Larry vs Harry

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Lastenfahrrad Bullitt (orange = Clockwork) mit Scheibenbremsen, Ladebuchtbrettern und Mörteltrog, um 100 mm angehobenem Lenker (noch mit zylindrischem Steuerkopf also aus 2014 oder früher)

Larry vs Harry ist ein dänischer Fahrradhersteller aus Kopenhagen. Die Firma stellt die weltweit vertriebenen Lastenfahrräder (Cargobikes) Bullitt her.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma steht in der Tradition der dänischen Long Johns. Sie wurden ab ca. 1930 jahrzehntelang gebaut. Der Hersteller Smith & Co in Odense wurde verkauft und die Produktion in Dänemark 1997 eingestellt. Larry vs Harry entwickelte die Idee des Lastenrades weiter, baute seine Bullitt-Räder mit einem Aluminiumrahmen und stattete sie mit moderneren Komponenten aus. Sie kommen bei vielen Fahrradkurier-Unternehmen zum Einsatz.

Produkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bullitt-Lastenrad ist der patentierte Eigenentwurf von Larry vs Harry. Es ist wie Long John und Veeno ein Vorderlader, mit einer tiefen Ladefläche zwischen Lenker und vorderem Rad. Die Lenkbewegung wird mit einem Gestänge übertragen. Das Rad ist entsprechend um die Länge der Ladefläche nach vorne versetzt. Vorderrad und Lenker sind separat gelagert. Die neueren Modelle haben alle einen Aluminiumrahmen und sind mit hydraulische betätigten Scheibenbremsen sowie modernen Naben- oder Kettenschaltungen ausgestattet. Das maximale Gesamtgewicht (einschließlich Fahrer) wird mit 180 kg angegeben. Limitierend sind hierbei eher Laufräder und Reifen und weniger der Rahmen. Die Räder haben vorne 20 und hinten 26 Zoll Durchmesser. Im Jahr 2015 erschien ein Bullitt mit Shimano-Steps-Elektroantrieb, bei dem die Tretlageraufnahme am Rahmen für den Elektromotor angepasst wurde.

Ab 2016 war eine Modellerweiterung mit Zahnriemen geplant. Der 2016 gebaute Rahmen weist neu dafür eine Trennstelle in der rechten Sattelstrebe auf, um einen solchen Riemen (um die Kettenstrebe laufend) einlegen zu können. Eine weitere Änderung gegenüber der Vorgängerversion betrifft den Steuerkopf: Das untere Steuerkopflager ist einen deutlich größer als das obere, das Steuerrohr ist daher konisch. Es ragt auch weniger weit als bisher über die Längsträger des Rahmens hinaus, was hier mehr Raum für sperriges Ladegut schafft.

Nach Öffnen eines Schnellspanners am Lenker kann der Lenker um 100 mm höher gesetzt werden, was nötig ist, um mit Vorbau und Lenker samt Bremshebeln – insbesondere beim Einschlagen – über höheres Ladegut auskragen zu können. Das kann mit ausreichend Übung auch während der Fahrt erfolgen, da der Lenker dabei fast spielfrei über eine Schiebeführung mit Nut mit der vertikalen Lenksäule verbunden bleibt.

Das Bullit wird vom Hersteller in verschiedenen Versionen angeboten:

  • Fixie mit Starrgang
  • Eingangrad mit Freilauf
  • mit Kettenschaltung
  • mit Nabenschaltung
  • als Rahmensatz, zum „customized“-Aufbau für Kunden durch einen Radhändler
  • Elektrofahrrad mit Shimano-Motor eingebaut im beim Mittellager modifizierten Rahmen (ab 2018)

Scheibenbremsen bedingen Kettenschaltung.

Der Rahmen besteht aus geschweißtem Aluminium, die Gabel ist jedoch aus Stahl, beides wird pulverbeschichtet. Je nach Grundfarbe hat der Rahmen ein eigenes Design und einen Namen mit Bezug zu dieser Farbe.

  • Gelb (mit rot-oranger Grafik) – Submarine mit Musiknote in Anspielung an das Lied der Beatles
  • Orange – mit Anspielung auf den Kultfilm Clockwork Orange
  • Weiß (mit Blau) – (etwas mit „Milk“)
  • Dunkelgrün (British Racing Green)
  • Hellblau
  • Pink-Violett (limitierte Auflage in den Anfangstagen und Sondermodell „Miss Bullitt“ zum zehnjährigen Firmenjubiläum 2018)

Der Verpackungskarton für die Lieferung des Bullit (2017) zeigt auf allen Seiten vollflächig s/w-Grafik mit Bullitt-fahrenden Hippies.

Die Räder sind mit Alufelgen und typisch mit 36 2-mm-Speichen ausgestattet. Aus Stahl (optional gegen Aufpreis: CrMo-Stahl) ist das fast 1 m lange Rohr mit etwa 20 mm Durchmesser, das die Lenkbewegung überträgt und der unter der Ladebucht nach unten-vorne abklappbare rahmenbreite Zweibeinständer.

