TikTok

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TikTok

Logo
Basisdaten

Entwickler ByteDance
Erscheinungsjahr September 2016
Aktuelle Version 17.6.3 (Android)
14. September 2020[1]

17.5.1 (iOS)
8. September 2020[2]

Betriebssystem Android, iOS
Kategorie Videoportal
Lizenz Freeware
deutschsprachig ja
www.tiktok.com

TikTok ist ein internationales Videoportal für die Lippensynchronisation von Musikvideos und anderen kurzen Videoclips, das zusätzlich Funktionen eines sozialen Netzwerks anbietet und vom chinesischen Unternehmen ByteDance betrieben wird.[3] In der Volksrepublik China läuft es unter dem Namen Douyin, chinesisch 抖音短视频, Pinyin Dǒuyīn duǎnshìpín – „Douyin-Kurzvideo“. Es ist als mobile App für die Betriebssysteme Android und iOS verfügbar.

Am 2. August 2018 wurde die App TikTok der Nachfolger von musical.ly. Seit diesem Jahr gehört sie zu den sich am schnellsten verbreitenden mobilen Apps der Welt und wurde führende Kurzvideo-Plattform in Asien mit der weltweit größten Playback-Videogemeinde.[4][5]

Das Unternehmen gilt aufgrund von Bedenken hinsichtlich Daten- und Jugendschutz sowie Spionage und Zensur zugunsten der chinesischen Regierung als umstritten. Laut Reuters vom Mai 2020 verlagert die Mutter ByteDance ihre geschäftlichen Aktivitäten zunehmend ins Ausland. TikTok hat seine Entwicklungskapazitäten in Kalifornien mit der Einstellung von über 150 Spezialisten ausgebaut.[6]

Funktionsweise

Mit der TikTok-App können Benutzer Musikclips ansehen sowie kurze Clips aufnehmen und bearbeiten, unter anderem durch das Hinzufügen von Spezialeffekten und Filtern.

Zum Erstellen eines eigenen Videos wird zunächst eine Hintergrundmusik oder Tonaufnahme ausgewählt, danach erfolgt die Aufnahme mit der Kamera des Mobilgeräts bzw. die Wahl eines vorher aufgenommenen Videos. Innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes von maximal 60 Sekunden kann ein zur gewählten Audiospur passender Videoclip erstellt bzw. ausgewählt werden, der meist aus Karaoke- bzw. Playback-Singen, Tanzen oder Schauspielern zur Audiospur besteht. Die Länge des Videos richtet sich auch nach der Länge der genutzten Audiospur.[7]

Die TikTok-Musikliste enthält eine Auswahl an Musikstilen und Audioclips aus verschiedenen Medien.[8] Insgesamt gibt es 19 Kategorien.[9] Darüber hinaus gibt es unterschiedliche thematische Hashtags und „Internet-Challenges“, unter denen Videos gesammelt werden. Die beliebtesten Videos in der jeweiligen Sprachregion und international werden auf der Hauptseite angezeigt und lassen sich durchwischen. Zum Ansehen von Videos ist keine Registrierung erforderlich. Zum Erstellen von Videoclips sowie zum Interagieren mit anderen Mitgliedern muss man sich anmelden. Nutzerdaten werden durch eine Künstliche Intelligenz analysiert.[10] Zielgruppe sind überwiegend Teenager.

Die Hauptseite TikToks besteht aus der "Folge ich"- und der "Für dich"-Seite, zwischen denen mit einem Wischen nach rechts oder links gewechselt werden kann. Auf der "Für dich"-Seite werden Videos angezeigt, die zunächst durch die Nutzerdatenanalyse der künstlichen Intelligenz als für den Nutzer interessant gewertet wurden. Diese Interessen der Nutzer bilden verschiedene "sides" also Seiten innerhalb TikToks. Zwei Beispiele wären "booktok", hier wird sich mit Büchern befasst, "alttiktok", für Nutzer aus der Alternative (Musik) Szene. Die unterschiedlichen Seiten innerhalb TikToks sind zahlreich und oft durch starke Gegensätze geprägt, wie "conservativetiktok" und "liberaltiktok". Die Größe dieser beiden Seiten zeigt auch die politische Bedeutung der Plattform, gerade für junge Menschen.[11]

