Dili

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dili (Begriffsklärung) aufgeführt.
Díli
Dili
Dili (Osttimor)
Dili
Dili
Koordinaten 8° 34′ S, 125° 34′ OKoordinaten: 8° 34′ S, 125° 34′ O
Dili cities rivers.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Gemeinde

Dili
Höhe 11 m
Einwohner 193.563 (2010)
Metropolregion 234.331 (2010)
Gründung 1520
Kultur
Partnerstädte SpanienSpanien Barcelona, Spanien
AustralienAustralien Canberra, Australien
PortugalPortugal Coimbra, Portugal
AustralienAustralien Darwin, Australien
PortugalPortugal Lissabon, Portugal
JapanJapan Okinawa, Japan
BrasilienBrasilien São Paulo, Brasilien
AustralienAustralien Sydney, Australien
Morgendämmerung in Dili
Morgendämmerung in Dili

Dili (Tetum Dili, portugiesisch Díli) ist die Hauptstadt und das wirtschaftliche Zentrum Osttimors. Sie ist auch die Hauptstadt der Gemeinde Dili.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Legende nach soll sich der Ortsname „Dili“ vom Tetum-Wort „ai-dila“ für die Papaya ableiten. Den Namen dieser Frucht hörten die Portugiesen demnach als erstes, als sie 1520 die Bucht von Dili erreichten.[1] Allerdings kann dies nicht stimmen, da zu dieser Zeit in der Region Mambai gesprochen wurde. „Motaél“, das Mambai-Wort für „Flussmündung“, von dem sich der Name des heutigen Stadtteils Motael und des ehemaligen, lokalen Reiches ableiten, ist ein Beleg dafür. Tetum breitete sich erst in Dili aus, als der Ort koloniale Hauptstadt wurde. Außerdem ist die Papaya eine amerikanische Frucht, die erst durch die Europäer nach Südostasien kam. Der Ursprung des Namens „Dili“ scheint vielmehr im Bunak-Wort „zili“ (deutsch „Klippe“) zu liegen, das die Klippen hinter der Stadt bezeichnet. Dies ist ein Hinweis darauf, dass in der Region noch vor den austronesischen Sprachen Mambai und Tetum wohl eine Papuasprache, wie das Bunak gesprochen wurde.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dili liegt an der Nordküste der Insel Timor. Die Stadt Dili verteilt sich über mehrere Verwaltungsämter: Cristo Rei (Ost-Dili), Dom Aleixo (West-Dili), Nain Feto (Ost-Dili) und Vera Cruz (Zentral-Dili). 18 der 26 Sucos dieser Verwaltungsämter sind als „urban“ klassifiziert und bilden Dilis Stadtteile (bairos). Sie haben eine Bevölkerungsdichte von bis zu 5.000 Einwohnern/km² und eine Fläche von 0,06 bis 2 km².[3] Die restlichen acht Sucos gelten als ländlich.

Seit November 2015 werden Straßen der Landeshauptstadt kontinuierlich umbenannt, um sie der „nationalen Prägung“„“ anzugleichen. Begonnen wurde mit 89 Straßen im Stadtzentrum. So wurde aus der Avenida de Portugal ab dem Leuchtturm in Motael die Avenida Motael und aus der Rua dos Direitos Humanos nach Süden die Avenida Nicolau Lobato.[4][5]

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt keine städtische Verwaltung für Dili. Die Funktion übernimmt die Administration der Gemeinde Dili, die ebenso für benachbarte, kleinere Orte und die Insel Atauro zuständig ist. Die Umbenennung des Distrikts Dili in eine Gemeinde erfolgte 2015. Die Administration wird, ebenso wie jene der Verwaltungsämter, von der Landesregierung ernannt. Die Sucos werden von einem gewählten Chefe de Suco und einem gewählten Rat geführt.[6] Der derzeitige Administrator ist Gaspar Soares (Stand Februar 2014).[7] Er wurde von der Landesregierung eingesetzt.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder in Dili

Die als urban definierten Sucos der Stadt Dili haben 193.563 Einwohner (Stand 2010).[8] Die Gemeinde Dili hat eine Einwohnerzahl von 234.331 (Stand 2010),[8] beinhaltet aber auch ländliche Gebiete, wie zum Beispiel die Verwaltungsämter Atauro und Metinaro.

