Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus

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Dieselkraftwerk Cottbus
Neuer Standort im ehemaligen Dieselkraftwerk
Neuer Standort im ehemaligen Dieselkraftwerk
Lage
Dieselkraftwerk Cottbus (Brandenburg)
Dieselkraftwerk Cottbus
Koordinaten 51° 45′ 34,4″ N, 14° 20′ 19,6″ O51.75955555555614.338777777778Koordinaten: 51° 45′ 34,4″ N, 14° 20′ 19,6″ O
Land Deutschland
Daten
Primärenergie Fossile Energie
Leistung 1,1MW (1500PS)
Typ Dieselkraftwerk
Projektbeginn 04.04.1927
Betriebsaufnahme 1. April 1928
Stilllegung 1959

Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus (Eigenschreibweise: kunst.museum.dieselkraftwerk) ist ein Kunstmuseum in der brandenburgischen Stadt Cottbus. Es befindet sich in einem ehemaligen Kraftwerk östlich der Altstadt im Goethepark.

Geschichte[Bearbeiten]

Alter Standort Spremberger Straße

Das Museum wurde 1977 als Abteilung des Bezirksmuseums Cottbus gegründet. 1984 erhielt es die Bezeichnung Staatliche Kunstsammlungen Cottbus. Es war die dritte Neugründung eines Kunstmuseums in der DDR. Die Wahl fiel auf Cottbus, da die Stadt zu den wenigen Bezirksstädten gehörte, die bisher über kein eigenständiges Kunstmuseum verfügte. Nach der Gründung des Landes Brandenburg wurde es 1991 zum Landesmuseum und es folgte die Umbenennung in Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus. Seit Mitte 2004 gehört das Museum, neben dem Staatstheater Cottbus, zur Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus. Der letzte Namenswechsel fand im April 2006 in Vorwegnahme des zukünftigen Standortes in Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus statt. 2008 zog das Museum vom alten Standort, einem Wohn- und Geschäftshaus in der Spremberger Straße in der Altstadt, ins neue Quartier, dem ehemaligen Dieselkraftwerks im Goethepark am östlichen Rand der Innenstadt, um. Am 8. Mai 2008 fand die Neueröffnung statt.

Architektur und Geschichte des Kraftwerks[Bearbeiten]

Das Dieselkraftwerk wurde als Umspannwerk und Spitzenlastkraftwerk 1927 gebaut und ging am 1. April 1928 in Betrieb. Konzipiert wurde die Anlage von Werner Issel (Berlin), der im Laufe seiner Schaffenszeit über 60 Kraftwerke entworfen hat, von denen einige exemplarisch für die Kraftwerksarchitektur der 1920er Jahre stehen, wie das Berliner Kraftwerk Klingenberg (Entwurf gemeinsam mit Walter Klingenberg). Die elektrische Ausrüstung stammte von der AEG.

Funktionell gliederte sich die Anlage in zwei Teilbereiche: Das Maschinen- und Umformerhaus beherbergte den Dieselgeneratorsatz mit einem MAN-Großdieselmotor mit 1500 PS Leistung, der einen Gleichstromgenerator antrieb. Außerdem standen hier rotierende Umformersätze (Kombination Elektromotor / Generator) zum Umrichten von Gleich- auf Wechselspannung im Spitzenlastbetrieb. Im Schalthaus wurde die Energie auf die 3 kV-Unterstationen der Stadt verteilt. Außerdem wurde hier eine 20 kV-Fernleitung vom Großkraftwerk Trattendorf eingeführt, über die auch die Grundlastversorgung erfolgte. Zur Umrichtung von Wechsel- auf Gleichspannung zur Versorgung der städtischen Straßenbahn gab es einen weiteren Umrichter. Zur Einführung der Freileitung diente der Treppenturm.

Das Kraftwerk wurde 1959 außer Betrieb genommen, da nach damaliger Ansicht eine dezentrale Energieversorgung als nicht mehr zeitgemäß betrachtet wurde. Außerdem war der Netzausbau so weit fortgeschritten, dass auf die Spitzenlastversorgung verzichtet werden konnte. Um das Maschinenhaus als Transformatorenwerkstatt nutzen zu können, wurde der Dieselgeneratorsatz abgebaut.