Geschichte

Anfänge und Fusion mit Musical.ly

"musical.ly" wurde im September 2016 von Zhang Yiming, dem Gründer von ByteDance,[12] ins Leben gerufen. Im Januar 2017 erhielt das Unternehmen mehrere Millionen Renminbi von der Toutiao-Gruppe, um die Plattform weiter auszubauen. Im September 2017 begann die Expansion auf den indonesischen Markt.[13]

TikToks Muttergesellschaft, Beijing Bytedance Technology, kaufte Musical.ly, eine weitere populäre chinesische Kurzvideo-Social-Plattform, im November 2017 für 800 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar auf.[14][15][16][9]

Im Februar 2018 startete TikTok eine Partnerschaft mit Modern Sky, um Musik zu monetarisieren.[17]

Im August 2018 wurde musical.ly in TikTok umbenannt und das Design dem chinesischem Pendant Douyin angeglichen.[18] Musical.ly hatte ein schlechtes Image und stand in der Kritik, Pädophile anzuziehen. Die Umfirmierung soll dies vergessen lassen.[19][20][21][18][22][9]

Nach der Fusion

Der Umsatz für das Jahr 2018 belief sich auf 8,4 Milliarden US-Dollar.[23] Für das Jahr 2019 hat TikTok 176,9 Millionen US-Dollar erwirtschaftet, wovon allein 122,9 Millionen US-Dollar von chinesischen iOS-Nutzern kommen.[24] Im Mai 2020 wechselte Kevin A. Mayer, der Streaming-Chef von Walt Disney, zu TikTok und wurde dort Chief Operating Officer und übernimmt seitdem die Geschäftsführung.[25]

Sperrungen in Indien und Indonesien

Indonesien sperrte die TikTok-App ab dem 3. Juli 2018 zeitweise aufgrund von Bedenken wegen illegaler Inhalte wie Pornografie und Blasphemie. Die App wurde eine Woche später entsperrt, da mehrere Änderungen implementiert wurden, darunter die Entfernung kritischer Inhalte, die Eröffnung eines Verbindungsbüros der Regierung und die Einführung von Altersbeschränkungen und Sicherheitsmechanismen.[26]

Auch in der indischen Version des Google Play Stores und App Store wurde TikTok im April 2019 zeitweise gesperrt wegen Vorwürfen, die App stifte zu pornografischen Inhalten an.[27] Im Juni 2020 erfolgte im Hinblick auf Sicherheitsbedenken, nämlich weil man Berichte erhalten habe, wonach Nutzerdaten missbraucht und auf Server außerhalb des Landes übertragen würden, eine erneute Sperrung.[28]

Sperrungsankündigung in den USA

Als Mark Zuckerberg die Bestrebungen der US-Bundesregierung zur Regulierung seines Unternehmens Facebook abzuwehren suchte, betonte er Gefahren für Anwender in den USA durch die chinesische App TikTok.[29] Dies griff US-Präsident Donald Trump im Juli 2020 auf, indem er ein Verbot der Software in den USA prüfen ließ. Seine Regierung kündigte einen Verbotsbeschluss für August 2020 an.[30] Bereits im Juni sorgte eine Scherzaktion über TikTok dafür, dass Trump bei seiner Wahlkampfrede in Tulsa in einer fast leeren Halle reden musste.[31] Am 6. August 2020 unterzeichnete Trump eine Executive Order, die Geschäfte mit der TikTok-Mutter ByteDance verbieten, da man die nationale Sicherheit gefährdet sah: Die Plattform-Betreiberin sammle Nutzerdaten, die es der Kommunistischen Partei Chinas ermöglichen, US-Bürger auszuspionieren.[32][33] ByteDance kündigte am 10. August 2020 Klage vor dem US-Bundesbezirksgericht für das Südliche Kalifornien an, da die Verfügung verfassungswidrig und unbegründet sei.[34] Ein Scheitern vor Gericht hätte zu Folge gehabt, dass sämtliche Verträge mit dem TikTok-Mutterkonzern ByteDance in den Vereinigten Staaten bis zum 15. September 2020 gekündigt werden müssten. Am 7. August 2020 entschied das Gericht, dass ein Verbot der App unzulässig sei – da das faktische Einfuhrverbot nicht Teil der Notstandsvollmachten des Präsidenten ist[35] und die TikTok-Nutzung unmöglich wäre. Die US-Konzerne Microsoft und Twitter bekundeten Interesse an einem Kauf oder einer Fusion der Plattform.[36][37] Die Sperrankündigungen führten ebenfalls zu einem Zuwachs bei der Konkurrenzapp Triller, die es dadurch zeitweise auf Platz 1 der iTunes-Charts schaffte.[38]