Der breiteste Teil des Rades ist der Lenker mit etwa 55–60 cm. An der Ladebucht hat der Rahmen selbst seine größte Breite von 466 mm. Innerhalb der hochovalen (30×80 mm) Längsrohre verbleiben gut 400 mm Distanz, womit seitlich formschlüssig 40 cm breite Normboxen aus Kunststoff oder Karton, etwa Gemüsesteigen, Bananenkartons hineinpassen und dabei auf kleinen Querträgern ruhen. Die Ladebucht ist unten etwas länger als 70 cm. Ohne Ladebuchtbrett (wird aus 15-mm-Honeycomb-Platte angeboten) muss (40 cm schmales quaderförmiges) Ladegut gegen Nach-vorne-Rutschen beim Bremsen gesichert werden, um nicht an das Vorderrad bzw. sein Schutzblech anzustoßen. Genügend breiteres Ladegut kann hingegen quer auf die Längsholme gelegt werden. Ein (geschweißter) Knick mit Innenausrundung verhindert dabei, dass Ladegut nach vorne an das Vorderrad anstößt.

Der Hersteller bietet verschiedene Aufbauten an:

  • Leichte Basisplatte aus Sandwichmaterial mit Knick zum Einbau zwischen die Längsholme, die gegenüber der Platte noch etwa 2 cm hoch(vor)stehen, was jedoch wegen der Rundung des Profilrohrs seitlich keinen guten Formschluss für 40 cm breite Boxen mehr bietet. Ausschnitte für vier Ösen am Rahmen und das Rohr mit Lenksäule.
  • Box mit Seitenwänden, ebenfalls dunkelbraun.
  • Nebeneinander-zweisitzige Kindertransportkabine, teilweise textil. Zwei seitliche Überrollbügel rasten innen an den Rahmenlängsholmen in vier vertikal-zylindrische Aufnahmeösen ein. Die Kabine benötigt die Basisplatte und steht mit etwa 60 cm Breite seitlich deutlich über den Rahmen vor.

Das Rad (Version 2016) mit 9-Gang-Kettenschaltung, Hydraulik-Scheibenbremsen, Kunststoff-Alu-Schutzblechen wiegt ohne weitere Aufbauten rund 25 kg. 180 kg erlaubte Gesamtmasse bedeutet bei 25 kg Leergewicht des Rades und einem 75-kg-Fahrer 80 kg Nutzlast.

Chronologie der Modellentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Limitiertes Sondermodell „Miss Bullitt“ zum 10jährigen Firmenjubiläum (2018)
  • 2014 oder früher: Je Rahmenfarbe ein eigenes Grafikdesign und Name (z. B. (Yellow) Submarine, (White) Extra Milk)
  • 2015 konischer Steuerkopf und konischer Gabelschaft wie bei Downhill-MTBs. Biegefester, strapazierfähiger, Steuerung steht weniger hoch über die „Bugspitze“ der Ladebucht vor. Wird allgemein eingeführt.
  • 2016 Die rechte Sattelstrebe lässt sich öffnen, um einen Zahnriemen für den Antrieb einbauen zu können.
  • 2018 Sondermodell „Miss Bullitt“ zum zehnjährigen Firmenjubiläum in pinker Lackierung

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Svajerløb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch werden in Dänemark seit 1942 spezielle Landesmeisterschaften für Lastenräder (Svajerløb) ausgerichtet. Hierbei gibt es verschiedene Kategorien nach Teilnehmer (Männer, Frauen, Team) oder nach Lastenradtyp (Zweirad, Dreirad). Diese Rennen finden auch international immer mehr Zuspruch und Teilnehmer, beispielsweise in Berlin, Christchurch oder Rio De Janeiro.[1] Das zweirädrige Bullitt „legt sich in die Kurve“, eignet sich für sportliches Fahren und ist bei diesen Rennen vertreten. Auf Bullitt wurden die Europameisterschaften 2011 und 2012, die Weltmeisterschaften 2009, 2012 und 2015 sowie alle dänischen Meisterschaften seit 2009 (außer 2013) gewonnen.

Sportliche Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dänische Radprofi Rasmus Quaade stellte am 3. September 2015 auf dem Rollfeld des stillgelegten Militärflugplatzes Værløse (DK) auf einem Bullitt den inoffiziellen Weltrekord für Lastenräder im Zeitfahren über 2000 m auf. Hierzu wurde sein Rad mit 28 kg Last beladen und kam somit auf ein Gesamtgewicht von 50 kg. Er benötigte eine Zeit von 2:50 min für die Strecke, erreichte also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,35 km/h.

Im Juli 2016 erreichte der Amateurfahrer Kevin Labeeuw bei einem Stundenweltrekordversuch auf der RadrennbahnOdiel Defraeye“ in Rumbeke (B) eine mittlere Geschwindigkeit von 35,93 km/h[2]. Die Veranstaltungen haben keinen Bezug zur UCI und werden ähnlich dem Svajerløb eher zur Unterhaltung mit sportlichem Ehrgeiz ausgetragen.

Am leicht geneigten asphaltierten Vorplatz der Steinhalle im österreichischen Lannach gelang beim Radtag mit Radlobby ARGUS am 25. Juni 2017 Raimund Blaser, Obmann des Vereins RadlTrialGraz[3] aufwärts eine Wheelie-Fahrt über mehr als 10 Meter Strecke. Das kettengeschaltete Bullitt (2016) mit Freilauf wog mit Schutzblechen etwa 25 kg, der Lenker war um 100 mm hochgestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Larry vs Harry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. THE RIO DE JANEIRO CARGO BIKE CHAMPIONSHIPS, Svajerløb global, Copenhagenize
  2. Stundenrekord auf dem Cargobike, Velojournal am 7. November 2016
  3. RadlTrialGraz