Albertina (Wien)

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Albertina
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Daten
Ort Albertinaplatz, 1010 Wien
Art Kunstmuseum
Architekt Emanuel Silva-Tarouca, Louis Montoyer
Besucheranzahl (jährlich) 610.000 (2012)[1]
Betreiber Bundesmuseen
Leitung Klaus Albrecht Schröder
Website www.albertina.at
Außenansicht der Albertina mit Soravia Wing

Die Albertina ist ein Kunstmuseum im Stadtzentrum von Wien. Sie beherbergt eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt.

Das Museum[Bearbeiten]

Das Museum ist im Palais Erzherzog Albrecht untergebracht. Der Name Albertina bezieht sich auf Albert Casimir Herzog von Sachsen-Teschen, der 1776 die Sammlung gründete. Die enzyklopädisch und universalistisch angelegte Sammlung umfasst rund eine Million Zeichnungen und druckgrafische Blätter von der Renaissance bis zur Gegenwart. Die Albertina zeigt mit der Ausstellung “Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner“ permanent eine Schau zur internationalen klassischen Moderne. Aufbewahrt werden die Sammlungen der Albertina unter modernsten und konservatorisch optimalen Bedingungen in einem vollautomatischen Hochregallager.

Die Sammlung[Bearbeiten]

Die Sammlung Herzog Alberts zählt weltweit zu den bedeutendsten Kunstsammlungen. Über 50 Jahre nutzte er ein europaweit agierendes Netzwerk von Händlern sowie Auktionen von umfangreichen Privatsammlungen, um 14.000 Zeichnungen und 200.000 Druckgrafiken zu erwerben. Viele der Meisterzeichnungen – von Michelangelos Männerakten über Dürers »Feldhasen« bis zu Rubens‘ Kinderportraits – zählen heute zu den berühmtesten Werken der Kunstgeschichte. Wichtigste Impulse zur Anlage der Sammlung erhielt Herzog Albert von seiner kunstinteressierten und kunstsinnigen Gemahlin, Erzherzogin Maria Christine, die ihn durch ihr enormes Vermögen auch finanziell unterstützen konnte. In der herzoglichen Sammlung befinden sich Werke von Künstlern des frühen 15. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Von Beginn an gliederte Herzog Albert seine Sammlung systematisch nach kunsthistorischen Kriterien, nach Schulen und Kunst-Landschaften. Die Deutschen und Österreicher nehmen den ersten Platz ein, gefolgt von den Werken niederländischer, italienischer und französischer Künstler. In den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens erwarb Albert zunehmend Werke zeitgenössischer Künstler (»Maîtres modernes«). Sie machen rund ein Drittel seiner Zeichnungssammlung aus. Alle Zeichnungen aus Alberts Besitz sind mit einem vom Herzog selbst entworfenen Prägestempel versehen: sein Monogramm »AS« für Albert von Sachsen. Eine Vorliebe Herzog Alberts waren neben Historien- und Genredarstellungen vor allem Landschaften. Der Sammler bevorzugte sorgfältig durchgezeichnete und farbig oder mit Lavierung bildmäßig ausgearbeitete Werke: Die Zeichnung interessierte ihn weniger als Dokument eines künstlerischen Schaffensprozesses, sondern als ein dem Gemälde äquivalentes Werk mit eigenen, nur der »lichten« Zeichnung innewohnenden, ästhetischen Qualitäten.

1816 bestimmte Herzog Albert seine Grafiksammlung zum unteilbaren und unveräußerbaren Fideikommiss, wodurch sie 1822 zunächst an den Universalerben und Adoptivsohn Erzherzog Carl fiel und bis heute komplett erhalten geblieben ist. Die berühmte Gemäldesammlung des Herzogs wurde hingegen ebenso wie seine prächtigen Möbel und die einzigartige, 25.000 Bände umfassende Bibliothek seit 1919 weltweit verstreut. [2]

Geschichte des Palais[Bearbeiten]

Das Palais Herzog Alberts mit der Augustinerbastei, 1816

1744 ließ Maria Theresia für ihren engen Freund und Berater Don Emanuel Teles da Silva Conde Tarouca das Palais errichten. Architekt war Mauro Ignazio Valmaggini. 1792 mussten Albert und Marie Christine aufgrund von Krieg und Revolution aus Schloss Laeken in den Österreichischen Niederlanden, wo sie als Statthalter fungierten, flüchten. Zurück in Wien benötigte das Paar ein standesgemäßes Logement, woraufhin Kaiser Franz II. ihnen 1794 das Palais auf der Augustinerbastei – die heutige Albertina – schenkte.