Sperrung in Pakistan

Pakistan sperrte die TikTok-App ab dem 9. Oktober 2020. Die Sperrung wurde mit unmoralischen und unanständigen Inhalten begründet.[39]

Übernahme vor Sperrung

Um eine Sperrung in den USA zu umgehen, wurden im August 2020 Übernahmeangebote diverser Konzerne für das US-Geschäft von TikTok bekannt. Hierbei bieten unter anderem Oracle, Microsoft und Walmart mit.[40] Auch Softbank bekundete Interesse.[41] Neben dem US-Geschäft soll auch das kanadische, neuseeländische und australische Geschäft mit übernommen werden. Ende August 2020 wurde bekannt, dass die chinesische Regierung Künstliche Intelligenz auf eine Liste von Produkten setzte, deren Export aus der Volksrepublik China beschränkt ist.[42] Somit müsste die Übernahme von TikTok durch die chinesischen Behörden genehmigt werden, was die Übernahme in Gefahr bringen oder zumindest verzögern könnte.[43] Microsoft gab bekannt, dass ihr Übernahmeangebot abgelehnt wurde. Bytedance kooperiert jetzt mit Oracle, wodurch ein Verkauf vermieden werden soll.[44][45]

Kurz darauf kündigte die US-Regierung an, TikTok und WeChat zu verbieten. Apple, Google und andere US-Konzerne wurden angewiesen, für heimische Nutzer ab dem 20. September 2020 keine Downloads mehr zu ermöglichen. Bytedance legte daraufhin Beschwerde ein.[46]

Donald Trump hat am 19. September 2020 bekanntgegeben, dass er einem Bündnis der Smartphone-App mit dem Softwarekonzern Oracle und dem Einzelhändler Walmart seine vorläufige Genehmigung erteilt.[47] Die neue Allianz hat keinen Verkauf von Tiktok in Amerika zur Folge, wie er zunächst gefordert war. Oracle und Walmart sollen Minderheitsaktionäre werden. Gemeinsam mit amerikanischen Investoren, die heute schon am Mutterkonzern Bytedance beteiligt sind, soll die App aber künftig zu etwas mehr als 50 Prozent in amerikanischer Hand sein. Sie soll in ein neues Unternehmen mit Namen „Tiktok Global“ eingebracht werden, das den Sitz in den Vereinigten Staaten hat und dessen Verwaltung mehrheitlich aus US-Staatsbürgern besteht. Die Gesellschaft soll innerhalb eines Jahres in den USA an die Börse gebracht werden.[48]

Nutzer- und Downloadzahlen

Nach eigenen Angaben erreichte die App im Juni 2018 täglich 150 Millionen aktive Nutzer und pro Monat 500 Millionen aktive Nutzer aus 150 Ländern.[49] Sie war die weltweit am häufigsten heruntergeladene iPhone-App im ersten Quartal 2018 mit geschätzten 45,8 Millionen Downloads.[50] Sie ist die beliebteste App in China und auf ca. 14 % aller chinesischen Smartphones installiert.[8] Im August 2019 war die App mit 63 Millionen Downloads auf Platz 1 der Downloadcharts und überholte damit WhatsApp.[51] Im November 2018 verbrachten rund 4,1 Millionen monatlich aktive deutsche Tiktok-Nutzer (54 Prozent davon weiblich) durchschnittlich rund 39 Minuten pro Tag in der App.[52] Bis Februar 2019 wurde die App insgesamt über eine Milliarde Mal heruntergeladen.[53] Im November 2019 erreichte TikTok eine Milliarde monatlich aktive Nutzer, womit TikTok zu den am schnellsten wachsenden sozialen Netzen gehört.[54] Anfang Mai 2020 war die App erstmals über zwei Milliarden Mal heruntergeladen worden.[55]

Außenwahrnehmung

Gründe für den Erfolg

TikTok ist vor allem bei der Generation Z beliebt und übernahm viele Nutzer aus Musical.ly. Die App zeichnet sich durch eine vereinfachte Bedienung und ein Design aus, das vor allem Jugendliche anspricht. TikTok bietet eine große Musikbibliothek und viele Videobearbeitungsmöglichkeiten. Auf TikTok gibt es nur wenige Unternehmenskanäle, so dass die Nutzer das Gefühl haben, unter sich zu bleiben, und sich leichter mit den Videoinhalten identifizieren können. Allerdings sehen einige Anbieter auch eine Lücke in diesem Markt und produzieren genau deswegen für TikTok.

