Löbenicht

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Der Löbenicht (oder auch Löbnicht) war einer der drei ursprünglichen Siedlungskerne der Stadt Königsberg, östlich der Altstadt gelegen. Zu ihm gehörten 1785 der Anger des Steegen und an Vorstädten der Roßgarten, die Neue Sorge, der Sackheim und die Burgfreiheit.

Name[Bearbeiten]

Der Name ist prußisch von „loba“: Tal, Vertiefung abzuleiten. Hier soll ein Fluss Lebo geflossen sein (vermutlich der Katzbach), welcher den Schlossteich vor seiner Dämmung mit dem Pregel verbunden hatte. Es ist nicht auszuschließen, dass der Löbenicht mit dem ehemaligen Fischerdorf Lipnick identisch ist, auf dessen Grund das Nonnenkloster Löbenhospital errichtet wurde. In diesem Falle wäre die Ableitung von prußisch „lipe, leipo“ = Linde.

Geschichte[Bearbeiten]

Die genaue Entstehung des Löbenicht ist nicht bekannt, jedoch bestand er sicher im Jahre 1300, als ihm der Komtur Berthold Brühan das erste Privilegium gab. Der Stadtteil entstand durch zunächst vereinzelte Neubauten jenseits des Katzbaches und jenseits der Stadtmauern und hieß Neustadt. 1414 wurde etliche Löbenichter Häuser von aufgebrachten Altstädtern abgerissen, angeblich, weil sie zu nahe an der Stadtmauer gestanden hätten. Sie wurden zu einer Strafe von 500 Mark verdammt. Das Löbenichter Stadtwappen wurde von zwei braunen Engeln gehalten und enthält in einem grauen Feld zwei senkrechte Sterne, je einer über und unter einer brauen vergoldeten Krone.

Neben der Altstadt und dem Kneiphof war der Löbenicht eine eigenständige Stadt, die vor allem von Handwerksbetrieben geprägt wurde. Aus dieser Dreistadt wurde 1724 die Stadt Königsberg gebildet. Der Löbenicht wuchs immer enger mit der Altstadt zusammen und bildete städtebaulich deren östliche Fortsetzung. Die Einwohner der drei alten Stadtteile waren von Naturaleinquartierungen befreit und viele Häuser hatten besondere Privilegien wie feste Steuern und die Erlaubnis zum Bierbrauen. Zwischen 1721 und 1803 gab es allein im Löbenicht 86 Mälzenbräuhäuser. In diesen Stadtteilen befanden sich auch die Zunftstuben der Großbürger. Zum Löbenicht gehörten die Freiheiten Anger und Steegen, mit der der Sudauerfürst Skomand belehnt worden war. Weiter östlich schlossen sich der Altrossgarten und Sackheim an.

„In der Altstadt die Macht,
im Kneiphof die Pracht,
im Löbenicht der Acker,
auf dem Sackheim der Racker.“

Königsberger Vers

Beim Bombenangriff auf Königsberg am 29. August 1944 und beim am 9. April 1945 beendeten Sturm auf Königsberg wurden weite Teile des Löbenicht (russ. Лёбенихт, polnisch Lipnik) zerstört. An der Stelle des ehemaligen Stadtgebiets befinden sich heute ausgedehnte Grünanlagen und zwei große Wohnblocks in Plattenbauweise.

Sakralbauten[Bearbeiten]

Löbenichtsche Kirche
  • Wahrzeichen der kleinteilig bebauten Teilstadt war die Löbenichtsche Kirche auf dem Berge. Diese Pfarrkirche war dem Hl. Johannes und der Hl. Barbara gewidmet.
  • Das Nonnenkloster wurde 1333 errichtet. Es entstand durch ein Gelübde des Dusener von Arfberg, das von Kniprode erfüllt wurde. Es war der Heiligen Jungfrau und dem Hl. Benedikt gewidmet.
  • Etwa um 1517 legten „Graue Mönche“ ein Kloster an, sie wurden aber durch die Reformation vertrieben, ehe es fertiggestellt werden konnte. Diese Gegend hieß Münchhof.

