Mühlhäuser Landgraben

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Mühlhäuser Landgraben im bunten Herbstlaub
Plan zum Mühlhäuser Landgraben (Standort Eigenrieder Warte)
Mühlhäuser Landgraben bei Bickenriede bei Nebel im November

Der Mühlhäuser Landgraben ist eine als Kulturdenkmal eingetragene Wallanlage im Nordwesten der Kreisstadt und ehemaligen freien Reichsstadt Mühlhausen/Thüringen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist 26 km lang und reicht in einem Abstand von 8 bis 12 km zu Mühlhausen[1] von der Mühlhäuser Hardt im Norden bis zum Güldenen Holz im nördlichen Hainich im Westen. Er schloss in einem Viertelkreisbogen die Lücke zwischen der Sondershausen-Schwarzburgischen Landwehr im Norden und der Landwehr der Thüringischen Grafen im Süden. Zu den im Süden und Osten angrenzenden, befreundeten Wettinischen Gebieten waren keine Schutzbauten notwendig. Eine historische Karte aus der Zeit um 1600 ("Holtz vom Chur. Fürstl. Sächs. Grentz-Hause bis an den Landgraben nach der Eigenrödischen Warthe.") gibt detailliert Auskunft über den geographischen Verlauf und die Bauwerke am Landgraben.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mühlhauser Landgraben wurde etwa ab 1350 als Doppel- und Einfachgraben mit Knick angelegt und diente der Grenzbefestigung und dem Schutz des ehemaligen Königsgutsbesitzes um Mühlhausen vor Raubritterüberfällen aus Niedersachsen, Hessen und dem Eichsfeld. Die Durchfahrten waren mit Schlagbäumen gesichert. Über weitere Warten und Kirchtürme erfolgte die Signalübermittlung zwischen dem Landgraben und der Stadt Mühlhausen. Das Turmsymbol fand Eingang in das Wappen von Lengefeld, das am 20. September 1994 genehmigt wurde. Der stilisierte Turm steht dort für die Lengefelder Warte. Bis 1808 wurde die Anlage unterhalten. Bis dahin hatten die 19 Dörfer des Königsgutsbezirkes, zu deren Schutz der Mühlhäuser Landgraben errichtet worden war, für Erhaltungsmaßnahmen an Knick und Graben sowie an den Warten an die Stadt Mühlhausen ein Landwehr- und Turmgeld zu zahlen. Danach wuchs der bis heute erhalten gebliebene strukturreiche Hochwald auf, der zu DDR-Zeiten nicht genutzt wurde und auf weiten Strecken einen urwaldartigen Charakter angenommen hat. Selbst nach 1992 wurden nur einzelne, wertvolle Stämme herausgenommen. Der 50 bis 100 m breite Waldstreifen setzt sich v. a. aus alten Rotbuchen und Stieleichen, aber auch aus Esche, Bergahorn, Linden, Feldahorn und anderen Baumarten zusammen. Auch die Elsbeere ist nicht selten. Der Mühlhäuser Landgraben verbindet mehrere größere Waldgebiete miteinander und dient daher der Biotopvernetzung. Entlang des Mühlhäuser Landgrabens wurden zwischen 1667 und 1669 143 Grenzsteine gesetzt, von denen bis heute zahlreiche erhalten geblieben sind. Sie weisen heute noch den Weg mit der Mühlhaue, dem Hoheitszeichen der Freien Reichsstadt Mühlhausen auf der Vorderseite und dem Mainzer Rad des Kurmainzischen Fürstentums Eichsfeld auf der Rückseite.

Einige Spuren und Quellenangaben deuten darauf hin, das weitere Abschnitte des Landgrabens im Osten und Süden des Stadtgebietes existiert haben, so bei Obermehler, Oppershausen, Langula und Großengottern. Ebenso wird eine Verlängerung des Landgrabens südlich von Eigenrieden über Diedorf, Heyerode und Hallungen vermutet.[3]

Warttürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lengefelder Warte im März 2003

Der Durchgang und Handel erfolgte nur an wenigen Straßendurchlässen mit den Warten, den bewachten Tortürmen, von denen es noch auf Mühlhäuser Territorium folgende sechs gab: Eigenrieder Warte, Dörnaer Warte, Lengefelder Warte, Horsmarer Warte, Eigenröder Warte und Sollstedter Warte. Am Landgraben westlich von Dörna zwischen den Wüstungsorten Bollrode und Zoighe befand sich noch ein weiterer Turm, der sogenannte Ziegenturm, über dessen Bedeutung nur wenige Informationen bekannt sind. Im Wesentlichen erhalten geblieben ist die Lengefelder Warte an der heutigen Bundesstraße 247, von der Eigenrieder und Eigenröder Warte sind nur noch die Stümpfe der Warttürme erhalten. Auf einer alten Karte aus dem Jahr 1642 war die Eigenröder (oder auch Hüpstedter) Warte als zweitürmige Warte dargestellt.

