Magyar Nemzet

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Magyar Nemzet (deutsch: „Ungarische Nation“) ist eine konservative ungarische Tageszeitung, die sechsmal pro Woche erscheint.

Allgemeine Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magyar Nemzet hat eine Auflage von etwa 70.000 Exemplaren.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magyar Nemzet wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg als Sprachrohr des gemäßigten Konservativismus gegründet. Während der deutschen Besatzung 1944/45 war sie offiziell verboten und erschien illegal. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erschien sie als Tageszeitung der bürgerlichen Kräfte. Obwohl stark zensiert, konnte sich die Magyar Nemzet auch während der Herrschaft der Sozialistischen Arbeiterpartei eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Im Kádár-Regime war die Tageszeitung das Blatt des deklassierten liberalen Bürgertums. Dabei dominierten eher die kulturellen Artikel die Berichterstattung.

Nach der Wende avancierte das Blatt zum Hauptorgan der bürgerlichen Antikommunisten, blieb aber unabhängig. Die Mitte-rechts-Regierung von Viktor Orbán (1998–2002) wollte aus der Zeitung die größte bürgerliche Tageszeitung machen, daher wurde sie mit der rechtsradikalen Tageszeitung Napi Magyarorszag („Tägliches Ungarn“) zwangsvereinigt. Die neue Magyar Nemzet stand lange ideologisch der Fidesz-Partei nahe, war aber keine reine Parteizeitung. 2005 bekam sie Konkurrenz von rechts, da sich die umstrukturierte, ehemalige linksliberale Tageszeitung Magyar Hírlap („Ungarische Zeitung“) ebenfalls als bürgerlich versteht.

Heutige Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefredakteur der Magyar Nemzet ist Gábor D. Horváth.[2] Die Zeitung gehört in das Geschäftsumfeld des Unternehmers Lajos Simicska, eines früheren engen Freundes von Regierungschef Viktor Orbán. Jahrelang galt das Blatt damit als Orbáns Partei Fidesz – Ungarischer Bürgerbund nahestehend. Das änderte sich nach der Eskalation eines lange schwelenden Konflikts zwischen Orbán und Simicska Anfang 2015[3] - seitdem nimmt Magyar Nemzet (und andere Simicska-nahe Medien wie der Nachrichtensender Hír Televízió) eine deutlich regierungskritischere Position ein.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Florence Bruyère: Hongrie: Orbán cible les philosophes. Une campagne antisémite relayée par les médias proches du pouvoir attaque cinq intellectuels. In: Liberation.fr, 21. Januar 2011, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. Impressum, abgerufen am 10. März 2017
  3. Von der Familienfehde zum totalen Krieg. Pester Lloyd, 7.2.2015, abgerufen am 10. März 2017
  4. Orbán droht ein neuer Medienkrieg. Süddeutsche Zeitung, 8. Februar 2015, abgerufen am 10. März 2017