Linzer Eisenbahnbrücke (2021)

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Nächtlich beleuchtete Eisenbahnbrücke
Fahrnbahn der Eisenbahnbrücke von Linker Brückenstraße gesehen

Die Linzer Eisenbahnbrücke ist eine der Donaubrücken im Linzer Stadtgebiet. Sie wurde am 30. August 2021 für den Verkehr freigegeben und ist das Nachfolgebauwerk der gleichnamigen, im Jahr 1900 eröffneten Brücke. Im Gegensatz zum Vorgängerbauwerk ist die neue Linzer Eisenbahnbrücke eine reine Straßenbrücke, wobei die Führung der geplanten Linzer Stadtbahn über die Brücke vorgesehen ist.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brücke wurde von Marc Mimram Architecture Ingénierie, Paris, entworfen. Sie ist 396 m lang, 33,7 m breit und besteht aus drei Pfeilern (2 Strompfeiler, 1 Pfeiler im Hochwasserbett) und vier Feldern mit Pfeilerachsabständen von 78 - 120 - 120 - 78 m. Ihre drei bogenförmigen Tragkonstruktionen erinnern an die alte Brücke, stehen aber nicht mit ihren Enden auf zwei Pfeilern, sondern jeweils mittig auf einem Pfeiler, wo sie durch zwei V-förmig angeordnete Stäbe getragen werden. Konstruktiv sind es keine Bögen, sondern Zügelgurttragwerke, bei denen Koppelelemente nach Art eines Einhängeträgers die Zwischenräume zwischen ihnen bzw. zu den Widerlagern überbrücken.[1]

Innerhalb der Bogenpaare flussaufwärtsseitig (westlich) liegt ein für die Linzer Stadtbahn gedachter Streifen, der gegenwärtig als Busspur ausgeführt ist. Flussabwärts davon liegt eine zweispurige Fahrbahn mit zwei jeweils 3,5 m breiten Fahrstreifen[2] für den allgemeinen Straßenverkehr. Unterhalb der Bögen verlaufen breit-niedrige mauerförmige Verkehrsflächentrenner. Außerhalb dieser gibt es ober- und unterwasserseitig je einen 2,5 m breiten Radweg und je einen 2 m breiten Gehweg.[2] Die Gehwege liegen zu den Brückengeländern hin und werden dort zu längeren, je 1,1 m tiefen Balkonen mit Sitzgelegenheiten verbreitert, wo die Bögen von tiefliegenden Zonen unterbrochen werden.

Bau der Brücke und Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Gutachten war die Stahlkonstruktion der Vorgängerbrücke als Folge der Salzstreuung massiv geschädigt, sodass Windböen die Brücke gefährdet hätten. Die Bauweise als genietete Eisenkonstruktion hätte hohe Kosten für eine Sanierung verursacht, sodass nach Ansicht von Verkehrslandesrat Hermann Kepplinger ein Abriss und Neubau technisch und wirtschaftlich die sinnvollste Variante war.[3] Am 27. September 2015 entschied eine Volksbefragung der über die Zukunft der 115 Jahre alten Eisenbahnbrücke, wobei als erste Option die Abtragung der alten und die Errichtung einer neuen Brücke und als zweite Option die Sanierung der bestehenden Brücke sowie die Errichtung einer Begleitbrücke für Straßenbahn und Kraftfahrzeuge zur Auswahl standen.[4] 68 % der gültig abgegebenen Stimmen entfielen auf den Brückenneubau. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger erklärte das Ergebnis für bindend.[5] Am Samstag, dem 27. Februar 2016 um 00:30 Uhr wurde die alte Brücke für den gesamten Verkehr gesperrt.

Auf der Brücke waren ursprünglich zwei Straßenbahngleise für die mittlerweile verworfene Neue Straßenbahnachse vorgesehen,[2] tatsächlich wurde stattdessen eine Busspur realisiert. An deren Stelle sollen zu einem späteren Zeitpunkt Gleise für die geplante Linzer Stadtbahn verlegt werden.[6][7]

Laut der Initiative „Pro Mühlkreisbahn“ hätte die Mühlkreisbahn mit einem sofortigen Einbau der Schienen zeitnahe über die im Ausbau befindliche Linzer Hafenbahn[8][9] zum Linzer Hauptbahnhof durchgebunden werden können.[10] Stattdessen halten die Entscheidungsträger an der kürzeren und stadtnäheren Streckenführung fest, die jedoch erst in ferner Zukunft realisiert werden kann.[6]