Dili ist ein Schmelztiegel der verschiedenen Volksgruppen Osttimors. Aus dem ganzen Land kommen vor allem junge Männer nach Dili auf der Suche nach Arbeit. Daher ist der Männeranteil deutlich höher als der Frauenanteil. In der gesamten Gemeinde Dili nahm die Bevölkerung zwischen 2001 und 2004 um 12,58 % zu. Fast 80.000 der Einwohner sind außerhalb Dilis geboren worden. Nur 54 % der Einwohner sind hier geboren worden. 7 % wurden in Baucau geboren, je 5 % in Viqueque und Bobonaro, 4 % in Ermera, der Rest in den anderen Gemeinden oder im Ausland.[9]

Die unterschiedliche Herkunft ist nicht unproblematisch. Vor allem Straßenbanden aus den verschiedenen Landesteilen (Loro Munu und Loro Sae) geraten immer wieder aneinander. Höhepunkt waren die Unruhen in Osttimor 2006. Grund sind verschiedene Ressentiments zwischen den Gruppen, aber auch wirtschaftliche Interessen. So gab es einen Konflikt zwischen Bunaks aus Bobonaro und Ermera und Makasaes aus Baucau und Viqueque um die Dominanz auf dem Markt.[10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Dilis
Wappen von Dili, 1952 bis 1975

Kolonialzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erreichten die Portugiesen 1520 die Bucht von Dili und errichteten dort kurz darauf einen kleinen Posten. Die kleine Ansiedlung wurde zur Hauptstadt ihrer Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln gemacht, nachdem die Portugiesen von den Topasses am 11. August 1769 aus Lifau im Westen der Insel vertrieben worden waren. Am 10. Oktober 1769 begann Gouverneur António José Teles de Meneses mit dem Bau der neuen Hauptstadt.[11] Die Stadtrechte erhielt der Ort im Januar 1864.

Portugal war während des Zweiten Weltkrieges neutral. Allerdings befürchteten die Alliierten, dass das militärisch schwache Portugiesisch-Timor von den Japanern als Brücke nach Australien verwendet werden könnte, weswegen Niederländer und Australier 1941 die Kolonie kurzzeitig besetzten. In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1942 griffen die Japaner mit 20.000 Mann an und besetzten Dili und nach und nach den Rest Timors. Am 26. September 1945 fand die offizielle Zeremonie der Kapitulation der Japaner in Portugiesisch-Timor und der Rückgabe der Macht an Portugal in Dili statt.

Hauptartikel: Schlacht um Timor

Nach der Nelkenrevolution 1974 sollte die Kolonie auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden, doch als sich eine Dominanz der linksgerichteten FRETILIN abzeichnete, kam es 1975 in Dili zu Straßenkämpfen zwischen ihr und der konservativen UDT. Portugals letzter Gouverneur Mário Lemos Pires floh auf die Dili vorgelagerte Insel Atauro, von wo aus er erfolglos versuchte, zwischen den Parteien zu vermitteln. Die FRETILIN ging aus den Kämpfen als Sieger vor, doch inzwischen hatte Indonesien begonnen, mit als UDT-Anhängern getarnten Truppen nach und nach das Grenzland zu besetzen. Angesichts der Bedrohung hoffte die FRETILIN auf internationale Unterstützung und erklärte daher am 28. November 1975 Osttimor von Portugal unabhängig. Neun Tage später, am 7. Dezember, begannen indonesische Truppen offiziell mit der Invasion des Landes und besetzten Dili.

