LNT-Modell

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Linearer Zusammenhang des LNT-Modells in Verlauf B dargestellt

Das 1959 von der internationalen Strahlenschutzkommission (englisch International Commission on Radiological Protection, ICRP) eingeführte LNT-Modell (Abkürzung von englisch Linear No-Threshold, deutsch „Linear ohne Schwellenwert“) geht von einem rein linearen Zusammenhang zwischen Strahlendosis und Krebsfällen aus. In einem Diagramm geht die Gerade dabei nicht von einem Schwellenwert aus, sondern verläuft von einer Dosis Null bis unendlich. Es gibt nach dieser These ausdrücklich keinen Schwellenwert, unterhalb dessen kein Krebs auftritt. Das LNT-Modell ignoriert nicht nur die eventuelle Strahlenhormesis, sondern auch die wohlbekannte Fähigkeit der Zellen, Erbgutschäden zu reparieren, sowie die vom Organismus, beschädigte Zellen zu entfernen.[1][2][3] Diese beiden Mechanismen bewirken, dass eine kleine Dosis über längere Zeit weniger gefährlich ist als eine große Dosis über kurze Zeit.

Entwickelt hat die LNT-Hypothese Hermann Joseph Muller, der für die Entdeckung, dass Mutationen mit Hilfe von Röntgenstrahlen hervorgerufen werden können, 1946 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten hat.[4] Experimentelle Unterstützung fand die Hypothese damals durch Curt Stern.

Die LNT-Hypothese fand durch die 2015 veröffentlichte INWORKS-Studie[5] eine fundierte Bestätigung.

Die 2011 von Edward Calabrese formulierte Kritik an der wissenschaftliche Basis der damals gezogenen weitreichenden Schlussfolgerungen[6] und damit auch die häufig noch genutzte Strahlenhormesis-Theorie wurde durch diese Studie widerlegt.

Die INWORKS-Studie weist anhand einer Datenbasis von über 300.000 strahlenbelasteten Arbeitern einen linearen Zusammenhang zwischen Dosis und Risiko auch für kleine Dosen nach. Die Erhöhung des Sterberisikos durch strahleninduzierten Krebs beträgt 48 % pro Gray. Bei einer Belastung von 10 mGy erhöht sich demnach das Sterberisiko um 0,48 %.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. Tubiana, L. E. Feinendegen, C. Yang, J. M. Kaminski: The linear no-threshold relationship is inconsistent with radiation biologic and experimental data. In: Radiology. Band 251, Nummer 1, April 2009, S. 13–22, doi:10.1148/radiol.2511080671, PMID 19332842, PMC 2663584 (freier Volltext).
  2. The 2007 Recommendations of the International Commission on Radiological Protection, Internationale Strahlenschutzkommission, abgerufen am 31. Juli 2015
  3. Health Impacts, Chernobyl Accident Appendix 2, World Nuclear Association, 2009. Abgerufen am 31. Juli 2015.
  4. G. Pontecorvo: Hermann Joseph Muller. In: Annual Review of Genetics. 2, 1968, S. 1, doi:10.1146/annurev.ge.02.120168.000245.
  5. DB Richardson et al: Risk of cancer from occupational exposure to ionising radiation: retrospective cohort study of workers in France, the United Kingdom, and the United States (INWORKS). In: BMJ, 2015 Oct 20;351, S. h5359. doi:10.1136/bmj.h5359, PMID 26487649.
  6. Marcel Krok: Attack on radiation geneticists triggers furor. In: Science Magazine, 18. Oktober 2011
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