Der Erfolg ist auch eine Folge der Schließung der Kurzvideo-Plattform Vine im Jahr 2017 und mangelnder Konkurrenz. Auf TikTok wurde vor allem durch ein virales Marketing und Influencer-Marketing aufmerksam gemacht. Zusätzlich erzeugen Internet-Challenges und Clips durch entsprechende Hashtags weitere Aufmerksamkeit und wurden teilweise zu Memes, die über TikTok hinaus bekannt sind.[56]

Popularität und Einfluss

Die Popularität der App sorgte für virale Trends, Internet-Challenges und brachte Internet-Bekanntheiten auf der Welt mit mehreren Tausenden oder Millionen Anhängern hervor. Ebenfalls verhalf es Songs zur Bekanntheit und wird von Prominenten und einigen Unternehmen als Teil von Marketing-Strategien und zusätzliches Medienangebot genutzt, das vor allem die Generation Z ansprechen soll.[57][58][59]

Die Plattform verhalf bereits Songs in die Musikcharts und Musikern wie beispielsweise Lil Nas X zum Durchbruch. Hierbei dominieren vor allem Rapsongs. Nach dem Musikproduzenten Nick Sylvester, der bereits für virale Musiktrends auf TikTok sorgte, passen mittlerweile auch einige Musiker ihre Musikstruktur an, um zu einen viralen Hit auf der Plattform zu werden. Plattenlabels nutzen die Plattform ebenfalls als Marketinginstrument für neue Veröffentlichungen ihrer Musiker. Im Vergleich zu anderen Plattform sei die Bezahlung der Plattenlabels für die Nutzung von Songs von TikTok allerdings gering.[60]

Ein Ausschnitt des Rap-Songs „Mia Khalifa“ von iLOVEFRiDAY’s über die gleichnamige Pornodarstellerin, der auch als „Hit or Miss“ bezeichnet wird, wurde in mehr als vier Millionen TikTok-Videos verwendet und so zu dem bekanntesten Internet-Meme von TikTok.[61]

Kritik

Sexismus und Jugendschutz

Aufgrund der harmlosen Aufmachung und fehlender Aufklärung über die Folgen und Rechte bei der Nutzung geriet die Plattform in Kritik, nicht genügend Jugendschutz und Datenschutz für eine evtl. beeinflussbare und leichtsinnige junge Zielgruppe zu bieten. Ebenfalls wird kritisiert, dass zu wenig gegen Sexismus und Cyber-Mobbing in den Kommentaren vorgegangen werde. TikTok will dies in Zukunft unterbinden und dafür ein Sicherheitscenter in Deutschland ausbauen.[62][63][64][65]

Anfang 2019 musste TikTok in den USA 5,7 Millionen US-Dollar Strafe zahlen. Hintergrund war der ungenügende Schutz Minderjähriger.[66] Im Dezember 2019 wurde in den USA eine zweite Sammelklage von Eltern wegen mangelnden Datenschutzes von Minderjährigen eingereicht.[67] Als eine Jugendschutzmaßnahme erlaubt TikTok seit dem 30. April 2020 nur noch Personen ab 16 Jahren das Versenden und Empfangen von privaten Nachrichten.[68] In Italien muss TikTok bis spätestens Mitte Februar 2021 das Mindestalter von 13 Jahren überprüfen oder die Nutzerkonten blockieren.[69]

Zensur politischer und religiöser Themen

TikTok behält es sich vor, politische Inhalte zu entfernen, wenn dies im Interesse der chinesischen Regierung ist. So wurden Videos über die Proteste in Hongkong 2019 in TikTok zensiert.[70] Ebenfalls zensiert TikTok Inhalte mit Kritik am chinesischen Sozialismus. Gewaltfreie Falun-Gong-Inhalte werden als „Gewalt“ eingestuft, um sie zu löschen, was die Verfolgung von Falun Gong auch im Ausland ermöglicht. Manche regierungskritischen Inhalte, wie die der Tagesschau, bleiben zwar in einigen Ländern auf der Plattform,[71] sind aber in der chinesischen Version unauffindbar.[72][73]

Kontroverse Themen wie Glaubenskonflikte oder ethnische und politische Konflikte sind unerwünscht. Debatten sollen daher bewusst vermieden und stattdessen der Fokus auf Unterhaltung gesetzt werden.[74][75] Um dies zu erreichen, reduziert bzw. erhöht TikTok durch Moderationsstufen die Verbreitung ausgewählter Inhalte.[76]