Indonesische Besatzungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

8. September 1999: Dili in Flammen

Unter dem FALINTIL-Chef Xanana Gusmão begann der timoresische Widerstand, mit Guerillataktiken gegen die Besatzer vorzugehen. Am 10. Juni 1980 griffen FALINTIL-Einheiten einen Fernsehsender am Rande der Hauptstadt Dili an. Am 12. November 1991 forderte ein Massaker durch das indonesische Militär nach einer Beerdigung auf dem Friedhof von Santa Cruz (siehe dazu: Santa-Cruz-Massaker) über 200 Todesopfer.

1999 kam es im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendum am 30. August zu einer letzten Gewaltwelle unter der indonesischen Besatzungsmacht. Pro-indonesische Milizen zerstörten die Infrastruktur, brannten Häuser nieder und vertrieben Menschen. Am 17. April starben 14 Menschen bei einem Massaker im Haus des Politikers Manuel Carrascalão, in dem zahlreiche Flüchtlinge Schutz gesucht hatten. Nach dem Referendum am 30. August, eskalierte die Gewalt nochmals. Als am 4. September das Ergebnis veröffentlicht wurde, das sich für die Unabhängigkeit aussprach, zogen die Milizen plündernd und mordend durch die Stadt. Mehr als 50 % der Häuser wurden beschädigt oder zerstört.[12] Am 20. September 1999 landeten die ersten Einheiten der internationalen Friedenstruppe INTERFET auf dem Flughafen bei Dili. Die Vereinten Nationen übernahmen die Verwaltung des Landes. Am 20. Mai 2002 wurde Dili schließlich Hauptstadt des unabhängigen Staates Osttimor.

Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flüchtlingslager in Balide 2006

Einen Tag nach der Verhaftung eines Studenten wurden am 4. Dezember 2002 bei Unruhen in Dili und anderen Orten Osttimors das Haus von Premierminister Marí Alkatiri, Regierungsfahrzeuge und Geschäfte von chinesischen Händlern angezündet. Fünf Demonstranten wurden dabei durch die Polizei erschossen.

Ende April bis Oktober 2006 erschütterten die schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit die Hauptstadt und das Land, nachdem 600 Soldaten der Streitkräfte aufgrund von Missständen desertiert waren. Zusätzlich bekämpften sich Jugendbanden aus dem West- und dem Ostteil des Landes. Tausende Häuser wurden niedergebrannt, mindestens 45 Menschen starben. Schließlich musste Premierminister Alkatiri zurücktreten. Auch der Einsatz einer internationalen Interventionstruppe konnte zuerst nicht für Ruhe sorgen. Seit dem 13. September ist eine neue Polizeimission der Vereinten Nationen im Einsatz. Ein Großteil der Einwohner Dilis musste in Flüchtlingslagern und Kirchen Zuflucht suchen.

Hauptartikel: Unruhen in Osttimor 2006

Am 11. Februar 2008 führte der Chef der Rebellen Alfredo Reinado einige seiner Männer nach Dili. Es kam zu einem Feuergefecht im Wohnhaus von Staatspräsident José Ramos-Horta, bei dem Reinado und ein weiterer Rebell ums Leben kamen und der Staatspräsident und einer seiner Leibwächter schwer verletzt wurden. Kurz darauf überfielen Rebellen auch das Wohnhaus und die Wagenkolonne von Premierminister Xanana Gusmão, der aber unverletzt entkommen konnte. Es wurde der Notstand ausgerufen und 1.000 Polizisten und Soldaten durchsuchten die Stadt und nähere Umgebung nach den Tätern.

Wichtige Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungspalast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1960 fertiggestellte Regierungspalast ist der Sitz des Premierministers von Osttimor und der Regierung. Er orientiert sich in seinem Aussehen an den Gebäuden des Praça do Comércios, dem Hauptplatz in Lissabon. Der Regierungspalast steht nicht weit vom Ufer der Bucht entfernt. Die Straße, die am Palast vorbeiführt, ist das Handelszentrum Dilis. Hinter dem Palast befindet sich das Nationalparlament und das Finanzministerium.

