Lachman-Test

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Der Lachman-Test

Der Lachman-Test ist, zusammen mit dem so genannten vorderen Schubladentest, eine Untersuchungsmethode, die in der Unfallchirurgie und der Orthopädie zur Feststellung eines Kreuzbandrisses des Kniegelenkes angewendet wird.

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Lachman-Test werden stets beide Knie untersucht, um die ermittelten Werte miteinander vergleichen zu können. Dazu wird beim liegenden Patienten üblicherweise das zu testende Knie in 20 bis 30° gebeugter Position gehalten. Idealerweise liegt dabei die Ferse des Beines auf einer Liege auf. Der Untersuchende umfasst den Unterschenkel mit beiden Händen so, dass seine Zeigefinger in der Kniekehle liegen. Der Unterschenkel wird dann nach vorne gezogen. Der Grad der Verschiebbarkeit des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel (Schublade) gibt Aufschluss darüber, ob eine Verletzung des Kreuzbandes vorliegt oder nicht.

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Beurteilung des Lachman-Tests wird zum einen die Qualität des Anschlags (fest oder weich) herangezogen und zum anderen die Schublade des gesunden Knies mit der Schublade des verletzten Knies verglichen.[1] Mit Hilfe der Seitendifferenz, die in Millimetern angegeben wird, lässt sich eine Aussage über die Stabilität des Knies treffen. Hierzu unterscheidet man vier verschiedene Stabilitätsgrade:[2][3]

  1. Normal: 1–2 mm Seitendifferenz
  2. Einfach positiv (+): 3–5 mm Seitendifferenz (leichte Instabilität)
  3. Zweifach positiv (++): 6–10 mm Seitendifferenz (mittelschwere Instabilität)
  4. Dreifach positiv (+++): >10 mm Seitendifferenz (schwere Instabilität)

Zur Sicherung der Diagnose können dann beispielsweise eine Magnetresonanztomographie („Kernspin“) oder eine Arthroskopie durchgeführt werden. Bei Letzterer ergibt sich gleichzeitig die Möglichkeit zur Therapie in Form einer Kreuzbandteilresektion (bei Anriss), einer Refixation des ausgerissenen Bandes an seiner natürlichen Ansatzstelle oder einer Kreuzbandplastik.[4][5][6]

Fehlerquellen und Sicherheit der Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptfehlerquelle liegt in der Maskierung eines hinteren Kreuzbandrisses. In diesem Fall kann der Unterschenkel gegen den Oberschenkel nach hinten fallen. Ein Nach-Vorne-Ziehen suggeriert dann eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes, das aber eigentlich intakt ist. Deswegen soll darauf geachtet werden, dass das Kniegelenk vor dem Test in einer „Neutralstellung“ ist. Allgemein gilt der Lachman-Test als zuverlässigstes nicht-invasives und schmerzfreies/-armes klinisches Untersuchungsverfahren für die Beurteilung des Zustandes des vorderen Kreuzbandes.[7] Beim vorderen Kreuzband beträgt die Sensitivität etwa 90 %,[5][8][9][10] womit der Test eine deutlich höhere Aussagekraft als der Schubladentest hat.[6]

Namensgeber und Erstbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lachman-Test ist nach dem US-amerikanischen Orthopäden John Lachman von der Temple University (Philadelphia) benannt.[11] Beschrieben wurde der Lachman-Test erstmals 1976 von seinem Nachfolger an der Temple University, Joseph S. Torg.[12] Torg berichtet in dieser Veröffentlichung, dass Lachman diesen einfachen und zuverlässigen Test schon viele Jahre an der Temple-Universität gelehrt und praktiziert hatte.[13]

