Transportrad

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Elektrofahrrad der Deutschen Post AG
Bäckerei-Rad (1955), auf der vorderen Transportplattform hier ein Einkochkessel
Dänisches Lastenfahrrad Long John
Nihola-Lastenfahrrad

Das Transportrad (Lastenrad) ist ein Fahrrad, das der Bewegung von Lasten und/oder Personen dient. Neben Zweirädern sind auch zahlreiche Dreiräder und manche Vierräder zu finden, die je nach Aufgabe, Zweck und Einsatzgebiet mit verschiedenen Aufbauten ausgerüstet sind. Eine erhebliche Erweiterung des Einsatzspektrums wird durch die Ausstattung mit Elektro-Antrieben erreicht (-> Pedelec).

Bauformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Bäckereirad mit großem und stabilen Gepäckträger vorne für den Transport großer Brot- oder Brötchenbehältnisse; mit i. d. R. vorne einem kleinen Lauf- und Lenkrad
    • Eine Variante davon ist das Postfahrrad für Briefträger, das meist einen tiefen Einstieg hat, um das häufige Ab- und Aufsteigen zu erleichtern. Die speziellen Boxen oder Taschen sind hinten und vorne gut befestigt, die Last ist damit möglichst gleichmäßig auf beide Räder verteilt. Der stabile und breite Ständer verfügt oft über Rollen. Das bislang wohl in Deutschland häufigste verwendete Transportrad
  • Longtails mit verlängertem Radstand hinter dem Sitz gleichen normalen Rädern; die Fracht befindet sich seitlich und über dem Hinterrad, auf dem Gepäckträger(n) oder in Satteltaschen, es existieren Umbausätze
  • „Vorderlader“ mit einer tiefen Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad: Die Lenkbewegung wird mit einem Gestänge oder Seilzug übertragen. Das Long John z. B. wird in weitgehend unveränderter Bauform seit etwa 1930 von verschiedenen Fahrradmanufakturen hergestellt. Seit einigen Jahren erlebt diese Rahmenform eine Renaissance, zahlreiche Hersteller bieten inzwischen Lastenräder mit ähnlichem Konzept an, beim Bakfiets z. B. ersetzt eine Box oder Kiste die Ladefläche
  • Frontlader“, baulich zwischen Bäckereirad und Long John gelegen, transportieren Lasten über dem kleinen und mittels Gestänge angelenkten Vorderrad
  • „Hinterlader“: Diese etwas seltenere Bauart ähnelt einem Tandem mit Gepäckbox oder Ladefläche anstelle des hinteren Sitzes
  • Dreirad mit Lastenträger hinten. Bei diesen Fahrzeugen werden meist zwei weit auseinander stehende Hinterräder über ein Differential angetrieben. Zwischen den Hinterrädern ist Platz für die zu transportierende Last. Fahrrad-Rikschas und Fahrradtaxis sind Beispiele für dieses Konstruktionsprinzip
    • Dreirad mit Ladefläche vorne. Diese Dreiräder zeichnen sich durch zwei gelenkte Vorderräder und ein angetriebenes Hinterrad aus. Die Ladefläche befindet sich zwischen den beiden vorderen Rädern. Dieses Prinzip hat den Vorteil, dass sich die Last im Sichtbereich des Fahrers befindet. Bis zu 30.000 solcher Räder fahren heute durch Kopenhagen.[1] Dieses Prinzip hat den Nachteil, dass die Last beim Lenken geschwenkt wird. Dies kann mit einer Achsschenkellenkung vermieden werden. Ein Beispiel für dieses Konstruktionsprinzip sind die Lastenräder des dänischen Fahrradherstellers Nihola

Nutzungsbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Canary Coffee Bike, Internationale Tourismus-Börse Berlin (ITB) 2016

Transportkapazität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Kindersitz (Verkehrsmuseum Dresden)
Marke (Land) Typ Plattform
L x B in cm
max. Zuladung
in kg
max. Ges.-Gew.
in kg
Maderna (A) MSRC XXL Truck 80 × 60 120
Riese & Müller (D) Load light 60 × 39–45 200
Larry vs Harry (DK) Bullitt 70 × 46 180
Radkutsche (D) Musketier[2] 120 × 90 300

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. und 21. März 2017 fand in Wien im Museumsquartier eine Tagung der European Cycle Logistics Federation („Europäische Fahrradlogistik-Föderation“) zum Thema Transport per Lastenrad statt: Es wird geschätzt, dass fast ein Viertel der Lkw-Fahrten in Städten durch Lastenräder ersetzt werden könnte, insbesondere zur Feinverteilung der Transportgüter, der „letzten Meile“ (der Zustellung).

Seit Anfang März 2017 fördert z. B. auch die Stadt Wien den Ankauf von Lastenrädern durch Private und durch gewerbliche Unternehmer.[3]

Weitere Transportmöglichkeiten am Rad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Applikationen zum Befestigen von Beleuchtungen, Smartphones oder Navigationssystemen
  • Fahrradanhänger, z. B. Einspuranhänger, auch als Kinderanhänger
  • Fahrradgepäckträger, mit oder ohne Federbügel, in der Regel hinten, aber auch (zusätzlich) über dem Vorderrad
  • Fahrradkörbe auf dem Gepäckträger oder vor dem Lenker, z. B. eingehängt in Träger
  • Fahrradtaschen vorne und/oder hinten, jeweils seitlich des Laufrads
  • Getränkeflaschenhalter, meist am Unterrohr
  • Kindersitze, z. B. die früheren „Traktorensitz“e, heute i. d. R. Schalensitze aus Kunststoff
  • Lenkertaschen über bzw. vor der Lenkstange, auch für Landkarten
  • Seitenwägen
  • Werkzeug- bzw. Zubehörtaschen bzw. -dosen aus Blech, Kunststoff oder Leder, z. B. angehängt an Sattelgestänge/-federn, z. B.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Transporträder – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holger Dambeck: Wem die Straße wirklich gehören sollte. Stadtverkehr in Deutschland. In: Spiegel Online. 15. September 2011, abgerufen am 12. Januar 2017.
  2. Musketier auf radkutsche.de abgerufen am 9. Juni 2016
  3. Lastenrad statt Lkw: Konferenz in Wien orf.at, 20. März 2017, abgerufen 20. März 2017.