Im Jahr 1785 werden folgende Kirchen aufgezählt: Löbenichtsche Pfarrkirche, Königliche Hospitalkirche, Königlich lutherische Schloßkirche, deutschreformierte Parochialkirche, polnisch-reformierte Kirche, Sackheimsche Kirche, lithauische lutherische Kirche, Kirche im königlichen Waisenhaus, Römisch Katholische Kirche, alt Roßgärtsche Kirche, französisch-reformierte Kirche, Tragheimsche Kirche, Kirche im Spinnhaus, Kirche des Collegii Fridericiani und die der französisch-reformierten Gemeinde gehörige Garnisonkirche, welche an das Regiment v. Stutterheim vermietet war.

1820 zählen zum Löbenicht die Königliche Hospitalkirche, die Burgkirche, welche aus der deutschreformierten Parochialkirche hervorgegangen war, die polnische Burgkirche, die Sackheimsche Kirche, die römisch-katholische Kirche St. Johannes Baptist, die Altroßgärtsche Kirche, die französische Kirche und die Kirche des Collegii Fridericiani.

Löbenichtsches Hospital[Bearbeiten]

1528 räumte Herzog Albrecht den Altstädtern das Heilige-Geist-Hospital für den Bau von Wohnhäusern ein und machte 1531 das Nonnenkloster auf dem Löbenicht zum Hospital und Pockenhaus. 1764 fiel es dem großen Brand des Löbenicht zum Opfer. Etliche Geisteskranke kamen um. Die Altäre wurden gerettet. Der Neubau des Hospitals wurde 1772 geweiht, 1903 wegen Baufälligkeit abgerissen und in der Heidemannstraße neu gebaut. Das schöne Rokoko-Portal wurde dorthin umgesetzt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Johann Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Erster Theil, welcher die Topographie von Ost-Preussen enthält. Phil. Chr. Kanter, Königsberg und Leipzig 1785; Nachdruck: Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, Hamburg 1990.
  • Ludwig von Baczko: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg. Königsberg 1804.
  • Samuel Gottlieb Wald: Topographische Übersicht des Verwaltung-Bezirks der Königlichen Preussischen Regierung zu Königsberg in Preussen. Heinrich Degen, Königsberg 1820.
  • Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreussen, Heft 7: Königsberg. Teichert, Königsberg 1897.
  • Caspar Stein: Das Alte Königsberg. Eine ausführliche Beschreibung der drei Städte Königsberg samt ihren Vorstädten und Freiheiten wie sie anno 1644 beschaffen waren. Schubert & Seidel, Königsberg 1911; Nachdruck: Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreussen, Hamburg 1998, ISBN 3-931577-14-7.
  • Georg Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Berlin, Leipzig 1922.
  • Georg Dehio (Hg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, neu bearb. von Ernst Gall. Teil: Deutschordensland Preussen, bearbeitet unter Mitwirkung von Bernhard Schmid und Grete Tiemann. Deutscher Kunstverlag, Berlin, München 1952.
  • Fritz Gause: Königsberg in Preußen. Rautenberg, Leer 1987.
  • Anatolij Bachtin, Gerhard Doliesen: Vergessene Kultur. Kirchen in Nord-Ostpreussen. Eine Dokumentation. Husum Verlag, Husum, 2. Aufl. 1998, ISBN 3-88042-849-2.
  • Baldur Köster: Königsberg. Architektur aus deutscher Zeit, Husum, Husum, 2000, ISBN 3-88042-923-5.
  • Ostpreussen – Dokumentation einer historischen Provinz. Die photographische Sammlung des Provinzialdenkmalamtes in Königsberg, herausgegeben vom Deutschen Historischen Institut Warschau, vom Institut für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften, vom Staatsarchiv Allenstein und vom Museum für Ermland und Masuren, Warschau 2006. ISBN 83-89101-44-0.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1.
  2. Die CD mit 7.900 Bildern ist beim Deutschen Kulturforum östliches Europa e.V. in Potsdam erhältlich.

Weblink[Bearbeiten]

54.709821520.51756859Koordinaten: 54° 43′ N, 20° 31′ O