Lambris

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Holzvertäfelung an einer Wand

Der oder auch die Lambris[1] (frz.; Aussprache: [lã 'bri:]; seltener die Lamperie oder die Lambrie) bezeichnet eine auf den unteren Bereich einer Wandfläche beschränkte Verkleidung in Innenräumen.[2]

Das Bauteil kann aus verschiedenen Materialien bestehen (Holz, PVC, Marmor, Stuck). Die Lambris wird in der Regel nach unten durch eine Fußleiste und nach oben mit einer horizontalen (Holz-)Leiste abgeschlossen. Bei vertäfelten Ausführungen etwa aus Holz oder einem Kunststoff werden zwischen Fußleiste und Abschlussleiste Paneele angebracht.

Chambre de la Dauphine im Schloss von Versailles, 18. Jahrhundert (Rekonstruktion). Über einem weißen Lambris aus Holz ist eine Seidenwandbespannung angebracht.

Lambris dienten historisch zur Kälteisolation, aber auch zur Verdeckung von Feuchte- und Schimmelflecken aufgrund aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk, also zur Steigerung der Ästhetik. Je nach Konstruktion können sie auch zur Installation gehörende Rohre oder Kabel verdecken. Weiterhin dienen sie zum Schutz vor mechanischen Einwirkungen durch Stuhllehnen oder auch Fußtritte. Man findet sie in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Gerichtsgebäuden, aber auch an Theken in Pubs (zum Beispiel in Irland) zur Schonung des Tresens.

Bei Holzverkleidungen werden die Paneele üblicherweise nicht direkt an der Wand befestigt, sondern auf eine Unterkonstruktion genagelt. Die einzelnen Holztafeln können dabei waagrecht oder senkrecht angebracht werden. Die Marmorplatten werden mit Mörtel an die Wand geklebt. Die Verkleidung mit Stuck ist besonders aufwendig, hat aber eine gute optische Wirkung. PVC wirkt dagegen optisch nicht hochwertig, ist dafür aber sehr einfach zu verarbeiten und zeichnet sich durch seine hohe Widerstandsfähigkeit aus. Zur Befestigung wird eine PVC-Bahn an die Wand geklebt, ähnlich wie bei der Verlegung von PVC-Böden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eugène Viollet-le-Duc: Schematische Zeichnung eines mittelalterlichen Lambris, 1868.

Laut Eugène Viollet-le-Duc bezeichnete Lambris im Mittelalter ausschließlich Wandverkleidungen aus Brettern. Auch die Bretterverkleidung von Dachstühlen und Zimmerdecken, teils mit Malereien oder Schnitzereien verziert, haben in Frankreich anfänglich diese Bezeichnung getragen.[3] Hüfthohe Holzvertäfelungen in Sälen und Wohnräumen reicher Bevölkerungsschichten schlossen an Tapisserien im oberen Wandbereich an, die gemeinsam der Kälteisolation dienten.[4]

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts konnten die Wände aristokratischer Räume entweder verputzt und mit Stuck verziert, deckenhoch mit verzierten Holzpaneelen vertäfelt oder einen Lambris und eine textile Wandbespannung aufweisen. Im frühen 19. Jahrhundert waren Lambris und Holzvertäfelungen zunehmend in nachrangigen Räumen zu finden, die Wände der Haupträume wurden nun verputzt.[5]

Wandmalerei im Hetzgeshof, einen Marmorlambris imitierend, vermutl. 2. Hälfte 18. Jahrhundert.

In gehobenen privaten Gebäuden fanden sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Lambris, z. B. in Fluren oder Treppenhäusern. In dieser Zeit waren für die Lambris auch Linkrusta-Wandverkleidungen beliebt, ein mit plastischen Ornamenten versehenes, linoleumähnliches Material, das aufgeklebt wurde.[6] In der einfachsten Variante wurde die Lambris lediglich durch einen widerstandsfähigen Anstrich aus Ölfarbe gebildet, der aber häufig eine Holz- oder Marmorverkleidung imitierte. Seltener wurden auch Bespannungen aus Stoff oder Wachstuch verwendet, die meist auf Spannrahmen aus Holzleisten fixiert oder auf an der Wand befestigte Leisten genagelt wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Timm: Das moderne Fremdwörterlexikon. Naumann & Göbel, Köln 2005, ISBN 3-625-10431-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lambris im Duden; im Französischen ist das Wort stets ein Maskulinum.
  2. Lambris. In: Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie. ISBN 3-363-00286-6 (Gesamtwerk), Band 4, E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1992, S. 206 f.
  3. Henry Havard: Dictionnaire de l'ameublement et de la décoration: depuis le XIIIe siècle jusqu'à nos jours. Band 3. Paris 1894, Sp. 196–197 (Gallica).
  4. Dictionnaire raisonné de l’architecture française du XIe au XVIe siècle/Lambris - Wikisource. Abgerufen am 9. August 2020.
  5. François Varin: L’histoire d’une maison par ses moulures. In: Continuité. Band 86, 2000, S. 54–56.
  6. Neue Linkrusta-Muster für Wandbekleidung und Lambris. In: Innendekoration. Mein Heim, mein Stolz. Band 16, 1905, S. 279–281, doi:10.11588/DIGLIT.7502 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 9. August 2020]).