Als Zensur gilt im engeren Wortsinn das Eingreifen staatlicher oder sonstiger machtgestützter Institutionen, durch die im Sinne dieser Institutionen unerwünschte Inhalte von der Medienöffentlichkeit ferngehalten werden sollen. Wenn der Vorwurf erhoben wird, in einem Staat werde TikTok „zensiert“, dann ist zu beachten, dass es in Rechtsstaaten keine rechtsfreien Räume gibt. Die Tatsache, dass TikTok ein Video nicht löscht, bietet auch in Rechtsstaaten Nutzern, die ein Video hochladen, keinen Schutz vor einer „Nachzensur“, vor allem in Form einer Strafverfolgung durch Organe des betreffenden Staates.

Ebenfalls gibt es länderspezifische Regeln, die Listen mit Persönlichkeiten und Themen führen, die nicht kritisiert werden dürfen. So darf in der Türkei beispielsweise Präsident Erdoğan nicht kritisiert werden. Ebenfalls türkeispezifisch ist die Nennung „nicht-islamischer Götter“ wie Jesus, Maria oder Engel verboten.[77]

Cyber-Mobbing und Einschränkung von Kritik

Ebenfalls wurde aus den internen Richtlinien bekannt, dass Moderatoren Beiträge mit Kritik am Unternehmen oder der Erwähnung von Konkurrenz sperren dürfen.[78] Aus dieser wurde ebenfalls bekannt, dass Maschinelles Lernen eingesetzt wird, um kritische Inhalte ausfindig zu machen und zu entfernen.[79] Um die Anzahl der negativen Kommentare zu verringern, reduzierte TikTok die Reichweite von Menschen mit Behinderungen oder Adipositas und von Queeren.[80]

TikTok soll auch Inhalte von Nutzern einschränken, die aufgrund dieser Inhalte gemobbt werden könnten. Dazu zählen unter anderem Behinderungen, LGBT-Themen oder übergewichtige Personen. Die Reichweite dieser Inhalte wird von TikTok ab zehntausend Aufrufen eingeschränkt und erhält die Markierung „Auto_R“. Einige Inhalte ab einer bestimmten Aufrufzahl sind sogar ganz aus dem Newsfeed verschwunden.[80][81] Davon betroffen sind auch deutsche Vlogger, die über ihre Behinderungen berichten. TikTok wird daher vorgeworfen, Vorurteile zu fördern und die Meinungsfreiheit einzuschränken.[82]

Blockierung von LGBT-Inhalten

Neben Nacktheit und Alkoholkonsum ist, unter Berufung auf den Jugendschutz, auch die Verbreitung von Inhalten mit Bezug auf Homosexualität oder deren Befürwortung auf TikTok verboten. Die Regelung gilt weltweit und betrifft damit auch Länder, in denen Homosexualität legal ist. Diese Vorgehensweise steht in der Kritik, weil sie die sexuelle Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit einschränkt, Homosexuelle in ein negatives Licht rückt und sie als unerwünscht darstellt. Es werden nicht, wie für den Jugendschutz angemessen, nur sexuelle Handlungen allgemein verboten, sondern direkt die sexuelle Orientierung.[77]

Sicherheits- und Datenschutzbedenken

Das Unternehmen Check Point wies ByteDance bereits im November 2019 auf Sicherheitslücken in TikTok hin. Anfang Januar 2020 wurde eine Sicherheitslücke ausgenutzt, durch die mittels eines Cross-Site-Request-Forgery-Angriffs JavaScript-Schadsoftware über den eigenen SMS-Dienst von TikTok versendet und damit auf das Nutzerkonto zugegriffen wurde.[83][84] Nach Aussagen von Check Point waren weltweit potenziell alle 800 Millionen TikTok-Nutzer und in Deutschland rund 5,5 Millionen betroffen.[85]

Im April wurde eine weitere Sicherheitslücke bekannt (als Proof of Concept), die es Hackern mittels des Content Delivery Network von TikTok ermöglicht hätte, Clips zu ersetzen. Ursache hierfür ist, dass TikTok wegen theoretisch höherer Datenübertragungsrate und weniger benötigter Rechenleistung statt des sicheren HTTPS das unverschlüsselte HTTP verwendet.[86] In Kritik geriet ebenfalls das permanente Auslesen der Zwischenablage auf iOS-Geräten.[87]

