Looshaus

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Das Looshaus am Michaelerplatz
Looshaus (Detailansicht)
Oberlicht bei der Hauptstiege
Für den Anspruch variierende Raumhöhen

Das Looshaus ist ein eines der zentralen Bauwerke der Wiener Moderne in Wien. Es markiert die Abkehr vom Historismus, aber auch von dem floralen Dekor des Secessionismus. Es steht an der Adresse Michaelerplatz 3 gegenüber dem Michaelertrakt der Hofburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1909 erteilte Leopold Goldmann nach einem Architekturwettbewerb, aus dem kein siegreicher Entwurf hervorging, freihändig Adolf Loos den Bauauftrag zur Errichtung eines Geschäftsgebäudes für das Nobelgeschäft Goldman & Salatsch. Bauleiter war Ernst Epstein. Loos' schlichter und ornamentloser Architekturstil führte jedoch 1910 zu einem großen Skandal, weshalb ein Baustopp verhängt wurde.[1] Es war die Rede von einer „unanständigen Nacktheit“ der oberen Fassade. Erst als Loos einwilligte, dieser Nacktheit mittels Blumenkästen entgegenzuwirken, wurde mit dem Bau fortgesetzt und dieser schließlich 1912 vollendet.[2]

Errichtet wurde es von dem Bauunternehmen Pittel+Brausewetter. Im Jahre 1944 wurde durch einen Bombeneinschlag im benachbarten Hochhaus auch das Looshaus in Mitleidenschaft gezogen. 1947 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. In den 1960er Jahren befand sich ein Möbelhaus im Hauptgeschäft des Gebäudes. 1987 kaufte die Raiffeisenbank Wien das Gebäude und renovierte es grundlegend. Die Renovierung erfolgte unter der Leitung des Architekten, Publizisten und Loos-Forschers Burkhardt Rukschcio[3]. Dabei wurde vor allem der öffentliche Bereich des Hauses (das frühere Geschäftslokal Goldman & Salatsch) in den früheren, in den 30er Jahren verloren gegangenen Zustand versetzt, die oberen Geschoße als Büroräume adaptiert. Diese Renovierung wurde im Oktober 1990 abgeschlossen[4]. Schon 1989 war das Looshaus neben der Albertina und dem Wien Museum Austragungsort der Ausstellung „Adolf Loos“ (02.12.1989 – 25.02.1990), die ebenfalls von Burkhardt Rukschcio kuratiert wurde.[5] 2022 produzierte Rudolf Klingohr eine TV-Dokumentation „Das Looshaus – Die Rettung eines Baujuwels“, die die Geschichte des Umbaus noch einmal ausführlich zusammenfasst.[6]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz seines ästhetischen Funktionalismus ist das Gebäude kein schlichter Zweckbau – gerade bei den Materialien wurden weder Kosten noch Aufwand gespart. Auffallend ist der Kontrast zwischen dem mit Marmor ausgekleideten unteren Fassadenbereich (Cipollino aus Euböa)[7] und der schlichten Putzfassade der oberhalb liegenden Wohngeschosse.

Dem Geschäftsbereich ist ein Säulengang mit toskanischen Säulen vorgebaut – gedacht als Anspielung auf den Portikus der Michaelerkirche. Statt Ornamenten haben die Obergeschosse Blumenkästen vor den Fenstern – einer Legende nach soll die Form an den Erzherzogshut erinnern und eine Anspielung auf die Hofburg sein.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Fertigstellung löste das Haus einen Schock in der noch ganz vom historistischen Geschmack geprägten Stadt aus. Es wurde von den Wienern Haus ohne Augenbrauen genannt, da die damals üblichen Fensterverdachungen gänzlich fehlten. Es heißt, Kaiser Franz Joseph habe nicht nur den Rest seines Lebens vermieden, die Ausfahrt am Michaelerplatz zu benützen, sondern auch die Fenster der Hofburg vernageln lassen, damit er das „scheußliche“ Haus nicht mehr sehen musste.

Designzone Looshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 befindet sich im von Paolo Piva neu gestalteten Souterrain des Looshauses die „Designzone Looshaus“.[8] Die hier stattfindenden internationalen Ausstellungen und Veranstaltungen sollen auf die Bedeutung österreichischen Designs als Impuls für die Wirtschaft aufmerksam machen. Weiters werden hier die Preisträgermodelle des Adolf Loos Staatspreises Design ausgestellt.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Mössmer: Das Looshaus. Abgerufen am 20. März 2019.
  2. Norbert Wolf: Architektur verstehen. Primus Verlag, 2012, S. 136.
  3. Burkhardt Rukschcio, Roland Schachel: Adolf Loos, Leben und Werk. Residenz Verlag, Wien / Salzburg 1982, ISBN 3-7017-0288-8.
  4. Alfred Zupancic (Kulturkreis Looshaus), Burkhardt Rukschio: Pressekonferenz zur Fertigstellung Renovierung Looshaus. In: ORF Mittagsjournal:. ORF, 23. Oktober 1990, abgerufen am 3. November 2022 (deutsch).
  5. Burkhardt Rukschcio: Adolf Loos. Katalog zur Ausstellung (Albertina, Wien Museum, Looshaus). Löcker Verlag, Wien 1989, ISBN 3-85409-166-4.
  6. Rudolf Klingohr: Das Looshaus – Die Rettung eines Baujuwels. (TV 49min) Erbe Österreich (ORF3). In: ORF. ORF3, 8. Februar 2022, abgerufen am 3. November 2022 (deutsch).
  7. Robert Seemann, Herbert Summesberger: Wiener Steinwanderwege. Die Geologie der Großstadt. Wien 1998, S. 51–52 ISBN 3-85447-787-2
  8. Designzone Looshaus
  9. Staatspreis für Design 2007 (Memento des Originals vom 12. Mai 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.designaustria.at

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Looshaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 12′ 30″ N, 16° 22′ 0″ O