BayWa

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BayWa AG
Logo der BayWa AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005194062
Gründung 1923
Sitz München

Leitung

Mitarbeiter 16.935 (2014)[1]
Umsatz 15,2 Mrd. EUR (2014)
Branche Handelsunternehmen
Website www.baywa.de

Die BayWa AG (bis Juli 1972: Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG) ist ein deutsches Groß- und Einzelhandels­unternehmen mit Sitz in München.

Geschäftssegmente[Bearbeiten]

Die BayWa ist ein international tätiger Handels- und Dienstleistungskonzern. In den Unternehmenssegmenten Agrar, Energie und Bau bilden der Handel und Logistik die übergreifenden Kernkompetenzen.

Segment Agrar[Bearbeiten]

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Das Agrargeschäft trägt traditionell den größten Teil zum Umsatz des Unternehmens bei. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erreichte dieses Segment eine Quote von 48 Prozent. Ausgehend von ihrem geografischen Kerngebiet in Deutschland und Österreich ist die BayWa im Segment Agrar heute weltweit aktiv. In Österreich ist die BayWa im Agrargeschäft über Tochtergesellschaften tätig, in ausgewählten Staaten Mittel- und Osteuropas mit eigenen Landesgesellschaften aktiv. Im Obstgeschäft hat sich die BayWa über Turners & Growers (T & G Global Limited) den neuseeländischen Markt erschlossen sowie Zugang zum amerikanischen Kontinent, nach Australien und Asien erhalten. Und auch im Agrarhandel wurden die internationalen Aktivitäten in 2012/13 durch den Erwerb des weltweit tätigen Dienstleistungs-, Logistik-, und Handelsunternehmens Cefetra B.V. und die Mehrheitsbeteiligung an der Bohnhorst Agrarhandel GmbH ausgeweitet.

Das Segment Agrar gliedert sich in die drei Sparten Agrarhandel, Obst und Technik:

Agrarhandel

In diesem Bereich versorgt das Unternehmen die Landwirtschaft mit Betriebsmitteln wie Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie Futtermitteln zur Viehhaltung. Zu den wichtigsten Leistungen im Agrarhandel zählen die Erfassung, Aufbereitung, Trocknung, Lagerung und Vermarktung der Ernte. Getreide und Ölsaaten sind mit einem Vermarktungsvolumen von insgesamt rund 5,4 Mio. Tonnen im Getreidejahr 2011/12 für die BayWa die bedeutendsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse.

Obst

In Deutschland ist die BayWa einer der größten Vermarkter für deutsches Tafelkernobst. Der biologische Anbau macht rund 15 Prozent der gesamten Erntemenge von Kernobst bei der BayWa-Sparte Obst aus. So produzieren lokale Familienbetriebe in der Region rund um Ravensburg vornehmlich nach den Richtlinien des Bioland- und Naturlandverbands. Die BayWa ist beteiligt an der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft und hat das Kernobstgeschäft der VOG Ingelheim übernommen. Ebenfalls in dieser Sparte geführt wird das internationale Obstgeschäft von Turners & Growers. Im November 2014 gab die BayWa bekannt, den Obsthandel künftig in eine eigene Tochtergesellschaft BayWa Obst GmbH & Co. KG auszulagern.[2] Anfang 2016 erwarb die BayWa einen Mehrheitsanteil an TFC Holland, einem niederländischen Importeur exotischer Früchte.[3]

Technik

Mit dieser Sparte deckt das Unternehmen die Landtechnik ab. Die Produktpalette umfasst die Land- und Forsttechnik inklusive Milch- und Fütterungstechnik, die Kommunaltechnik sowie den Bau von Ställen und Stalleinrichtungen. Aber auch Anlagen mit spezifischen Anforderungen sowie der landwirtschaftliche Fachbedarf und Ersatzteile gehören dazu.

Segment Energie[Bearbeiten]

Das Segment Energie stellt das zweitgrößte Kerngeschäftsfeld des Unternehmens dar. Es umfasst zum einen den Vertrieb von fossilen und regenerativen Brennstoffen und zum anderen die in der Holdinggesellschaft BayWa r.e. renewable energy GmbH gebündelten Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien.

Vertrieb von Energieprodukten

Bei den erneuerbaren Energien bietet sie verschiedene Produkte und Dienstleistungen an, die vom Service bei Biogasanlagen und den Handel mit Photovoltaikanlagen bis zum Vertrieb alternativer Energieträger wie Bio-Heizöl, Bio-Diesel oder Holzpellets sowie Ökogas und Ökostrom reichen. Der Ökostrom wird zu 100 % aus Laufwasserkraftwerken in den BayWa-Regionen erzeugt.

BayWa r.e. renewable energy

Die BayWa r.e. renewable energy GmbH mit den Bereichen Photovoltaik, Windenergie und Biogas ist eine hundertprozentige Tochter der BayWa AG. Sie verfügt über Standorte in Deutschland (Hauptsitz), Österreich, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, Polen, Ungarn, Dänemark und den USA. Über Tochtergesellschaften der BayWa r.e., die europaweit und in den USA auf den Gebieten Biogas-, Solar- und Windkraftanlagen tätig sind, ist die BayWa als Projektentwickler und Händler für Anlagen in der Branche der regenerativen Energien aktiv.

