Lernwerkstatt

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Als Lernwerkstatt bezeichnet man in der modernen Pädagogik eine materialreiche Lernumgebung für schulisches und außerschulisches Lernen, in deren Zentrum praktisches und eigenaktives Lernen sowie Lernen durch eigene Erfahrungen steht.

Geschichte und Konzeptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lernwerkstätten haben unterschiedliche Konzepte. Zentrales Anliegen ist es (umliegenden) Schulen einen Lernort zu bieten, an dem z.B. Lehrern im Rahmen von Fortbildung kompetente pädagogische Beratung gegeben werden kann und ihnen Erfahrung im Sinne von eigenaktivem 'learning by doing' zu ermöglichen. Die ersten Lernwerkstätten entstanden in den Reformschulen des frühen 20. Jahrhunderts, später auch in Fortbildungszentren und Universitäten. Erste Ansätze erfahrungsnahen Lernens wurden von John Dewey entwickelt. Die Arbeitspädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat wichtige Impulse auf der Seite des praktischen Lernens (Georg Kerschensteiner) und des Lernens in Schulen mit differenzierten Lernumgebungen (Ellen Key) entwickelt. In neuerer Zeit hat Célestin Freinet wesentliche Impulse für den Sachunterricht und generell die Schulpädagogik entwickelt. In seinen Schriften wird die Lernwerkstatt mit Atelier bezeichnet. Auch die offenen Curricula der englischen Primarschulen in den 70er Jahren waren durch differenzierte Versuchsanregungen im Sinne des Konzeptes von Lernwerkstätten gekennzeichnet.

Die Lernwerkstatt RÖSA an der Universität Oldenburg (Regional ökologische Sachunterrichtswerkstatt) hat den Ansatz, wiederverwertetes Material zu verarbeiten, um konkret handelndes Lernen zu ermöglichen. Andere Lernwerkstätten sehen darin den Ort des Arbeitens für Lehrpersonen oder Kinder (Lernwerkstatt Kassel, Lernwerkstatt Bremen), eine Stätte von Lehrerfortbildung (Lernwerkstatt Bielefeld) oder multimediale Aus- und Weiterbildung (Lernwerkstatt Würzburg).

Perspektiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlerweile sind Lernwerkstätten zu einem unter pädagogischen Gesichtspunkten positiven Begriff geworden und werden noch unterschiedlich definiert. Die Lernwerkstattbewegung in Deutschland veranstaltet verschiedene Kommunikationsformen für den wechselseitigen Austausch. Lernwerkstätten werden mittlerweile auch in Kindertagesstätten errichtet. Der Ansatz der Kindertagesstätten liegt im Ausbau von Vorläuferfähigkeiten, um den Übergang zwischen Kindertagesstätte und Grundschule für die Kinder zu erleichtern. Seit Ausbreitung des Zugangs zum Internet gibt es auch virtuelle Lernwerkstätten, in denen Materialien online präsentiert werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingo Nickel: Von Kerschensteiner bis zur Lernwerkstatt. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2005, ISBN 3-89676-981-2.
  • Angela Bolland: Lernwerkstätten und Sachunterricht. In: Astrid Kaiser, Detlef Pech (Hrsg.): Geschichte und historische Konzeptionen des Sachunterrichts. Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2004, ISBN 3-89676-860-3, S. 177–186.
  • Christel van Dieken: Lernwerkstätten und Forscherräume in Kita und Kindergarten Herder Verlag, Freiburg 2003, ISBN 3-451-28325-5.
  • Katharina Flick: Das AOL-Lernwerkstattbuch. 25 Bausteine für das andere Lernen in der Grundschule. Mit einer kompletten Lernwerkstatt Wasser. AOL, Lichtenau 2002, ISBN 3-89111-323-4.
  • Gisela Lück: Handbuch der naturwissenschaftlichen Bildung: Theorie und Praxis für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Verlag Herder 2009, ISBN 978-3-451-32333-1.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christel van Dieken (Regie), Julian van Dieken (Regie), Arnim Jepsen, Colin Wernicke: Lernwerkstattarbeit in Kitas. Verlag das Netz, Kiliansroda 2011, ISBN 978-3-86892-058-1 - DVD mit Booklet.