Laterit

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Abbau von Lateritsteinen, Angadipuram, Indien
700 Jahre alte Laterit-Steine im Geschichtspark Sukhothai

Laterit (von lateinisch later „Ziegelstein“) ist ein in tropischen Gebieten häufig auftretendes Oberflächenprodukt, das durch intensive und lang anhaltende Verwitterung der zugrunde liegenden Gesteine entsteht. An der Luft getrockneter Laterit dient in manchen Gegenden der Erde als Bauziegel. Ein sehr ähnliches Gestein mit niedrigerem Eisen/Hämatit-Gehalt wird als Bauxit bezeichnet, es gibt zwischen den beiden Gesteinen einen kontinuierlichen Übergang an möglichen chemischen Zusammensetzungen.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Geowissenschaften werden nur die mineralogisch-chemisch am stärksten veränderten Verwitterungsprodukte als Laterit bezeichnet; die schwächer verwitterten, aber häufig ganz ähnlich aussehenden und in den Tropen und Subtropen am meisten verbreiteten Oberflächenbildungen hingegen als Saprolith. Beide Verwitterungsbildungen können als Rückstands- oder Residualgesteine klassifiziert werden.

Entstehung und Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwitterung eines Basalt-Tuffs in Saprolith (gelb-weiß) und Laterit (dunkelbraun). Vangaindrano, Madagaskar
widerstandsfähige Laterit-Säulen im Geschichtspark Sukhothai

Die Gesteine an der Erdoberfläche werden unter dem Einfluss der hohen Temperaturen und Niederschläge der Tropen tiefgründig zersetzt, wobei die in den Ausgangsgesteinen auftretenden Minerale weitgehend gelöst und Sande heraus gespült werden. Bei dieser chemischen Verwitterung wird ein hoher Anteil der leichter löslichen Elemente Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und Silicium (Kieselsäure) im durchsickernden Niederschlagswasser fortgeführt, wodurch es zu einer starken Rückstandsanreicherung der schwerer löslichen Elemente Eisen und Aluminium kommt (Ferrallitisierung).

Laterite bestehen neben dem aus dem Ausgangsgestein stammenden, nur schwer löslichen Quarz vor allem aus den bei der Verwitterung neu gebildeten Mineralen Kaolinit, Goethit, Hämatit und Gibbsit (Hydrargillit). Die Eisenoxide Goethit und Hämatit bedingen die meist rotbraune Farbe der Laterite, welche zumeist nur wenige Meter mächtig sind, jedoch auch wesentlich höhere Mächtigkeiten erreichen können.

Laterite sind entweder weich bis bröcklig oder hart und physikalisch widerstandsfähig; sie können noch feucht geschnitten oder in Blöcken aus dem Boden gehauen und als Bausteine für Gebäude verwendet werden. Berühmte historische Beispiele sind die von den Khmer zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert in Thailand und Kambodscha aus Lateritsteinen errichteten Tempelanlagen, im Besonderen in der ehemaligen Hauptstadt Angkor. Auf diesen Gebrauch und das lateinische Wort later „Ziegelstein“ geht der Begriff Laterit zurück. Heutzutage werden härtere Lateritanteile vor allem im örtlichen Straßenbau (Lateritpisten) verwendet. Auch wird Lateritkies gern in Aquarien eingesetzt, wo er das Wachstum tropischer Pflanzen günstig beeinflussen soll.

In der Bodenkunde gibt es für Laterite eigene Bezeichnungen. Die internationale Bodenklassifikation World Reference Base for Soil Resources (WRB) nennt Böden mit Laterit Plinthosole. In der USDA Soil Taxonomy gehören sie überwiegend zu den Oxisolen.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laterite sind, über nahezu allen Gesteinsarten, in Gebieten entstanden, die kein starkes Relief aufweisen, sodass die Verwitterungsdecken erhalten blieben und nicht der Erosion zum Opfer fielen. Laterite sind in heutzutage nicht-tropischen Klimagebieten ein Produkt früherer geologischer Epochen.

Lagerstätten in Lateriten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nickelhaltiger Limonit unter lateritischer Kruste

Die Lateritisierung ist besonders bedeutsam für die Bildung lateritischer Lagerstätten. Bauxite sind aluminiumreiche Lateritvarietäten, die sich aus vielen Gesteinen bilden können, wenn die Drainage besonders intensiv ist. Das bewirkt eine sehr starke Entfernung von Silicium und eine entsprechend hohe Anreicherung von Aluminium insbesondere als Hydrargillit. Die Lateritisierung ultramafischer Gesteine (Serpentinit, Dunit, Peridotit mit 0,2–0,3 % Ni) kann zu einer bedeutenden Nickelanreicherung führen. Zwei Arten lateritischer Nickelerze sind zu unterscheiden: Ein sehr eisenreiches Ni-Limonit-Erz an der Oberfläche enthält 1–2 % Nickel an Goethit gebunden, der infolge weitgehender Lösung von Silicium und Magnesium stark angereichert ist. Unterhalb dieser Zone steht in manchen Vorkommen Nickel-Silikat-Erz mit häufig mehr als 2 % Ni an, das in Silikaten, insbesondere Serpentin, gebunden ist. Darüber hinaus ist in Taschen und auf Klüften des Serpentinits grüner Garnierit in geringer Menge, aber mit sehr hohen Nickelgehalten zumeist 20–40 % ausgeschieden. Hierbei handelt es sich um ein Gemenge verschiedener Ni-reicher Schichtsilikate. Das gesamte in der Silikat-Zone vorliegende Nickel wurde aus der überlagernden Goethit-Zone gelöst und deszendent verlagert. Die Abwesenheit der Goethit-Zone ist auf Erosion zurückzuführen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laterit wurde in Indien und den südasiasiatischen Ländern seit jeher als Baumaterial verwendet, das zu Blöcken geschnitten und an der Luft getrocknet zu harten und widerstandsfähigen Bausteinen wird. Im Geschichtspark Sukhothai und in Angkor finden sich Mauern und Säulen aus Laterit.

Francis Buchanan-Hamilton beschrieb als erster das Material in seinem Reisebericht aus Madras und den umgebenden Ländern und schlug dafür den Namen Laterit vor.[1] Diese Benennung wurde schnell von der englischen Literatur übernommen[2] und fand weltweite Verbreitung.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laterit wird in Indien bis heute als Baumaterial verwendet. In zahlreichen tropischen Ländern wird es im Straßenbau eingesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. J. J. Aleva (Hrsg.): Laterites. Concepts, Geology, Morphology and Chemistry. ISRIC, Wageningen 1994, ISBN 90-6672-053-0.
  • G. Bardossy und G. J. J. Aleva: Lateritic Bauxites. In: Developments in Economic Geology. Band 27. Elsevier, Amsterdam 1990, ISBN 0-444-98811-4.
  • J. P. Golightly: Nickeliferous Laterite Deposits. In: Economic Geology. Band 75, 1981, S. 710–735.
  • W. Schellmann: Geochemical Principles of Lateritic Nickel Ore Formation. In: Proceedings of the 2. International Seminar of Lateritisation Processes. Sao Paulo 1983, S. 119–135.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Francis Buchanan: A Journey from Madras through the countries of Mysore, Canara and Malabar ... Band 2. T. Cadell and W. Davies (Booksellers to the Asiatic Society); Black, Parry, and Kingsbury (Booksellers to the East India Company), London 1807, S. 440, 441 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  2. Edgar Thurston: The Madras Presidency with Mysore, Coorg and the Associated States. In: Thomas H. Holland (Hrsg.): Provincial Geographies of India. Cambridge University Press, London 1913, S. 65 (archive.org).