Segment Bau[Bearbeiten]

Mit dem Vertrieb von Baustoffen und Baudienstleistungen trägt das Segment Bau rund 17 Prozent zum Konzernumsatz. Regional liegen die Geschäftsschwerpunkte in Süd- und Westdeutschland sowie in Österreich. Darüber hinaus werden rund 550 Standorte durch Franchise-Partner betrieben. In Deutschland erfolgt ihr Unternehmensauftritt unter der Dachmarke BayWa. In Österreich läuft das Geschäft über Franchise-Partner unter der Dachmarke Unser Lagerhaus und in Italien unter der Marke tuttoGIARDINO.

Der Baustoff-Fachhandel beliefert gewerbliche Kunden und private Endkunden mit Baustoffen aller Art. Aber auch Programme für den Roh- und Ausbau sowie den Tiefbau sind Bestandteil des Angebots. Weiterhin vermittelt dieses Geschäftssegment Handwerksbetriebe, übernimmt die Baustellenlogistik und vermittelt Generalunternehmer. Energiefachberater bundesweit an zahlreichen Standorten unterstützen zudem private und gewerbliche Immobilienbesitzer in der Planung energetischer Sanierungsmaßnahmen unter Einbezug öffentlicher Förderprogramme.

Organe und Eigentümer[Bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten]

Der Vorstand besteht aus fünf Personen: Klaus Josef Lutz (Vorsitz), Andreas Helber, Roland Schuler, Matthias Taft, Reinhard Wolf.

Bisherige Vorstandsvorsitzende:

  • 1923–1932 Clemens Löweneck
  • 1932–1935 Josef Haselberger (Unternehmer, Josef Haselberger Fleischwaren- und Konservenfabrik in Aichach)
  • 1935–1945 Friedrich Eichinger (SA-Brigadeführer, Adjutant von Gauleiter Adolf Wagner in München und Mitglied im Vorstand des Landhandelsbundes)
  • 1946–1962 Josef Singer (Generaldirektor der Bayerischen Raiffeisen-Zentralkassen, zudem ab 1947 Präsident des Bayerischen Senats)
  • 1963–1972 Siegfried Holzer
  • 1972–1991 Otmar Wasmer (zuvor 1966–1971 Leitung der Südvieh-Südfleisch-Lutz-Gruppe)
  • 1991–2008 Wolfgang Deml
  • seit 1. Juli 2008 Klaus Josef Lutz (zuvor Geschäftsführer beim Süddeutschen Verlag)

Aufsichtsrat[Bearbeiten]

Der Aufsichtsrat besteht aus 16 Personen. Aufsichtsratsvorsitzender ist Manfred Nüssel, sein Stellvertreter Ernst Kauer.

Bisherige Aufsichtsratsvorsitzende:

Genossenschaftlicher Beirat[Bearbeiten]

Der Genossenschaftliche Beirat besteht aus 30 Personen. Den Vorsitz hat seit dem 6. August 2014 Manfred Geyer, Stellvertreter ist Manfred Nüssel.

Ehemalige Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aktionärsstruktur[Bearbeiten]

35,02 % Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-Aktiengesellschaft (BRB) mit Sitz in Beilngries
25,12 % Raiffeisen Agrar Invest GmbH mit Sitz in Wien (Holding der Beteiligungen von LLI und RWA, um Sperrminorität zu erreichen)[4]
39,86 % Streubesitz

Stand 31. Dezember 2012

Unternehmenszahlen[Bearbeiten]

Kennzahlen[5]
Kennzahl 2011 2012 2013 2014
Umsatzerlöse 9.585,7 Mio. Euro 10.531,1 Mio. Euro 15.957,6 Mio. Euro 15.201,8 Mio. Euro
EBITDA 251,3 Mio. Euro 306,6 Mio. Euro 360,4 Mio. Euro 264,6 Mio. Euro
Bilanzsumme 3.922,0 Mio. Euro 4.460,2 Mio. Euro 5.015,1 Mio. Euro 5.486,3 Mio. Euro
Mitarbeiter 16.834 16.559 16.834 16.935

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung und erste Entwicklungsjahre[Bearbeiten]

Clemens Löweneck, erster Vorstandsvorsitzender der BayWa

Als sich während der Wirtschafts- und Finanzkrise der Weimarer Republik die Inflation immer dramatischer entwickelt, entsteht Handlungsbedarf bei der genossenschaftlichen Bayerischen Zentral-Darlehenskasse (BZDK). Sie sieht die Notwendigkeit, den Handel mit Getreide, Maschinen und Betriebsmitteln vor den unkalkulierbar gewordenen Risiken der Finanzgeschäfte zu schützen. Auf Initiative des BZDK-Vorstands und wegen der Hyperinflation beschließt die Generalversammlung am 17. Januar 1923, das Warengeschäft vom Geldgeschäft zu trennen und auf ein neu zu gründendes Unternehmen zu übertragen. Es wird als Handelsorganisation der bayerischen Raiffeisengenossenschaften unter der Firmierung „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften AG“ am 16. Februar 1923 im Handelsregister eingetragen. Obwohl durch die Eigentümerstruktur und Besetzung des Aufsichtsrats genossenschaftlich geprägt, wird als Rechtsform die Aktiengesellschaft gewählt, um die Vorteile einer breiteren Kapitalgrundlage und flexibleren Gestaltung der Geschäftsführung zu nutzen. Außerdem bleibt der Aktienerwerb genossenschaftlichen Kreisen vorbehalten. Die Funktion des Vorstands im neu gegründeten Unternehmen, das von Kunden und Lieferanten relativ schnell in der Kurzform BayWa bezeichnet wird, übernimmt Clemens Löweneck. Er leitet gleichzeitig das Warengeschäft der BayWa und das organisatorisch getrennte Geldgeschäft der BZDK. Diese Personalunion an der Spitze von BayWa und BZDK wird bis 1972 fast fünf Jahrzehnte beibehalten.

