Mário Lemos Pires

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2:3 Historische Flagge? Flagge des Gouverneurs[1]

Mário Lemos Pires (* 30. Juni 1930 in Lamego; † 22. Mai 2009 in Lissabon) war der letzte portugiesische Gouverneur der Kolonie Portugiesisch-Timor, er amtierte vom 14. November 1974 bis zum 25. April 1976.[2] Zuletzt hatte er den Rang eines Generalmajors.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pires kämpfte in den portugiesischen Kolonialkriegen in Angola (1961 bis 1963) und Portugiesisch-Guinea (1969 bis 1971) unter General António de Spínola. Für seine Leistungen wurde Pires ausgezeichnet. Zwischen 1972 und 1973 erhielt er eine Ausbildung im U. S. Army Staff Training College in Fort Leavenworth/Kansas. Später brachte ihm dies Vorwürfe der linksorientierten FRETILIN ein, er wäre ein Faschist und Agent des US-Imperialismus. Diese und die spätere Behauptung, er habe Osttimor den Indonesiern ausgeliefert, weist Pires in seiner Autobiographie zurück.[3]

Dienst in Portugiesisch-Timor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Nelkenrevolution entsandte die neue Regierung Portugals Oberst Pires[4] als Gouverneur, um die Kolonie für die Unabhängigkeit vorzubereiten. Er traf am 18. November 1974 auf Timor ein. Eine seiner ersten Anordnungen betraf die Legalisierung von politischen Parteien, die sich bereits teilweise gegründet hatten, als Vorbereitung für freie Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung. Die beiden größten Parteien FRETILIN und UDT konnte Pires zu einer Koalition bewegen. Die APODETI verweigerte die Zusammenarbeit.[5][3]

Als sich aber für die anstehenden Wahlen eine Mehrheit für die FRETILIN abzeichnete, versuchte die UDT am 10. August 1975 einen Putsch gegen die gemeinsame Verwaltung mit der FRETILIN. Für Pires kam er vollkommen überraschend. Ein kurzer Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN entbrannter. Am 26./27. August evakuierte Pires alle portugiesischen Verwaltungs- und Militärangehörigen mit ihren Familien auf die vor der Hauptstadt Dili vorgelagerte Insel Atauro. Grund dafür war ein Telegramm aus Lissabon, das vor der Gefahr einer Geiselnahme warnte und zur Flucht auf die sichere Insel riet. Von hier aus versuchte Pires erfolglos, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Von der FRETILIN wurde er gedrängt, zurückzukehren und die Entkolonialisierung voranzutreiben, aber er bestand darauf, auf Anweisungen aus Lissabon zu warten. Schließlich setzte sich die FRETILIN im Kampf durch. Erst im Oktober erreichte die portugiesische Korvette Afonso de Cerqueira Atauro und brachte Pires erste Unterstützung vom Mutterland.[3]

Am 28. November 1975 rief die FRETILIN einseitig die Unabhängigkeit Osttimors aus, da Indonesien inzwischen damit begonnen hatte die Grenzgebiete zu besetzen. Die FRETILIN erhoffte sich durch diesen Schritt internationale Hilfe. Stattdessen begann Indonesien neun Tage später mit der Invasion in das Kernland Osttimors. Tags darauf verließ Pires die Kolonie von Atauro aus an Bord eines portugiesischen Kriegsschiffs.[6] Osttimor blieb 24 Jahre lang besetzt. Weder die Unabhängigkeitserklärung noch die Annexion wurden international anerkannt. Das Land blieb bis zu seiner endgültigen Unabhängigkeit 2002 offiziell weiterhin portugiesisches Territorium.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mário Lemos Pires: Descolonização de Timor: Missão imposível?, Lissabon, Publicações Dom Quixote, 1991.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Foto von 1965–1967
  2. Timor Lorosae 2000 (Memento vom 11. August 2005 im Internet Archive) (portugiesisch)
  3. a b c d History of Timor (PDF; 824 kB) – Technische Universität Lissabon
  4. Robert J. King, The Timor Gap 1972 - 2002 (Memento vom 5. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF; 173 kB)
  5. History and Politics - Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University
  6. Frédéric Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726-2008), Online Encyclopedia of Mass Violence
Vorgänger Amt Nachfolger
Níveo Andrade Gouverneur von Portugiesisch-Timor
1974–1976
Staatspräsident Osttimors