Das von seinem bauhistorischen Wert her im Land Brandenburg einzigartige Industriedenkmal wurde von 2004 bis 2008 zum Kunstmuseum umgebaut und dabei die Außenfassade mit ihrer Verkleidung aus 4,6 cm flachen Eisenklinkern erhalten. Im Innern entstand eine Ausstellungsfläche von insgesamt 1.250 m², die sich auf jeweils drei Räume im ehemaligen Maschinenhaus und drei Räume im alten Schalthaus verteilt. Die Umbaukosten lagen bei 8 Millionen Euro.

Sammlungen[Bearbeiten]

Da weder bedeutende Schenkungen noch spektakuläre Ankäufe die Gründung des Museums markierten, prägten eine regionale Ausstellungstätigkeit und eine Ankaufspolitik mit Gegenwartskunst die Anfangsjahre. Zu Beginn konzentrierten sich die Sammlungen auf die Bereiche Malerei, Plastik und Grafik. Später kamen die Themengebiete Fotografie und Plakatkunst sowie Künstlerbuch und Buchobjekt hinzu. Diese Vielfalt zeigt sich auch in der Bezeichnung des Hauses als Museum für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Plakat.

Bis in die 1990er Jahre gab es in den Bereichen Malerei und Skulptur ausschließlich Kunst der früheren DDR beziehungsweise von Künstlern, die nach der politischen Wende 1990 im Osten Deutschlands beheimateten waren. Heute reichen die Sammlungen mit über 23.000 Werken vom Dresdner Expressionismus bis zur Gegenwart. Hierzu gehört eine umfangreiche grafische Sammlung mit Handzeichnungen, Druckgrafik, Künstlerbüchern, Rollos und Collagen. Die Sammlung der Fotografie ist die quantitativ wie auch qualitativ umfangreichste Sammlung der Autorenfotografie in den neuen Bundesländern. Die zunächst auf die ostdeutschen Regionen beschränkte Fotosammlung hat sich seit 1993 auch den Gegenwartstendenzen Westdeutschlands und anderer Länder geöffnet. Bereits im Jahre 1980 wurde eine internationale Sammlung der Plakatkunst als Dauerleihgabe übernommen. Durch Schenkungen und Ankäufen vergrößerte sich zudem die eigene Plakat-Sammlung. Ausstellungsreihen wie Plakate der Welt konnten internationale Strömungen in diesem Bereich aufzeigen.

Das Ausstellungsprogramm mit jährlich ca. zehn Wechselausstellungen in Form von Personal- oder thematisch formulierten Präsentationen erstreckt sich von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst. Dies geschieht auf jeder der im Museum erfassten Sparten, angefangen mit Künstlern der Region repräsentierenden Ausstellungen bis zu Schauen auf international anerkanntem Niveau. In dem Bemühen, sowohl regionale als auch weltweit geachtete Kunstleistungen zu zeigen und unterschiedliche Besucherinteressen zu berücksichtigen, können die Kunstsammlungen in 20 Jahren auf über 200 Ausstellungen zurückblicken. Zu den Höhepunkten seit der Wende zählen Ausstellungen zu Arnulf Rainer, Andreas Müller-Pohle, Joseph Beuys, Klaus Staeck, René Groebli, A. R. Penck, Andy Warhol, Camille Graeser, Emil Schumacher, Emil Nolde oder Edvard Munch und Marc Chagall sowie Pablo Picasso. 2010 war im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus die Ausstellung Farbwelten. Von Monet bis Yves Klein . Werke der Klassischen Moderne aus den Kunstmuseen Krefeld zu sehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Schmitz, Florian Bolk: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus. Stadtwandel-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86711-050-1.
  • Ursula Böhmer, Falk Jaeger: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus. Anderhalten-Architekten. Jovis Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-939633-82-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Offizielle Webseite des Kunstmuseums Dieselkraftwerk Cottbus