Stammhaus der BayWa in der Türkenstraße in München

Das Unternehmen begann den Betrieb mit über 400 Lagerhäusern und übernimmt Großhandelsaufgaben für das genossenschaftliche Warengeschäft. Zu ihren zentralen Aufgaben gehört, die Erzeugnisse der Landwirte zu vermarkten. Gleichzeitig soll für sie ein kostengünstiger Einkauf von Produktionsmitteln wie Maschinen, Saatgut und Futtermitteln organisiert werden. Dabei wickeln die Zweigniederlassungen in Augsburg, Bamberg, Nürnberg, Straubing und Würzburg die Verträge mit Mühlen oder Brauereien ab, außerdem steuern sie die zahlreichen Lagerhäuser. Von Beginn an fördert das Unternehmen die moderne Landwirtschaft, beispielsweise durch sein Angebot an Maschinen und Reparaturleistungen. Auch Schulungen gehören zum Leistungsangebot, sogar neue Medien wie ein Film mit Informationen über Großmaschinen für Ernte, Lagerung und Transport kommen zum Einsatz. Über die Zielgruppe der Landwirte hinaus widmet sich die BayWa zusätzlich den Verbrauchern als Handelspartner. Sie verfolgt dabei das Ziel, die Grundbedürfnisse nach Ernährung, Wohnen, Wärme und Mobilität zu erfüllen. So gehören zum Angebot der BayWa auch Kohlen und Baumaterialien.

Die wirtschaftliche Krise in Deutschland während der Weimarer Republik infolge der Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg erreichte 1925 auch die BayWa. Dies zwamg die Genossenschaftsorganisation zu umfangreichen Umstrukturierungen mit Schließung von 40 Lagerhäusern und rund 100 Nebenlagern, sie musste in diesem Zusammenhang auch die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres von 1800 auf 960 Mitarbeitern fast halbieren. 1925 verfügte das Unternehmen über 100 Betriebe und 110 Nebenlager, davon befanden sich 13 im Eigentum des Unternehmens, 97 gehörten der Bayerischen Zentral-Darlehenskasse (BZDK) und 100 wurden angemietet. 1927 betrug der Umsatz rund 100 Millionen Reichsmark und erlaubte durch eine Steigerung des Gewinns auch eine Dividendenzahlung von 6 Prozent. Um einen erneuten Abschwung entgegenzutreten exportierte die BayWa 1927 Getreide auch nach Italien, Österreich und in die Schweiz. Immer mehr landwirtschaftliche Unternehmen geraten nach Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 wegen starker Preis- und Absatzeinbrüche in existenzielle Schwierigkeiten. Dem genossenschaftlichen Partnerschaftsprinzip folgend, unterstützt die BayWa notleidende Kunden durch solidarische Maßnahmen. Gleichzeitig nimmt sie in dieser Phase durch Übernahmen erste Erweiterungsschritte in ihrer Unternehmensgeschichte vor. Sie vergrößert damit ihr Kerngebiet auf weitere Teile Bayerns. Die BayWa übernahm rund 40 Lagerhäuser der Raiffeisen-Waren-Hauptgenossenschaft in Nürnberg und pachtete 25 Lagerhäuser der Mittelfränkische Kreis-Darlehenskasse eGmbH. 1931 betrug der Umsatz rund 91 Millionen Reichsmark.

Phase des nationalsozialistischen Einflusses[Bearbeiten]

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zog auch für die Land- und Ernährungswirtschaft drastische Veränderungen nach sich. Das Reichsnährstandsgesetz regelte ab 1933 die Produktion und den Absatz, gleichzeitig wurden über das Reichserbhofgesetz die Gleichschaltung aller landwirtschaftlichen Organisationen und planwirtschaftliche Prinzipien verfolgt. 1934 ordnete der Reichsnährstand die Vereinheitlichung des bayerischen Genossenschaftswesens an. Die „Gewa“ (Genossenschaftliche Warenzentrale) in Regensburg mit Lagerhäusern in der Oberpfalz sowie Teile von Niederbayern und Franken wurde zwangsweise (Gleichschaltung) in die BayWa überführt, deren Vertriebsgebiet sich anschließend auf ganz Bayern erstreckte. Durch den Zusammenschluss stieg 1934 der Umsatz auf 172 Millionen Reichsmark.

