Mühlen in Weimar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Taubacher Mühle und Wehr

Einleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühlen in Weimar waren einst noch zahlreicher als heute. Nachfolgendes ist eine Übersicht und kann keine Vollständigkeit für sich beanspruchen. Nachgewiesen sind Wassermühlen als die zahlreichsten an der Ilm und ihren Zu- und Nebenflüssen, und Windmühlen sowohl Bockwindmühlen als auch zumindest eine Holländerwindmühle. Wie viele Mühlen es zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegeben hatte, vermittelt ein Plan der Gegend zwischen Weimar Belvedere und Tiefurth aufgenommen von F. L. Güssefeld von Franz Ludwig Güssefeld von 1808.[1] Mindestens zwei einschneidende Ereignisse oder Prozesse beeinflussten auch den Mühlenbetrieb in Weimar. Das waren die Thüringer Sintflut von 1613 und die Industrialisierung. Gegen Letztere mit Dampfkraft und Elektrizität hatten die Mühlen keine Chance. Sie waren im Laufe des 19. Jahrhunderts dieser Konkurrenz nicht mehr gewachsen. In Weimar wurde auch die Muskelkraft der Tiere im Mühlenbetrieb genutzt, wie es mit der Rossmühle in Oberweimar der Fall gewesen war. Pferde dienten nicht nur dem Transport und dem Reiten.[2]

Eine noch aktiv betriebene Mühle gibt es in Weimar nicht mehr.

Windmühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Umkreis von Weimar sind zwei Windmühlenstandorte belegt. Das sind Wallendorf und die Holländerwindmühle in der Windmühlenstraße. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sollen im Umkreis von Weimarschs oder sieben Windmühlen existiert haben. Nach 1709 sollen es gar zwanzig gewesen sein, was eine Beschwerde eines Wassermühlenbesitzers behauptet. Diese Zahl scheint wohl zu hoch gewesen zu sein.[3] Allerdings darf angenommen werden, dass die Zahl der Windmühlen in Weimar und näherer Umgebung größer gewesen war, als heute bekannt ist.

Bockwindmühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bockwindmühlen gibt es heute in Weimar keine mehr. Früher standen zwei davon in Wallendorf; eine Zeichnung des Ortes lässt deren Bautyp klar erkennen.[4]

In der Bastille des Weimarer Stadtschlosses gibt es eine Zeichnung an der Wand, die eine Bockwindmühle zeigt. Die Herkunft ist unbekannt. Sicher ist nur, dass die Nutzung der Gefängniszelle vom 16. Jahrhundert bis 1803 reichte.[5]

Holländerwindmühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa Sauckel in Weimar, Gartenseite

Wassermühlen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lottenmühle in Weimar in Richtung Paul-Schneider-Straße
  • Die Mühle in Taubach ist die älteste Mühle Thüringens. Sie wurde bereits 1120 erwähnt.
  • Die Lottenmühle ist in wesentlichen Teilen noch erhalten. Sie wurde 1887 stillgelegt. Durch Maria Gertraude Schmidt und den durch sie verübten Kindsmord bekam diese eine weitere historisch bedeutsame Komponente. Sie ist eine noch erhaltene der vier Mühlen am Lottenbach. Eine weitere ist nur als Gästehaus in Wallendorf noch erhalten. Dieser Bau stammt aber aus dem 19. Jahrhundert, da die Wassermühle vorher abgebrannt war. Die Wallendorfer Mühle wurde 1375 ersterwähnt. Die Federwischmühle ist nicht mehr erhalten. Auf dem Gelände wurde der Sophienstiftsplatz angelegt. Sie wurde 1410 ersterwähnt und 1875 stillgelegt.[6] Das einzige Foto wurde um 1870 von Wilhelm Hartan aufgenommen.[7][8] Die Federwischmühle hatte ihren von ihrem Besitzer Clavis Verderwusch her. Zunächst war sie reine Getreidemühle. Um 1426 wurde sie noch als Waidmole erwähnt.[9] Auch die Bornmühle, die 1375 ersterwähnt und 1829 stillgelegt wurde, ist nicht erhalten. Nur der Name Bornberg deutet auf sie hin. Sie war die am zentrumnächsten gelegene Mühle in Weimar.
  • Die Niedermühle, später genannt Carlsmühle ist die größte der noch erhaltenen Mühlen in Weimar, aber längst nicht mehr in Betrieb. Die Magd Johanna Catharina Höhn aus dieser Mühle sollte die Frage nach der Todesstrafe nicht unwesentlich befeuern. Sie selbst wurde 1783 wegen Kindsmordes hingerichtet. Bei der Urteilsfindung war auch Goethe beteiligt.
  • Die Vereinsmühle (Am Kirschberg 36) von 1845 als Mühle eines Mühlenbauvereines der Weimarer Bäckermeister und damit vom Zweck her eine Getreidemühle, hatte eine wechselvolle Vorgeschichte. Im 13. bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts war sie Walkmühle, 1613 beim Hochwasser zerstört, dann ca. 1735 wieder errichtet als Pulvermühle und bei einer Explosion abermals zerstört.
  • Am Papierbach befinden sich die Klostermühle bzw. die Papiermühle von Oberweimar. An der Klostermühle vorbei befindet sich eine Brücke zum Pappelgraben, die die Ilm in Richtung Ehringsdorf überquert. Der Klosterweg inklusive dieser Brücke steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar. Der weiterführende Weg heißt Pappelallee. Eine weitere ist die Walkmühle (Oberweimar), Taubacher Straße 14, in der sich ein Kanuverein befindet.

Rossmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberweimar befand sich eine Mühle, die Rossmühle genannt wurde. Diese war eine Göpelanlage, die eine kleine Schrotmühle antrieb. Sie gehörte zur Brauerei in Oberweimar.[10]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühlen unterscheiden sich nicht nur in der Bau- und Betriebsart von einander, sondern auch in ihrer Nutzung. Selbst die Namen von Gewässern, an denen diese lagen, weisen manchmal darauf hin. So ist es mit dem Papierbach in Oberweimar der Fall. Die Papiermühle selbst hat sich noch erhalten. Außerdem gibt es Öl- und Getreidemühlen, Polier- oder Schleifmühlen. Auch gab es Pulvermühlen. Die heute als Vereinsmühle bekannte Mühle am Kirschberg hatte Vorgänger. Einer davon ist um 1745 explodiert.[11] Eine Pulvermühle, die sich in den herzoglichen Gärten befand, ging mit dem Hochwasser von 1613 unter. Diese um 1511 erwähnte Mühle ist restlos verschwunden und nicht mehr lokalisierbar. Ebenso erging es einer dort befindlichen Getreidemühle, erbaut 1564 und einer Poliermühle, erbaut 1507. In dieser wurden u. a. Epitaphien für die herzoglichen Gräber in der Stadtkirche bearbeitet.[12] Es gab zudem in Weimar Walkmühlen. Eine ist die Vereinsmühle, die außer als Getreidemühle zuvor als Pulvermühle diente und explodierte und eine die Walkmühle (Oberweimar). Die Weimarer Münzprägeanstalten, die mit Wasserkraft betrieben wurden, sind ebenfalls zu erwähnen. Die 1618 bzw. 1679 erbauten Münzen sind baulich nicht mehr lokalisierbar.[13] Auch gab es Schleif- oder Poliermühlen beziehungsweise Schneidmühlen. Zum Beispiel wurde als Schneidmühle auch die Vereinsmühle genutzt. Zeitweilig war das auch mit der Burgmühle der Fall.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016.
  • Hannelore Henze: Streifzüge durch das alte Weimar, unter Mitarbeit von Ilse-Sibylle Stapff, Weimar 2004, S. 32. ISBN 978-3-86160-156-2, Kap. Weimarer Mühlen, S. 30 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 112.
  2. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 75–103.
  3. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Band 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 141.
  4. Detaillierte Informationen zur Siedlungsgeschichte Wallendorfs insbesondere mit Blick auf seine Mühlen in: Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Band 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 142–149, Kap. 4.1.: Die Wallendorfer Mühlen. Zu den Windmühlen: Hier S. 142 f. und 147–149. Zur Wassermühle: S. 146 f. Die genannte Zeichnung befindet sich im Besitz der Klassikstiftung Weimar unter KSW, Museen, Inv.-Nr. Gr.-2008/25522.
  5. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Band 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 140.
  6. Weimar Sophienstiftsplatz/Bauhistorische Untersuchung
  7. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 118.
  8. Federwischmühle auf Zeitsprung.animaux.de
  9. Hannelore Henze: Streifzüge durch das alte Weimar, unter Mitarbeit von Ilse-Sibylle Stapff, Weimar 2004, S. 32. ISBN 978-3-86160-156-2, S. 32.
  10. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 87 ff.
  11. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 115.
  12. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016,, S. 114. Vgl. Wolfgang Huschke: Die Geschichte des Parkes von Weimar (=Thüringische Archivstudien, hrsg. von Willy Flach), Weimar 1951, S. 16 f.
  13. Axel Stefek (Hrsg.): Energie in Weimar: Vom Mittelalter bis in die Neuere Zeit (= Energiegeschichte der Stadt Weimar. Bd. 1). Hrsg. von der Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH durch Axel Stefek. Weimar 2016, S. 115.