Albert lässt das Gebäude zunächst für seine Grafiksammlung und die Bibliothek adaptieren und in der Folge durch einen Repräsentationsflügel (zwischen 1802 und 1804) erweitern. Die 150 Meter lange Fassade demonstriert dem nebenan in der Hofburg residierenden Kaiser eindrucksvoll die finanzielle Potenz und das Selbstwertgefühl des Herzogs. Die mitgenommenen Ausstattungsstücke aus Schloss Laeken wie Möbel, Fensterläden und Wandvertäfelungen werden in die neuen Prunkräume integriert. Seidenbespannungen aus Lyon, kunstvolle Intarsienböden und vergoldete Kristallluster ergänzen das prächtige Erscheinungsbild.[2]

Geschichte der Sammlung[Bearbeiten]

Wien und der Kaiserhof um 1780[Bearbeiten]

Der Kaiserhof in Wien präsentierte sich während der Regentschaft von Maria Theresia in höfischer Pracht und spätbarockem Glanz. Sie regierte die Länder der Habsburgermonarchie und ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen herrschte seit 1745 als Kaiser im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Die Landesmutter sicherte den Fortbestand der Dynastie durch 16 Kinder, und Franz I. Stephan generierte als Wirtschaftsmagnat ein gigantisches Vermögen, das als Familienfonds seine Nachkommen finanziell versorgen würde. Der Alltag der kaiserlichen Familie war streng reglementiert, weshalb auch die Kindererziehung strikten Vorgaben unterlag. Ab dem vierten Lebensjahr wurden Sprachen, Geschichte, Religion, Musik und Tanz unterrichtet; wissenschaftliche und künstlerische Interessen wurden früh gefördert. Erzherzogin Marie Christine war eine talentierte Zeichnerin, die zeitlebens nach Vorlagen niederländischer und französischer Meister kopierte. Sie reifte bis 1765 zu einer stolzen, selbstbewussten und kultivierten »Grande Dame« heran, die aufgrund ihrer Bildung und Repräsentation den dynastischen Ansprüchen des Hauses Habsburg-Lothringen gerecht werden konnte. [2]

Albert und Marie Christine[Bearbeiten]

Erzherzogin Marie Christine, 1778

Maria Theresia sah ihre Kinder als dynastisches Kapital an und suchte die Ehepartner ihrer Kinder nicht ohne politisches Kalkül aus. Prinz Albert lernte die 17- jährige Marie Christine 1760 kennen, als er seine Tante Maria Theresia in Wien besuchte. Erst ab dem Frühjahr 1764 erwiderte sie seine leidenschaftlichen Gefühle und die Monarchin gewährte ihrer bevorzugten Tochter eine Liebesheirat mit dem feschen Sachsen. Das Vermählungsfest fand noch während der Trauerzeit für den verstorben Kaiser Franz I. Stephan am 2. April 1766 in der Wiener Hofburg statt. Die Unterzeichnung des Ehevertrags am 5. April 1766 bescherte Prinz Albert eine Frau mit einem Vermögen von 4 Millionen Gulden (ca. 63 Mio. Euro). Während Marie Christine den Titel einer Erzherzogin zeitlebens beibehalten durfte, erhielt ihr rangniedrigerer Bräutigam Wappen und Titel des Herzogtums Teschen und nannte sich fortan Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Die Hochzeit wurde am 6. April 1766 im kleinen, familiären Rahmen und »incognito« in Schloss Hof gefeiert. Der Liebesheirat folgte eine glückliche Ehe. »Mimi« und »Berti«, so die intimen Kosenamen, verband zeitlebens eine innige und leidenschaftliche Liebe. Maria Theresia ernannte ihren Schwiegersohn zum Reichsfeldmarschall und Locumtenens (Statthalter) von Ungarn; ab April 1766 residierte das Ehepaar im königlichen Schloss zu Preßburg.