Der unmittelbare politische Einfluss auf das Unternehmen setzte sich 1935 fort, als der Vorstandsvorsitzende Josef Haselberger starb und von der NSDAP Friedrich Eichinger als Nachfolger eingesetzt wurde. Er führte das Unternehmen bis zum Ende der Zeit des Nationalsozialismus. Ab 1936 übernahm außerdem das NSDAP- und SS-Mitglied Johann Deininger den Aufsichtsratsvorsitz. 1937 beschäftigte die BayWa rund 3.300 Mitarbeiter und 1938 insgesamt 3.700 Mitarbeiter.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die planwirtschaftlichen Vorgaben für die Ernährungswirtschaft intensiviert. Für die deutsche Landwirtschaft bedeutete dies 1939 die Umstellung auf Kriegswirtschaft, verbunden mit zusätzlichen Forderungen zur „Sicherung des Reichsnährstandes“. Speziell die BayWa, in deren Aufsichtsrat im Jahr des Kriegsbeginns erstmals auch ein Gauamtsleiter berufen wurde, sollte vermehrt Nahrungsmittel und Betriebsmittel zur Verfügung stellen. Um diese Anforderungen zu erfüllen, beschäftigte die BayWa zusätzlich fast 700 Mitarbeiter. Ob in diesem Zusammenhang Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, darüber geben die unternehmensinternen Dokumente keinen Aufschluss. Da das Unternehmen heute jedoch von einem solchen Sachverhalt ausgeht, begrüßte es, dass der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) im Jahr 2000 namens seiner Mitgliedsunternehmen 2,5 Mio. Euro in den Entschädigungsfonds der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) eingezahlt hat.

Während des Krieges wurden 23 Lagerhäuser der BayWa zerstört und das Hauptgebäude in München erhielt Bombentreffer durch alliierte Flugzeuge. Bis zum Kriegsende waren rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. Bis zum Kriegsende 1945 starben 512 Mitarbeiter und 487 wurden noch vermisst oder befanden sich in Kriegsgefangenschaft.

Begleitung des Wirtschaftsaufbaus in Deutschland[Bearbeiten]

Mit der Beendigung des Zweiten Weltkriegs müssen 1945 alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder ihre Posten räumen. Deren Nachfolger kommen zunächst nur kommissarisch ins Amt. Zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung wird Josef Singer ernannt. Im Rahmen der Entnazifizierung entlässt der Vorstand bis 1946 insgesamt 26 Abteilungsleiter und Bevollmächtigte der Zentrale und in den Filialen sowie 131 Lagerhausverwalter. Im gleichen Jahr wurde die in Personalunion geführte Bayerische Zentral-Darlehenskasse (BZDK) in Bayerischen Raiffeisen-Zentralkasse (BRZ) umbenannt. Wichtig für den Neuanfang der BayWa ist aber auch, dass die US-amerikanische Militärregierung von Anfang an die Bedeutung der BayWa für die Agrarproduktion anerkennt. Sie erteilt frühzeitig Genehmigungen zur Aufnahme des Geschäftsbetriebs sowie für Transporte über Land. Auf diese Weise kann die BayWa Kartoffeln, Getreide und Gemüse von den bayerischen Feldern zu den Abnehmern in ganz Deutschland bringen. Eine schlechte Ernte in 1947 führte zu erheblicher Nahrungsmittelknappheit. Die BayWa organisierte dabei Importe von Kartoffeln aus den USA, Dänemark und den Niederlanden.

Angesichts der wirtschaftlichen Probleme und Geldentwertung in den ersten Jahren nach Beendigung des Krieges wird große Hoffnung in die Währungsreform am 20. Juni 1948 mit Einführung der Deutschen Mark gesetzt. Die damit verbundene Eröffnungsbilanz der BayWa weist Vermögenswerte von 22,5 Mio. DM, Verbindlichkeiten von 4,8 Mio. DM und ein Grundkapital von 6 Mio. DM aus. Tatsächlich erhält die Wirtschaft durch die neue Währung wieder eine feste Basis und nimmt wieder an Fahrt auf. 1949 werden über 4.900 Mitarbeiter beschäftigt.

Anlieferung von Ernte durch Landwirte bei der BayWa

Die folgende Zeit in den 50er Jahren ist von einem Strukturwandel in der Landwirtschaft geprägt, weil die wachsende Industrie für viele landwirtschaftliche Arbeitskräfte attraktiv wird. Auch die Konsumentenbedürfnisse verändern sich. Dazu gehört der verstärkte Verzehr von Fleisch, was eine stärkere Tiermast erfordert. Doch andererseits entsteht beim Getreide eine Überproduktion. Ab 1951 wurden aufgrund des Überangebotes von Kartoffeln diese auch nach Italien exportiert. 1952 vermarktet das Unternehmen 348 Millionen Tonnen Getreide an den Handel und die Menge stieg bis Ende der 1950er Jahre auf über 550.000 Tonnen Getreide. Durch den zunehmenden Fleischverzehr der Bundesbürger und der bis dahin großen Importabhängigkeit von Futtermitteln wurde 1955 das unternehmenseigene Raiffeisen-Kraftfutterwerk (RKW) in Würzburg gebaut. Im Dezember 1956 erscheint erstmals mit Ausgabe 1/1957 die Mitarbeiterzeitschrift der BRZ und BayWa, die „Schwalbe“ und existiert bis heute. In Zusammenarbeit mit dem Agrarwissenschaftler Erich Geiersberger übernimmt auch die BayWa 1958 die Idee des Maschinenrings (MR) und etabliert drei Maschinenring-Modellprojekte in Buchhofen, Grafenau und Landau an der Isar.

Gleichzeitig profitierte die BayWa vom Bauboom in den 1950er Jahren. So verzeichnete die BayWa kräftig steigende Umsätze bei Baustoffen. Nicht zuletzt durch neue Baustoffe und Heizöl macht das Unternehmen 1959 bereits einen Umsatz von 1,123 Mrd. DM. Die Zahl der BayWa-Mitarbeiter an den inzwischen rund 500 Standorten übersteigt die 8.000er-Marke. Das Unternehmen wird damit zu einem der wichtigsten Arbeitgeber im ländlichen Raum und widmet sich auch stark der Ausbildung, unter anderem mit einer eigenen Akademie und Lehrern in Hohenkammer. Ende der 50er-Jahre werden 1.200 Lehrlinge beschäftigt, die Ausbildungsquote steigt auf 15 Prozent.

Auch die 60er Jahre bescheren der Gesellschaft ein kräftiges Wachstum. Innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt sie den Umsatz auf nahezu 2 Mrd. DM. Der ländliche Strukturwandel mit deutlicher Zunahme der Tierhaltung verändert aber auch das Gesicht der BayWa weiter. 1966 bis Anfang der 1980er Jahre wurden die Versuchsanstalt für Tierernährung (VAT) und bis 2007 die Pflanzenzucht- und Versuchsstation für den effektiven Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemittel beide in Hohenkammer eingerichtet. 1969 wird in Regensburg ein weiteres Kraftfutterwerk eröffnet.

Im Jahr 1970 produzieren ihre Betriebe mehr als 500.000 Tonnen Mischfutter, was einer Steigerung von 200 Prozent innerhalb von zehn Jahren gleichkommt. Auch die Mechanisierung der Landwirtschaft entwickelte in dieser Phase eine große Dynamik, sodass der Absatz von Mähdreschern und Schleppern während der 60er Jahre zunahm, das Unternehmen verkaufte in dieser Zeit knapp 44.000 solcher landwirtschaftlicher Maschinen.

Im Zuge des Aufschwungs der Wirtschaft und den zunehmenden Mobilitätswünschen der Bevölkerung baut die BayWa ihr eigenes Tankstellennetz auf. Auch der Handel mit Heizöl und Schmierstoffen entwickelt sich. Er leistet laut Geschäftsbericht für das Jahr 1970 einen erheblichen Beitrag zur Ergebnisverbesserung. Dies gilt auch für die Baustoffe, da aufgrund des Baubooms immer mehr neue Baustoffmärkte sowie Einzelhandelsmärkte mit Sortimenten für Haus, Garten, Auto, Heim und Handwerker entstehen. Innerhalb der Verwaltung des Unternehmens wird die elektronische Datenverarbeitung eingeführt. Als erstes Unternehmen der Branche nutzte die BayWa ab 1970 in großem Umfang automatische Systeme, die täglich über 100.000 Belege verarbeiteten.

BayWa im konjunkturell wechselhaften Umfeld der 70er und 80er Jahre[Bearbeiten]

Jubiläumszeitung zum 50-jährigen Bestehen der BayWa

Am 13. Juli 1972 erhielt die „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften“ offiziell die im Volksmund etablierte Bezeichnung „BayWa“. 1972 wurde auch die Personalunion des Vorstandes mit der Bayerischen Raiffeisen-Zentralkasse (BRZ) aufgegeben. Als neues Logo wurde das bis heute gültige grüne Quadrat eingeführt, das von Otl Aicher stammt, der auch das Erscheinungsbild der Olympischen Sommerspiele in München gestaltet hat.

Im Januar 1973 feierte die BayWa ihr 50-jähriges Firmenjubiläum im Herkulessaal in der Münchner Residenz. Die BayWa steigerte ihren Umsatz 1973 von 2,3 Mrd. DM auf 2,8 Mrd. DM, sie hatte im Jubiläumsjahr etwa 13.000 Mitarbeiter und mehr als 2.900 Auszubildende. Siegfried Holzer, der als letzter Vorstandsvorsitzender in Personalunion BayWa und Bayerische Raiffeisen-Zentralkasse (BRZ) lenkte, wechselte in den Aufsichtsrat der BayWa. Seine Nachfolge trat Otmar Wasmer an, der dann 20 Jahre lang den Vorstandsvorsitz der BayWa innehatte. 1973 eröffnete die BayWa in Regensburg-Bruderwöhrd den ersten großflächigen Baustoffmarkt und in Höhenrain die erste BayWa-Autobahntankstelle an der A 95.

1974 eröffnete die BayWa das größte Zentrallager dieser Zeit errichtet, das bis 1980/81 bestand. Infolge der Ölkrise stellte die BayWa 1976 das sogenannte Sonnenhaus vor, das mehr als 80 Prozent seines Wärmebedarfs über Sonnenenergie abdeckt. 1976 baute die BayWa in Aschaffenburg ein Großtanklager für Heizöl und Diesel.

Ein wesentliches Kennzeichen der 70er- und 80er-Jahre ist die Veränderung vom einstigen Lagerhaus zum vielseitigen Handels- und Dienstleistungsbetrieb. Zahlreiche BayWa-Standorte sind inzwischen sogenannte Mischbetriebe mit Agrarhandel, Maschinenverkauf, Baustoffhandel, Bau- und Gartenmärkten, Serviceangeboten und Tankstelle.

1975 haben die BayWa AG und die Bayerische Raiffeisen Zentralbank die beiden Fertighausfirmen Knödler in Maulbronn und HANSA in Travemünde erworben. Beide Fertighausfirmen stellten seit 1977 für die Neue Heimat Fertighäuser her. 1978 übernahm die Schörghuber Unternehmensgruppe in München die beiden Fertighausunternehmen.[6]

1976 erfolgte der Umzug der Zentrale und auch der Warenabteilungen in das Sternhaus im Arabellapark in München-Bogenhausen.

Ab 1977 konnten Mitarbeiter Belegschaftsaktien zu Vorzugsbedingungen erwerben. 1975 wird in Haar (bei München) ein großflächiger Gartencenter und im Olympia-Einkaufszentrum in Moosach (München) ein großflächiger Baumarkt (Hobbymarkt) eröffnet. Sogenannte BayWa-Center entstanden in den 1970er Jahren, unter anderem in Ansbach, Augsburg-Göggingen, Kempten, Nürnberg, Passau, Schweinfurt-Bergl sowie ab 1978 in München (Hanauer Straße) und in Schwabing (Hittorfstraße) sowie der bis dato größte BayWa-Einzelhandelsbetrieb in Würzburg-Lengfeld. Die zunehmende discountorientierte Preis- und Geschäftspolitik veranlasste die Geschäftsführung 1979 wieder zur Aufgabe der Center und behält in Zusammenarbeit mit weiteren Einzelhändlern nur die Center in Ansbach, Nürnberg und Passau. Die Baumarktkette Praktiker übernahm 1979 neun Baumärkte von der BayWa.

Im Jahr 1979 erzielte das Unternehmen mit mehr als 14.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,45 Mrd. DM. Zwar erwirtschaften der Agrarhandel und die Landtechnik den größten Teil des Umsatzes, doch Mineralöle, Baustoffe und Einzelhandel haben an Bedeutung gewonnen. Außerdem wird zu diesem Zeitpunkt deutlich, dass der Agrarhandel für die BayWa durch ihren hohen Marktanteil in Bayern und den intensiven Strukturwandel der Landwirtschaft kaum noch steigerbar ist. Seit Anfang der 1980er Jahre betrieb die BayWa daher auch Autohandel und baute entsprechende Autohäuser und Kfz-Werkstätten für den Vertrieb von Fahrzeugen der Marken Fiat mit Alfa Romeo und Lancia, Mitsubishi Motors und Volvo. Außerdem wurden den Städten und Kommunen seitdem Zubehör für Winterdienstfahrzeuge, Traktoren oder Bauhoffahrzeuge angeboten. 1984 wurde in Manching ein Gebrauchtmaschinenzentrum eröffnet.

Anfang der 1980er Jahre geriet der Hauptaktionär der BayWa, die Bayerische Raiffeisen-Zentralbank (BRZ), durch Spekulationen auf dem Immobilienmarkt in Bedrängnis und brach zusammen. Die DG Bank Deutsche Genossenschaftsbank übernahm das Bankgeschäft der BRZ, die Beteiligungen der BRZ wurden in die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-Aktiengesellschaft (BRB) als Finanzholding eingebracht. Die BRB ist seitdem Hauptaktionär der BayWa.

1985 betrieb das Unternehmen rund 76 Tankstellen, davon 58 SB-Tankstellen. Aufgrund des konjunkturellen Abschwungs in der Agrar- und Baubranche versuchte die BayWa durch eine Verschlankung der Vertriebswege, den erhöhten EDV-Einsatz und durch den Abbau von Stellen effizienter zu werden. Bis Ende der 1980er Jahre fielen dadurch rund 3.800 Arbeitsplätze weg. 1986 wurde die Divisionale Organisation (Spartenorganisation) eingeführt. Es entstanden die Segmente Agrar, Technik, Baustoffe, Mineralöle und Bau & Gartenmarkt.

Internationalisierung nach der Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Vollautomatische Tankstelle der BayWa mit Bio-Diesel

Nach der Wende in der DDR engagierte sich das Unternehmen erstmals außerhalb Bayerns und baute Standorte in Sachsen, im Süden Thüringens und im südlichen Brandenburg auf. Dabei kooperierte sie mit der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) und beteiligte sich an ostdeutschen Unternehmen. 1990 betrug der Umsatz rund 5,7 Milliarden DM. 1992 entstanden in den neuen Bundesländern die ersten Betriebe mit den Logos der BayWa und BHG als Franchisesystem. Als Franchisegeber fungiert dabei die hundertprozentige Tochtergesellschaft BHSS (BayWa Handels-Systeme-Service GmbH). Eine erste Zweigniederlassung der BayWa eröffnet in Dresden.