Präsidentenpalast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juli 2007 wurde der Grundstein für den neuen Präsidentenpalast Osttimors im Westen Dilis gelegt. Das Gebäude wurde von der Volksrepublik China finanziert. Zuvor befand sich hier ein Hubschrauberlandeplatz der Internationalen Stabilisierungskräfte. Das Gebäude trägt den Namen Palast der Hoffnung und wurde im April 2009 fertiggestellt. Die Einweihung erfolgte am 27. August 2009. Der zentrale Bereich des Palastes trägt ein steil ansteigendes, blaues Dach, das dem timoresischen Stil nachempfunden ist.[13] In der Eingangshalle des Palastes findet sich eine Dinosaurierausstellung mit dem Skelett eines Tarbosaurus bataar, eines Verwandten des Tyrannosaurus. Das Skelett wurde in der Mongolei ausgegraben und ist eine Leihgabe der Monash University, als Unterstützung für die Bildung von Schulkindern. Oftmals werden Gäste und neue Botschafter vor dem Dinosaurierskelett begrüßt.[14]

Casa Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude ist die ehemalige Tranqueira (Lagerhaus) der alten portugiesischen Festung Dili aus dem Jahr 1769. Das Lagerhaus selbst wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Es diente ab 1895 als Baracke der portugiesischen Infanterie, nach dem Zweiten Weltkrieg der Artillerie und in den 1960ern gehörte es der Companhia de Intendência, dem Quartiermeister. Nach der Invasion übernahm das indonesische Militär das Gebäude. Zwischen 2000 und 2002 wurde das Gebäude renoviert und 2007 der Europäischen Kommission übergeben. Das bis dahin Uma Fukun genannte Gebäude erhielt seinen neuen Namen: Casa Europa („Europahaus“). In der Vertretung der Europäischen Union finden regelmäßig Veranstaltungen statt, wie Ausstellungen und Filmvorführungen. 2008 wurde das gelbe Casa Europa nach einer erneuten Renovierung offiziell eingeweiht.[15]

Palácio de Lahane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Palácio de Lahane war ab 1860 die Residenz des Gouverneurs von Portugiesisch-Timor, anderthalb Kilometer südlich des Stadtzentrums, in den Bergen. Das Gebäude wurde 1999 schwer beschädigt, ist aber inzwischen wieder aufgebaut Als im Februar 2013 der Präsidentenpalast durch Überflutungen mit Schlamm verunreinigt wurde, diente der Palácio de Lahane als vorübergehendes Büro des Staatspräsidenten.[16]

Mercado Municipal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mercado Municipal (Stadtmarkt) ist ein weiteres Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit. Allerdings wird das rot-weiße Bauwerk nicht mehr als Markt verwendet, sondern ist nun ein Gelände für internationale Messen.

Finanzministerium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude des Finanzministeriums ist mit elf Stockwerken das bisher höchste Gebäude Osttimors. Es wurde 2014 von einer indonesischen Firma fertiggestellt und hat 20.000 Quadratmeter Fläche. Die Baukosten betrugen 22 Millionen US-Dollar.[17]

Religiöse Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dili ist Sitz des Bistums Dili. Die wichtigste Kirche Dilis ist die Catedral da Imaculada Conceição (Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis) in Vila Verde, die größte Kirche Südostasiens.[18] Der moderne Bau wurde 1988 vom indonesischen Präsidenten Suharto eröffnet und ein Jahr später von Papst Johannes Paul II. geweiht. 2009 wurde sie renoviert. Die 1940 gebaute Kathedrale Sé de Díli wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Die Kirche Santo António de Motael im portugiesischen Stil ist die älteste, bestehende Kirche in Osttimor, auch wenn sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und 1955 wieder aufgebaut werden musste. Der erste Bau stammt aus der Zeit um das Jahr 1800.[19][20]

Die Annur-Moschee, Osttimors größte Moschee befindet sich im ehemaligen arabischen Viertel Kampung Alor.

