Neuseeländische Urfrösche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Leiopelmatidae)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Neuseeländische Urfrösche
Leiopelma hochstetteri

Leiopelma hochstetteri

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
ohne Rang: Amphibien (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Familie: Neuseeländische Urfrösche
Wissenschaftlicher Name
Leiopelmatidae
Mivart, 1869
Heutige Verbreitung der Gattung Leiopelma in Neuseeland
Leiopelma archeyi
Leiopelma hamiltoni
Leiopelma hochstetteri
Leiopelma pakeka

Die Neuseeländischen Urfrösche (Leiopelmatidae) sind eine Familie von Froschlurchen, deren Arten heute nur auf der Nordinsel von Neuseeland oder auf kleinen, der Südinsel vorgelagerten Felseninseln, wie Stephens Island (Neuseeland) und Maud Island, vorkommen.

Sie gehören zu den urtümlichsten Froschlurchen der Welt (vergleiche: Archaeobatrachia) und sind sogenannte lebende Fossilien. Als ihre nächsten rezenten Verwandten gelten die nordamerikanischen Schwanzfrösche (Ascaphidae), mit denen sie zumindest einige anatomische Gemeinsamkeiten wie etwa neun Rückenwirbel aufweisen. Von manchen Autoren werden die beiden Ascaphus-Arten deshalb auch direkt der Familie Leiopelmatidae zugeordnet.

Merkmale und Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuseeländische Urfrösche sind eher unscheinbare und relativ kleine Froschlurche – Vertreter heute lebender Arten erreichen maximal 5 cm Kopf-Rumpf-Länge – mit breitem Kopf, runden Pupillen, oberseits glatter bis leicht warziger Haut sowie glatthäutigen Fußsohlen. Anders als viele andere Frösche können sie die Zunge nicht hervorschnellen lassen; stattdessen werden Nahrungstiere durch Vorstoßen des Körpers erbeutet. Wenn sie schwimmen, benutzen sie ihre Hinterbeine nicht gleichzeitig (wie die meisten Froschlurche), sondern immer abwechselnd. Neuseeländische Urfrösche sind nachtaktiv und die Männchen äußern keine Paarungsrufe. Die Tiere können allerdings quieken, wenn sie sich bedroht fühlen. Beim Amplexus wird das Weibchen vom Männchen in der Lendengegend geklammert. Es findet kein aquatiles Kaulquappenstadium, sondern eine direkte Entwicklung der Eier statt. Die Gelege werden von den Erwachsenen bewacht. Bei zwei Arten (Leiopelma archeyi und L. hamiltoni) klettern die Schlüpflinge auf den Rücken der Elterntiere, um dort ihre Entwicklung zu vollenden.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezent sind vier Arten bekannt, die zur Gattung Leiopelma zusammengefasst werden:

Darüber hinaus gibt es zahlreiche fossile Funde auch von weiteren Inseln um Neuseeland. Zu diesen längst ausgestorbenen Arten zählen:

Die letztgenannte Art wurde mit 10 cm Kopf-Rumpf-Länge deutlich größer als heutige Formen.

Hintergründe, Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem es bis zum Jahr 1964 nur fünfzehn Sichtungen von Leiopelma hamiltoni gab, unternahmen die deutschen Zoologen Eugen Schuhmacher und Helmuth Barth eine Reise nach Stephens Island. So entstanden die ersten Filmaufnahmen (zu sehen im Kinofilm "Die letzten Paradiese" von 1967) dieser Frösche, deren Familie schon zur Dinosaurierzeit existiert hat.

Die Neuseeländischen Urfrösche sind je nach Art gefährdet bis akut vom Aussterben bedroht und auf den Hauptinseln bereits zum größten Teil unter anderem durch eingeführte Tierarten ausgerottet worden. Auch eine Pilzerkrankung (siehe: Chytridiomykose) wird für den Rückgang dieser (und vieler anderer Amphibien weltweit) mitverantwortlich gemacht. Auf Stephens Island machen zudem Brückenechsen Jagd auf die schon stark geschwächten Bestände der Urfrösche, so dass ihre Brutplätze durch echsensichere Zäune geschützt werden mussten.

Sonstige Amphibien Neuseelands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur heutigen Amphibienfauna Neuseelands zählen neben den ursprünglich einheimischen Leiopelma-Arten lediglich noch drei weitere, vom Menschen eingeführte Froscharten – die zu den Australischen Laubfröschen gehörenden Litoria aurea, Litoria ewingii und Litoria raniformis.[1] Zwei davon besiedeln – im Gegensatz zu Leiopelma – auch die gesamte Südinsel und Stewart Island.[2][3][4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B. J. Gill & A. H. Whitaker: New Zealand Frogs and Reptiles. Bateman, Auckland 1996.
  • Chris Mattison: Frogs & Toads of the World. Blandford, London 1992. ISBN 0-7137-2355-6
  • Eugen Schuhmacher: Die letzten Paradiese – Auf den Spuren seltener Tiere. Bertelsmann GmbH, Gütersloh 1966.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der Amphibienarten Neuseelands bei Amphibiaweb
  2. Verbreitungskarte von Litoria aurea bei www.iucnredlist.org
  3. Verbreitungskarte von Litoria ewingii bei www.iucnredlist.org
  4. Verbreitungskarte von Litoria raniformis bei www.iucnredlist.org

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuseeländische Urfrösche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien