Kurt Matull

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Kurt Matull, gebürtig Eduard Carl Otto Wangemann (* 25. Februar 1872 in Treptow; † unsicher: 1920 in Berlin), war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Regisseur und Drehbuchautor beim Stummfilm. Matull war der Mädchenname seiner Ehefrau.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Matull, 1904 gezeichnet von Edwin Murray MacKay

Matull war der älteste Sohn von Otto Wangemann und Agnes Charlotte Rosa, geborene Berns.[2] Er besuchte für einige Jahre das Gymnasium in Charlottenburg, ehe er sein Elternhaus wegen eines sich zuspitzenden Konflikts mit dem Vater im Alter von 16 Jahren verließ. Sein malerisches Talent ermöglichte ihm über einige Jahre ein karges Auskommen. Matull bereiste in jenen Jahren die Schweiz, Frankreich und Italien. Als der Versuch scheiterte sich in München als Maler weiterzubilden, kehrte er nach Berlin zurück, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebte und sich der Schriftstellerei zuwandte.[3] 1893 soll er sein erstes Theaterstück (Frauen von heute) geschrieben haben. Allmählich gewachsene Kontakte ermöglichten es ihm noch vor 1900 einige seiner dramatischen Werke wenigstens zum Vortrag zu bringen.[4] Überliefert sind aus dieser Zeit aber zwei andere Schriften, die er im Verlag Wilhelm R. Berndt veröffentlichen konnte. Einerseits die vom Inhalt her unbekannt gebliebene Broschüre „Sensationell ! Wird Dreyfus verurtheilt ?“,[5] andererseits eine mit dem Titel „'Licht'. Kurze Schilderung des Lichtheilverfahrens und seiner Erfolge. Ein Mahnwort an Gesunde und Kranke“. Nicht mehr nachvollziehbar sind die wahren Gründe, warum er 1901 Berlin verließ und für ein halbes Jahr als Hausdiener in Hotels in Paris arbeitete, ehe er noch im selben Jahr mit seiner Frau in die USA verzog. Auch dort dauerte es eine Zeit lang, bis er ab etwa 1902/03 in New York Beiträge für die Evening Post, die New York World, den New York Herald und für das „Everybody's Magazine“ liefern konnte. Zwischen August 1903 und April 1904 erhielt er in USA das Copyright für insgesamt 12 Theaterstücke, die teilweise Jahre später in Berlin unter deutschem Titel verlegt wurden.[6]

1905 kehrte er nach Deutschland zurück, auch weil Ferdinand Bonn ihm eine Stelle als Dramaturg am ‘Berliner Theater’ vermittelte. Er schrieb weiterhin zahlreiche Stücke, vor allem Lustspiele, aber auch Dramen. Zu seinen Werken zählen Der Fürst der Bretter, Der rote Pfarrer, Annemarie, Der große Unbekannte, Die arme Mieze und Die falsche Hochzeit. Darüber hinaus verfasste er ab 1908 Groschenheft-Sensationsgeschichten um Helden wie Nick Carter und Lord Lister, die auch im Ausland erfolgreich waren, beteiligte sich 1909 am Jugendroman John Workman – Der Zeitungsboy, verarbeitete seine USA-Erfahrungen in dem Roman Volldampf – Geschichte eines Jungen in Amerika und schrieb während des Ersten Weltkriegs auch patriotische Stoffe, wie etwa den 1915 erschienenen Roman Gott erhalte Franz den Kaiser!. Außerdem betätigte er sich als Operettenlibrettist für Giuseppe Becce.

In den frühen 1910er Jahren wechselte Matull zur Kinematographie, arbeitete als Regieassistent und begann Drehbücher zu verfassen. Mit dem fantastischen Stoff „Der Schienenweg unterm Ozean“ debütierte er im Juli 1914, unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, an der Seite von Siegfried Dessauer als Regisseur. Matull machte sich während des Krieges vor allem einen Namen mit schwerblütigen Melodramen, in denen zu dieser Zeit populäre Schauspielerinnen wie Fern Andra und Pola Negri die Hauptrollen übernahmen. Außerdem inszenierte und produzierte er mehrfach deutsch-nationale, hurrapatriotische Stoffe. Im Februar 1916 beteiligte er sich an der Gründung der Phöbus-Film GmbH.[7]

Wangemann-Matulls letzte filmische, aber auch literarische Werke, verlegt unter dem Pseudonym Kurt Berns (Das rotgetupfte Hemd) stammen aus den Jahren 1919/20. Laut den digitalisierten Berliner Adressbüchern lebte er viele Jahre in Berlin-Wilmersdorf am Kronprinzendamm 1, zuletzt 1920 als „Filmspielleiter“. Im folgenden Jahr, unter derselben Adresse, erscheint seine Frau Elise als Witwe. Demnach verstarb er 1920.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Regisseur, wenn nicht anders angegeben

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle: Heiratsurkunde Nr. 728 vom 22. August 1896, Standesamt Berlin-Charlottenburg, Landesarchiv Berlin.
  2. Dies geht aus mehreren genealogischen Webseiten und aus dem Geburtsregister des Standesamts Treptow an der Rega, Kreis Grafenberg, hervor. Siehe dazu bitte die umseitige Diskussionsseite mit den Links
  3. Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Bd. 4, 6. Aufl., Leipzig 1913, S. 389f
  4. Franz Brümmer, 1913, S. 389f
  5. Judaica. A Short-Title Catalogue of the Books, Pamphlets and Manuscripts relating to the political, social and cultural History of the Jews and the Jewish Question. In the Library of Ludwig Rosenberger, Cincinnati 1979, S. 16 online-pdf
  6. Dramatic Compositions copyrighted in the United States 1870 to 1916, Library of Congress. Copyright Office, Bände 1 und 2, Washington 1918 Internet Archive Bd. 1; Internet Archive Bd.2
  7. Handelsregister Berlin HRB Nr. 14041

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Bd. 4, 6. Aufl., Leipzig 1913, S. 389f Deutsches Textarchiv
  • Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon, Zweiter Band, Klagenfurt und Wien 1960, S. 1385
  • Frank O. Hrachowy: Der Autor als Agentur der Moderne. Hans Dominik und die Transformation populärer Literatur, München 2010, S. 121–124 Eingeschränkte Vorschau

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kurt Matull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien