LebensGut

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Das LebensGut Pommritz bzw. Modellprojekt einer ökologisch-sozialen Landkultur ist ein freies kultur- und sozial-ökologisches Projekt in Pommritz im Landkreis Bautzen von gegenwärtig etwa 50 Menschen, die in Pommritz leben und arbeiten. Es umfasste und umfasst verschiedene Strukturelemente, die durch verschiedene Träger und Akteure ko-kreativ zusammenwirken.

Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative für dieses Experiment entstand im Jahr 1991 nach einer Gastvorlesung des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf im Rahmen der „sozialökologischen“ Vorlesungen Rudolf Bahros an der Humboldt-Universität Berlin. Die Grundidee des Projektes besteht darin, experimentell neue soziale, wirtschaftliche und kulturelle Lösungen für die ökologischen und seelischen Probleme moderner Gesellschaften praktisch zu erforschen.

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Grundlage eines von Bahro entworfenen Konzeptes stellten der Freistaat Sachsen und die Treuhandanstalt das ehemalige Forschungsgut Pommritz dafür zur Verfügung, wobei der Freistaat unter dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf 80 Hektar Land überließ.[1] 1993 erfolgte der praktische Projektstart mit ca. 15 Menschen, die aus ganz Deutschland kamen. In Zusammenarbeit mit regionalen Initiativen, Behörden, Unternehmen und Hochschulen entstanden im Gut seit 1993 ein ökologischer Landwirtschaftsbetrieb, eine Erlebniswelt für Philosophie und Ethik sowie ein Institut für Kultur- und Sozialökologie. Das LebensGut Pommritz war ein Projekt der Weltausstellung Expo 2000 und umfasste im Jahr 2000 ca. 80 Mitwirkende in den verschiedenen Bereichen.

Bis 2013 war großteils der Verein Neue Lebensformen e. V. – Verein zur Förderung sozial-ökologischer KulturProjektträger. Dem Verein gelang es jedoch nicht, die großen Gebäude des Gutes zu bewirtschaften und zu sanieren. Deshalb wurden das Gut selbst 2014 an das Weiterbildungsunternehmen WBS Training AG verkauft. Dessen Inhaber, Heinrich Kronbichler, verpflichtete sich im Gegenzug dazu, die ökologischen und philosophischen Qualitäten des Projekts zu erhalten und weiterzuentwickeln. Zudem ist hier auch ein weiterer Standort des Bildungsträgers in Planung.[2]

Seit ca. 2000 entwickelte sich vor allem durch Zusammenarbeit des Künstlers Ulrich Schollmeyer und des Philosophen Maik Hosang sowie des Vereins "Integralis e.V." im Gut eine Philosophie-Ausstellung. Diese wurde dank Unterstützung durch die WBS-Training AG im Mai 2016 als „Philosophische Erlebniswelt“ in einem neuen Gebäude eröffnet.[3]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das LebensGut betont seine Freiheit von Ideologien. Die Konzepte Rudolf Bahros dienen als Leitfaden der Projektentwicklung, nicht jedoch als geistige Vorgabe für das Denken des Einzelnen. Es geht davon aus, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg zur inneren Freiheit finden soll, unabhängig ob er dabei christlichen, buddhistischen, yogischen oder philosophischen oder anderen Anregungen folgt. Die kulturelle Vielfalt soll als kreative Anregung für vielfältige zukunftsfähige Initiative dienen.

Die im Gut entstandene Philosophische Erlebniswelt vermittelt anhand von interaktiven ästhetischen Objekten einen spielerischen Einblick in etwa 70 Philosophien der Menschheitsgeschichte. Sie veranstaltet Projekttage für den Philosophie- und Ethikunterricht von Schulklassen und versteht sich als Multiplikator einer universellen Sicht eines Weltethos.

Das im Gut ansässige Institut für Kultur- und Sozialökologie organisiert Forschungsprojekte und Tagungen zu Zukunftsfragen und integralen Themen wie Gemeinwohlökonomie, integrative Gesundheit, menschliche Potenzialentfaltung u. a.[4]

Nachdem durch Behördenauflagen sich eine Investition in Solaranlagen deutlich verteuerte, drohte dem Trägerverein zeitweise die Insolvenz. Infolgedessen wurde das Gelände und umliegendes Land an den Gründer der WBS Training verkauft, der die Gebäude modernisiert und das Projekt zusammen mit lokalen und überregionalen strategischen Partnern zu einem Reallabor zukunftsfähigen Lebens und Wirtschaftens weiterentwickelt. Als Orientierung dafür dienen die Werte von Holokratie und Gemeinwohl-Ökonomie.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von der Hand in den Mund. In: taz.de. 31. August 2014; abgerufen am 9. November 2015.
  2. Der Millionär und die Suche nach dem großen Glück. In: sz-online.de. 15. April 2015; abgerufen am 9. November 2015.
  3. Pommritz: Die Welt der Philosophie. In: www.mdr.de. Abgerufen am 23. Mai 2016.
  4. Gemeinwohlökonomie im LebensGut. In: SZ. 14. September 2015; abgerufen am 11. November 2015 (PDF).
  5. Der Millionär und die Suche nach dem großen Glück. In: sz-online.de. 8. April 2015; abgerufen am 13. Juni 2016.