Herzog Albert, 1777

Herzog Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Marie Christine waren keine regierenden Monarchen, aber sie gehörten durch ihre hohe Geburt zur europäischen Elite. Ämter und Würden des Paares – sie vertrat in Ungarn und in den Österreichischen Niederlanden die Dynastie, er nahm als Reichs(general)feldmarschall, Locumtenens, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und des österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens hohe militärische, politische und gesellschaftliche Positionen ein – äußerten sich in einem aufwendigen Lebensstil. Ihr feudales Repräsentationsbedürfnis spiegelte sich in einem umfangreichen Hofstaat, illustren Festen und erlesenen Jagdgesellschaften wider. Die Residenzschlösser in Preßburg und Brüssel sowie das Wiener Palais beherbergten einzigartige Ausstattungen; prächtige Gobelins aus den königlich-französischen Hofmanufakturen, kostbarstes Tafelsilber, exquisite Möbel und edle Büsten von Josiah Wedgwood. Einen besonders hohen Stellenwert genoss die 25.000 Bände umfassende Bibliothek, die zu den bedeutendsten des Kontinents gehörte. Hohe Bildung, exzellenter Kunstverstand und erlesener Geschmack wiesen Albert und Marie Christine als »Grand Homme« und »Grande Dame« aus.[2]

Reise nach Italien[Bearbeiten]

Das Paar unternahm von Jänner bis Juli 1776 eine Bildungsreise durch Italien. Die Route beinhaltete Besuche an den Höfen von Marie Christines Geschwistern in Parma, Florenz, Neapel und Modena sowie einen Aufenthalt im österlichen Rom. Ebendort besichtigten sie neben antiken Monumenten und barocken Sakralbauten die Vatikanischen Museen mit dem Pio Clementino sowie die Paläste der Nobilità mit ihren bedeutenden Privatsammlungen. Papst Pius VI. gewährte dem hohen Paar mehrfach Audienz und überreichte ihm wertvolle Geschenke. In Neapel interessierte sich Herzog Albert für Naturphänomene und bestieg mit dem britischen Botschafter Sir William Hamilton den Vesuv. Marie Christine verbrachte viel Zeit mit der Hofgesellschaft und ihrer Lieblingsschwester Königin Marie Caroline, die ihr zur Abreise mehrere Gemälde von Jakob Philipp Hackert schenkte. Am Florentiner Hof Großherzog Leopolds hielt sich das Paar am längsten auf. Das Verhältnis zum Bruder war herzlich und das kulturelle und gesellschaftliche Leben bot viel Abwechslung. Albert besichtigte gleich dreimal die prachtvollen Sammlungen in den Uffizien.[2]

1776 wird der Grundstein der Sammlung gelegt[Bearbeiten]

Am Ende der Grand Tour besuchten Albert und Marie Christine die Republik Venedig. Gemäß einem Auftrag aus dem Jahr 1774 zum Aufbau einer Grafiksammlung überreichte ihnen der österreichische Botschafter Giacomo Conte Durazzo am 4. Juli 1776 über tausend Kupferstiche. Der ehemalige Direktor der Wiener Hoftheater war mit dem Paar eng befreundet und verfasste für Herzog Albert auch den Discorso Preliminare, die Gründungsurkunde der Albertina, in der er die Ordnungsprinzipien und Systematik der Sammlung festlegte. In Anlehnung an den Discours préliminaire von D´Alembert zu der mit Denis Diderot herausgegebenen Encyclopédie sollte die Kollektion nicht nur der fürstlichen Repräsentation dienen, sondern zur Erziehung und dem Wohl der Menschheit beitragen. Am selben Tag unterzeichneten die Gründungsväter der Vereinigten Staaten in Philadelphia die Declaration of Independence. Sie war das erste Grundgesetz, das auf den Prinzipien der Aufklärung basiert. Im selben Jahr schuf Maria Theresia die »peinliche Befragung« ab, Adam Weishaupt gründete in Ingolstadt den Illuminatenorden, Adam Smith publizierte The Wealth of Nations und James Cook brach zu seiner dritten und letzten Weltumsegelung auf. [2]

Das Vermächtnis[Bearbeiten]

Das Kenotaph Erzherzogin Marie Christines, o.D.

1798 starb Erzherzogin Marie Christine in Wien. Albert erteilte dem berühmtesten Bilderhauer seiner Zeit Antonio Canova den Auftrag, ein imposantes Grabmonument zu entwerfen. Canova gestaltete ein pyramidenförmiges Kenotaph, das neben dem Palais des Herzogs in der Augustinerkirche aufgestellt wurde – das erste öffentliche Grabdenkmal für eine Frau in Wien.