1994 übernahm die BayWa 51 Prozent der Geschäftsanteile des Raiffeisen Warenverbands Tirol (RMV), anschließend die Mehrheit an der „Unser Lagerhaus“ Warenhandelsgesellschaft mbH (WHG), die das genossenschaftliche Warengeschäft in Kärnten und Vorarlberg dominiert. Über ihre österreichischen Tochterunternehmen erhält die BayWa auch Zugang zu den Märkten in Tschechien, Ungarn, der Slowakei, in Kroatien, Bulgarien und Polen. Die österreichischen Unternehmen RWV, WHG und BayWa Vorarlberg blieben weiterhin rechtlich selbständig und erwirtschafteten 1994 mit rund 1.000 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 600 Millionen DM.

1998, im Jahr des 75-jährigen Jubiläums, gründete die BayWa die BayWa-Stiftung zur Förderung von Bildungsprojekten in den Bereichen Ernährung und Energie. Ende der 1990er Jahre entstanden Biodiesel- und Erdgas-Tankstellen, außerdem ergänzen Holz-Pellets oder gentechnikfreie Futtermittel das Sortiment.

1999 gab die Europäische Union grünes Licht für eine strategische Allianz zwischen der RWA Raiffeisen Ware Austria mit Sitz in Wien und der BayWa. Es kam zu einem Aktientausch, bei dem die BayWa 50 Prozent plus eine Aktie an der RWA erhält, und die österreichischen Genossenschaften und die RWA Deutschland GmbH im Gegenzug 23 % der BayWa-Aktien übernahmen. Der Umsatz des BayWa-Konzerns wächst dadurch von 2,8 Milliarden DM auf fast 10 Milliarden DM. Das Aktienkapital wuchs durch einen Aktiensplit um 21,2 Millionen DM auf 127 Millionen DM. Der genossenschaftliche Anteil an den Aktien betrug 72,4 Prozent. Im Jahr 2000 betrug der Umsatz rund 10,3 Milliarden DM.

2002 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme der Württembergische Warenzentrale WLZ Raiffeisen AG (Umsatz: 1,8 Milliarden Euro; 2.000 Mitarbeiter) mit Sitz in Stuttgart. Ein erster Versuch zur Fusion wurde 1991 noch abgelehnt. Allerdings musste die BayWa durch eine Auflage des Bundeskartellamtes acht Agrarstandorte im bayerisch-schwäbischen Grenzgebiet abgeben. 2007 wurde in Fürth das größte Bauzentrum mit einer Verkaufsfläche von 40.000 Quadratmeter eröffnet. Für Österreich und Osteuropa wurde die Tochtergesellschaft AFS Franchise-Systeme GmbH gegründet. 2002 wurde die österreichische Lebensmittel-Handelskette „Maximarkt“ und 2007 der Snack-Herstellers Kelly Ges.m.b.H. an die deutsche Intersnack verkauft. 2002 wurde für den EDV-Bereich die Konzerntochter RI-Solution GmbH gegründet. 2003 wurde die BayWa-Aktie aufgrund steigender Börsenumsätze und der Marktkapitalisierung erstmals im SDAX gelistet.

Getreidelieferung mit einem LKW der BayWa

2008 wwar das bis dahin beste Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte mit einem Zuwachs des Konzernumsatzes um 21 Prozent auf 8,8 Mrd. Euro. Davon entfielen rund 4 Milliarden Euro auf das Agrarsegment (Agrarhandel und Technik) und 2,5 Milliarden Euro auf das Segment Energie. Ebenso konnte das operative Ergebnis um 12,7 Prozent auf den Spitzenwert von 162 Mio. Euro gesteigert werden. So wurden in Deutschland, Österreich und Osteuropa insgesamt 5 Millionen Tonnen Getreide, 800.000 Tonnen Futtermittel, 2 Millionen Tonnen Düngemittel und 260.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel vermarktet bzw. verkauft. Zudem werden die nordrhein-westfälischen Baustoffhandelsunternehmen Voss GmbH & Co. KG in Coesfeld-Lette und das Bauzentrum Westmünsterland GmbH & Co. KG mit Sitz in Ahaus übernommen. 2008 übernahm Klaus Josef Lutz übernimmt den Vorstandsvorsitz von Wolfgang Deml, der in den Ruhestand ging. Im gleichen Jahr wurde in Kooperation mit der Südtiroler Genossenschaftsorganisation die IFS S.r.l. in Bozen gegründet. Die IFS expandierte mit einem Netz von rund 70 Franchise-Partnern an 700 Standorten unter der Marke tuttoGiardino im Norden Italiens. Von 2009 bis 2013 war das Unternehmen im MDAX vertreten und hat inklusive Franchise- sowie Partnerunternehmen rund 3.000 Vertriebsstandorte in 16 europäischen Ländern und den USA. Die BayWa gilt als der größte europäische Agrarhändler.[7]

Ab 2009 kaufte das Unternehmen verschiedene Unternehmen, die als Projektentwickler und Händler im Bereich Solar- und Windparks, Biogas- sowie Photovoltaikanlagen international tätig sind. Ende 2010 wurde die BayWa r.e. USA LLC mit Sitz in Irvince, Kalifornien, als 100-prozentige Beteiligung der BayWa r.e. GmbH gegründet. Das Produktangebot umfasst hochwertige Photovoltaik-Module, Wechselrichter und Montagesysteme. Am 7. Juni 2011 stieg die BayWa AG über ihre 100-prozentige Tochter BayWa r.e GmbH in das Großhandelsgeschäft für Solartechnik in Großbritannien, Frankreich und Dänemark ein und übernahm 90 Prozent der Solar-Großhandelsaktivitäten der Firma Dulas, eines Großhandelsunternehmens für Photovoltaikanlagen.