Die App steht in der Kritik, Daten nicht ordnungsgemäß zu schützen, vor allem von Kindern und Jugendlichen. So musste der Vorgänger musical.ly noch 2019 nachträglich 5,7 Millionen US-Dollar Strafe an die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) zahlen, weil der Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) nicht eingehalten worden war.[66] Das Bundesgesundheitsministerium leitete 2020 eine Prüfung ein, um festzustellen, ob das TikTok-Nutzerkonto des Ministeriums wegen Sicherheits- und Datenschutzbedenken gelöscht werden soll.[88]

Spionagevorwürfe

Die USA befürchten Spionage und eine Weiterleitung von Informationen an chinesische Behörden, weswegen die App nach einem Bericht der New York Times von einem Regierungsgremium darauf geprüft wurde. Das zuständige US-Finanzministerium wollte diesen Bericht allerdings nicht kommentieren. Auch US-Senatoren wie Marco Rubio und Charles Schumer äußerten einen Verdacht auf Spionage. ByteDance streitet dies ab und merkt an, dass sich die Rechenzentren nicht in China befinden und das Unternehmen unabhängig von der chinesischen Regierung sei.[89] Der Reddit-CEO Steve Huffman bezeichnete TikTok auf der Social 2030 als parasitäre Spyware.[90] Auch das Hackerkollektiv Anonymous bezeichnete TikTok als eine „von der chinesischen Regierung betriebene Malware“.[87]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Installationsseite für Android. Abgerufen am 20. August 2020.
  2. Vorschauseite für iOS. Abgerufen am 20. September 2020.
  3. Toutiao parent launches global competitor to musical.ly. In: TechNode. 14. September 2017, abgerufen am 15. September 2018.
  4. How Douyin became China's top short-video App in 500 days. In: WalktheChat. 30. Juli 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  5. Tik Tok, a Global Music Video Platform and Social Network, Launches in Indonesia. Pressemitteilung von ByteDance Inc. In: en.prnasia.com. 13. September 2017, abgerufen am 17. Mai 2020 (englisch).
  6. TikTok verlagert Geschäft offenbar von China ins Ausland. In: orf.at. 29. Mai 2020, abgerufen 14. Juni 2020.
  7. Diese fünf Dinge müssen Sie über die App TikTok wissen. In: sueddeutsche.de. 12. Februar 2019, abgerufen am 2. Mai 2019.
  8. a b Tik Tok: Das steckt hinter der beliebten App. In: chip.de. Abgerufen am 15. September 2018.
  9. a b c Jonas Jansen: Teenie-App: Musical.ly ist tot, lang lebe Tik Tok. In: FAZ.NET. Abgerufen am 15. September 2018.
  10. Tech in Asia – Connecting Asia's startup ecosystem. Abgerufen am 30. September 2019 (amerikanisches Englisch).
  11. TikTok Is Shaping Politics. But How? Abgerufen am 29. September 2020 (amerikanisches Englisch).
  12. Taylor Nicole Rogers: Meet Zhang Yiming, the secretive, 35-year-old Chinese billionaire behind TikTok who made over $12 billion in 2018. In: businessinsider.com. 10. November 2019, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  13. Tik Tok, a Global Music Video Platform and Social Network, Launches in Indonesia. In: PRNewswire. 13. September 2017, abgerufen am 28. Dezember 2019.
  14. Liza Lin, Rolfe Winkler: Social-Media App Musical.ly Is Acquired for as Much as $1 Billion. In: Wall Street Journal. 10. November 2017, abgerufen am 15. September 2018.
  15. Kevin Tran: Social video app Musical.ly acquired for up to $1 billion. In: businessinsider.com. 13. November 2017, abgerufen am 5. August 2020 (englisch).
  16. Musical.ly ist jetzt Tik Tok und macht einen auf Youtube. In: dasding.de. Abgerufen am 15. September 2018.
  17. Douyin launches partnership with Modern Sky to monetize music. In: chinamusicbusinessnews.com. 6. Februar 2018, abgerufen am 15. September 2018 (englisch).
  18. a b The popular Musical.ly app has been rebranded as TikTok. In: The Verge. Abgerufen am 15. September 2018.
  19. Musical.ly Is Going Away: Users to Be Shifted to Bytedance’s TikTok Video App. Abgerufen am 15. September 2018 (englisch).