Die letzten Lebensjahrzehnte verbrachte Herzog Albert weitgehend von der Öffentlichkeit zurückgezogen in seinem Palais und widmete sich primär der Erweiterung seiner Sammlung. Im Jahr 1816 bestimmte Herzog Albert in seinem Testament die Sammlung zum unteilbaren und unveräußerbaren Fideikommiss.[2] Nach Alberts Tod 1822 wurde die Sammlung wie das Palais von seinem Erben Erzherzog Karl, in der Folge von den Erzherzögen Albrecht und zuletzt Friedrich, übernommen. In dieser Zeit erfolgte der weitere Ausbau der grafischen Sammlung. Sie befand sich damals allerdings ebenso wie das Palais nicht mehr im Privatbesitz eines Erzherzogs, sondern war Teil der habsburgischen Familienfonds, die mit dem Habsburgergesetz 1919 entschädigungslos in den Besitz der Republik Österreich übernommen wurden.

Direktoren und Leiter der Sammlung nach 1822:

  • Erzherzogliche Sammlung:
    • Franz Rechberger: 1822–1827 Leiter der Sammlung und 1827–1841 Direktor der Sammlung
    • Carl Sengel: 1847–1863 Direktor der Sammlung
    • Carl Müller: 1864–1868 Direktor der Sammlung
    • Moriz Thausing: 1868–1876 Leiter der Sammlung und 1876–1884 Direktor der Sammlung
    • Joseph Schönbrunner: 1884–1896 Inspektor der Sammlung und 1896–1905 Direktor der Sammlung
    • Joseph Meder: 1905–1909 Inspektor der Sammlung, 1909–3.4.1919 Direktor der Sammlung und 3.4.1919–25.12.1920 Direktor der verstaatlichten graphischen Sammlung
  • (Staatliche) Graphische Sammlung Albertina
    • Joseph Meder: 25.12.1920–1922 Direktor der Albertina
    • Alfred Stix: 1923 provisorischer Leiter der Albertina und 1923–1934 Direktor der Albertina
    • Josef Bick: 1934–1938 Direktor der Albertina und 1945–1946 Direktor der Albertina
    • Anton Reichel: 1938–1942 provisorischer Leiter der Albertina und 1942–1945 Direktor der Albertina
    • Heinrich Leporini: Februar bis Mai 1945 provisorischer Leiter der Albertina
    • George Saiko: Mai bis Juli 1945 provisorischer Leiter der Albertina
    • Josef Bick: 1945–1946 Direktor der Albertina
    • Karl Garzarolli-Thrunlackh: März bis August 1946 Leiter der Albertina und August 1946–April 1947 Direktor der Albertina
    • Otto Benesch: Mai 1947 bis Ende 1947 Leiter der Albertina und Ende 1947–1961 Direktor der AlbertinaWalter Koschatzky, 1962–1986 Direktor der Albertina
    • Erwin Mitsch: 1986–1987 interimistischer Leiter der Albertina
    • Konrad Oberhuber: 1987–1999 Direktor der Albertina
    • Klaus Albrecht Schröder: 1999 bis heute [2]

Die Albertina in der 1. Republik[Bearbeiten]

Mit dem Ende der Monarchie 1918 begann für das repräsentative Gebäude der Albertina die Zeit des Niedergangs. Nichts sollte mehr an die habsburgischen Wurzeln der Sammlung erinnern, systematisch erfolgte von nun an die Verdrängung der Geschichte des Palais, die Erinnerung an seine Bewohner und die prächtige klassizistische Ausstattung der Prunkgemächer. Im April 1919 gingen Gebäude und Sammlung in den Besitz der Republik über. 1920 wurde die Sammlung mit dem Bestand der Druckgrafiken der ehemaligen kaiserlichen Hofbibliothek vereinigt. Im selben Jahr wurden sämtliche Prunkräume für die Öffentlichkeit gesperrt und als Büros, Bibliothek oder zur Lagerung der Sammlung genutzt. Ein pfleglicher Umgang mit den kostbaren Dekorationen war nicht gegeben, wodurch das glanzvolle Kulturerbe sukzessive devastiert wurde. Von einem tatsächlichen Zerstörungswillen kann aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg gesprochen werden. Seit 1921 tragen Gebäude und Sammlung amtlich den Namen Albertina. So sehr das Gebäude auch litt, die von Herzog Albert angestrebte ständige Erweiterung der Sammlung wurde in den Jahren 1923 bis 1934 vom damaligen Direktor der Albertina, Alfred Stix, trotzdem fortgesetzt. Es gelang ihm, die Bestände durch den Erwerb von französischen und deutschen Zeichnungen des bisher kaum vertretenen 19. Jahrhunderts zu komplettieren. [2]