2011 erfolgte der Einstieg in das internationale Obstgeschäft durch die mehrheitliche Übernahme von Turners & Growers (T&G), einem weltweit tätigen Exporteur und Erzeuger von Frischobst mit Sitz in Neuseeland. Die Guinness Peat Group Plc. verkaufte dabei ihr Aktienpaket an die BayWa. Zusätzlich übernahm die BayWa im September 2012 den Getreide- und Rohstoffhändler Cefreta B.V. (Umsatz 2012 rund 4,9 Milliarden Euro) aus den Niederlanden mit einem weltweiten Logistiknetz im Agrarhandel, außerdem beteiligt sie sich mehrheitlich an der norddeutschen Bohnhorst Agrarhandel GmbH (Umsatz 2011 rund 468 Millionen Euro) mit Sitz in Steimbke, die vor allem in Ostdeutschland und in Polen vertreten ist. Die beiden letztgenannten Akquisitionen dienen dem strategischen Ziel der BayWa, das Eintrittstor zu den Getreide- und Rohstoffmärkten aller Kontinente zu öffnen. Das konzernweite Handelsvolumen von Getreide stieg dadurch von 5,5 Mio. auf rund 28 Mio. Tonnen.

Im Januar 2012 wurden insgesamt 56 Bau- und Gartenmärkte der BayWa in die neue BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG ausgegliedert. Die Semer Beteiligungsgesellschaft mbH mit Sitz in Salzburg übernahm für 28 Millionen Euro 50 Prozent der Anteile und plant eine hundertprozentige Übernahme. Die neue Gesellschaft ging dabei eine strategische Partnerschaft mit der Hellweg-Gruppe mit Sitz in Dortmund ein. 15 Bau- und Gartenmärkte verblieben direkt bei der BayWa.

BayWa-Stiftung[Bearbeiten]

Projekt der BayWa Stiftung in Rumänien

Die BayWa-Stiftung initiiert und fördert seit 1998 nationale und internationale Bildungsprojekte in den Bereichen Ernährung und erneuerbare Energien. Das Ziel ist, die Lebensqualität benachteiligter Menschen zu verbessern. Das Besondere an der Stiftung ist, dass 100 Prozent der Spendengelder direkt in die Projekte fließen, da die BayWa AG die Verwaltungskosten der Stiftung übernimmt. Zusätzlich verdoppelt die Aktiengesellschaft jeden Euro, der an die BayWa-Stiftung gespendet wird. So fördert sie beispielsweise in Tansania den Bau von Biogasanlagen und schließt mit der Peter-Maffay-Stiftung eine Kooperation zum Aufbau eines Erlebnisbauernhofs in Rumänien für traumatisierte Kinder ab. Zu den Aktivitäten in Deutschland zählen die Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien und regionale Projekte zur Stärkung des Bewusstseins bei Kindern für eine gesunde Ernährung. Auch eine Zusammenarbeit mit der Münchner Stiftung Pfennigparade für körperbehinderte Künstler gehört zu den regelmäßigen Maßnahmen der BayWa-Stiftung.

Trivia[Bearbeiten]

Die Musik- und Kabarettgruppe Biermösl Blosn verursachte 1982 einen Eklat, als sie die Bayernhymne-Parodie Gott mit dir du Land der BayWa veröffentlichte, in der der Einsatz von Chemie in der bayerischen Landwirtschaft kritisiert wurde. Anfangs wurde das Lied im Bayerischen Rundfunk nicht gespielt. Im Jahr 1998 wurde die Auflage eines Musikschulbuchs vom bayerischen Kultusministerium zurückgezogen, da es ebendiese Parodie enthielt.[8][9] Eine druckfrische Auflage von 70.000 Exemplaren wurde auf Geheiß des Bayerischen Kultusministeriums eingestampft.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BayWa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.baywa.com/investor_relations/basisinformationen/fakten_kennzahlen/
  2. Unternehmen: BayWa gliedert Obsthandel in Tochterunternehmen aus. FOCUS Online, 4. November 2014.
  3. BayWa buys 68.4% stake TFC Holland for EUR 28.7 mln
  4. Raiffeisen-Deal: RWA und LLI knacken bei BayWa die Sperrminorität, wirtschaftsblatt.at, 18. September 2008
  5. Die Finanzzahlen des BayWa Konzerns. BayWa-Website, abgerufen am 22. Januar 2016.
  6. Die Fertighaus – Bauindustrie in der Bundesrepublik als Modell für Rationalisierung durch Industrialisierung im Bauen, Seite 44, http://www.irbnet.de/daten/rswb/84099940254.pdf
  7. Baywa übernimmt zwei Getreidehändler, www.manager-magazin.de vom 28. September 2012, abgerufen am 11. Juli 2014
  8. Die Toten Hosen „Dieses Lied kommt im Bayerischen Rundfunk nicht“. Stand 14. März 2008.
  9. Biermösl Blosn: Texte. Stand 14. März 2008.
  10. »Wir haben dieses Scheißfernsehen nicht gebraucht« (Junge Welt, 11. April 2009, gesichtet 27. Januar 2011)