  20. Was ist Tik Tok? Warum kein Musical.ly mehr? In: GIGA. 3. August 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  21. Musical.ly wird Tik Tok: Warum das die Blaupause für einen radikalen Umbruch sein kann. In: FOCUS Online. Abgerufen am 15. September 2018.
  22. Martin Holland: Aus für Musical.ly: Nutzer müssen zu TikTok. Abgerufen am 15. September 2018.
  23. Bytedance – Das Milliarden-Start-up, das hinter der Teenie-App TikTok steht. In: tagesspiegel.de. 9. November 2019, abgerufen am 20. März 2020.
  24. Ömer Kayali: Starke 1,65 Milliarden Downloads: Ist diese App bald die Beliebteste der Welt? In: chip.de. 19. Januar 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
  25. Disneys Streamingchef Kevin Mayer leitet jetzt TikTok. In: spiegel.de. 19. Mai 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.
  26. Indonesia overturns ban on hot Chinese video app Tik Tok. In: South China Morning Post. Abgerufen am 15. September 2018.
  27. Martin Holland: TikTok: Gericht erlaubt Rückkehr in App-Stores in Indien. In: heise.de. 25. April 2019, abgerufen am 2. April 2020.
  28. Zeit-Online/dpa vom 30. Juni 2020
  29. Georgia Wells, Jeff Horwitz, Aruna Viswanatha: Facebook CEO Mark Zuckerberg Stoked Washington’s Fears About TikTok. In: Wallstreet Journal. 23. August 2020, abgerufen am 24. August 2020.
  30. US-Konflikt mit China: Trump erwägt Verbot von TikTok. In: Die Welt. 8. Juli 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.
  31. Trump in Tulsa – Sorgten TikTok-User für die leeren Ränge? In: tagesschau.de. 21. Juni 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  32. TikTok will Donald Trump verklagen. In: heise.de. 10. August 2020, abgerufen am 10. August 2020.
  33. Executive Order on Addressing the Threat Posed by TikTok. Abgerufen am 10. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  34. Chris Köver: Verbot in den USA – TikTok will gegen Trump-Erlass klagen. In: netzpolitik.org. 10. August 2020, abgerufen am 10. August 2020.
  35. TikTok gewinnt gegen Trump. In: boerse.ard.de. 8. Dezember 2020, archiviert vom Original am 8. Dezember 2020; abgerufen am 8. Dezember 2020.
  36. Twitter soll an TikTok interessiert sein. In: Spiegel Online. 9. August 2020, abgerufen am 10. August 2020.
  37. Tobias Költzsch: Nach Microsoft – Auch Twitter soll an Tiktok interessiert sein. In: golem.de. 9. August 2020, abgerufen am 10. August 2020.
  38. Triller: Tiktoks Ärger mit Trump lässt Konkurrenten boomen. In: derstandard.at. 5. August 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  39. Pakistan blockiert Video-App Tiktok. In: heise.de. 9. Oktober 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  40. Supermarkt-Riese aus Amerika – Walmart steigt bei Microsofts Gebot für Tiktok ein. In: faz.net. 27. August 2020, abgerufen am 18. November 2020.
  41. Sabrina Frangos: Nun soll auch Softbank Interesse an Tiktok haben. In: gruenderszene.de. 27. August 2020, abgerufen am 28. August 2020.
  42. TikTok Assets Can’t Be Sold Without China’s Approval. In: bloomberg.com. 30. August 2020, abgerufen am 18. November 2020 (englisch).
  43. Xi Jinping kontert – China verschärft vor TikTok-Verkauf Ausfuhrregeln für Technologie. In: manager-magazin.de. 31. August 2020, abgerufen am 31. August 2020.
  44. Christoph Giesen, Jannis Brühl: Tiktok und Oracle – Ein hochpolitischer Deal. In: sueddeutsche.de. 14. September 2020, abgerufen am 15. September 2020.
  45. Microsoft verliert das Rennen um Tiktok (Roland Lindner), In: FAZ vom 15. September 2020
  46. China wirft den USA „Schikane“ vor, Spiegel Online, 19. September 2020.
  47. Streit um Video-App: Trump verkündet TikTok-Deal, tagesschau.de, 20. September 2020
  48. Was Trumps Tiktok-Kompromiss bedeutet. In: FAZ.net. 20. September 2020, abgerufen am 20. September 2020.
  49. Xiang Bo: Chinese video sharing app boasts 500 mln monthly active users. In: xinhuanet.com. 17. Juli 2018, abgerufen am 25. Januar 2021 (englisch).