Die Albertina im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges widmete sich Alfred Stix weiterhin dem schwerpunktmäßigen Ausbau der österreichischen und deutschen Grafik des 19. und 20. Jahrhunderts. Am 12. März 1945 wurde die Albertina bei einem amerikanischen Bombenangriff schwer beschädigt. Anstatt das Palais danach wieder instand zu setzen, setzte man die 1919 begonnene Geschichtstilgung fort. Das ehemalige habsburgische Palais war 1952 - bei der Wiedereröffnung der „Graphische Sammlung Albertina“ - ein schmuckloses, architektonisch uninteressantes und seiner historischen Identität beraubtes Gebäude. [2]

Die Albertina war jahrzehntelang nur wenige Stunden pro Tag öffentlich zugänglich (um 1936: 27 Wochenstunden, 1959: 35 Wochenstunden) und verzeichnete geringe Besucherzahlen. Ihre wissenschaftlichen Leiter legten auf ihren Studiencharakter wesentlich mehr Wert als auf die Wirkung der Sammlung in der breiten Öffentlichkeit. Dass viele Grafiken aus konservatorischen Gründen nur selten dem Licht ausgesetzt werden durften, trug wesentlich zu dieser Haltung bei. 1962–1986 fungierte Walter Koschatzky als Direktor, der zahlreiche kunsthistorische Werke über die grafischen Künste verfasste.

Die Albertina NEU[Bearbeiten]

1999 wurde Klaus Albrecht Schröder Direktor der Albertina, die seit 1. Jänner 2000 als wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts definierten wird. Schröder wollte den prominenten Standort der Albertina nicht nur für auf Grafik beschränkte Ausstellungen nützen und gewann dazu private Partner und Dauerleihgeber. Das Haus nennt sich seitdem daher nicht mehr Grafische Sammlung Albertina, sondern nur Albertina. Es zählt heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Wiens und war 2011 59 Stunden pro Woche geöffnet.

Die Albertina wurde 2003 nach über einem Jahrzehnt der Schließung, umfassender Erweiterung, Modernisierung und sorgfältiger Restaurierung dem Publikum wieder zugänglich gemacht. Im Zuge der Restaurierung wurden fehlende Teile der in den 1950er Jahren abgeschlagenen Fassaden rekonstruiert sowie die habsburgischen Prunkräume wiederhergestellt und mit Originalmöbeln ausgestattet. Die Albertina präsentiert sich heute als eine Einheit aus Habsburgischem Palais, Sammlung und Museum. Um eine umfassende Präsentation der Sammlungen möglich zu machen, wurden vier Ausstellungshallen errichtet und die Ausstellungfläche von nur 150 m2 auf 5.000 m2 erweitert. Gleichzeitig wurde auch ein Tiefspeicher mit 5.000 Kubikmeter errichtet, der das Stadtbild nicht beeinträchtigt.[3]

Einblick in den Tiefspeicher

Mit der Neugestaltung des Entreés wurde Hans Hollein beauftragt. Besonders der so genannte „Soravia Wing“, ein auffallendes Flugdach, stand dabei im Zentrum kontroversieller und mehrheitlich eher kritischer Medienaufmerksamkeit.[4] Die Modernisierung der Infrastruktur des Museums sollte symbolisch in dem sich zur Stadt öffnenden, weit ausragenden Dach des Eingangsgebäudes nach außen treten. Psychologisch und funktional sollte außerdem der dynamische, über 60 Meter lange Flügel sowie die schräg die Bastei durchstoßende Rolltreppe und der Panoramalift den weiten Weg vom Stadtniveau auf die Bastei ins Museum verkürzen.

Einen weiteren Meilenstein in der architektonischen Erneuerung der Albertina stellte die Eröffnung des neuen Studiensaals im Jahr 2008 dar. Als Teil des unterirdischen, viergeschossigen Forschungszentrums, in dem u.a. die Bibliothek, Restaurierung und Werkstätten der Albertina untergebracht sind, wird heute im etwa 300 m² großen Studiensaal die über eine Million Werke zählende Sammlung Studierenden, Forschern und einem allgemein interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Ursprünglich sollte die Albertina bereits 2002 wieder eröffnet werden. Der Fund eines römischen Gräberfeldes mit über 130 Gräbern verzögerte aber den Umbau.[5]

