Lomy (Člunek)

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Lomy
Lomy führt kein Wappen
Lomy (Člunek) (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Jindřichův Hradec
Gemeinde: Člunek
Fläche: 639[1] ha
Geographische Lage: 49° 7′ N, 15° 10′ OKoordinaten: 49° 6′ 41″ N, 15° 9′ 32″ O
Höhe: 583 m n.m.
Einwohner: 155 (1. März 2001)
Postleitzahl: 378 53
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: Jindřichův HradecDačice
Bahnanschluss: Jindřichův Hradec–Nová Bystřice

Lomy (deutsch Tieberschlag) ist ein Ortsteil der Gemeinde Člunek (Hosterschlag) in Tschechien. Er liegt zweieinhalb Kilometer westlich von Kunžak (Königseck) und gehört zum Okres Jindřichův Hradec (Bezirk Neuhaus). Der Ort ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft ist in einer Schenkung an die Pfarrkirche Zlabings im Jahre 1381. Die Anlage von Tieberschlag und die bis 1945 gesprochene Ui-Mundart (nordbairisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern, weist auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme aus dem oberpfälzischen Raum hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Anfangs war die Schreibweise der Ortschaft „Styberschlag“ und ab dem Jahre 1500 „Tieberschlag“.

Während der Reformation ging die Pfarre Zlabings, zu der auch Tieberschlag gehörte, ein. Nur Tieberschlag und die Ödung Pfaffenschlag blieben katholisch. Mit dem Jahr 1693 gehörte Tieberschlag mit dessen Nachbarortschaften Hosterschlag und Köpferschlag zur Herrschaft Königseck. Matriken bestehen seit 1787 bei Hosterschlag.

Im Jahre 1898 erhält der Ort zusammen mit Königseck einen Bahnhof an der Lokalbahn Neubistritz-Neuhaus. Im Jahre 1908 brannten bei einem Großbrand 6 Höfe nieder. Aufgrund der Schäden wird an die Regierung ein Gesuch für finanzielle Unterstützung gestellt.[3] Teile der Einwohner von Tieberschlag lebten von der Forst-, Vieh- und Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau aufgrund des ungünstigen Klimas keine Rolle spielte. Die Jagd auf Rehe, Hasen, Birk- und Auerwild war auf dem Gemeindegebiet sehr einträglich. Ein großer Teil der Einwohner arbeiteten in der Hausindustrie für Strumpfstrickereien und Weberei, so arbeiteten vor 1914 ca. 300 Einwohner für einen Fabrikanten um Roßhaargewebe herzustellen. Weiters gab es neben dem üblichen Kleingewerbe auch eine Mühle. Die produzierte Milch lieferten die Bauern nach Blauenschlag.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[4] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Tieberschlag, deren Bewohner 1910 zu 99,9 % zur deutschen Sprachgruppe zählten, an den neuen Staat. In dieser Zeit wurde der Ort elektrifiziert. Maßnahmen folgen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung. Dadurch kam es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[5] Diese Maßnahmen verschärften die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Als auch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurden und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen geregelt wurde an Deutschland. Somit wurde Tieberschlag mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Forderung der ČSR-Regierung Beneš entsprochen und die im Münchener Abkommen an Deutschland übertragenen Territorien wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Alle deutschen Bürger des Ortes wurden zwischen 30. Mai 1945 und 25. August 1945 durch irreguläre tschechische Einheiten nach Österreich „wild“ vertrieben. Laut dem Beneš-Dekret 108 wurde das Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt.[6]

Der weitgehend verödete Ort wurde im Jahre 1964 in den Nachbarort Člunek (Hosterschlag) eingemeindet. Im Jahre 2001 bestand das Dorf aus 51 Wohnhäusern, in denen 155 Menschen lebten.

Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Gemeindesiegel ist nicht bekannt. Die Ortschaft dürfte alle gerichtlichen Anliegen über Königseck abgewickelt haben. Erst nach 1848 führte Tieberschlag einen bildlosen Gemeindestempel.[7]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 508 487 21 0
1890 475 475 0 0
1900 497 497 0 0
1910 472 471 0 1
1921 412 389 16 7
1930 406 381 24 1
1991 147
2001 155

[8][9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapelle St. Florian, vor 1800 aus Holz, Neubau 1830/32, 2 Glocken (hl. Barbara, hl. Florian)
  • Kriegerdenkmal
  • Bahnhof Königseck/Tieberschlag an der Lokalbahn Neubistritz–Neuhaus (1898)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. Band 1–3. Hrschanzky, Wien 1793–1794.
  • Statistickỳ lexikon obcí České 1965. SEVT, Prag 1966.
  • Anton Kreuzer: Von der Frühzeit bis zum Untergang der Donaumonarchie 1918 (= Geschichte Südmährens. Bd. 1). 2., überarbeitete Auflage. Verlag des Südmährischen Landschaftsrates Geislingen/Steige, Geislingen/Steige 1997, ISBN 3-927498-20-3.
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, S. 36.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. In den Heimatkreisen Neubistritz, Zlabings, Nikolsburg und Znaim. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1992, ISBN 3-927498-16-5, S. 227.
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2008, S. 132.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi/624322/Lomy-u-Kunzaku
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. Beiträge zur Volkskunde Südmährens. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1989, ISBN 3-927498-09-2, S. 10.
  3. Österreich. Reichsrat. Abgeordnetenhaus: Stenographische Protokolle über die Sitzungen. 1908, ZDB-ID 209397-2, S. 2707.
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede. St. Germain und die Folgen. 1919–1989. Amalthea, Wien u. a. 1989, ISBN 3-85002-279-X.
  5. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche. 1918–1938. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1967.
  6. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Neubistritz (Südböhmen) und das Zlabingser Ländchen von A bis Z. 2008, S. 132.
  7. Antonín Decker: Městské museum v Jindřichově Hradci. I (= Archiv městského musea v Jindřichově Hradci. Zpráva 1, 1908). Nakladem vlastnim, Jindřichův Hradec 1908.
  8. Josef Bartoš, Jindřich Schulz, Miloš Trapl: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. Band 9: Okresy Znojmo, Moravský Krumlov, Hustopeče, Mikulov. Profil, Ostrava 1984.
  9. http://www.czso.cz/csu/2009edicniplan.nsf/t/010028D080/$File/13810901.pdf