Kunekune (Yōkai)

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Weiß bekleidete Vogelscheuchen (hier in einem Reisfeld) könnten die Sagen um den Kunekune inspiriert haben.

Der Kunekune (jap. くねくね) ist ein fiktives Wesen aus der modernen japanischen Internetkultur, ähnlich dem Slender Man und Hanako, dem Klogeist. Der Kunekune wurde im Jahr 2003 auf mehreren Websites als urbane Legende kreiert, er wird dort gelegentlich als „moderner Yōkai“ bezeichnet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kunekune wird als großes und schmales Wesen beschrieben, das einem ausgeschnittenen Papiermännchen oder einem langen, ausgefransten Stück Stoff ähnelt. Er soll hauptsächlich an heißen Sommertagen um die Mittagszeit an einem bestimmten Ort verweilen, vorzugsweise auf ausgedehnten Reis- und Getreidefeldern, manchmal aber auch auf offener See. Die Gliedmaßen des Kunekune sollen dabei unablässig flattern, als ob eine starke Brise weht, selbst dann, wenn eigentlich völlige Windstille herrscht. Diese Eigenart brachte dem Wesen den Namen „Kunekune“ (von jap. くねくね; zu dt. „sich winden, flattern, mit den Armen schlackern“) ein.[1][2][3]

Interessanterweise soll man den Kunekune nur aus großer Ferne sehen können. Auf freiem, offenen Gelände soll er reinweiß erscheinen, in Städten hingegen pechschwarz. Gerüchten zufolge wird jeder wahnsinnig, der den Kunekune aus der Nähe zu betrachten versucht. Ignoriert man ihn hingegen, soll man von ihm nicht behelligt werden. Kommt man dem Kunekune dennoch zu nahe oder versucht, ihn zu berühren, tötet er sein Opfer.[1][2][3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Erwähnungen des Kunekune tauchten im Jahr 2003 zeitgleich auf mehreren japanischen Internetseiten auf, die sich gesammelten und zumeist erfundenen Spuk- und Horrorgeschichten widmen. Schon bald begannen Kunekune-Gläubige, Geschichten zu sammeln und selbst zu verfassen. Die Geschichten erzählen von (angeblichen) Begegnungen mit dem Kunekune und sind in der Ich-Form geschrieben, sodass sie wie Augenzeugenberichte erscheinen. Ein ähnliches Phänomen ist vom Slender Man und von Hanako, dem Klogeist bekannt.[1][2][3]

Vermutlich geht der Kunekune auf Verwechslungen mit traditionellen Vogelscheuchen zurück, wie sie sich in großer Zahl noch heute auf ausgedehnten Reis- und Getreidefeldern finden. In Japan gelten Vogelscheuchen als unheimlich und viele lokale Geistergeschichten behaupten, sie würden des Nachts zum Leben erwachen. Als alternativer Erklärungsversuch wird herangezogen, dass sich in der Mittagshitze kleine, dichte Wölkchen oder Dunstschwaden über Reisfeldern bilden können. Als dritte Möglichkeit werden Halluzinationen angenommen, die in der Sommerhitze durch Hitzschlag und/oder Dehydratation ausgelöst werden können.[1][2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Freeman: The Great Yokai Encyclopaedia: The A-Z of Japanese Monsters. CFZ Press, Myrtle Cottage, Bideford 2010, ISBN 978-1-905723-54-6.
  • Yamaguchi Satoshi Taro: 本当にいる日本の「現代妖怪」図鑑. Ryukura Verlag, Tokyo 2007, ISBN 4773003650.
  • Ito Ryuhei: 「ネット怪談「くねくね. In: 世間話研究, 18. Ausgabe. Smalltalk Study Group, Kyoto 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Richard Freeman: The Great Yokai Encyclopaedia. S. 200.
  2. a b c d Yamaguchi Satoshi Taro: 本当にいる日本の「現代妖怪」図鑑. S. 19–23.
  3. a b c d Ito Ryuhei: 「ネット怪談「くねくね. In: 世間話研究, 18. Ausgabe. S. 55–57.