Bei starken Regenfällen im Juni 2009 drang Wasser in den Tiefspeicher ein. Die Melder hatten zwar den Wassereintritt erkannt, durch diesen wurden aber die Roboter lahmgelegt. Um größere Schaden zu vermeiden, mussten 950.000 Sammelobjekte verlagert werden.[6]

Sammlungen[Bearbeiten]

Adolph Menzel: Stehende Rüstungen, 2014 an die Eigentümer restituiert

Die Albertina beherbergt drei Sammlungen (Stand April 2015):

  • Grafische Sammlung: rund 950.000 Zeichnungen und Druckgrafiken, Skulpturen und Keramiken (160)
  • Architektursammlung: 50.000 Pläne, Skizzen und Modelle
  • Fotosammlung: 101.000 Einzelobjekte

Die Sammlungsschwerpunkte der grafischen Sammlung sind:

  • Albrecht Dürer und seine Zeit
  • Die italienischen Meister der Renaissance
  • Die niederländische Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts
  • Italienischer Barock und Spätbarock
  • Französische Zeichnungen des 18. Jahrhunderts
  • Österreichische Aquarellmalerei des 19. Jahrhunderts
  • Wien um 1900
  • Klassische Moderne und Gegenwartskunst

Im Frühjahr 2007 erhielt die Albertina zudem die zuvor in Salzburg beheimatete „Sammlung Batliner“ als unbefristete Dauerleihgabe. Die Sammlung von Rita und Herbert Batliner ist eine der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen. Sie umfasst wichtige Werke der klassischen Moderne, vom französischen Impressionismus über den deutschen Expressionismus des „Blauen Reiter“ und der „Brücke“ bis zu Werken des Fauvismus oder der russischen Avantgarde von Chagall bis Malewitsch. [7] Mit dieser Sammlungserweiterung präsentiert die Albertina zum ersten Mal seit ihrem Bestehen eine Dauerausstellung aus eigenen Beständen.

Aus der Raubkunstsammlung für das Führermuseum kam nach 1945 die Gouache Stehende Rüstungen von Adolph Menzel in den Besitz der Albertina, sie wurde 2014 an die Erben des Galeristen Hermann Pächter restituiert.[8]

Sonstiges[Bearbeiten]

20 Schilling, Rückseite

Die Albertina war bis Ende 2001, als der Euro als Bargeld eingeführt wurde, auf der Rückseite des 20-Schilling-Scheins abgebildet.

Film[Bearbeiten]

  • Die Albertina in Wien. Dokumentarfilm, Deutschland, 2010, 29:30 Min., Buch und Regie: Martina Klug, Produktion: SWR, 3sat, Erstsendung: 27. Juni 2010, Reihe: Museums-Check mit Markus Brock, Inhaltsangabe und Video von 3sat, mit Alf Poier.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Albertina, Vienna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

 Christian Benedik und Klaus Albrecht Schröder: Die Gründung der Albertina - Herzog Albert und seine Zeit. 2000 Auflage. Hatje Cantz, Ostfildern, Deutschland 2014, ISBN 978-3-7757-3824-8, S. 324.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. wien.orf.at: Das bringt 2013 in der Albertina, 20. Dezember 2012
  2. a b c d e f g h i j  Christian Benedik, Klaus Albrecht Schröder, Albertina (Hrsg.): Die Gründung der Albertina - Herzog Albert und seine Zeit. 2014 (Publikation zur Ausstellung Dürer, Michelangelo, Rubens. Die 100 Meisterwerke der Albertina).
  3. Das Zentraldepot der Albertina (PDF; 90 kB)
  4. Vgl. u.a. der als Weblink beigefügte Artikel von Jan Tabor in Falter (Wochenzeitung) vom 17. Dezember 2003, und zuvor Elisabeth Leopold in Kronen-Zeitung 14. September 2003 sowie Kurier und Der Standard vom 12. Dezember 2003
  5. Umbau auf Raten, www.nextroom.at (Abgerufen am 25. Juni 2009)
  6. Albertina: Hunderte Schutzhüllen durchnässt auf ORF Wien vom 25. Juni 2009, abgerufen am 29. Juni 2009
  7.  Klaus Schröder, Susanne Berchtold, Graphische Sammlung Albertina (Hrsg.): Monet bis Picasso: die Sammlung Batliner. 2007 (Ausstellung der Albertina).
  8. Angela Hohmann: An stürmischen Tagen, in: Der Tagesspiegel, 29. November 2014, S. 30

48.20444444444416.367777777778Koordinaten: 48° 12′ 16″ N, 16° 22′ 4″ O