Der chinesische Guandi-Tempel liegt in direkter Nachbarschaft zum Regierungspalast im Suco Gricenfor. Die etwa 30 cm hohe Buddhastatue im Tempel wurde 1926 aus China nach Dili gebracht und zunächst in einer Garage verehrt. 1928 wurde mit Genehmigung der portugiesischen Kolonialregierung der heutige Tempel errichtet.[21] Der 1889 gegründete Chinesische Friedhof befindet sich im Westen von Taibesi.

Der Hindutempel von Dili liegt nahe dem Markt von Taibesi. Der etwas verlassen wirkende Tempel wurde in der Zeit der indonesischen Besatzung gebaut, wohl für Einwanderer aus Indonesien, denn eine traditionelle hinduistische Bevölkerung gab es nicht in Osttimor und auch heute bezeichnen sich nur weniger als 200 Osttimoresen als Hinduisten.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cristo Rei

Wahrzeichen Dilis ist Cristo Rei (Chritu Rei), die große Jesusstatue, die vom östlichen Ende der Bucht die Stadt überblickt. Daneben gibt es verschiedene Denkmäler, zumeist aus der portugiesischen Kolonialzeit, aber auch aus der Zeit der indonesischen Besatzung und dem unabhängigen Osttimor.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archiv & Museum des timoresischen Widerstands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archiv & Museum des timoresischen Widerstands

Das Archiv & Museum des timoresischen Widerstands zeigt Fotos, einige Gegenstände, wie Waffen und Ausrüstungsgegenstände und Artikel aus der Zeit der indonesischen Besatzung. Dabei werden sowohl der Kampf der FALINTIL-Guerilla gegen Indonesien, als auch die Massaker der Besatzungsmacht dargestellt. Im Lesesaal kann man über Computer auf das elektronische Archiv kostenlos zugreifen.

Arte Moris Kunstschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Arte Moris hat Osttimors erste Künstlervereinigung und Kunstschule für Theater und bildende Kunst ihren Sitz in Dili (Stadtteil Comoro). Sie wurde im Februar 2003 gegründet. Ihr Hauptziel sollte Kunst als ein Baustein im psychologischen und sozialen Wiederaufbau von einem Land, das von Gewalttätigkeit verwüstet worden ist, mit besonderer Betonung auf die Hilfe seiner jungen Bürger. Die Idee zu diesem Projekt hatten die Schweizer Luca und Gabriela Gansser. Die bei Arte Moris entstehende Kunst, Gemälde und Skulpturen, ist vom Stil her sehr breit gefächert, oft aber surrealistisch und zeigt kulturelle Aspekte aus den unterschiedlichen Regionen des Landes. Kunstwerke können hier auch erworben werden. Die Kunstschule hat auch eine Theatergruppe.

Xanana Reading Room[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Biblioteca Xanana Gusmão ist eine Mischung aus Museum und Bibliothek in einem rot-weißen Kolonialgebäude. Neben Büchern finden sich hier Fotos und Filmmaterial.

Gefängnis Comarca[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Gefängnis Comarca in Balide stammt noch aus der portugiesischen Kolonialzeit. Während der indonesischen Besetzung wurden hier tausende politische Gefangene gefoltert. Die letzten Insassen wurden im September 1999 befreit. Unter der Verwaltung durch die UN wurde das verlassene Gebäude ab Januar 2002 renoviert und ab dem 17. Februar 2003 zum Sitz der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission (CAVR). 65 Graffiti von osttimoresischen Künstlern erzählen von der Zeit der Besatzung. Die acht Einzelhaftzellen wurden im Originalzustand belassen. Außerdem gibt es eine Bibliothek und ein Dokumentationszentrum. Seit Ende der Arbeit der CAVR führt die Erinnerungsstätte die Vereinigung ehemaliger politischer Gefangener (ASSEPOL).