Im Juni 2017 wurde von Seiten der Stadt Linz bekannt gegeben, dass die geplante Brücke in sechs Verfahren zu Wasser-, Umwelt- und Schifffahrtsrecht erfolgreich geprüft wurde.[11][12][13] Nach den von August bis Oktober 2017 dauernden Vorarbeiten wurde im Sommer 2018 mit dem Brückenneubau und dem Bau der Straßenanschlüsse begonnen. Die Arbeiten übernahm eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen MCE, STRABAG und PORR. Der Spatenstich erfolgte am 4. Juli 2018.[14] Die Fertigstellung war ursprünglich für Herbst 2020 geplant,[15] jedoch sorgte ein Fehler in den statischen Berechnungen dazu, dass 500 Tonnen Stahl zu wenig berechnet wurden. Dadurch erhöhen sich nicht nur die Kosten, sondern auch die Fertigstellung wurde verzögert.[16] Die beiden Stromtragwerke wurden auf der Urfahraner Donauseite an Land vorgefertigt und am 23. Februar 2021 (nördliches Tragwerk), sowie am 4. März 2021 (südliches Tragwerk) eingeschwommen und auf die beiden Flusspfeiler aufgesetzt. Die zwei Vorlandtragwerke wurden bereits zuvor errichtet.[17]

Die neue Brücke wurde zunächst als Neue Donaubrücke Linz bezeichnet,[18] am 8. April 2021 hatte jedoch der Stadtsenat beschlossen, dass die neue Brücke wie ihr Vorgängerbauwerk den Namen Eisenbahnbrücke tragen soll.[19] Zur Abgrenzung von der alten Brücke, wird auch von der neuen Eisenbahnbrücke gesprochen.[20]

Die Eröffnungsfeier fand am 28. August 2021 statt,[21] die Gesamtkosten für die Errichtung der Brücke werden rund 82 Millionen Euro betragen.[22][20] Die Verkehrsfreigabe erfolgte am 30. August 2021.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neue Linzer Eisenbahnbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sepp Maier, Christian Stadler: Neue Donaubrücke Linz. (PDF). In: brueckentagung.at. Abgerufen am 31. August 2021.
  2. a b c Linzer Donaubrücke (Foto). (Nicht mehr online verfügbar.) Stadt Linz, archiviert vom Original; abgerufen am 23. April 2017.
  3. Eisenbahnbrücke nur noch bis Ende 2012 befahrbar. Oberösterreichische Nachrichten, 7. April 2010, abgerufen am 4. September 2013.
  4. Eisenbahnbrücke: Linzer entscheiden am 27. September. Oberösterreichische Nachrichten, 3. Juni 2015, abgerufen am 8. September 2015.
  5. Linz bekommt neue Eisenbahnbrücke. ORF, 27. September 2015, abgerufen am 30. August 2021.
  6. a b Ausbau des Nahverkehrs. Stadt Linz, abgerufen am 14. September 2021.
  7. Eine Eisenbahnbrücke ohne Schienen. Oberösterreichische Nachrichteh, 14. August 2021, abgerufen am 14. September 2021.
  8. Ausbau des Containerterminals und der Hafenbahn in Linz. In: Österreichische Verkehrszeitung. 15. Juni 2018, abgerufen am 14. September 2021.
  9. Linz Vbf Stadthafen. Österreichische Bundesbahen, abgerufen am 14. September 2021.
  10. „Brücke ohne Schienen ist falsches Signal“. Kronen Zeitung, 24. Oktober 2020, abgerufen am 14. September 2021.
  11. Bau der neuen Donaubrücke soll im Juni 2018 starten. Oberösterreichische Nachrichten, 19. Dezember 2017, abgerufen am 13. Juni 2018.
  12. Neue Donaubrücke Linz. (Nicht mehr online verfügbar.) Stadt Linz, 15. Mai 2018, archiviert vom Original; abgerufen am 13. Juni 2018.
  13. Bau der neuen Donaubrücke startet im Juni. ORF, 15. Mai 2018, abgerufen am 13. Juni 2018.
  14. Spatenstich für neue Eisenbahnbrücke. ORF, 4. Juli 2018, abgerufen am 1. Dezember 2018.
  15. Spatenstich für Donaubrücke: Eine Stunde, die nicht alles vergessen lässt. Oberösterreichische Nachrichten, 4. Juli 2018, abgerufen am 10. Februar 2019.
  16. Neue Donaubrücke nicht im Zeitplan - sie dürfte zudem deutlich teurer werden. Oberösterreichische Nachrichten, 28. August 2019, abgerufen am 11. September 2019.
  17. Donaubrücke: Dritter Bogen wird platziert. ORF, 4. März 2021, abgerufen am 5. März 2021.
  18. Neue Donaubrücke Linz. Stadt Linz, abgerufen am 15. Dezember 2019.
  19. Stadtsenat hat entschieden: So wird die Neue Donaubrücke heißen. Bezirksrundschau Linz, 8. April 2021, abgerufen am 29. August 2021.
  20. a b Neue Eisenbahnbrücke: Start in die Verkehrszukunft. Stadt Linz, abgerufen am 20. August 2021.
  21. Neue Eisenbahnbrücke eröffnet. ORF, 28. August 2021, abgerufen am 28. August 2021.
  22. Linzer Donau-Brücke verzögert sich um ein Jahr. ORF, 20. November 2019, abgerufen am 20. November 2019.
  23. "Mehr als nur eine Donauquerung": Die neue Eisenbahnbrücke ist eröffnet. Oberösterreichische Nachrichten, 28. August 2021, abgerufen am 29. August 2021.

Koordinaten: 48° 19′ 1,2″ N, 14° 17′ 45″ O