Eine Besonderheit stellt die Sollstedter Warte im äußersten Nordosten des Mühlhäuser Territoriums dar. Hier befand sich unmittelbar östlich des Mühlhäuser Straßendurchlasses angrenzend die Scharzburger Warte in einer kleinen Schwarzburger Exklave im Sachsen-Gothaer Dorf Kleinkeula. Von dieser Warte an der ehemaligen Schwarburger Landwehr ist im Gelände noch ovale 4 m hohe Terrasse mit einer Fläche von 33 × 39 m erkennbar, um die ein tiefer Graben läuft.[4] Welche dieser beiden Warten zuerst errichtet wurde, ist nicht genau bekannt. Die Schwarzburger Warte wurde ursprünglich auch Hohe Warte genannt und wurde bereits 1298 in einer Streitsache zwischen den Herren von Bodungen und dem Kloster Volkenroda als Hohwarte bei Kleinkeula erwähnt.[5] Heute wird allgemein dieser gesamte Teil der Befestigung als Sollstedter Warte bezeichnet. Eine Waldflur südöstlich von Hüpstedt wird in modernen Karten ebenfalls noch als "Hohe Warte" bezeichnet.

Grenzsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landgraben bildete mit seinem äußeren Wehrelementen auch die Hoheitsgrenze zwischen der Freien Reichsstadt Mühlhausen und dem Kurmainzischen Eichsfeld. Bei einige Grenzsteinen ist noch das Jahr der Aufstellung 1667 erkennbar, was daraufhin deutet, das die Versteinerung erst nach Errichtung des Landgrabens erfolgt ist. Ganz im Osten bei der Sollstedter Warte bildete die Grabenanlage auch die kurze Grenze zur Sachsen-Gothaischen Exklave Kleinkeula und dem Schwarzburg-Sondershäuser Fürstentum bei Keula. Die Grenze war mit über 400 Grenzsteinen markiert, von denen viele noch heute erhalten sind, darunter auch ein Dreiherrenstein nördlich von Sollstedt. Südlich von Eigenrieden gibt es eine deutliche aber Abweichung zwischen dem Verlauf der Landwehr im Mühlhäuser Stadtwald und den Grenzsteinen entlang der nach Südwesten verlaufenden Bundesstraße 249.

Wanderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über einen Fußpfad ist der Mühlhäuser Landgraben in seiner gesamten Länge zu erwandern. Möglich sind u. a. Tageswanderungen vom Parkplatz an der Eigenrieder Warte bis zur Lengefelder Warte und zurück bzw. von der Lengefelder Warte bis zur Mühlhäuser Hardt und zurück. An der Lengefelder Warte befindet sich auch eine Gaststätte mit Thüringer Speisenangebot. Reizvoll sind Wanderungen Ende April, wenn sich die Frühjahrsblüher zu voller Pracht entfaltet haben und Mitte Oktober, wenn Herbstlaub den Wald in bunte Farben hüllt.

Ältere Mühlhäuser Landwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem im 14. Jahrhundert errichteten Landgraben ging eine ältere Landwehr voraus, die zunächst nur das unmittelbare Stadtgebiet umschloss. Von dieser Landwehr sind keine Reste erhalten geblieben, nur einige schriftliche Quellen deuten darauf hin, so bei Poppenrode und Felchta.[6] Darüber hinaus sind im Umfeld der Stadt zahlreiche Warttürme in Urkunden erwähnt, so die Thinbergwarte bei poppenrode, die Forstbergwarte bei Saalfeld, eine Oberdorlaer Warte, die Heidewarte bei Dörna, die Mühlhäuser Warte bei Ammern und die Nützingeroder Warte bei Pfafferode.[7] Inwieweit die Warttürme mit der Landwehr in Verbindung standen, ist nicht bekannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Aulepp: Der Mühlhäuser Landgraben, ein kulturgeschichtliches und landschaftlich wertvolles Bodendenkmal. In: Kulturbund der DDR, Kreiskabinett Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 2. Heiligenstadt 1979, S. 110–122.
  • Dierk Röbke: Der Mühlhäuser Landgraben. Das kleine Wanderbuch. 26 S., Mühlhausen 2002 (Thüringen).
  • Hartmut Ulle: Schutz vor Raubrittern. In: Thüringer Allgemeine, S. TCMZ 1 vom 2. Januar 2007.
  • Rudolf Bemmann: Der Mühlhäuser Landgraben. In: Mühlhäuser Geschichtsblätter 10 (1909/10), S. 14 ff
  • Eberhard Born: Die Geschichte der Lengefelder Warte. Ein geschichtlicher Rückblick im Wandel der Zeit - seit 1367 -. Verlag Rockstuhl Bad Langensalza 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mühlhäuser Landgraben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dierk Röbke: Der Mühlhäuser Landgraben. Das kleine Wanderbuch. S. 1
  2. Georg Pfützenreuter: Wo begann der Mühlhäuser Landgraben? In: Eichsfelder Heimatzeitschrift. 64. Jg. (2020), Heft 11/12, Seiten 320–324
  3. Paul Grimm und Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte Sonderausgabe, Mühlhausen 1972, S. 27 ff
  4. Paul Grimm und Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte Sonderausgabe, Mühlhausen 1972, S. 62
  5. Georg Pfützenreuter: Die Schwarzburger Warte. Zur Grenzversteinerung an der östlichen Eichsfeldgrenze. In: Eichsfeld-Jahrbuch (28. Jg.) 2020, Mecke Druck und Verlag Duderstadt, S. 118–212
  6. Paul Grimm und Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte Sonderausgabe, Mühlhausen 1972, S. 26
  7. Levin von Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes: Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landrätlichen Kreise Duderstadt, Heiligenstadt, Mühlhausen und Worbis. O. Hendel, Göttingen 1903, S. 96 ff