1992 stellten Paessler und Michel fest, dass der griechische Arzt George Noulis diese – heute Lachman-Test genannte – Methode bereits 1875 in seiner Dissertation beschrieb.[14][15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Schabus, Elisabeth Bosina: Das Knie. Der Ratgeber für das verletzte Knie: Diagnostik - Therapie - Rehabilitation bei Verletzungen des Kniegelenks. 1. Auflage. Springer, Wien 2007, ISBN 978-3-211-29686-8, S. 13–14.
  2. Rudolf Schabus, Elisabeth Bosina: Das Knie. Der Ratgeber für das verletzte Knie: Diagnostik - Therapie - Rehabilitation bei Verletzungen des Kniegelenks. 1. Auflage. Springer, Wien 2007, ISBN 978-3-211-29686-8, S. 13–14.
  3. Wolf Petersen, Thore Zantop: Das vordere Kreuzband: Grundlagen und aktuelle Praxis der operativen Therapie. 1. Auflage. Deutscher Ärzte-Verlag, 2009, ISBN 978-3-7691-0562-9, S. 54.
  4. H. Behrend u. a.: Ligamentare Knieverletzungen in der Praxis. In: Schweiz Rundsch Med Prax. 95, 2006, S. 1663–1671. PMID 17111852.
  5. a b K. D. Shelbourne, D. A. Foulk: Treatment of anterior Cruciate Ligament injuries. In: William E. Garrett (Hrsg.): Principles and practice of orthopaedic Sport Medicine. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia 2000, ISBN 0-7817-2578-X, S. 743–761.
  6. a b M. Wolter: Die Nachbehandlung der vorderen Kreuzbandplastik mit und ohne Orthese – eine Vergleichsstudie. (PDF-Datei; 939 kB) Dissertation. LMU München, 2009, S. 22.
  7. R. A. Gurtler u. a.: Lachman test revisited. In: Contemp Orthop. 20, 1990, S. 145–154. PMID 10148032
  8. S. J. Kim, H. K. Kim: Reliability of the anterior drawer test, the pivot shift test and the Lachman test. In: Clin Orthop Relat Res. 317, 1995, S. 237–242.
  9. D. P. König u. a.: Diagnosis of anterior knee instability. Comparison between the Lachman test, the KT-1000 arthrometer and the ultrasound Lachman test. In: Unfallchirurg. 101, 1998, S. 209–213. PMID 9577218
  10. W. Schwarz u. a.: Manual ultrasound of the knee joint. A general practice method for diagnosis of fresh rupture of the anterior cruciate ligament. In: Unfallchirurg. 100, 1997, S. 280–285. PMID 9229778
  11. Who is John Lachman? (Memento des Originals vom 19. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/johnlachmansociety.org John Lachman Society, abgerufen am 4. Februar 2010.
  12. J. S. Torg u. a.: Clinical diagnosis of anterior cruciate ligament instability in the athlete. In: Am J Sports Med. 4, 1976, S. 84–93. PMID 961972.
  13. kneeclinic.info: ACL Reconstruction. Abgerufen am 4. Februar 2010.
  14. H. H. Paessler, D. Michel: How new is the Lachman test? In: Am J Sports Med. 20, 1992, S. 95–98. doi:10.1177/036354659202000122 PMID 1554082
  15. G. A. Malanga u. a.: Physical Examination of the Knee: A Review of the Original Test Description and Scientific Validity of Common Orthopedic Tests.@1@2Vorlage:Toter Link/www.fysio.rhvh.nl (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Arch Phys Med Rehabil. 84, 2003, S. 592–603. PMID 12690600 (Review)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Rüter, O. Trentz, M. Wagner (Hrsg.): Unfallchirurgie. Studienausgabe 2., überarb. u. erw. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, 2008, ISBN 978-3-437-21851-4, S. 1054.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • D. A. und J. C. McGuire: Arthroscopic Lachman test: a new technique using anatomic references. In: Arthroscopy. 14, 1998, S. 641–642. PMID 9754488
  • G. G. Adler u. a.: Drop leg Lachman test. A new test of anterior knee laxity. In: Am J Sports Med. 23, 1995, S. 320–323. PMID 7661260

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]