Lauflernhilfe

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Kind in einer Lauflernhilfe

Eine Lauflernhilfe (auch Gängelwagen, Gehfrei, Lauflernschule oder Babywalker genannt) ist eine Sitzvorrichtung in einem Gestell auf mehreren Rädern für Säuglinge, mit dem diese sich durch Strampeln fortbewegen können. Der Bewegungsradius des Kindes wird so stark vergrößert. Oft ist eine Art Tisch befestigt, der entweder in Form einer Ablagefläche genutzt wird oder mit Rasseln oder Figuren als Spielbrett dient.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesus in einer Lauflernhilfe. Aus dem Stundenbuch von Catherine von Clèves, illustriert durch einen holländischen Künstler um 1440.
Historischer Laufwagen für Kinder (Mitte 19. Jahrhundert)

Die Geschichte der Lauflernwagen reicht mindestens zurück ins 15. Jahrhundert. Die Geräte werden hier meist als „Gängelwagen“ bezeichnet, wobei die Bedeutung des Wortes gängeln bis in das 18. Jahrhundert nicht negativ besetzt ist. Gängeln bedeutet schlicht „beim Gehen führen“.[1] Im 18. Jahrhundert änderte sich die Bedeutung des Wortes gängeln und auch die Einstellung zu Lauflerngeräten. Es mehrten sich kritische Stimmen, die technische Hilfsmittel zum Laufenlernen als unnötig und unter Umständen gefährlich bezeichneten.[2] Obwohl die Kritik an Lauflerngeräten bis heute anhält, werden Gängelwagen weiterhin hergestellt und genutzt.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sogenannten Lauflernhilfen behindern die normale physiologische Bewegungsentwicklung. Kinder lernen durch das Hängen in der Lauflernhilfe ein falsches Gangbild, was häufig behandlungsbedürftig ist. Es kann zusätzlich zu Fußfehlstellungen und Muskelverkürzungen kommen. Der gesamte Gehapparat des Kindes kann durch einen Babywalker in Mitleidenschaft gezogen werden.[4]

Da sich Kinder mit Hilfe der Lauflernhilfe kurzfristig mit bis zu 10 km/h bewegen können, ist das Verletzungsrisiko (z. B. durch Quetschungen oder Treppenstürze) sehr hoch. Lauflernhilfen sind somit das unfallträchtigste verkaufte Utensil für die Babies [5]. Jedes Jahr ziehen sich etwa 6000 Kinder in Deutschland Verletzungen bei Unfällen mit Lauflernhilfen zu, weswegen der Verband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj) schon seit Jahren für deren Verbot plädiert.[6] Auch unterschätzen viele Eltern den erweiterten Spielraum ihres Nachwuchses.

In Kanada wurde der Verkauf von Lauflernhilfen am 7. April 2004 verboten. Kanada ist damit das erste Land der Welt, das Verkauf, Import und Werbung dafür verbietet. Selbst auf Flohmärkten dürfen diese Geräte dort nicht verkauft werden, Verstöße werden mit hohen Geldstrafen oder Gefängnis geahndet.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baby walkers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DWDS, Etymologisches Wörterbuch
  2. Beispielsweise kritisiert Immanuel Kant den Gängelwagen; Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Wilhelm Weischedel (Hg.): Immanuel Kant. Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik. Darmstadt 2005, S. 53–61.
  3. Diana Daniel, Marius Hug: Mobilitätsgewinn durch Freiheitsentzug? Eine Kulturgeschichte des ‚Gängelwagens‘ von 1500–2000. In: Marcello Caruso, Christian Kassung (Hg.): Maschinen. Jahrbuch für Historische Bildungsforschung 2014. Bad Heilbrunn, S. 21–46.
  4. Der Babyhopser und das Lauflerngerät "Gehfrei" Rabeneltern.org, abgerufen am 25. Oktober 2013.
  5. European Child Safety Alliance and ANEC joint position statement: Baby walkers
  6. Kinder- und Jugendärzte im Netz: News vom 26.11.2003: "Lauflernhilfen - erhöhte Unfallgefahr"
  7. Nicht mehr auffindbare Webseite des kanadischen Gesundheitsministeriums