  50. Avery Hartmans: The most downloaded iPhone app in the world right now is one you’ve probably never heard of. In: Business Insider Singapore. 3. Mai 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  51. Business Insider Deutschland: Tiktok wird inzwischen öfter heruntergeladen als Whatsapp. Abgerufen am 30. September 2019.
  52. 4 Millionen Nutzer in Deutschland: Hype-App Tiktok testet Werbung. In: T3N. 2. Februar 2019, abgerufen am 14. Juli 2019.
  53. TikTok Revenue & App Download Estimates from Sensor Tower – Apple App Store. Abgerufen am 30. September 2019.
  54. Jörn Brien: Social-Network-Rekord: Tiktok brauchte nur drei Jahre bis zur Nutzermilliarde. In: t3n.de. 13. November 2019, abgerufen am 17. März 2020.
  55. Biran Rotter: Das schaffte bisher nur Facebook: Tiktok erreicht 2 Milliarden Downloads. In: t3n.de. 3. Mai 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
  56. Tiana Hsu: Was ist Tiktok eigentlich? In: derstandard.at. 15. September 2019, abgerufen am 6. Mai 2020.
  57. Gao Xiaoqian: How Does Tik Tok Outperform Tencent’s Super App WeChat and Become One of China’s Most Popular Apps? (Part 1). In: kr-asia.com. 26. März 2018, abgerufen am 25. Mai 2020 (englisch).
  58. S. Kohl, L. Kleistner, E. Artemenko: Darum ist TikTok bei Jugendlichen so beliebt. In: t-online.de. 12. April 2019, abgerufen am 9. Mai 2020.
  59. Markus Hetzenegger: Tiktok: So starten Unternehmen mit Social-Media-Marketing für die Generation Z. In: t3n.de. 25. Dezember 2019, abgerufen am 16. Juli 2020.
  60. Mike Herbstreuth: Social Media – Wie TikTok die Musikindustrie verändert. In: deutschlandfunk.de. 23. Mai 2020, abgerufen am 22. Juni 2020.
  61. Duncan Cooper: How TikTok Gets Rich While Paying Artists Pennies. In: pitchfork.com. 12. Februar 2019, abgerufen am 30. September 2019 (englisch).
  62. Lisa Duhm: WhatsApp, Instagram und Co.: Jugendschützer halten viele Apps für nicht kindgerecht. In: Spiegel Online. 14. September 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  63. TikTok auf Sicherheit im Internet. Abgerufen am 15. September 2018.
  64. Aus für Musical.ly: Teenie-App verschmilzt mit Tik Tok. In: t3n News. Abgerufen am 15. September 2018.
  65. futurezone/JJ: Sexuelle Belästigung: Ist TikTok für Kinder noch sicher? Abgerufen am 18. April 2019.
  66. a b Daniel AJ Sokolov: Kein Datenschutz für Kinder: Millionenstrafe für Musical.ly. In: heise.de. 28. Februar 2019, abgerufen am 17. Februar 2020.
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  68. Kurzvideo-App – TikTok verbietet jungen Nutzern Direktnachrichten. In: spiegel.de. 16. April 2020, abgerufen am 20. Juni 2020.
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  81. Stefanie Sippel: Diskriminierung bei „Tiktok“ – „Hässliche“ Menschen? In: faz.net. 19. März 2020, abgerufen am 4. Dezember 2020.
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  83. Steve Buchta: TikTok: Hacker-Angriff per SMS – das sollten Nutzer beachten! In: connect.de. 10. Januar 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
  84. Olivia von Westernhagen: TikTok: Serverseitige Schwachstellen ermöglichten Account-Manipulationen. In: heise.de. 8. Januar 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
  85. Peter Welchering: Sicherheitslücke – Daten von 5,5 Millionen deutschen TikTok-Nutzern waren gefährdet. Interview mit Uli Blumenthal. In: deutschlandfunk.de. 8. Januar 2020, abgerufen am 18. Mai 2020.
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  87. a b "Löscht diese App dringendst": Immer mehr Warnungen zu Tiktok. In: derStandard.at. 2. Juli 2020, abgerufen am 14. Juli 2020.
  88. Datenschutzbedenken: Politiker erwägen Rückzug von Tiktok. In: heise.de. 6. August 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  89. Spionage befürchtet: USA: TikTok im Visier. In: ZDF.de. 2. November 2019, abgerufen am 18. Mai 2020.
  90. Reddit-Chef: „TikTok ist fundamental parasitäre Spyware“. In: futurezone.at. 27. Februar 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.