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimadiagramm von Dili
Regenzeit in Dili

Dilis Klima ist typisch für die Nordküste Osttimors. In der Trockenzeit werden Temperaturen bis über 35 °C erreicht, nachts sinkt das Thermometer auf 20 °C. In der Regenzeit liegt die Temperatur bei etwa 27 °C. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 26,7 °C. Regen fällt fast nur in der Regenzeit von Ende November bis April. Dann können die Straßen Dilis durch die Regenmengen schon mal unter Wasser stehen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1000 mm. Der Wind weht in Dili im Monatsdurchschnitt am schwächsten im Mai mit 7 km/h und am stärksten im August mit 12 km/h.[22]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude in traditionellem Stil am Hafen

Dili ist die wichtigste Hafenstadt Osttimors. Fähren verbinden die Stadt mit der vorgelagerten Insel Atauro und der osttimoresischen Exklave Oecusse. Der Flughafen Presidente Nicolau Lobato International Airport wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Er ist nach dem osttimoresischen Premierminister vor der indonesischen Besetzung, späteren Präsidenten und Freiheitskämpfer Nicolau dos Reis Lobato benannt. Busse verbinden die Hauptstadt mit den anderen Orten im Land. Besser ausgebaute Überlandstraßen führen durch Dili entlang der Küste von West nach Ost und nach Süden in das Landesinnere Richtung Aileu.

26,2 % der Haushalte in der Gemeinde Dili (mit Atauro und den ländlichen Gebieten im Osten und Süden) betreiben Ackerbau, 50,1 % Viehzucht (Stand: 2010).[23] An den Küsten wird gefischt. In Metinaro wird etwas Reis angebaut (1 % aller Haushalte in der Gemeinde Dili), in den Bergen gibt es Obstbäume und in der Stadt haben die Einwohner kleine Küchengärten. Von allen Haushalten in der Gemeinde bauen 15 % Kokosnusspalmen an, 10 % Gemüse, 3 % Kaffee, 17 % Maniok (Produktion 2008: 1.129 t) und ebenso viele Mais (1.885 t).[24][25] Als Haustiere halten die Menschen hauptsächlich Hühner (69.310 in 34 % der Haushalte) und Schweine (28.571, 36 %). Daneben auch Ziegen (14.486, 10 %), Rinder (3.597, 2 %), Wasserbüffel (1.467, 1 %), Schafe (1.784, 1 %) und Pferde (1.430, 1 %).[24] Mit 48 % arbeiten zudem so viele Timoresen in Dienstleistungsbereichen, (zum Beispiel Verwaltung, Hotelgewerbe und Transport), wie in keiner anderen Gemeinde des Landes.

Abgesehen über den Landweg von Westtimor aus reisen die meisten Touristen über Dilis Flughafen nach Osttimor ein. Neben den architektonischen und historischen Sehenswürdigkeiten finden sich mehrere Tauchplätze mit Korallenriffen, teils direkt an den Stränden der Stadt.[26]

Die Versorgung der Bevölkerung erfolgt hauptsächlich über Straßenmärkte und kleine Geschäfte. 2011 eröffnete mit dem Timor Plaza Osttimors erstes Einkaufszentrum.[27]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei kommunale Radiosender senden aus Dili: Lorico Lian (FM 100,5 MHz) und Rakambian (FM 99,5 MHz).[28] Außerdem gibt es den englischsprachigen Sender M3 Radio Dili 88.8 FM, den landesweiten öffentlichen Sender Radio Nacional de Timor Leste (RTL), den katholischen Sender Radio Timor Kmanek RTK und den FRETILIN-Sender Radio Maubere (FM 99,9 MHz).

