamentöse Nebenwirkungen, Schilddrüsenunterfunktion, Nervenschäden, Überbeanspruchung der Muskulatur oder orthopädische Ursachen (z. B. Fußfehlstellung). Auch während der Schwangerschaft, ist die Anfälligkeit für das Auftreten von Muskelkrämpfen erhöht.[2] Häufig tritt ein Muskelkrampf ohne erkennbare Ursache auf.[3][4]

Eine physiologisch normale Magnesiumkonzentration im Körper begünstigt den Kalium-Rücktransport in die Zelle, was für die Beendigung des Aktionspotentials und die Beendigung des Einstroms von Calcium-Ionen aus dem sarkoplasmatischen Retikulum (sER) wichtig ist. Magnesium ist ein physiologischer Calcium-Kanal-Blocker, der die Freisetzung von Calcium ins Innere der Muskelzelle vermindert. Fehlt Magnesium, kann dies demzufolge zu einer andauernden, schmerzhaften Muskelkontraktion führen. Insgesamt hat Magnesium eine hemmende Wirkung auf das neuromuskuläre System. Es reduziert die elektrische Erregbarkeit des Neurons und verringert die Nervenleitgeschwindigkeit. Dementsprechend senkt eine niedrige Magnesiumkonzentration die Schwelle der Nervenerregung und erhöht die Nervenleitgeschwindigkeit.

Als meist gutartige und vielen Menschen bekannte Erscheinung können Muskelkrämpfe nach Überanstrengung einzelner Muskelgruppen und bei Elektrolytstörungen auftreten. Häufig sind nächtliche Wadenkrämpfe, auch Krampussyndrom (veraltet) genannt, früher auch sogenannte Schreibkrämpfe der Handmuskulatur. Sie können oft durch Entspannungsübungen gelindert oder die Zufuhr von Magnesium verhindert werden. Dabei kann Magnesium in einer Citrat-Verbindung vom Körper besser aufgenommen werden.

Teilweise ist auch ein Mangel von Natriumchlorid die Ursache von Krämpfen. Natriumchlorid wird bei sportlicher Aktivität durch den Schweiß vermehrt abgesondert. Ein Ausgleich ist unbedingt notwendig, weil ein Elektrolytmangel gegenüber dem extrazellulären Raum die Funktion der Nervenzellen stark beeinträchtigen kann.

Ebenso kann auch ein Mangel an Kalium (beispielsweise durch übermäßiges Ausschwitzen) zum Entstehen von Krämpfen mit beitragen. Als wichtiger Elektrolyt ist es für die Steuerung der Muskeltätigkeit von Bedeutung (Kaliummangel, siehe Hypokaliämie).

Es wird alternativ die Hypothese eines neuromuskulären Ursprungs zur Entstehung von Muskelkrämpfen von zahlreichen Medizinern vertreten. Sporadisch auftretende nächtliche Muskelkrämpfe beispielsweise werden anscheinend von Motoneuronen ausgelöst.[5] In gewissen Fällen könnte zudem der Aspekt der Ermüdung (lokal oder zentral) eine ganz entscheidende Rolle spielen. Sowohl die genauen Ursachen des Muskelkrampfes wie auch die der dabei entstehenden Schmerzen sind nicht vollkommen erforscht.

Nach einer Untersuchung von 2004[6] könnte die Ursache des Muskelkrampfes bei Sportlern nicht wie in der Literatur vermutet an einem Mangel an Elektrolyten liegen, sondern auf dem Boden einer neuronalen Dysfunktion in den Zielmuskel-Muskelspindeln und den Golgi-Sehnenorganen entstehen.

Behandlung[Bearbeiten]

Die bei Muskel- und Gelenksverletzungen empfohlene PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) ist bei Muskelkrämpfen eher ungeeignet. Insbesondere die Kühlung wird zur Behandlung eines Muskelkrampfes nicht empfohlen. Pause und Hochlegen dagegen können zu einer Schmerzlinderung und Regenerierung beitragen.

Zur Behandlung des Krampfes soll das Bewegungsausmaß des Gelenks ausgeschöpft werden, dass sich der Muskel verkürzen kann, um erneutes Auslösen des Sehnenreflexes zu verhindern. Dann den Antagonisten anspannen, da dieser über ein rekurrentes Neuron im Rückenmark den krampfenden Muskel hemmt. Auch eine sanfte Lockerungsmassage oder eine Wärmebehandlung kann gegen den akuten Muskelschmerz helfen. Schmerzhaften Muskelkontraktionen kann mit elektrolythaltigen Getränken und Magnesiumpräparaten vorgebeugt werden. Der tägliche Bedarf an Magnesium beträgt für Erwachsene zwischen 300 und 400 mg.[7] Chinin, pharmazeutisch zubereitet als Chininsulfat, eignet sich ebenfalls zur Behandlung und Vorbeugung. Die Tagesdosis zur Behandlung von Krämpfen sollte 200–400 mg nicht überschreiten.[8] Bei älteren Personen treten oft nächtliche Wadenkrämpfe auf. Vorbeugend wirken eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine ausgewogene, magnesiumreiche Ernährung, leichte und regelmäßige Bewegung und Dehngymnastik.

Krampftypen[Bearbeiten]

Weitere Krampftypen sind die zerebralen Krampfanfälle. Rasch aufeinanderfolgende Krämpfe wie bei einem Krampfanfall werden auch Konvulsionen genannt. Sie sind typisch für die Epilepsie.

Tonische Krämpfe (lang anhaltende) werden beim Wundstarrkrampf, beim tonischen Fazialiskrampf, beim Torticollis und gelegentlich bei der Hysterie beobachtet.

Meist stark schmerzhafte Krämpfe der glatten Muskulatur an Hohlorganen (z.B. Gallenblase, Darm, Harnblase) werden als Koliken bezeichnet. Im Zusammenhang mit Blutgefäßen, Bronchien und dem Kehlkopf spricht man auch von Spasmen, etwa dem Vasospasmus, Bronchospasmus oder Laryngospasmus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Golenhofen: Physiologie heute. Lehrbuch, Kompendium, Fragen und Antworten. 1. Auflage. Urban & Fischer, München 1997, ISBN 3-437-42480-7, S. 60–61.
  2. Jennifer G. Hensley: Leg Cramps and Restless Legs Syndrome During Pregnancy. In: Journal of Midwifery & Women's Health. 54, 2009, S. 211, doi:10.1016/j.jmwh.2009.01.003.
  3. AWMF-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf, 2008, S. 654 ff.
  4. H. Mörl In: H. Mörl (Hrsg.): Muskelkrämpfe. Springer-Verlag, 1987, S. 59–66.
  5. Rainer Klinke, Stefan Silbernagl (Hrsg.): Lehrbuch der Physiologie. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart 2003, S. 94.
  6. M. P. Schwellnus u. a.: Serum electrolyte concentrations and hydration status are not associated with exercise associated muscle cramping (EAMC) in distance runners. In: Br. J. Sports. Med. 2004; 38, S. 488–492.
  7. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/magnesium/
  8. AWMF-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf, 2008:654 ff.
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