Auch die Fernsehsender Osttimors haben alle ihren Sitz in Dili.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nationaluniversität von Timor-Leste UNTL hat zurzeit fünf Fakultäten. Landwirtschaft, Politikwissenschaft, Wirtschaft, Lehramt und Ingenieurwesen. Im Juli 2001 wurden das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Centro Nacional de Investigação Científica) und das Nationale Institut für Linguistik (Instituto Nacional de Linguística) gegründet. Eine weitere Universität ist die private Universidade da Paz (UNPAZ). Von der Agência Nacional para a Avaliação e Acreditação Académica (ANAAA) als Hochschule akkreditiert sind in Dili außerdem das Institute of Business (IOB), das Dili Institute of Technology (DIT), das Instituto Ciencias Religiosa (ICR), das Instituto Professional de Canossa (IPDC) und das Instituto Superior Cristal (ISC).[29]

2009 wurde mit der Hadahur Music School auch die erste Musikschule des Landes im Stadtteil Becora eröffnet.

Weitere Bildungseinrichtungen sind unter anderem die Dili International School (DIS), das Instituto Camões (portugiesische Kulturzentrum) und das Colégio de São José.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nationalstadion von Osttimor im Stadtteil Audian finden die Finalspiele der nationalen Ligen Taça Digicel und Super Liga Timorense statt. Zur Taça Digicel gehören aus Dili die Mannschaften Dili Leste (Dili Ost) und Dili Oeste (Dili West). Dili Leste gewann 2010 und 2011 das Finale.

Jährlich startet und endet in Dili die Tour de Timor, eines der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt. Außerdem findet jährlich der Dili-Marathon statt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit folgenden Städten bestehen Partnerschaften:[30]

Persönlichkeiten aus Dili[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Fatuhada aus der Luft

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dili – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Dili – Reiseführer
 Wiktionary: Dili – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Phillip Adams, Late Night Live in Timor.Leste
  2. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, abgerufen am 28. September 2014.
  3. Government of Timor-Leste: Administrative Division (englisch)
  4. SAPO: Nova toponímia de Díli começa a ser implementada com 89 ruas, 30. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015.
  5. Observador: Timor-Leste: novos nomes para as ruas de Díli, 30. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015.
  6. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (PDF-Datei; 315 kB)
  7. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Dili, abgerufen am 7. Februar 2014
  8. a b Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  9. Census of Population and Housing Atlas 2004
  10. ETAN, 15. September 2006, A Survey of Gangs and Youth Groups in Dili, Timor-Leste 2006 (PDF; 3,1 MB)
  11. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  12. Dili District Development Plan 2002/2003 (englisch; PDF; 471 kB)
  13. Bild des neuen Präsidentenpalastes
  14. Dinosaurs in the Presidential Palace
  15. Delegation of the European Union to Timor-Leste (Memento vom 4. März 2015 im Internet Archive)
  16. Radio Timor-Leste: PR TMR moves to Lahane because of flood, 18. Februar 2013
  17. Paul Cleary: Peace in East Timor at cost of economic dignity, The Australian, 7. Februar 2015, abgerufen am 7. Februar 2015.
  18. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1 @2 Vorlage:Toter Link/dilimarathon.comDili Marathon: In and around Dili
  19. Tony Wheeler, Xanana Gusmao, Kristy Sword-Gusmao: East Timor. Lonely Planet, London 2004, ISBN 1-74059-644-7
  20. Timor Tourism: Motael Church, abgerufen am 16. September 2015.
  21. Timor Tourism: The Chinese Temple, abgerufen am 16. September 2015.
  22. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  23. Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  24. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  25. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  26. Dive Timor
  27. Timor Plaza (Memento vom 29. November 2012 im Webarchiv archive.is)
  28. ARKTL – Asosiasaun Radio Komunidade Timor-Leste (englisch)
  29. Agência Nacional para a Avaliação e Acreditação Académica: Accredited Institutions, abgerufen am 14. August 2014.
  30. Webseite des Außenministeriums Osttimors (Memento vom 15. Mai 2013 im Internet Archive), abgerufen 15. Mai 2013.